Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1902)
- Date
- 1902-04-04
- Page
- Seite 168 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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168 die im Kunsthandel nicht zu erhalten sind. Solche allein für uns Herstellen zu lassen, würde unsere Mittel überschreiten. Da sich aber, wenn eine größere Anzahl Kopien hergestellt werden, die Kosten aus ein Minimum verringern, bitten wir Interessenten, sich mit nns ins Einvernehmen zu setzen. In Aussicht genommen sind Aufnahmen von bisher unbekannten künstlerisch hochbedentsamen Grabsteinen. Volkstypen u. s. w." Sprerhfaal. Zur Frage der Priorität. ^8n Nr. 11 vergleicht Herr Rabbiner Dr. Feßler eine griechische volksthümliche Legende vom heiligen Dionysios mit einer jüdischen im Midrasch Tanchuma enthaltenen von Noah. Beide haben — in verschiedener Einkleidung — zum Gegenstände die Wirkungen des Weins. Die griechische laßt den Menschen nach mäßigem Weingenuß singen wie der Vogel, bei reichlicherem stark werden wie der Löwe und bei unmäßigem dem Esel gleichen. Die jüdische nennt ihn vor dem Weingenuß ruhig wie das Schaf, nach mäßigem stark wie der Löwe, nach übermäßigem unflätig wie das Schwein und schließlich widerwärtig wie der Affe. Ich verweise auf Bernhard Schmidt, das Volksleben der Neugriechen und das hellenische Alterthum (Leipzig 1871) S. 42 s.: „Wie nun die Heiligen der griechischen Kirche in den ihnen zugetheilten ständigen Aemtern und Geschäften den alten Göttern und Heroen vielfach entsprechen, so haben sich auch hellenische Mythen an einzelne voll ihnen allgesetzt. Unter den mir bekannten Legenden dieser Art ist wegen der großen Treue der Übertragung diejenige besonders merkwürdig, welche im Jahre 1846 Christiall Siegel in dem Dorfe Kükkino am Fuße des Ptoongebirges in Böotien aus dem Munde eines alten Bauern erzählen hörte, und die in der Hahn'schen Sammlung griechischer und albanesischer Märchen (II. S. 76 f.) veröffentlicht ist. Der alte Weingott Dionysos erscheint hier in den namensverwandten heiligen Dionysius nmgesetzt, welcher in seiner Jugend auf der Insel Naxia. d. i. Naxos, bekanntlich einem der Hauptsitze des Dionysosknltus im Alterthum, die erste Rebe Pflanzt und den Saft ihrer Trauben den Menschen zu trinken giebt. . . . Ein anmuthiges Bild für jene verschiedenartigen wunderbaren Wirkungen des Weines, welche schon in der alten Mythologie in zahlreichen Beinamen des Dionysos und Erzählungen von seinen Zügen und Thaten ausgedrückt sind." Die beiden Legenden scheinen mir völlig unabhängig von einander zu sein, wie auch Sprichwörter oft bei verschiedenen Völkern gleich oder ähnlich lauten, ohne daß all Entlehnung zu denken wäre; man vergleiche meine „Parallelen zu antiken Sprichwörtern und Apophtegmen" aus dem jüdischen Schriftthum, im „Philologus" I^VM S. 77—87. Zn dem dort unter Nr. 20 angeführten Ausspruch des um 300 n. Ehr. lebenden R. Nachman (Sanhedrin 105 ri>: „Die Unverschämtheit nutzt selbst Gott gegenüber." und der Stelle ans der Pesikta (Schuba): „Der Unverschämte besiegt den Bösen (daß sogar dieser seine Bitte gewährt), um wie viel mehr den Allgütigen," stelle ich heute die Worte des Hermes bei Lukianos, Timon 11: „Wie trefflich es doch war. laut zu schreien und grob und unverschämt zu sein! Das nützt nicht allein vor Gericht, sondern auch beim Gebet. Man sehe nur Timon, der schrie, freimüthige Reden im Gebete führte und die Aufmerksamkeit des Zeus auf sich zog, wird auf der Stelle aus einem ganz armen ein reicher Mann werden. Hätte er gebückt still weiter gegraben, so würde er noch graben, ohne daß sich einer um ihn kümmerte." Wiewohl der um 130 n. Chr. geborene Lukianos aus Samosata in Syrien stammte, wird man doch nicht glauben wollen, daß R. Nachmans Ausspruch auf Lukianos zurückgehe: höchstens ließe sich ail die Möglichkeit denken, daß beide ein im Volksmunde lebendes Wort verwerthet hätten. Meinen Beitrag „Zum Spruch von den zehn Altersstufen des Menschell", in der Zeitschrift für deutsche Philologie XXIV, 164 s, der den Ausspruch des Iehuda ben Tema („Sprüche der Väter" V, 21) verwerthet. möchte ich bei dieser Gelegenheit vervollständigen durch den Hinweis auf Leopold Löw. „Beiträge zur jüdischen Alterthumskunde" 11, 22 ff., sowie auf „Die Stufen des menschlichen Alters" von einem unbekannten türkischen Dichter bei v. Diez. Denkwürdigkeiten von Asien (Berlin 1811)!. 