Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1902)
- Date
- 1902-03-28
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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66. Jahrgang. Nr. 13. iöerlirr. 28. Mär; 1902 Der GerneLn-ebote. Meikage zur „Allgemeinen Jeitung -es Iu-entyums". Korrespondenten und Nachrichten. Deutschland. -- Berlin, 21. März. Eine wichtige Nachricht wird uns aus dem Bureau des Deutsch - Israelitischen Gemei udebundes mitgetheilt. Hofrath Professor Dr. Nosin in Freiburg hat in Ausführung des vom VIII. Deutsch-Israelischen Gemeindetage im Oktober 1898 gefaßten Beschlusses: auf Grund der inzwischen veranstalteten Enyuote über die Nechtsverhältnisse der jüdischen Gemeinden im Deutschen Reiche ein neues Organisationsgesetz ausznarbeiten, srenudlichst übernommen. i. Berlin, 20. März. Eines der ältesten und angesehensten Mitglieder der Berliner Reformgemeiude. Herr Leopold Minden, der seines hohen Alters wegen aus dem Vorstand geschieden, dem er lange Jahre in seltener Pflichttreue augehört hatte, wurde einstimmig zum Ehrenmitglied der Gemeinde ernannt. Eine Deputation des Vorstandes der Repräsentanten und die Prediger versammelte sich gestern im Hause des greisen Jubilars, um ihm durch Neberreichung einer Adresse den Dank für seine treue und unermüdliche Arbeit im Dienste der Gemeinde auszusprechen. In einer herzlichen Ansprache gab der Präses des Vorstandes, Herr Rudolf Mosfe. den Empfindungen der Gemeinde Ausdruck und überreichte zum Schluß eine kunstvoll ansgestattete Adresse. Bei der sich hier anschließenden Festtafel sprach Herr- Minden in Worten inniger Rührung seinen Dank aus für die ihm erwiesene Ehre. Es sei, so sagte er, der innigste Wunsch seines Lebens, wieder wie früher das alte Gotteshaus regelmäßig besuchen zu können. Der Sohn des Gefeierten, Herr Syndikus Dr. Minden, schloß sich in einem geistvollen Trinksprnch diesem Wunsch an. Es folgten noch heitere und ernste Toaste, die der ganzen Feier den herzlichen und würdigen Ausdruck eines großen Familienfestes verliehen. Möge es Herrn Leopold Minden noch lange vergönnt sein, die Entwickelung und den Fortschritt der Gemeinde, der er seit ihrem Bestände als eitles ihrer treuesten Mitglieder angehört, mit dem gleichen Interesse wie bisher zu verfolgen! L2 Berlin, 16. März. Der Verein „L ehrl ing s he im Pankow" versendet seinen fünften, den Zeitraum vom 1. April 1900 bis 31. März 1901 umfassenden Verwaltungsbericht. Vorwiegend aus Mangel an Mitteln mußte der Verein leider eitle sehr erhebliche Anzahl von Aufnahmegesuchen zurückweisen. Von 39 Ausnahmegesuchen konnten nur 16 berücksichtigt werden, der Prozentsatz der zurückgewiesenen ist gegen das Vorjahr von 50 auf 60 gestiegen. Die Behandlung der Gesuche erfolgte in festgesetzter Weise: der Direktor der Anstalt hat das an ihn mit den vorgeschriebenen Urkunden einzusendende Gesuch dem Vorsitzenden mittelst Vorberichts zu unterbreiten. Der vom Vorsitzenden ernannte Berichterstatter trägt in der nächsten Knratorensitzung das Ergebniß seiner Prüfung vor, worauf der Vorsitzende den Direktor anweist, den auf den Vortrag des Referenten ergehenden Beschluß des Kuratoriums zur Ausführung zu bringen. Aufnahmen erfolgen nur zum Ersten eines jeden Kalenderquartals. — Die für die Berichterstattung und die ärztliche Untersuchung eingeführten Formulare haben sich bewährt. Im Berichtsjahre haben sechs Zöglinge. nachdem sie ihre Lehrzeit beendet, das Lehrlingsheim verlassen. In dem Bestreben, für jeden Zögling ein Sparkassenbuch anznlegen, wurde der Verein thatkrüstig im Betriebsjahre unterstützt. Die Zöglinge besitzen zusammen ein Sparkassen-Guthaben voll 1542.01 Mark. Auch die Anstaltsbibliothek erfreut sich dauernd des regsten Interesses; sie hat sich um 50 Werke vergrößert, besteht also jetzt aus 550 Büchern. Das Vermögen des Vereins beträgt 19911.90 Mark. Es wäre dringend Lu wünschen, daß sich das Interesse weiterer Kreise innerhalb unserer Gerneinde diesem so segensreich wirkenden Vereine in erhöhtem Maße zuwenden würde. Berlin, 24. März. Das Jüdische Mäd chenstist, Lothringerstrabe 16, welches die hauswirthschastliche Ausbildung