Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1902)
- Date
- 1902-04-04
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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3 auszusprechen. Nach beendeter Feier im Gotteshause fanden sich in der Wohnung des Predigers noch Deputationen von Gemeindei.ntgliedern zur Ueberreichung von Ehrengeschenken ein. Besonders I ervorgehoben sei eine von 50 angesehenen Gemeindeuiitgliedern gespendete Garnitur vergoldeter silberner Kultusgeräthe nebst einer i n Atelier von Hnlbe hergestellten kunstvollen Adresse. Die besten Segenswünsche der Gemeindemitglieder begleiten Herrn Dr. Selig- > lann in seinen neuen Wirkungskreis. v. Hannover, 2. April. Der Bericht über die Israelitische Erziehungsanstalt zu Ahlem für 1901 giebt ein erfreuliches ^ild rastloser Thätigkeit zum Heile des Unternehmens. In der Sitzung les Kuratoriums vom 28. Mai 1901 kooptirte dasselbe die Herren Generalagent S. Vogelstein in Hannover. Fabrikant Louis Blumeniial in Hannover, Fabrikant Carl Leopold Netter in Berlin, Robert Landauer in Würzbnrg, Carl Beer in Darmstadt. Der im Herbst i nternommene Versuch, ein Lokalkomitee in Berlin zu bilden, hatte nen vorzüglichen Erfolg. Dasselbe besteht ans den Herren Louis osenbaum (in Firma Meyerhof L- Nathorff). Vorsitzender; Dr. Max ' -insberg, stellvertretender Vorsitzender; Oberlehrer Dr. Moritz Schäfer, christfnhrer; I. Freymark, Nendant; Julius Cohn. Rabbiner Dr. ' schelbacher, Rechtsanwalt Dr. M. Horwitz, Herui. N. Israel, Rabbiner r. Maybaum, Carl Me^chelsohn, C. L. Netter, Max Weih, Rabbiner?r. Weiße. Die innerhalb der Versammlung sofort gezeichneten Beuge bestehen aus ca. 2300 Mark einmaligen und ca. 500 Mark jähr-! chen Beiträgen, und es sind seitdem weitere Beiträge eingegangen, achdem Anfang dieses Jahres ein entsprechendes Cirkular zur Beendung gelangt ist. Um den Mitgliedern der Lokalkomitees und den mstigen auswärtigen Freunden einmal persönlich näher zu treten, alten nur dieselben auf den 28. Mai zu einer Zusammenkunft in hlem eingeladen; es hatten sich etwa 60 Theilnehmer eingefunden eit der Abfassung des vorigen Berichts haben 16 Lehrlinge ihre Lehrit beendet; es sind somit im Ganzen bislang 68 Lehrlinge ausgebildet orden. Als Gärtner befanden sich in Stellung: 28 in Deutschland, in Oesterreich, 12 in Nordamerika. 2 in Rußland, 1 in Frankreich, in der Schweiz, zusammen 49 Gärtner, dazu 1 Tischler (in Nordnerika), ergiebt 50 Zöglinge, die den Beruf ausüben, den sie in der mstalt erlernt haben. Der Vorstand macht wiederholt darauf aufmerksam, daß sich nur solche junge Leute als Gärtnerlehrlinge in unsrer Anstalt eignen, die körperlich durchaus gesund, dabei geistig ermal entwickelt sind und beim Eintritt sich innerhalb der Alterscenze von 14 bis 16 Jahren befinden. Wenn diese Grenze Übertritten ist, so pflegen sich junge Leute selten der Disziplin, die zur rziehung eines Lehrlings nöthig ist, zu fügen. Die Zahl der Zögnge betrug Anfang Januar 1901 Lehrlinge: 46, Schüler 39, Nitte Februar 1902: Lehrlinge 98, Schüler 39. Im Durchschnitt beuchen sich während des Jahres 1901 78 Zöglinge in der Anstalt, gen 75 im Jahre 1900. Esten, 2. April. Der Jahresbericht der Unterstützungskasse des ereins israelitischer E l em e n t a rl e h r er für Rheinland und Westfalen pro 1901 berichtet trotz der starken wirtschaftlichen Depression ur Angenehmes. Die große Jahresversammlung fand in den Pfingsten im schönen Bonn statt. Außer der Hauptversammlung fanden uch mehrfach Bezirkskonferenzen statt, so am Niederrhein, am Mittelein, am Oberrhein, in Münster-Hamm, im Paderborner Bezirk, überall zeigte sich frisch putschendes Leben und Streben. Die an den inister der geistlichen. Unterrichtsangelegenheiten und den Minister § Innern eingereichten abgeänderten Statuten sind von denselben cht genehmigt worden. Der Verein soll seine Rechtsfähigkeit durch '' Eintragung in das Vereinsregister des zuständigen Amtsgerichts '' erlangen suchen, „während für die Pensions- und Unterstützungsl 'se nach dem Inkrafttreten des Reichsgesetzes über die privaten Ver- ' herungsunternehmungen vom 12. Mai 1901 (R. G. Bl. S. 139) in nem vollen Umfange, das ist der 1. Januar 1902, für sich ein beuderes Statut zu beschließen und zur Genehmigung einzureichen" ' Demgemäß wird der Vorstand für die nächste Generalversammlung; ei neue Statuten im Allgemeinen auf der Grundlage der zurückdichten getrennt ausarbeiten, und zwar eines für den Verein und res für die Kasse, und sie zur Beschlußfassung vorlegen. Der Verein zählt c Zeit 151 Mitglieder.von welchen 110 dem Verein und derUnterstützungsse und nur 41 dem Verein allein angehören. Wie die letzten hre, so war auch das abgelaufene für die Unterstützungskasse ein cht günstiges, obgleich die allgemeine wirtschaftliche Lage solches kaum erhoffen ließ. Die Einnahmen waren ungefähr in derselben Höhe wie im vorigen Berichtsjahre. 