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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-04-11 · Heft 15 (11.4.1902) · p. Seite 177

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 15 (11.4.1902)
Date
1902-04-11
Page
Seite 177 (sequence 11)
Language
German
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177 te wird Staat" auf die andersrfe. Jn- Judenrthigkeit i ist, das tfeneren Wider- : bisher immer Staates itismus Nnheit. >eruhen noiuia;rn Mworden werden rechtn sonst tellung icht zu von tgegen-!N und christ- :scheint Lehrslehrer Jegenver als nicht »ebene klichen hen. arilla, lkampf ücklich weiter oezialuf die rüthig tzes (!) fustizerung über lassen agen" nicht Sesellunbehat; stlichden Heuer Stadtrath, die unseren Alldeutschen und Rasseantisemiten so recht aus dem Herzen gesprochen war, ist in diesen Blättern bereits eingehend gewürdigt und kritisch beleuchtet worden. Wenn solche Aeußerungen von Männern in hoher, verantwortlicher Stellung gemacht werden, von Regierungsvertretern, die über Recht und Gesetz zu wachen berufen sind, so erklärt scs sich hieraus leicht, daß derselbe Ton, nur einen Akkord tärker und voller im Chorus der Provinzialbeamten-Hierarchie I vrtklingt. Wir möchten hierbei erinnern an die Erklärung des Königsberger Universitätsprofessors Hubrich. der die traurige Wahrheit festgestellt hat, daß sich in den tonangebenden kaufsmännischen Kreisen Persönlichkeiten eingenistet hätten, die man mit dem Sammelnamen Levy" bezeichnen könne. Hier wäre iuch noch die agitatorisch-verhetzende Thätigkeit des Pfarrers iKrösell-Kloxin zu erwähnen, der aus Grund seiner talmndischen und hebräischen Kenntnisse trotz Strack und Frank „wissen- Ischaftliche" Vorträge über den Ritualmord im Kyritzer Kreise gehalten hat; in Wirklichkeit hat der Herr Pfarrer seine ganze Weisheit auf diesem Gebiete aus den sattsam bekannten Hetzschriften von Eisenmenger und Ecker geschöpft. Bezüglich der eiden letzten Fälle haben wir bisher nicht gehört, daß regierungs- 'itig irgend welche Rektisizirung der betheiligten Beamten! rfolgt ist. Diese Erscheinung ist um so ausfälliger, als über die geinreingesährlichen Endziele des die Begehrlichkeit der Massen j aufreizenden Antisemitismus keine Zweifel mehr bestehen können, sei dem Drama in Könitz, dem nach dem Gutachten der höchsten Mdizinalbehörde in Preußen auch ein gewisses Satyrspiel nicht ehlt, konnte die stark gefährdete öffentliche Ruhe und Ordnung aur durch dauernde militärische Unterstützung aufrecht erhalten werden, Graf Pückler-Kl.-Tschirne hielt noch bis vor Kurzem seine n offener Gewaltthätigkeit ganz „unverblümt" anffordernden s Brandreden vor einem vieltausendköpfigen Publikum. Der Staat hat demnach selbst das eigenste Interesse daran, ine Bürger jüdischen Glaubens in ihrer ohnedies exponirten tellung auf jede mögliche Weise zu schützen. Wenn dies bisher nicht in dem Maße und mit der Energie geschehen ist, wie ir es nach unserem Dafürhalten im Interesse eines gedeihs> chen Einvernehmens und friedlichen Wetteifers aller ^Kon- > ssionen sür unbedingt nöthig erachte», und wenn trotz allein die weitaus größt« Mehrzahl unserer Glaubensgenossen ach ihrem parteipolitischen Standpunkt fest und treu zu Kaiser ad Reich stehen, so kann ein besserer Beweis für die konservativen und staatserhaltenden Tendenzen des Jndenthums b nverlich erbracht werden. Auch die wiederholte Freisprechung des Grafen Pückler und si e Verurtheilung eines jüdischen Redakteurs wegen Preßi ieidigung zu sechs Wochen Gesängniß können uns unseren Elauben nicht ranben, daß wir in einem Rechtsstaat leben, b r groß und mächtig geworden unter der kraftvollen Führung d r