unbemittelter jüdischer Mädchen und ihre Vorbereitung für den Dienstbotenberuf bezweckt, versendet seinen 12. Jahresbericht. Danach erzieht das Stift in einem besonderen, von der Hausmutter Frau Baer geleiteten Heim gegen anfänglich 6 Zöglinge jetzt deren 16. Mit den im Berichtsjahre entlassenen 5 Mädchen sind bereits 54 in den Dienst getreten, aus deren Zahl bisher 10 für mehrjährigen treuen Dienst bei derselben Herrschaft eine auszeichnende Belohnung erhalten haben. Dit Gejammtausgabe betrug 8197.30 Mark. d. h. 512.33 pro Kops, die zur Deckung derselben bestimmte Einnahme 8485.35 Mark, das Vermögen der Anstalt 46 400 Mark. Vorsitzende find Waisenhausdirektor Dr. Strelitz und Frau Julie Neumanu. Die Generalversammlung, zu welcher auch Gäste willkommen sind, findet Donnerstag, den 27. d. M., 61/2 Uhr, Schadowstraße 6, statt. --- Berlin, 9. März. Am vergangenen Donnerstag hat sich ein „Verband jüdischer Humanitätsvereine für Berlin" konstituirt. Demselben sind bereits größere Vereine mit über 1500 Mitgliedern beigetreten, aridere Vereine haben ebenfalls ihren Beitritt in Aussicht gestellt. Die Anregung zu einem solchen Verband zur Wahrung gegenseitiger Interessen ging bereits vor sechs Jahren voll dem im jüdischen Vereinsleben Berlins in rühmlichst anerkannter Weise thätigen Vorstandsmitglied des Vereins Oeinilus (üwsLollüu, Herrn Dr. Julius Moses, ans. Die Verhandlungen zerschlugen sich aber damals und wurden jetzt erst wieder auf Grund der damaligen neu ausgenommen und mit Erfolg durchgesührt. Der Verband will keineswegs in eine Konkurrenz treten mit dem voll der jüdischeil Gemeinde ins Leben gerufenen. Das kann schon deswegennicht der Fall sein, weil dem letzteren hauptsächlich diejenigen jüdischen Humanitätsvereine angehören, die die offene Wohlthätigkeit betreiben, während die dem neugegründeten Verband ungehörigen Vereine Institutionen zur gegenseitigen Unterstützung in Krankheitsfällen. Darlehen rc. bilden. Der Verband will neben der Wahrung allgemeiner materieller und wirthschaftlicher Interessen auch ethische Bestrebungen ins Auge fassen, als da namentlich die gemeinsame Abhaltung von Vorträgen, Errichtung einer gemeinschaftlichen Bibliothek w'. sind. Auf Grund der Beschlüsse in der letzten konstituirenden Versammlung, in der der Vorsitzende des Vereins Oemllus Lliassoiliin, Herr Kunz, den Vorsitz und Herr Dr. Moses das kurz einleitende Referat hatten, soll von je 100 Vereinsmitgliedern ein Delegirter in den Verband gewählt werden, die dann die Geschäfte des letzteren leiten. Die Annahme der Statuten unterliegt noch der Beschlußfassung der einzelnen Vereine, ebenso wie die Entsendung der Delegirten. Berlin, 23. März. Der 33. Bericht über die Neligi 0 nsschnle der Synag ogen-Gem ei n de „Adaß-Jisroel" ist erschienen. Die Schule ist von 488 Kindern <296 Knaben und 192 Mädchen) im abgelaufenen Schuljahre besucht worden. Hiervon besuchten 169 Knaben Gymnasien, - Realschulen und höhere Knabenschulen, 108 Mädchen höhere Töchterschulen. 21 Knaben und 75 Mädchen Gemeindeschulen und 15 Kinder keine Schule. Außer dem Direktor besteht das Lehrerkollegium ans neunLehrern und zwei Lehrerinnen, ferner ertheilte Herr- Rabbiner Dr. Munk in den beiden Selecten sowie in der Talmudabtheilung Unterricht. Der Besuch der fakultativen Unterrichtskurse, Talmud, Mischna und Raschi-Abtheitung, wie auch des Barmizwahkursus war rege; besonders hervorgehoben zu werden verdient die Lehrthätigkeit der Herren Rabbiner Dr. Munk und Direktor Dr. Hildesheimer, die Talmud-Kurse mit jungen Kaufleuten und Studenten abhielten. Der Jugendgottesdienst, der an Sabbathen und Festtagen in der Synagoge, an den Hauptfesterl irr einem geeignetem Lokal abgehalten wurde, ist namentlich an den hohen Festtagen auch von Kindern anderer Schulen zahlreich besucht worden. Für 85 Kinder zahlte der Verein „Chinnch Neorim" das Schulgeld und ermöglichte somit, daß Kinder unbemittelter Eltern regelrechten Religionsunterricht erhalten konnten. Kp. Ans der Provinz Posen, im März. Die Regierung hat die Auflösung der jüdischen Volksschule in Garatschewo nicht genehmigt und die dort vakante Lehrerstelle durch den Lehrer S. Plaut