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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-04-04 · Heft 14 (4.4.1902) · p. Seite 167

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 14 (4.4.1902)
Date
1902-04-04
Page
Seite 167 (sequence 13)
Language
German
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167 Allgütiger, du schenkest deine Gnade, Daß sie beglücke, nimmer, daß sie schade. Propheten riefst du. nicht dem freien Geiste Du Fesseln schlugst, daß er das Höchste leiste. Und Mose, deiner Offenbarung offen, Du fandest ihn, den Sinnenden, betroffen. „Der Väter Gott?" er sann. „Und wenn sie fragen Nach deinem Namen, Herr, was soll ich sagen? Der du den Menschen allen dein Gepräge Verliehen hast und Leben gönnst und Pflege, Vor dem versinken Staubesunterschiede, Werbist du denn, der auch nur eines miede?" Der Unnennbare! Mein der Weltgedanke! Der Träger Ich, das Weltall ist die Nanke. Die Vorsehung ich bin, und ihre Fäden Durch's Wesenreich sich knüpfen einem Jeden. Der Eine bin ich! Wortgebilde lösen Nicht das Geheimniß auf von meinem Wesen. Alls mannigfachen, oft verschlung'nen Gleisen Erkundeten und fanden mich die Weisen. Den Seienden, den Ewigen mich nannten In allen Sprachen sie, die Geistverwandten. S i e h a b e n f n r d i e E w i g k e i t g e s p r o ch e n Erleuchten wird's, die Herzen wird's dnrchpochen. Doch heidnisch keine Form, kein Bildnitz wahre Und kein verschleiert Nichts das Unsichtbare. Das irn Bereich des Denkens nicht erbleiche, Der Sinnenweltnicht mit der Form entweiche.— Längst haben, was die Weisen nicht vermochten, Die Väter dem Erinnern mich verflochten.-) Des Glaubens höchste Stufe s i e erstiegen. Vertrauensvoll sich ganz mir anzuschmiegen. Durch den Gehorsam, griff auch mein Verlangen Ins Vaterherz, sie mich heruiederzwangen; Denn ihm, demNeinen, mit dem reinen Streben Ist die Gewalt auch über mich gegeben. Erkoren ward, bezeugt ich von den Dreien, Die Merkmale der Waltung mein sie seie n?) O möchten so mich Alle doch erküren! Den „Gott der Väter" allesammt erführen; Denn Schöpserbin ich. Vater all er Wesen.— Ich werde sein, der stets Ich bin gewesen! Wie Thaues Tropfen mild die Erde feuchten, Wie Sonnenstrahlen streng den Raum durchleuchten, Fällt Gottes Wort erquickend in die Seele. Dnrchdringt's den Geist, verscheuchend Nacht und Fehle. So wandert Mose nach des Herrn Erwidern Der Sendung voll und freudig zu den Brüdern. Fittrrarrsche Mittheilungen. — Zacharias Frankel. Gedeukblätter zu seinem hundertsten Geburtstage, herausgegeben von Dr. M. Brann. Breslau 1901, 8". Sonderabdruck ans dem 45. Jahrgang der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums.) Als man im vergangenen Herbst das Centenarium Zacharias Frankels festlich beging, da thateu sich eine Anzahl Gelehrter, Lheilweise Schüler des verewigten Meisters, zusammen, um in der von ihm begründeten Monatsschrift sein Leben und sein Werk zu würdigen. Dieser Theil der genannten Zeitschrift liegt nun in Buchform vor, bestimmt, den verdienten Gelehrten weiteren Kreisen bekannt zu machen. Wenn auch im Großen und Ganzen die wissenschaftliche Form nicht vermieden ist, so wird doch Jeder, der auf dem Gebiete jüdischer Wissenschaft weniger heimisch ist, diese Blätter nicht ahne Gewinn und mannigfache Anregung lesen. In der Annahme, daß diese Festgabe außerhalb der Gelehrtenwelt Eingang finden wird - wie es in der Absicht des Herausgebers liegt — beschränken wir uns auf eine kurze Skizze ihres Inhalts. Den Neigen der Aufsätze eröffnet Brann mit der Familie Frankels. Liebevoll geht erden mannigfachen Verzweigungen dieses Geschlechts nach, und es gelingt ihm, die Ahnenreihe Frankels bis in die erste Hälfte des XVI. Jahrhunderts zu verfolgen. Eine Fülle bekannter und berühmter Gestalten begegnet uns auf diesem Wege, und von Neuem wird mit glücklichem Lrfolge der Nachweis geführt, daß aus denselben Familien, in denen eit Jahrhunderten jüdisches Leben und Wissen gehegt nnd gewartet § oorden ist, die Pfadfinder und Baumeister hervorgegaugeu sind, die! as jüdische Wissen zur jüdischen Wissenschaft empor- ^estaltet haben. Den Beschluß dieser sehr eingehenden Untersuchung ilden eine genealogische Uebersicht über die Herkunft Frankels und in chronologisches Verzeichniß der Grabschriften der Familie