Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1902)
- Date
- 1902-04-04
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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2 antisemitischen Leistungen. Mit scharfen und treffenden Worten zog er gegen den wissenschaftlichen Antisemitismus zu Felde und wies die in Panlsens Ethik, im Haruackschen Werke und der Broschüre des Herrn Chamberlan» erhobenen Vorwürfe gegen Inden und Iudenthum gebührend zurück. >v. Berlin, 1. April. Die seit 90 Jahren bereits bestehende Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Juden im preußischen Staate hat ihren Jahresbericht pro 1901 versendet. In dauernder Pflege und Unterstützung waren vom 31. Dezember 65 Lehrlinge, die von Vier- Handwerksmeistern beaufsichtigt wurden. An drei Elektrotechnikern und einem Maschinenbauer wurden Stipendien zum Besuch höherer Fachschulen gewährt. Auch in der landwirthschaftlichen Schule zu Ahlem wurden einige Zöglinge unterstützt. Der neuen Arbeiterkolonie in Weitzensee wurde ein dreijähriger Zuschutz gewährt, mit Rücksicht darauf, datz in derselben die Kolonisten im Handwerksberuf ausgebildet und beschäftigt werden. Zeitweise wurden sechs Lehrlinge unterstützt, und sechs Gesuche sind noch in der Behandlung. Auch in diesem Jahre werden für hervorragende Leistungen und Führungen Prämien ans den zur Verfügung stehenden Stiftungen vertheilt werden. An Mitgliederbeiträge sind 4545 Mark, aus Zinsen 3898.19 Mark, an Legaten und Geschenken 2310 Mark eingegangen. Ausgegeben wurden für Lehrlinge direkt 4157.20 Mark, für Schulzwecke 1532.40 Mark, für Darlehen an Meister 1900 Mark. Seit dem Bestehen der Gesellschaft hatte dieselbe 1384 Lehrlinge und Stipendiaten. Dafür sind ausgegeben an Unterstützungen 346 263.49, für Fach- und Religionsschulen 13 487.39 Mark, für höhere Schulen 14 461.50 Mark. Aufnahmegesuche sind an den Vorsitzenden, Herrn Leopold Lesser. Krausnickstratze 3 a, zu richten. Beizulegen sind dem Gesuch das Schulzeugnis;, der Lehrvertrag und ein Zeugnitz des Meisters. kp. Aus der Provinz Posen, im März. Am 21. d.M. beging Herr Hauptlehrer Jacob Hayn» in Ostrowo sein 25jähriges Amtsjubiläum. Aus diesem Anlasse fand in der jüdischen Volksschule daselbst eine größere Schulfeier statt, bei welcher der Jubilar mit recht ehrenden Ansprachen der Gemeindebehörden sowie seines Vorgesetzten, des Schulraths Platsch, bedacht wurde. Herr Rechtsanwalt Goldschmidt überreichte Herrn Hahm im Namen des Schulvorstandes und zahlreicher Freunde eine goldene Uhr nebst entsprechender Widmung. Lehrer Koerpel beglückwünschte ihn im Namen der Kinder und theilte ihm mit, datz diese ihm einen sehr werthvollen Schreibtisch zur bleibenden Erinnerung schenken. Der Feier wohnten auch zahlreiche Mitglieder der Gemeinde sowie deren Körperschaften in corpore bei. Auch von außerhalb wurde der Jubilar mit zahlreichen Glückwünschen und sonstigen Aufmerksamkeiten erfreut. Herr Hahm erfreut sich besonderer Beliebtheit, ist nebenamtlich auch als Religionslehrer am Gymnasium und an der Töchterschule in Ostrowo beschäftigt und war längere Zeit auch als Dirigent der staatlichen Fortbildungsschule daselbst thätig. Bemerkt sei, datz Herr Hahm das Gymnasium in Jnowrazlaw absolvirt, dann mehrere Semester in Berlin studirt und außer den Volksschullehrerprüsungen auch das Mittelschullehrereramen abgelegt hat. — Die Regierung zu Posen hat den Antrag mehrerer Gemeindemitglieder in Borek. die dortige jüdische Volksschule wegen der geringen Schülerzahl (sechs) auszulösen, abgelehnt. — Die Brylschen Eheleute zu Königsberg i. Neumark haben der Shnagogengemeinde zu Gollantsch 300 Mark geschenkt. Die Zinsen aus dem Betrage sollen an Bedürftige der Gemeinde vertheilt werden. — Die Stadtverordneten in Ostrowo haben den Oekonomierath David Goldstein zum Magistratsmitgliede au Stelle eines jüngst daselbst verstorbenen christlichen Kaufmanns gewählt. Dem Magistrat in Ostrowo gehören nunmehr zwei jüdische Stadträthe an. — Kaufmann Rosendorsf in Usch ist zum Magistratsmitgliede daselbst gewählt worden. — Der israelitische Armenverein in Wreschen hatte im letzten Geschäftsjahre eine Einnahme von nahezu 1500 Mark und eine Ausgabe von ca. 1400 Mark. Der Verein hat ein Vermögen von 2958 Mark. — Zum Kantur in Gol laut sch ist der bisherige Kultusbeamte Wreschner aus Tirschtiegel berufen worden. — Die Negierung zu Posen hat der Gemeindeverwaltung in Schildberg ausgegeben. binnen drei Monaten daselbst einen Rabbiner auzustellen, und da die Verwaltungskörperschasten sich über die Kandidatur nicht einigen können, die Wahl von der ganzen Gemeinde vornehmen zu lassen. Die Gemeindekörperschaften sotten der Gemeinde zu diesem Zwecke vier Kandidaten Vorschlägen. — Kaufmann