Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1902)
- Date
- 1902-03-28
- Page
- Seite 149 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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140 erdanke l Hündischen Begründ i e Anderen müder d , ldig Kri.^ ndel unle. laubte luten r Sepa at Gelegen, n - den Zntolev sich lib i Annah beschlo zu schice- ^egneris cedner einzuwiei bgewichen sei. indem er von der Intoleranz der sogenannten iberalen und von anderen schönen Dingen, die der Sache nach feindlig seien, gesprochen hätte, und legte alsdann dar, daß es sich bei er keineswegs harmlosen Vorlage einerseits um eine Persönlichkeit nd andererseits um ein Prinzip handele. Was die Persönlichkeit etreffe, so sei Rabbiner Dr. Eschelbacher lant Berufung verflichtst worden, den Gottesdienst, dessen Leitung ihm anvertraut sei, i der „herkömmlichen Weise" zu handhaben. Herkömmlich sei nicht ach juristischer, sondern nach philologischer oder rein logischer Jnterretation derjenige Gottesdienst, der bisher stattgefunden hätte, und ran müßte aller Logik bar sein, wenn man die Stelle der Vokation schelbachers nicht so auffassen würde, wie sie aufgefaßt werden müsse, ie Parteiunterschiede hätten sich demgemäß so verschoben, daß diesal die Liberalen die Konservativen und die Konservativen die adikalen seien, die das seit 20 Jahren Bestehende umstoßen wollten, un werde voll Dr. Eschelbacher und anderen Herren behauptet, die lterschiede im Gottesdienst seien so geringe, daß sich eine Aufregung cht verlohne. Der Jugendgottesdienst sei eingesührt worden, um n Kindern Gelegenheit zu bieten, in die Synagoge gehen zu können, nr diejenigen Kinder, welche die Religionsschnle der Adaß Jisroelemeinde besucheil, habe die Gemeinde keine Verpflichtung zu sorgen, lange nicht statistisch nachgewiesen sei, daß deren Eltern r großen Gemeinde angehören. Die jetzige Agende für den ugendgottesdienst sei von drei Rabbinern verfaßt worden; von abbiner Dr. Frankl werde man gewiß nicht behaupten können, ch er zu den Reformern gehört habe, die Rabbiner Dr. Rosen- ^eig und Dr. Ungerleider seien durchaus Vertreter der konsertiven Richtung, und man müsse annehmen, daß dasjenige, was i Jahre 1888 ausreichend für die Mitglieder der Gemeinde gewesen , welche auf dem gläubigen Standpunkte stehen, auch heute noch nügen müsse. Gegen die jetzige Agende sei kein Widerspruch erhoben orden, und ein Petitionsstnrm. wie ihn die Konservativen bei der olehnung dieser Vorlage zur Zeit in Aussicht gestellt hätten, sei cht erfolgt. Es handele sich also einzig und allein um ein Verlangen s Rabbiners Dr. Eschelbacher, dessen Forderung in keiner Weise s berechtigt anerkannt werden dürfe, weil sie den klaren Worten der Nation und der Logik dcr Thatsachen widerspreche. Es sei alsdann prüfen, ob die verlangten Zusätze und Auslassungen für den neuen andpunkt nothweudig seien. Die Auslassung der deutschen Gebete eine der größte Mißgriff zu sein. In den Kindern solle Gläubigkeit weckt werden; diese müßten deshalb in einer Sprache reden, die sie stehen. Die Auslassung der deutschen Gebete bedeute somit eine örung oder Vernichtung der Aufmerksamkeit der Jugend. Sodann rde für den Jugendgottesdienst eine Reihe voll Zusätzen verlangt, einen doppelten Rachtheil in sich bergen. Durch jeden Zusatz werde Gottesdienst verlängert und wenn schon die Art und Weise des wväisch Betens viele störe, so würde eine Verlängerung um eine Reihe r Stellen nur die einzige Folge haben, daß sie die Aufmerksamkeit Kinder schädige. Zweitens sei die Art der einzufügenden Gebete st derart, daß den Kindern daniit ein Dienst erwiesen werde. Die ünschten Thoravorlesuugen seien entweder absolut unverständlich r. wenn sie verstanden würden, für das kindliche Gemüth ungen net. Das sei pädagogisch schädlich und verwerflich. Hauptsächlich io dele es sich um die Einfügung des bekannten Gebetes Uwo jon. In diesem Gebete sei allerdings nicht viel, was das Veru dniß der Kinder überschreite, aber der Allfang des Gebetes sei derl daß gewiß mit guten Gründen die drei konservativen Verfasser Agende das Gebet ausgelassen hätten. Daß für Zion ein Erlöser ' men solle, das Ausmalen der Stadt Jerusalem oder des Landes anken. gegen welche mit vollem Rechte opponirt werden u> >e. Er berust sich in dieser Beziehung auf Worte seines verowenen Vaters, die. falls sie für die konservative Forderung sprächen, u > sicher von den Gegnern ins Feld geführt worden wären und he für alle, die auf seinem (Redners) Standpunkte stehen, genügend ei i. um die Vorlage zu Fall zu bringen. Als Rabbiner Dr. Geiger bv: Breslau nach Berlin gekommen sei, sei das voll ihm in Breslau üu eführte Gebetbuch durch ein anderes ersetzt worden, in welches Stellen über Opserwesen und Zion, die im Jahre 1851 entfernt , wieder eingefügt worden. Ans diesem Anlaß schrieb Rabbiner