Hohenzollern, deren schöne Devise „Suum euigue" er auch v'nen jüdischen Bürgern zur That machen wird. So lange a er dieser ideale und von uns ersehnte Zustand noch nicht erreicht ist, so lange unsere kleine konfessionelle Minderheit von einer rücksichtslosen Majorität als ein gleich- und vollberechtigter Kulturfaktor in dem staatlichen Verbände nicht anerkannt w rd, so lange werden und dürfen unsere Klagen über die Handhabung der Parität und über die uns gegenüber bewiesene Intoleranz nicht verstummen und werden stets stärkeren Widerhall finden. Im Vertrauen aus unsere ruhmreiche Geschichte werden wir diesen Kampf um unsere religiöse, soziale und politische Gleichberechtigung mit unseren eigenen bewährten Truppen muthig und unentwegt weitersühren; aber auch der Kreis der Einsichtigen und Vorurtheilsfreien bei den anderen Konfessionen wird immer größer werden und unserer gerechten Sache zum Siege verhelfen. Viiieit veritas! Kleinigkeiten?) Bon Karl Emil Franz'os. II. ^4Äxs war immer ein Hauptpunkt der Lebensaufgabe, die ich mir als Schriftsteller gesetzt habe, den Gegensatz zwischen dem Judenthnm des Ostens und dem des Westens aüsgleichen zu helfen. Denn es ist zum guten Theil, wenn auch nicht ausschließlich — die nationale Verschiedenheit, die sich allmählig ausgebildet hat, ist nicht zu übersehen - ein Gegensatz der Kulturen, und daß die Juden in Frankreich und Deutschland in kultivirteren Ländern lebten und leben, als es Rußland oder Rumänien sind, ist doch schließlich nicht ihr Verdienst. Zudem handelt es sich um einen Vorsprung, der - dies ist wenigstens meine feste Ueberzeugung — in einigen Menschenaltern von den Juden des Ostens eingeholt sein wird. Dies sehen freilich nicht alle Juden des Westens ein. Viele schämen sich des von tausend Lasten bedrückten, noch unkultivirten Glaubensbruders und fühlen sich höchst ungern an die Pflicht erinnert, die sie gegen ihn haben. Daß jeder Jude, der im Osten geboren ist. aus einer unkultivirten Familie stammen muß, ist ihnen vollends ein Dogma. Ich kann ja das Gegentheil nicht Allen beweisen, namentlich denen nicht, die meine Bücher nicht lesen mögen, weil sie nichts von Juden und Judenthum hören wollen, oder weil sie überhaupt nicht lesen. Aber mindestens einer Dame dieser Art dürfte ich es für immer beigebracht haben, daß man aus dem Osten sein und doch einer leidlich kultivirten Familie entstammen kann. Diese sonst sehr nette Frau war vor mehreren Jahren hier in Berlin meine Tischdame bei einem Diner. Das Gespräch war eine Weile ein allgemeines; es wurde von Judentaufen gesprochen. Eine Dame mir gegenüber erzählte lachend, daß der Sohn ihrer Freundin sich habe taufen lassen, um Korpsstudent werden zu können, und fragte, wie ich das fände. ') Der erste Theil dieses Aussatzes, der in >.Nr. 14 abgedruckt war, weist eine Reihe von Druckfehlern aus, die wir hiernnt^berichtigen. Es muß Seite 165, Spalte 1, Zeile 6 von unten heißen: „ . . . aber ich bin doch Ihr Kollega" (nicht Kollege), ferner Zeile^4 von unten: „ . . . sür die er schreibe" (nicht schreibt), ferner Spalte 2 derselbe» Seite, Zeile 1 von oben: „ . . . daß ich mich nun einzelner seiner Artikel genau erinnerte" (nicht nur), und Zeile 20 von oben: „ ... Da müssen Sie auch sehr viel dazu lesen" (nicht siej.^Ans Seite 186. Spalte 1. Zeile 15 von oben muß erstatt:'„Vögel".?„Der Maggid" natürlich heiße» „Vögele der Maggid", und Zeile 17 von oben: „saß" (nicht „steht"); ferner auf Spalte 2, Zeile 24 von oben: „Ha die Jugend" (nicht He); endlich Zeile 2S von^oben: „Ich höre, daß Sie über einen Berliner Dichter Bernstein reden wollen" (nicht sie).

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