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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-03-28 · Heft 13 (28.3.1902) · p. Seite 156

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 13 (28.3.1902)
Date
1902-03-28
Page
Seite 156 (sequence 14)
Language
German
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156 nachdem die Megilla verlesen ward, an dein Brunnen auf dem Marktplatz den Tragbalken auf meine Schultern legen wollte, trat ein alter, ausgedienter Soldat, den ich schon lange für Zeinen bösen Haman hielt, an mich heran, klopfte mir auf die Schulter und sprach: „He, Pawel Pawlowitsch, endlich haben wir Dich erwischt," und noch bevor ich mich von meinem Schreckeil erholt hatte, war ich von Soldaten umringt, in eiserne Ketten gelegt und nach der Kaserne in der Krakauer Vorstadt befördert. Mit Mühe ist es mir gelungen. Euch diesen Brief zu schicken. Was mich erwartet, wisset Ihr: Sibirien und alle dortigen Schrecken. Doch alle Schrecken der Welt sollen mich nicht mehr abtrünnig machen von Eurem Gotte. Ich scheide nun voll Euch für immer, aber mit dem festen Willen, stets Euer Bruder Mordche zu bleiben, der sich nicht bückt und nicht beugt." Litterarifche Mittheilungen. I. Rosen berg: Ar Garizim, Lehrbuch der samaritanischen Sprache und Litteratur. Wien, 1902. A. Hartleben. Eine leichtfahliche Darstellung der samaritanischen Sprache und Litteratur ist ein längst gefühltes Bedürfniß. Das alte und neue Testament, die Kirchenväter und der Talmud befassen sich oft und eingehend mit den Samaritanern, in der samaritanischen Litteratur hat sich die hebräische und aramäische Sprache ganz unabhängig und abweichend vom! massorethischen Hebräisch entwickelt. Ursache genug, um die Religions-! lehrer. Theologen und Orientalisten für diese merkwürdige Sprache! und Litteratur zu interessiren. Und dennoch ist die Zahl Derer, die sich mit diesem Litteratnrzweig befassen, verhältnißmäßig gering, wohl nur deshalb, weil das Material, in seltenen und kostspieligen Werken und Zeitschriften zerstreut, schwer zugänglich ist. Im vorliegenden § Werke ist nun für den Anfänger alles Nöthige übersichtlich und leicht-! faßlich dargestellt, und eine ausführliche Bibliographie wird den ' Lernenden in den Stand setzen, seine samaritanischen Kenntnisse nach jeder Richtung zu erweitern und zu vertiefen. Der Verleger hat keine Kosten gescheut, um das Buch gefällig auszustatten, und der am Ende des Buches beigesügte Brief des gegenwärtigen Hohenpriesters der Samaritaner zu Nablus wird gewiß auch als eine interessante Beilage seitens des Lernenden freudig begrüßt werden. ---- Unter dem Titel: Jüdischer Verlag wurde hier ein modernes Verlagsunternehmen auf Subskriptionsbasis zur Förderung jüdischer Litteratur, Kunst und Wissenschaft begründet. Das leitende Komitee besteht aus den Herren Marlin Buber, Berthold Feiwel, E. M. Lilien, Dr. Alfred Nossig. In dem eben ausgegebenen Prospekt heißt es: „Die neue Epoche der jüdischen Kulturentwickelung, die wir miterleben dürfen, hat auf allen Gebieten litterarischen und künstlerischen Schaffens bedeutsame Ideen und Werke reifen lassen. Wieder nach langer, langer Zeit sind die Bedingungen für ein Aufblühen des jüdischen Geistes und der jüdischen Kunst gegeben. Noch fehlt aber eine einheitliche Zusammenfassung der Schaffenden, ein Centrum, von dem aus ihre Werke in alle Kreise des Volkes getragen werden sollen. Zugleich aber fehlt unserem Volke, das so lange im Dunkel der Unbildung gefangen war oder durch eine fremddienerische und geschmacklose Litteratur verwirrt und vergiftet wurde, eine sowohl ethisch , und ästhetisch einwandfreie als auch wahrhaft jüdische Sammlung! erhebender, belehrender und nach jeder Richtung erzieherisch wirkender Bücher.! Der Jüdische Verlag unternimmt es, diesen tiefen Bedürfnissen — der Schaffenden einerseits, des Volkes andererseits — Erfüllung zu bringen. Keine anderen als diese idealen Beweggründe sind für das leitende Komitee bei der Begründung des Jüdischen Verlages maßgebend gelvesen. Für die Publikationen des Verlages sind folgende Grundsätze entscheidend: 1. Alle Vertagswerke werden in jeder Hinsicht — soweit als erforderlich unter Hinzuziehung erster Fachleute — aufs Sorgfältigste ausgewählt. 