Adolf Witkowski in Witkowo ist zum Ehrenbürger der Stadt Witkowo ernannt worden. Herr Witkowski war viele Jahre hindurch Stadtverordneter, Beigeordneter, Vorsitzender dek Armenkommission, Waisenrath, Repräsentant der israelitischen Gemeinde und Schulvorsteher daselbst, und verläßt jetzt jenen Ort, um in eine Großstadt zu ziehen. — Die Gemeindekörperschasten ist Ostrowo haben dem Synagogendiener Jacob daselbst anläßlich seines 70. Geburtstages eine Ehrengabe von 100 Mark zugewendet. — Mitte d. M. starb in Lobsens im Alter von 90 Jahren der Rentier Louis Hirschberg. Derselbe war über 25 Jahre hindurch Leiter der dortigen Chewra Kadischa. — Die Stadtverordneten in Mogilno haben den Fabrikbesitzer London daselbst zum Beigeordneten gewählt. — Der unter Leitung des Lehrers Spieldoch in Buk bestehende Wohlthätigkeitsverein hatte im letzten Jahre eine Einnahme von 2943,88 Mark und eine Ausgabe von 2470,65 Mark. Der Armeusonds hatte 131 Mark Einnahme und 112 Mark Ausgabe. Der Verein zählt 63 Mitglieder und verfügt über einen Baarbestand von ca. 1500 Mark. — In Wreschen hat sich ein Verein zur Förderung des Talmudstudiums gebildet. - Leipzig, 30. März. Im Alter von 56 Jahren starb am 24. d. M. in Wien, wo er sich vorübergehend aufhielt, Dr. Salomo»» Mandelkern, ein Gelehrter von internationalem Rufe, der seit Jahrzehnten in Leipzig wirkte. Er studirte in Petersburg (als geborener Russe), wurde Rabbiner in Odessa, wo er auch juristischen Studien oblag und begab sich später nach Leipzig und Jena; an letzterer Universität erwarb er den philosophischen Doktorgrad. Im Jahre 1881 zog er sich ins Privatleben zurück. Mandelkern hatte große Erfolge als neuhebräischer Dichter und Schriftsteller. Auch brachte er das schwere Kunststück fertig, Werke der großen neuzeitlichen Dichter in der Sprache des Alte»; Testamentes wiederzugeben. Er schrieb eine Geschichte Rußlands und gab anerkannt vortreffliche russische Lehrbücher, Grarnmatiken und lexikalische Werke heraus. Sein Hauptwerk ist aber die „Hebräischchaldäische Konkordanz des Alten Testamentes", ein Werk jahrzehntelangen, minutiöseste»» Gelehrtenfleißes, das. wie viel man auch daran aussetzen »nag, dem Namen des Autors unvergängliche Erinnerung sichern wird. Ans der»», »vas er geschaffen, kan»» man ersehen, was Mandelkern geleistet hätte, wenn er in andere»» Verhältnisse»» groß geworden und ein Lebe»» ohne Sorge geführt hätte. Möge den» rastlosen Mann die Erde leicht sein! N. Hamburg, 23. März. Der Festgottesdienst im israelitischen Tempel zu Ehren des scheidenden Predigers Dr. C. Selig mann hatte am letzte»» Sabbath das Gotteshaus in allen seinen Räumen mit eiuer andächtigen Zuhörerschaft dicht gefüllt. Außer dem Gemeindepräses Herr»» Levin Lion hatten sich Delegirte des Gemeindevorstandes, des Nepräsentantenkolleginms und der übrige»» Institutionen eingefnnden. Als Text für seine Abschiedspredigt hatte sich Herr Dr. C. Seligmann die Worte aus Jeremias 2, 2: „Ich gedenke dir deiner hingebendeu Liebe, deiner Treue, als du mir nachfolgtest in die Wüste, in ein »»»»gesätes Land" gewählt. Mit diesen Worten drückte der Prediger der Gemeinde seinen Dank aus für die Liebe und Hingebung, mit der sie ihm während seiner mehr als 12 jährigen Amtsthätigkeit gefolgt sei. Mit einem Gebet für Kaiser und Reich, Senat und Bürgerschast schloß die äußerst wirkuugsvolle Rede. Die eigentliche Abschiedsseier fand nach beendeten» Gottesdienst statt. Unter den Klängen der Orgel wurde der scheidende Prediger von den Vorstehern zu dein Ehrensitz geleitet, und nun ergriff der Vorsitzende des Tempelverbandes. Herr Gemeindevorsteher Jos. Schönfeld, das Wort, um Herrn Tr. Seligmann den Dank der Gemeinde für seine segensvolle Wirksamkeit auszusprechen. Mit schwerem Herzen sehe man den allbeliebten Seelsorger scheiden, aber mit einein gewissen Stolz erkenne»» die Mitglieder der Gemeinde es auch dankbar an, daß die altberühmte Frankfurter Gemeinde ihn zum Rabbiner erkoren habe. Als Zeichen der Anerkennung seiner Amtstätigkeit erlaube Redner sich im Namen der Verwaltung ihm eine Ehrengabe zu überreiche»». Das Ehrengeschenk besteht ans einer massiv silbernen Platte, auf der das Innere des Tempels in kunstvoller Weise eingravirt ist. Das Ganze wird gekrönt durch zwei gleichfalls in Silber und Gold ausgesührte Gesetzestafeln. und am Fuße befindet sich das Widmnngsschild mit der Inschrift : „Der Israelitische Tempelverband seine»»» hochgeschützten Prediger- Herrn Dr. Casar Seligmann." Tief ergriffen von der ihm bereiteten Ehrung stattete Herr Dr. Seligmann seinen Dank ab für dieselbe. Hieraus ergriff Herr Prediger Dr. Leimdörfer das Wort, um seinem langjährigen Amtsbruder seinen Dank für das treue Nebeneinanderwirken