Spirarrankel in Prag. In die Heimath und an die Stätte der ersten Wirksamkeit Frankels führen uns Kisch' s Prager Notizen zur Biographie vrankels, die zugleich einer! interessanten kulturgeschichtlichen Ausblick uf die Juden Böhmens im Anfang des XIX. Jahrhunderts gestatten, lletätvoll und in beredten Worten schildert Eschelbacher Frankels "eben und Lebenswerk. Der Persönlichkeit Frankels gelten die sselndeu und anregenden Ansführungen Güdemauns. Frankels Verdienste um die Förderung der Septuagintastudien beleuchtet reitel, während Dobschütz die Bedeutung der Einleitung in die Nischua (Darkhe Hamischnat) behandelt und den weitgehenden Einfluß örtert, den dieses Werk — bahnbrechend und umgestaltend auf der! betrieb des Talmudstudiums wirkend — auf die wissenschaftliche Ee- >rschuug der talmudischen Litteratur gewonnen hat. Professor chwarz's geistreiche und originelle Bemerkungen über die „Ehe im iblischen Alterthum" wollen eine Ergänzung zu Frankels Unter- ' lchung über mosaisch-talmudisches Eherecht sein, lieber das „Losen". h. die Vertheilung der Kultushandlungen unter den diensthabenden uiestern im Tempel zu Jerusalem handelt Fried; im Anschluß au Frankels Einleitung in den jernsalemitischen Talmud giebt Bacher Ausschluß über den Sinn der talmudischen Bezeichnung „die Gelehrten von Caesarea". Auf die genannte Einleitung und aus Frankels Kommentar zum jerusalemitischeu Talmud gehen einzelne Bemerkungen zurück, die Horovitz unter dem Titel „Analeeten" veröffentlicht. Die Reihe der Abhandlungen beschließt Ziemlich mit einem Excerpt aus seiner unter Frankels Direktorate gelieferten Preisarbeit über „die Anlage der Jad Hachasakah Maüuunides". Darauf folgt noch ein chronologisch geordnetes Verzeichniß der Schriften und Abhandlungen Z. Frankels von Brann. Dr. Siegfried Behrens. — Rabbiner Dr. Ad. Frankl-Grün: Kleiner Weinberg. Exhorten für das ganze Schuljahr gehalten beim Jugendgottesdienst in der Synagoge zu Kremsier. Frankfurt a. M. 1901. I. Kaufmann. Der gelehrte Verfasser der „Geschichte der Juden in Kremsier" gewährt uns im vorliegenden Büchlein einen Einblick in die Gegenwart nnd Zukunft seiner Gemeinde, indem er uns den Geist zeigt, den er im Herzen der ihm anvertrauten Jugend weckt und pflegt. Es ist dies der Geist inniger Glaubenstreue und regen Bildnngseifers, deren hoher Werth für die Jugend mit eindringlichen, dem Fassungsvermögen derselben verständig angepaßten Worten verkündet wird. Dadurch ist der innige Zusammenhang zwischen Schule und Gotteshaus hergestellt, die Kanzel erscheint als ein geweihter Lehrstuhl und der Neligi onslehrer als wahrer, warmer Freund der ihm lauschenden Jugend. Die treffende Auslegung der angeführten Bibelverse und die geistvolle Anwendung agadischer Lehrsätze, welche wir in jeder einzelnen Exhorte finden, verleiht diesen zwar das äußere Gepräge einer kurzgefaßten Predigt, doch sind es Predigten, die schlicht und leichtfaßlich den Ton treffen, in welchem man das Herz der Jugend gewinnen kann. Diese Faßlichkeit geht aber durchaus nicht auf Kosten der Sprache, welche trotz ihrer Schlichtheit gewählt ist uud häufig ueue Gedanken in ansprechender Weise vorträgt. Durch die bündige Ankündigung des Themas uud die präzise Folgerung der Nutzanwendung prägt sich der Gedaukengaug dem Gedächtnisse des Schülers scharf und unverwischbarem. Die Unmittelbarkeit der Sprechweise bringt es mit sich, daß man diese gesprochenen Reden mit vielen! Vergnügen lesen kann. Es ist zu wünschen, daß diese Sammlung sowohl als Erbauungsbuch für den Einzelnen wie auch als Vademeeum für den Exhortanteu eine wohlverdiente günstige Aufnahme finden möge. Proßnitz. Dr. L. Goldschmidt. — Das soeben erschienene IX. Hest (78 Seiten) der „Mittheiluugeu" der Gesellschaft für jüdische Volkskunde in Hamburg enthält einen Beitrag „Zur Geschichte der jüdischen Vornamen" von M. Landau, von K. Köhler eine „Beleuchtung jüdischer Sagen uud Bräuche", ferner eine grundlegende Arbeit von A. Wolf „lieber jüdische Kunst und ältere jüdische Künstler". Besondere Beachtung verdient die folgende Anzeige am Schlüsse des Heftes: „Seit Jahren ist immer lebhafter der Wunsch rege geworden, für unsere Sammlungen Photographien einzelner für uns wuchtiger Gegenstände zu beschaffen,

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