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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-03-28 · Heft 13 (28.3.1902) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 13 (28.3.1902)
Date
1902-03-28
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 Ln Zielenzig besetzt. Neulich ist in Crone ci. Br. ganz plötzlich der Kaufmann Isidor Krakauer gestorben. Derselbe war stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher und bekleidete außerdem mehrere Ehrenämter innerhalb der Stadt- und Shnagogengemeinde daselbst. — Der Kultusbeamte Pitikoivski in Grätz ist nach Tütz berufen worden. — Die durch den Tod des Lehrers Tint freigewordene Lehrerstelle an der jüdischen Schule zu Czempin ist dem Lehrer Hofmann übertragen worden. — Kürzlich ist in Ostrowo die neuerbaute Leichenhalle des israelitischen Friedhofs durch Herrn Rabbiner Dr. Freund daselbst eiugeweiht worden. — Strehlen, 21. März. Der angebliche Ritual Mordversuch, über welche Angelegenheit nur'seinerzeit berichteten, hat seinen definitiven und harmlosen Abschluß durch folgende „Abbitte" in der dortigen Zeitung gesunden: „Hierdurch erkläre ich, daß ich die Anschuldigung, Herr Kantor Simson habe den fünfjährigen Sohn meines Bruders mit Zuckerzeug beschenkt und in das Synagogeugrundstück gelockt, wissentlich falsch gethan habe; ich bedauere dies und leiste hierdurch Herrn Kantor Simson öffentlich Abbitte. Als Sühne habe ich zwanzig Mark in die Armenkasse zu Strehlen gezahlt." Die Abbitte trägt die rolle Namensnnterschrift des antisemitischen Ansehuldigers. Sie ist ein lehrreicher Beitrag zu der Frage, wie Nitualmordmärchen entstehen. — Ick. (shemttitz, 20. März. Unsere Gemeinde stand am 16. d. M. unter dem Zeichen pietätvoller Freude, denn die älteste Vereinigung unserer Gemeindemitglieder, die „Chebrah Kedoschah", feierte ihr 25 jähriges Bestehen in festlicher Weise. Im Jahre 1876 von 41 Männern, und zwar fast allen damals hier wohnhaften Glaubensgenossen, gegründet, zählt sie jetzt 192 Mitglieder. Ihre Geschichte ist mit unserer Gemeinde aufs Innigste verknüpft, fällt doch die Gründung des Vereins bereits in die ersten Anfänge des hiesigen Gemeindewesens. Schon lange, bevor die Gemeinde Korporationsrechte erhielt, besaß die „Chebrah Kedoschah" die Rechte der juristischen Person. Sie war es, welche im Februar 1878 das Friedhofsgrundstück erwarb, den Friedhof anlegte und im Jahre 1882 die Leichenhalle auf demselben erbaute. Ein schönes Zeichen des Opfermuthes der seiner Zeit nur wenigen hiesigen Glaubensbrüder. Als 1885 der Gemeinde die Korporationsrechte ertheilt werden sollten, machte das königlich sächsische Ministerium des Kultus u. s. w. die Gewährung derselben u. a. davon abhängig, daß die „Chebrah Kedoschah" als Genossenschaft sich zuvor auflösen müsse. Sogleich gab diese des höheren Zweckes wegen in selbstloser Weise ihre bisherigen Rechte aus, und das Eigenthum derselben ging in den Besitz der Gemeinde über. Die „Chebrah Kedoschah" aber erstand von Neuem auf der alten Grundlage und wirkt seither wohlthütig in unserer Gemeinde als Krankenpflege-, Unterstützungs- und Bestattungsvereiu. Die Jubiläumsfeier wurde durch einen Festgottesdienst in der Synagoge eingeleitet. Auf das Minchah-Gebet folgte eine von Herrn Kantor Goldberg und dem Synagogenchor ausgesührte tief ergreifende Gedächtnißfeier für die verstorbenen Vereinsmitglieder. Alsdann hielt unser Nabbinatsverweser, Herr Dr. Grünthal, eine formvollendete. inhaltreiche Predigt, welcher er die Aufgaben und das Wirken der heiligen Brüderschaften, insbesondere unserer „Chebrah Kedoschah" zu Grunde legte. Hierauf begaben sich die Mitglieder zu dem vom Vorstande arrangirten Festessen, an welchem auch die Vertreter der Gemeindekörperschasten sowie die Herren Dr. Grünthal und Kantor Goldberg theilnahmen. Nachdem der Vorsitzende der „Chebrah Kedoschah", Herr Jacob Kupferberg, die Erschienenen mit herzlichen Worten begrüßt hatte, erstattete Derselbe einen mit großem Fleiße ausgearbeiteten Bericht über die Entwickelung des Vereins und brachte dabei die aus Anlaß des Jubiläums eingelausenen Beglückwünschungsschreiben u. j. w. zur Verlesung. Sodann wurde eine Reihe geist- und gemüthvoller Ansprachen gehalten. Die Ansprachen wurden mit einer solchen des Herrn Moritz Fränkel, Vorsitzender der Gemeindeverordneten, geschlossen, welcher den Wohlthätigkeitssinn der Anwesenden anregte und eine Geldsamrnlung für die Zwecke der „Chebrah Kedoschah" veranstaltete. Möge diese noch lange blühen und gedeihen!" 