305 ff. Das türkische Gedicht kann nur den Zweifel verstärken, ob zwischen dem deutschen und dem hebräischen Spruche wirklich eine Beziehung obwaltet. Vor einiger Zeit brachte die „Kölnische Volkszeitung" einige japanische Weisheitssprüche, voll denen der eine geradezu verblüffend mit „Sprüche der Väter" V, 10 übereinstimmte. Die Redaktion, der ich diese Parallele mittheilte, hielt daraufhin die Echtheit der japanischen Sprüche für verdächtig, meines Erachtens sehr mit Unrecht. In dem soeben erschienenen Hefte (XI. 4) der bisher von Karl Weinhold herausgegebenen Zeitschrift des Vereins für Volkskunde behandelt Johannes Bolte eine geistliche Auslegung des Kartenspiels und erörtert dabei die in vielen Liedern und Märchen verschiedener Völker enthaltenen Listen der heiligen Zahlen 1—12 und ihrer Bedeutungen. So beginnt z. B. ein Wechselgesang aus dem Münsterlande: „Guter Freund, ich frage dich. Guter Freund, was fragst du mich? Sag mir, was ist Eine? Einmalein ist Gott allein, der da lebt und der da schwebt im Himmel und auf Erden." Dem Verfasser ist es sehr wohl denkbar, daß diese Zahlenlieder aus einem lateinischen Dialoge „Oie milii, quill est uuus" herstammen, der im mittelalterlichen Gottesdienste der Kirche Verwendung gefunden zu haben scheint. Aber er fügt hinzu, daß schon 1699 Wagenseil auf ein jüdisch-deutsches, besonders am Passahseste gesungenes Lied hingewiesen hat: es ist dies eine freie Uebersetzung des bekannten Lebod ,ui.joäeia, welches seit dem 14. Jahrhundert der Pessach-Haggada angehängt ist. Während Wagenseil die Frage nach der Prioritätoffen ließ, haben fast alle Späteren die hebräische Fassung für das Ursprüngliche und die christliche für die Nachahmung erklärt, wobei vielleicht die Beobachtung mitwirkte, daß auch ein anderes, der Pessach-Haggada angefügtes Lied, „Ein Zicklein", gegenüber dem verwandten deutschen Kinderliebe „Der Bauer schickt den Jäckel ans" größeren Allspruch auf Ursprünglichkeit zu besitzen scheine. — Nach Bolte ist es jedoch ebenso denkbar, daß ein jüdischer Dichter dem christlichen Frage- und Antwortliede von dem theologischen Werthe der Zahlen sein Glanbensbekenntniß in gleicher Katechismussorm entgegenstellte. Für diese Möglichkeit falle ins Gewicht, daß es schon seit der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts eine entsprechende christliche Auslegung der Zahlen 1—12, freilich nicht in Gesprächsform, gab. Im letzten Grunde freilich gehe diese Zahlensymbolik aus die mystische Spekulation der Pythagoräer zurück, welche in den Zahlen die Substanz der Dinge selbst sahen. — Auch im Morgenlande gebe es Seitenstücke, sowohl muhanunedanische ale buddhistische und altpersische. Mülhausen (Elsaß), 16. März. Dr. Heinrich Lewy. Oberlehrer am Gymnasium. Sehr geehrte Redaktion! Äjn Bezug aus den in Nr. 7 erschienenen Artikel „Israelitischem Mädchenschutzverein" erlaube ich mir, dem verehrten Einsende des betreffenden Artikels zu bemerken, daß die Tafeln mit der Aus schrist „Israelitischer Mädchenschutzverein" sich in den elsaß-lothringischei Eisenbahnwagen schon über zwei Jahre vorfinden. Weißen bürg, den 21. Februar. Hochachtungsvoll Geehrter Herr Redakteur! ^lhnen für meine Berichtigung dankend, bitte ich. mir noch einmal ein paar Zeilen zu gewähren. Es betrifft eine Unrichtigkeit, dü leider mir selbst in die Feder gelaufen. Es ist diese: des junge i Cohns Kriegskamerad Namens Winstey bleibt nicht aus dem Schlacht selbe, sondern wird verwundet und voll Cohn in Sicherheit gebracht. Wieder genesen, kehrt er mit Diesem nach England zurück. Von Coh l ost besucht, spinnt sich das Liebesverhältniß mit Winsteys Schwester ab. Ich bitte also um diese Berichtigung, damit man mir nickt „Mochiad strof Diach" vorwerfen kann. Sie haben wohl absichtlich das englisch geschriebene Cohn in Con umgesetzt, da das ebenso laut t wie Cohn. — Zangwill schreibt Cohn. Bradsord, 14. März. Ergebenster Dr. Strauß. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauch Witz in Berlin.