15 277 77 Mark, so daß wir trotz der Zunahme der Anzahl der Quoten, welche auf 191 gestiegen sind, diese wieder auf 50 Mark pro 1902 sestsetzen konnten. Die Vertheilungssnmme beträgt über 9500 Mark, die höchste Summe, welche in einem Jahre bisher überhaupt vertheilt worden ist. Das Gesammtvermögen betrug am 31. Dezember v. I. 119 410 51 Mark. Der Vorstand besteht aus den Herren: Blumenau-Hannover, Tren-Essen. Ehrenvorsitzende. Graf-Essen, Vorsitzender. Liepmannssohn-Minden, stellvertretender Vorsitzender. Levi-Nenß, Banm-Rheine, Kanfmann-Gelsenkirchen. i. Aus dem Elsaß, 25. März. Der La u d e s a ussch u ß für Elsaß-Lothringen hatte sich vorgestern mit einem Gesuch des Oberlehrers Dr. Heinrich Lewy vom Mülhanser Gymnasium zu beschäftigen. Der rastlos um die Hebung und Förderung unserer Glaubensgenossen bemühte Gesuchsteller, von dem vor Kurzem ja auch die Anregung ausging zur Gründung eines Israelitischen Mädchenschutzvereins für Deutschland, bat den Landesausschuß, die Schaffung eines seit 1870 fehlenden israelitischen Oberkonsistorinms mit einem landesherrlich ernannten Präsidenten herbeizuführen. Für die Nothwendigkeit einer solchen Centralstelle für die Angelegenheiteil des israelitischen Kultus beruft er sich insbesondere auf die hiervon zu erwartende Abstellung vielfacher Mißstände, die seit lange fortbeständen und ungeachtet wiederholter Beschwerden ungestört fortbeständen. Aus den Verhandlungen ging hervor, daß bereits Besprechungen nach dieser Seite hin stattgesunden haben, die Bezirkskonsistorien aber niemals rechte Neigung zu einer solchen Oberaufsicht zeigten, wie auch in der That der einzige jüdische Abgeordnete. Herr Manheimer. ein Mitglied des Konsistoriums des Oberelsaß, gegen die Petition sprach. Das übrige Hans dagegen, wie auch die Negierung nahmen dein Gesuch gegenüber eine durchaus wohlwollende Stellung ein. Unterstaatssekretär Dr. Petri gab zn. daß sich ans dem Mangel einer Centralbehörde bereits Unzntrüglichkeiten ergeben haben, die Negierung könne aber nicht ans die Anregung eines einzigen Mannes eingehen. Sei die Bevölkerung zufrieden, wie der Abgeordnete Manheimer erklärt habe, so liege für die Negierung nm so weniger Anlaß zn einer Aenderung vor. Sie werde nur dann Vorgehen, wenn ans den breiten Schichten der Bevölkerung ein Antrag kommen sollte, sei es nun von den Konsistorien oder von den Bürgern. Der Schwerpunkt liege nicht in den Konsistorien, sondern darin, daß die Mehrheit der Bevölkerung den Wunsch allsspricht. Die Petition wurde sodann, dem Kommissionsantrag entsprechend, der Regierung als Material überwiesen. — Hoffentlich versteht unsere jüdische Bevölkerung den voll der Negierung gegebenen Wink und wird sie durch ein Massengesuch die keineswegs neue Forderung von neuem erheben. Von Nah und Fern. --- Nach dem „Konfektionär" soll Geheimrath Goldberger nach seiner Rückkehr ans Amerika ins Herrenhaus berufen werden. Nach einer anderen Quelle soll für ihn ein besonderes Amt, etwa eine Art Leitung sämmtlicher Handelskammern, geschaffen werden. Nach einer dritten Quelle soll er eitlen hohen Orden erhalten. — Ter Geheime Sanitätsrath Dr. Julius Wohl, feierte am 26. v. M. seinen 80. Geburtstag. Seine ärztliche Thätigkeit begann er im badischen Feldzuge, der der heutigen Generation nur noch aus der geschichtlichen Ueberliefernng bekannt ist. Im schleswig-holsteinischen Kriege bethätigte er sich von Neuem als Arzt in Waffen. Seine Leistungen als Militärarzt haben in mannigfachen Auszeichnungen ihre Anerkennung gefunden. Aber auch in der langjährigen getreuen Ausübung seiner privaten Praxis hat er sich das Vertrauen weiterer Kreise erworben. — Am 25. v. M. ist hier Frau Amalie Schönlank, geb. Simon, die Wittwe des bekannten Generalkonsuls William Schönlank, eine durch ihren Wohlthätigkeitssinn bekannte Dame, gestorben. — Der Frau Selma Plaut und Frau Jnstizrath Dr. Rothfels in Kassel wurden die China-Medaille verliehen. — Wie der „Fränkische Courier" mitthellt, ist unter den Noten bei dem diesjährigen juristischen Staatskonkurs in Bayern eine einzige I. Der Glückliche, der diese erhaltet: hat, ist Dr. Otto Kahn in Würzburg. Dem Vernehmen nach sollen von den Kandidaten, die letzthin den bayerischen Staatskonkurs im Justizfach bestanden, die ersten fünf Israeliten sein. Das ist die treffendste Antwort, welche die Israeliten dem bayerischen Justizminister, der ans Rücksicht auf die Stimmung der Bevölkerung eine