1^. Hannover, 17. März. Beider in diesem Monate unter Leitung des Provinzialschulrathes Oeltjen abgehaltenen Lehrerprüfung an dem hiesigen jüdischen Lehrerseminare bestanden sämmtliche sieben Kandidaten: Albrecht, Blumenthal, Grünstem, Karmel, Kaatz, Rockach, Vogel. Die in der schriftlichen Prüfung gearbeiteten Themen waren: Aussatz: „Herzog Ernst des Frommen Verdienste um die Schule", Religion: „Wie läßt sich aus unseren Neligionsguellen beweisen, daß sich d as Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst", nicht nur au Glaubensgenossen bezieht?", Bibelexegese: „Spr. Sal. 18—19", Ge schichte: „Das Kriegsjahr 1864", Geographie: „Das Großherzogthum Baden", Rechnen: Jnvaliditätsrechnungen", Physik: „Die elektrische Straßenbahn". Zwei von den jungen Lehrern müssen schon vom 1. April ab ein Jahr lang ihrer Militärpflicht genügen, aber nicht als Einjährige, denn noch immer genießen die mit gleichen Pflichten bedachten jüdischen Lehrer nicht gleiche Rechte mit ihren christlichen Kollegen. — Dem 55. Rechenschaftsberichte des „Israelitischen Krankenpflegevereins zu Hannover" ent nehmen * wir: Dem Vorstande gehören die Herren Marc. L. Jaffö, John Spiegelberg, Harry Abrahamson, Oskar Goldschmidt. Bernh. Schapira an. Der Verein zählte zu Beginn des Berichtsjahres 168 Mitglieder, hinzu kamen 22 neue Mitglieder. Jur Laufe des Jahres verlor jedoch der Verein 29 Mitglieder, darunter drei durch den Tod. 86 Persomm nahmen die Kasse in Anspruch. Die Einnahmen beliefen sich auf 3282.24 Mark, die Ausgaben auf 2958.11 Mark. Die Generalversammlung war auf den 11. März anberaümt. in. Hamburg, 17. März. Eine außerordentliche Sitzung der Repräsentanten der Gemeinde beschäftigte sich gestern Abend mit der Frage eines Ausgleichs zwischen der Gemeinde und der Verwaltung des Friedhofes in Langenfelde. Die letztere hatte den Vorschlag gemacht, in Zukunft Beerdigungen nur dann zu übernehmen, wenn die Verstorbenen bezw. deren Anverwandte der Gemeinde angehören, wogegen die Gemeinde die Verpflichtung eingehen sollte, die Begräbnißkosten für Unbemittelte, welche in Langenfelde zur Bestattung kommen, der Verwaltung des Friedhofes zu vergüten. Der Gemeindevorstand hatte diesen Vorschlag angenommen und zur Mitgenehmiguug an das Repräsentantenkottegium gelangen lassen. Trotzdem^ die eingesetzte Kommission die Annahme empfahl, wurde der Ausgleich mit Stimmengleichheit, sechs gegen sechs Stimmen, abgelehnt. — Die portugiesische Gemeinde zu Altona muß von ihrem an der Königsstraße belegenen Friedhof ein Stück zum Zwecke der Verbreiterung der Straße an die Stadt Altona abtreten. Es dürfte interessiren, daß dieser Friedhof am 13. Mai 1611 von der portugiesisch-jüdischen Gemeinde in Hamburg von dem Grafen Ernst zu Schaumburg gekauft worden ist, da es zu dieser Zeit den in Hamburg wohnenden Juden nicht gestattet war, ihre Todten in Hamburg rituell zu begraben. Auf dem Friedhof haben Leute von Berühmtheit ihre letzte Ruhestätte gefunden, so z. B. der Leibarzt der Königin Christine von Schweden Dr. Texeira und Mitglieder der Familie des portugiesischen Dichters de Castro. Diese Gräber werden jedoch von der Abtretung nicht berührt. O. I. X. Frankfurt a. M. 23. März. In diesen Tagen,' wo jedem Juden die Pflicht des Spendens ein Herzensbedürsniß ist. dürfte es wohl nicht ungeeignet erscheinen, an das „Deutsch-Israelitische Kinderheim" zu erinnern, das auf eine reiche Thätigkeit zurückblickeu darf, das schon viel Segen gespendet, Wittwen die Sorge für die verlassenen Waisen abgenommen, Kindern seine liebevolle Fürsorge zugewendet, sie zu existenzfreudigen Männern erzogen, die ohne diese Fürsorge dem sittlichen und materiellen Elend verfallen wären. Gewiß werden sich, wenn der Anspruch an sie herantritt, die Herzen und Hände der Kleinen und Großen öffnen und eine kleine Gabe dem Bittenden nicht verweigern, erfreut ja das jüdische Herz gern die Armen und Verlassenen. Jede kleine Gabe ist ein Baustein zur Erhaltung des Kinderheims, und jeder Spender darf des beglückenden Gefühls sich erfreuen, mitgearbeitet zu haben an einem weithin Segen verbreitenden Werke der Humanität und jüdischer Liebesthat. Auf der Purimspende besteht die Existenz des Kinderheims, möge sie eine recht ergiebige sein. (D Bocholt, 18. März. Der Bericht über die Wirksamkeit des Hilfsvereins Esratz K'fufim im Jahre 1901 giebt ein Bild der Thätigkeit und der Leistungen während des letzten Geschäftsjahres. In der ordentlichen Generalversammlung zu Wesel am 24. Februar 1901 wurden die vom Vorstande vorgeschlagenen Statutenänderungen genehmigt, nnd hierauf durch Verfügung des königlichen Amtsgerichts zu Bocholt vom 14. März v. I. der Hilfsverein Esraß K'fufim in das Vereiusregister eingetragen. Durch die Aenderuug der Vereinssatzuugen wurde die Wirksamkeit des Instituts dahin erweitert, daß die Zinsen der augenblicklich nicht zu Vereinszwecken benutzten Kapitalien sowie die eingehenden Spenden und sonstigen Zuwendungen zu anderen wohlthätigen Werken verwendet werden können. So sind jetzt einem jungen Handwerker zwecks seiner weiteren Ausbildung 150 Mark be-

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