2. Alle Verlagswerke, auch die einfachsten und billigsten, werden iu einer Weise, wie sie noch von keinem jüdischen Verlage angestrebt wurde, gedruckt und ausgestattet und sollen so schon durch ihr Aeußeres erzieherisch wirken. Die nachfolgende Aufstellung der für die erste Zeit geplanten Publikationen dürfte weitere Erklärungen über den Charakter des Unternehmens überflüssig machen: Eine Anthologie aus neujüdischer Dichtung (Originalbeiträge und Uebertragungen aus der hebräischen, jüdischen rc. Litteratur), unter Mitwirkung von Mathias Acher, Berthold Feiwel und Moriz Zobel herausgegeben von Martin Buber. Eine künstlerisch ausgestattete Hagada von E. M. Lilien. Ausgewählte Erzählungen von I. L. Perez. aus dem Jüdischen übersetzt und eingeleitet von Mathias Acher. Eine Essahs-Sammlung über jüdische Künstler. Mit reichen! illustrativen Material. (Inhalt: Jüdische Kunst. Jozef Israels. Moriz Gottlieb. Lesser Ury. Max Liebermann. Jehuda Epstein. Ephraim Mose Lilien. Hermann Struck.) Eine Sammelschrift über das Problem der jüdischen Kultur. Mit Originalbeiträgen von Acbad-Haam, Mathias Acher. Dr. M. I. Berdyczewski, Israel Zangwill u. A. Ausgewählte Essays von Achad Haam, aus dem Hebräischen übersetzt und eingeleitet von Dr. Israel Friedländer. Eine hebräische Sprachlehre nach moderner Methode (ev. Berlitz) von Dr. S. Bernfeld. Eine Sammlung jüdischer Sagen und Legenden. Jüdische Jugendschristen (Jüdische Geschichte. Märchen, Erzählungen, Bilderbücher). Ein jüdisches Jahrbuch. Mit Beiträgen der hervorragendsten jüdischen Schriftsteller, Maler und Komponisten. Ein Palästiuabuch (mit Beiträgen bedeutender Forscher und reicher karthographischer und illustrativer Ausstattung). Wissenschaftliche Monographien zur Anthropologie und Ethnologie des jüdischen Stammes und zur Soziologie der Judenfrage. Eine hebräische Auswahl aus der Bibel für Schulzwecke. Volksthümliche Abhandlungen aus dem Gebiete der jüdischen Kultur- und Literaturgeschichte. Romane, Novellen. Gedichtsammlungen und Dramen der ersten jüdischen Schriftsteller. Eine Sammlung von billigen populären Broschüren aus allen Gebieten jüdischen Wissens. Jüdische Kompositionen. Reproduktionen jüdischer Kunstwerke." Sprechfaul. Geehrter Herr Redakteur! s ist sehr schön von Dr. Strauß, der zionistisch gesinnt ist, in Nr. 11 dieser Zeitung die Tendenz der jüngsten, aus nur wenigen Seiten bestehenden Skizze Zangwills (also nicht Novelle, wie Strauß dieselbe bezeichnet) zu loben und zu befürworten. Als ich die fragliche Skizze flüchtig dnrchlas, bewunderte ich wohl ihre schöne Form, weniger aber ihre Tendenz. Alle Diejenigen, die für den Zionismus nicht gerade schwören, finden es recht peinlich, von einem hochbegabten jüdischen Novellisten, wie Zangwill es in Wirklichkeit ist, sich recht häufig, und zwar in nichtjüdischen Blättern, als höchst lächerliche Karikaturen gezeichnet zu sehen. Straub spricht von „Kiddusch Haschem"; ja wohl, aber da braucht man ja nicht alle Blößen der Inden den Nichtjuden öffentlich zu zeigen. Mit bestem Gruß. Ramsgate. 14. März. Dr. Chotzner. Geehrte Redaktion! Mn meinem Aufsatz in Nr. 12 sind sinnentstellende Druckfehler stehen geblieben: a) Aus Seite 137 Spalte 2. Zeile 17 von unten fehlt hinter „statutenmäßig" das Wort „nicht"; es muß ferner stehen: b) Seite 138, Spalte 1, Zeile 11 von unten statt „dursten" „dürften"; e) Seite 138, Spalte 2, Zeile 1 statt „protestas" „potestas"; ä) Seite 139, Spalte 1, Zeile 2 von unten statt „ergeben" „ergaben"; 6) Seite 139, Spalte 2, Zeile 4 hinter „Bedürfnisse" „der Gemeinde"; t) Seite 139, Spalte 2, Zeile 15 und 16 von unten statt „Gemeindeglieder" „Gemeindemitglieder". Berlin, 22. März. Hochachtungsvoll L o e w e. Druck und Verlag von Rudolf M osse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Mar Lauchwitz in Berlin.

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