Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1902)
- Date
- 1902-04-04
- Page
- Seite 158 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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158 Die Regierungen können diesem Projekte nur wohlwollend gegenüberstehen. Jeder Argwohn wegen Sonderbestrebnngen ist ausgeschlossen. Die ganze Judenschaft. von der strengsten Orthodoxie bis zur äußersten Resormpartei, kann und soll zum Gedeihen des Projektes beitragen. Die Strenggläubigen, welche den Kongressen und Konferenzen, und nicht ohne Grund, abhold sind und sie mit Mißtrauen ansehen, können und sollen sich der Bewegung anschließen. Sie sotten bedenken, daß. wenn das Gesammtwohl auf dem Spiele steht, die einzelnen Theile ihre Mitwirkung nicht verweigern dürfen. Wenn auch in ihrem eigenen Lager die herrschende Krankheit nur in geringem Maße und nur bei der nachwachsenden Generation vorhanden ist, so dürfen sie ihren vom Uebel mehr angegriffenen Brüdern ihre treue Unterstützung nicht vorenthalten, es ist ihre Pflicht mitzuhelfen. Wir können billigerweise auf ihre Bereitwilligkeit rechnen. Die Reformer ihrerseits müssen dem Projekt sympathisch gegenüberstehen, denn wenn erst das religiöse Gefühl bis zum Gefrierpunkt erkaltet ist. dann wäre es zu spät, Heilversuche in Aussicht zu nehmen. Es ist uns geradezu unfaßlich, wie ein Mann, der die Verhältnisse tatsächlich kennt und ziemlich objektiv beurtheilt — das geht ja aus der kleinen Schrift selbst hervor — eine solche Utopie hegen kann. Auch aus dem eigenen Kreise sind sofort Bedenken erhoben worden, die wir nur theilen können, und es wurde gesagt, daß Amitai die Krankheit gut erkannt habe, daß jedoch nicht jeder Arzt, der eine gute Diagnose stellt, deshalb auch die rechte Medizin finde. Ein Weltkongreß über religiöse Fragen ist heute innerhalb des Judenthums nicht möglich. Wir wüßten auch nicht einen Punkt des religiösen Lebens, über den sich die orthodoxen Rabbiner von Würzbnrg und Frankfurt mit den Predigern der Berliner Reformgemeinde oder auch nur mit den Rabbinern der Hauptgemeinden von Berlin und Stettin einigen könnten; von den orthodoxen Rabbinern in Galizien und Polen gar nicht zu sprechen, denn diese würden sich wieder mit den orthodoxen Rabbinern in Frankfurt und Würzburg nicht verständigen können. Der Fortschritt auf religiösem Gebiete hat in verschiedenen Ländern so wesentliche Aenderungen bedingt, daß eine gemeinsame Grundlage für die nothwendige Neugestaltung des religiösen Lebens absolut nicht herzustellen ist. Alle Richtungell können neben einander hergehen, eine Einigung aber ist nicht zu erzielen. Das ist auch nicht nöthig, weil von jeher verschiedene religiöse Richtungen innerhalb des Iudenthums friedlich neben einander bestanden haben. Ein solches Projekt hätte also gar keine Aussicht auf Erfolg. Derartige religiöse Fragen können nur auf Landessynoden besprochen werden. Ob gegenwärtig eine solche nach Art der Leipziger und Augsburger Synoden nothwendig und opportun wäre, ist eine Frage, die wir ein anderes Mal beantworten wollen. Von einem allgemeinen Kongreß aber, von einen: modernen Synhedrion, können wir uns, wie gesagt, nicht den geringsten Erfolg versprechen. Are Woche. Berlin, 2. April. I n den politischen Ferien wird jetzt viel über die Ver- Handlungen des Abgeordnetenhauses, die P oln is ch e Frage in Posen betreffend, diskutirt. Eine große Rolle spielt dabei die Hervorkehrung konfessioneller Unterschiede unter verdeutschen Bevölkerung. Man schreibt darüber: Deutsche Protestanten, deutsche Katholiken und deutsche Juden schließen sich ziemlich vollständig voll einander ab, und die unbestreitbare gegenseitige Animosität bedeutet eine Zersplitterung des Deutschthums, die auf Polnischer Seite trotz der Parteiverschiedenheit der polnischen Bevölkerung vergeblich ihres Gleichen sucht. Daß diese konfessionelle Animosität auch auf wirthschaftlichem Gebiete zur Benachteiligung