Geiger: „Das heutige Jerusalem ist uns nicht die Wiege der ^llstou, es ist uns eitle durchaus gleichgiltige Stadt, nichts weiter als eine ehrwürdige Ruine. Wir bedauern, daß die Stadt so tief gesunken, ihre Bewohner in tiefem Elend leben. Aber wir bedauern viel mehr Tausende Glaubensgellossen im Osten Europas, wir bedauern sie nm so mehr, well hier höchst begabte Naturell untergehen. Das Bedauern um Jerusalem ist eine bloße romantische Phrase, für sie zu beten ist vergeblich. Ja, ein solches Gebet ist ein wahrer Selbstmord, eine Gotteslästerung." Der Redner schloß seine Ausführungen damit, daß er zu einem solchen Selbstmord und solcher Gotteslästerung die Hand zu reichen unter seiner Würde halte. Herr Loewenberg weist darauf hin, daß sämmtliche Rabbiner die Forderung unterstützt hätten, den Jugendgottesdienst nach altem Ritus einzuführen. Die Gemeinde habe jetzt genugsam dokumentirt, daß sie diesen Gottesdienst haben wolle. Nicht diejenigen, welche vor fünfzehn Jahren den Gottesdienst eingerichtet hätten, seien schuld darall, daß die Kinder das Jüdische nicht mehr kennen, sondern der Grund liege darin, daß mit aller Gewalt darauf hingearbeitet worden sei. den jüdischen Religionsunterricht in den Schulen zu beseitigen. Den Liberalen sollte es genügen, wenn sie von den fünf Synagogen drei behielten, in denen sie den jetzigen Gottesdienst ausüben könnten. Er werde später den Alltrag stellen, nicht nur den Gottesdienst nach altem Ritus definitiv einzusühreu, sondern auch für die alte Synagoge in der Heidereutergasse zu wählen. Dell diese Vorlage befürwortenden Beschluß des Gemeiudevorstandes vertheidigte alsdann der neugewählte Gemeiudesyudikus Rechtsanwalt Lilien thal. Der Gemeindevorstand erachte die Vorlage als eine einfache Konsequenz der Berufung Eschelbachers und als Konsequenz der Gerechtigkeit. Die Vorlage hätte gar nicht die prinzipielle Bedeutung. die in der Rede Geigers zum Ausdruck gekommen sei. Die Ausführungen Geigers seien durchaus schlüssig gewesen, dagegen die Voraussetzungen falsch, von denen er ausgegaugen sei. Die Vokation Eschelbachers laute dahin, daß derselbe verpflichtet sein solle, all dem Gottesdienste in den Nichtorgelsynagogen nach der dort herkömmlichen Form mitzuwirken, das heiße an jenem Gottesdienste, der nach altem Ritlls stattfinde. An anderer Stelle der Berufung stehe die Verpflichtung, auch am Jugendgottesdienst mitzuwirken, und es könne keinem Zweifel unterliegen, daß darunter nur ein Jugendgottesdienst verstanden werden könne, der dem Ritus der Kaiserstraßensynagoge entspreche. Nach Ansicht des Gemeiudevorstandes bilde der Jugendgottesdienst eine durchaus nothweudige Ergänzung der Neligiousschule Eschelbachers, deren Errichtung alle Parteien zugestimmt hätten. Konsequenter Weise müßten nun auch alle Parteien dem Jugendgottesdienst Anstimmen. Das mangelhafte Verstäuduiß des Hebräischen bedinge durchaus nicht die Ablehnung des Gottesdienstes, der übrigens auch bisher nicht ausschließlich mit deutschen Gebeten ausgeführt worden sei. Es sollen jetzt das Ma tauwu- und das Oleuu-Gebet hebräisch gesagt werden, die bisher deutsch gesprochen worden seien. Gerade die Schüler der von Eschelbacher geleiteten Neligiousschule hätten ein verhältnißmäßig sehr großes Verständnis; des Hebräischen, und es seien sogar schon Bedenken aufgetaucht, ob man darin nicht zu weit in dieser Schule gehe. Wenn das Verständniß der jetzigen Kinder so mangelhaft sei. so solle man in den Schulen auf eine Besserung desselben hinwirken. Der Ansicht Geigers, daß dasjenige, was früher konservativ gewesen sei, es auch jetzt sein müsse, könne der Vorstand nicht beipflichten. Durch die Berufung Eschelbachers habe der Vorstand anerkannt, daß die Anstellung eines konservativeren Rabbiners, als es die jetzt fungirendeu seien, nothwendig sei. Die Verlängerung des Gottesdienstes, in den nur drei neue Gebete eingefügt werden sollen, sei unbedeutend, und das Argument gegen die Einfügung des Gebetes llvvo lexisou könne nicht besser widerlegt werden als dadurch, daß dieses Gebet am heiligsten Festtage im Schlußgebet des Versöhuuugsfestes gesprochen werde. Der von ihm sehr verehrte Rabbiner Dr. Geiger habe dieses Gebet in jener Stunde stets gebetet, und er werde es wohl niemals als eine Gotteslästerung empfunden haben. Lebhafter Beifall wurde seitens der Konservativen diesen Ausführungen gespendet; der noch einzig aus der Rednerliste stehende Geheimrath Blumen thal verzichtete aus das Wort, die übrigen Konservativen schienen ebenfalls um eine Erwiderung auf die Geigerschen Ausführungen verlegen zu sein und die Debatte konnte geschlossen werden. Und das Ergebniß der Abstimmung — es entsprach der Präsenz der Versammlung; es stimmten 12 Konservative gegen 3 Liberale für die versuchsweise Einführung des Jugendgottesdienstes nach altem Ritus in der