Andersgläubiger führt, dafür nur ein Beispiel: Vor wenigen Wochen spielte sich in irgend einer Stadt der Provinz Posen Folgendes ab: Dem polnischen Bahnarzt wird diese Stelle gekündigt. Ein jüdischer Arzt, der lange Zeit vertretungsweise zur vollsten Zufriedenheit der Behörden das Amt verwaltet hatte, bewarb sich unter bester Empfehlung um dieses Amt. In dem behördlichen Berichte über die Sache heißt es, der evangelische Kreisarzt, ein eben erst angestellter Herr, könne bei der Lage seiner amtlichen Thätigkeit die Aufgaben der Bahnarztstelle nicht genügend wahrnehmen. Trotzdem wurde dieser von der maßgebenden Stelle auserwählt, der Jude, der nebenbei Assistenzarzt der Reserve ist, abgelehnt, weil er Jude ist. Mag anch behauptet werden, der Kreisarzt habe als Kreisarzt die Stelle bekommen, kein Jude wird anders glauben, als daß sein Glaubeilsgenosse zurückgesetzt wurde wegen seines Glaubensbekenntnisses, um so mehr, als er bei dem in Frage kommenden Patientenkreise überaus beliebt ist. und die Lokalbehörden ihn lobend empfohlen haben." Und das heißt man dann „Förderung des Deutschthums!" r Die Juden als Ackerbauer in Rußland erhalten von dem Agronomen I. A. Kowalski, welcher vor einigen Jahren von der russischen Regierung zum Pfleger der jüdischen Kolonien des Gouvernements Jekaterinoslaw bestellt worden ist, ein überaus glänzendes Zeugniß. „Man muß selber sich längere Zeit in den jüdischen Dörfern aufgehalten haben", berichtet vorchristliche Regierungsbeamte, „um sich von der Tüchtigkeit, den: Fleiße und der Sauberkeit der zehntausend jüdischen Bauern des Gouvernements Jekaterinoslaw zu überzeugen. Jedes jüdische Dorf macht auf den Fremden den Eindruck einer Musterwirthschaft; die Straßen zeichnen sich durch Sauberkeit aus, und die Häuser sind mit Vorgärten umgeben, irr denen die jüdische Bäuerin ihr Gemüse u. s. w. baut. Kein Dorf besitzt eine Schenke oder Verkaufsstelle für Schnaps; die Leute sehen gesund und blühend aus, und die jüdischen Rekruten aus diesen Dörfern werden in der Regel zur Artillerie genommen. Die vielfach verbreitete Ansicht, die Juden eignen sich für die Landwirthschaft nicht, wird durch die jüdischen Kolonien des Gouvernements Jekaterinoslaw gründlich widerlegt. Ich selber, so schließt Herr Kowalski seinen Bericht, bin bis vor wenigen Jahren dieser Ansicht gewesen. Jetzt bin ich jedoch eines Besseren belehrt worden und bin fest davon überzeugt, daß unter gewissen Verhältnissen aus jedem Juden ein vorzüglicher Bauer werden kann." Dasselbe gilt von den jüdischen Tabakbarlern in Südrußland. Der Tabakbau, welcher bis vor 20 Jahren in Südrußland in hoher Blüthe gestanden hat, ist mit dem Inkrafttreten des Gesetzes vom Jahre 1882, durch welches der Bauer in dem Vertrieb seines Produktes sehr eingeengt worden ist, rapid zurückgegangen. Gegenwärtig liegt der Tabakbau in den beiden Gouvernements Bessarabien und Podolien ausschließlich in den Händen der Juden, die ihrem Produkte selbst unter den erschwerten Umständen günstigen Absatz zu verschaffen wissen. Während die Juden noch im Jahre 1864 nur kaum 27 Prozent aller Tabakplantagen besaßen, stieg ihre Zahl im Jahre 1886 bereits auf 62 Prozent, um jetzt nahezu 99 Prozent zu betragen. Die Zahl der jüdischen Tabakpflanzer beträgt gegenwärtig allein im Gouvernement Bessarabien 900, und unter den von ihnen beschäftigten 3720 Tagelöhnern befinden sich 3431 --- 92,3 Prozent Juden und nur 289 Christen. Die Arbeit in den Tabakplantagen ist eine überaus anstrengende und erfordert aoße lanze Mschi das Fc den jü Winili Warb ne vr stanze Gestalt briger > ns de reise etrage hnrtts > Ru lntern i.hält. och d titglie ie den iähe d a ihn« öden infam aher are R: e hink nd Pr rgenti lor neu sirkun nzahl -eibt. Die Wrgr ' un rn e : er di« 3areliai d -rch d lchrich 'läge -an kei ld'-t; do n stimn Der o utlich - irrgefl len Pi 6den, f mar re vor Prüf, Mau 'v bebetl lli gück , r ud ni urteile: 23 leidul lwu.'U. Z Besitz