Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1902)
- Date
- 1902-03-28
- Page
- Seite 146 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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146 endlich zum außerordentlichen Professor der Geschichte in Berlin ernannt wurde. Jaffo bearbeitete die Regesten der Geschichte der Päpste und ließ sich, als nach sechs weiteren Jahren keine ordentliche etatsmäßige Anstellung eintrat, oerleiten, zum Christenthum überzntreten. Kurz darauf hat sich der wohl schon zerrüttete Mann erschossen. Bernays in Bonn, der zu Berthold Auerbach sagte, der Einzelne habe kein Recht die Tradition seiner Väter aufzulösen, wurde 1866, als die Reaktion im Weichen war, endlich außerordentlicher Professor. Dabei blieb es aber auch. Ueber Ausschließung oon den ordentlichen Professuren klagen auch die Katholiken. Das Centrnm ließ kürzlich durch den Abgeordneten Dr. Bachem im Reichstage erklären, es werde noch öfter den Finger in diese Wunde legen, denn von vierkatholischen Professoren ill Straßbnrg seien nur zwei ordentliche, und Diese gehören noch dazu der medizinischen Fakultät an. Das Centrnm wird mit bekannter Konsequenz sein Stück schon durchsetzen. In unserer: Reihen aber kann die That der Selbstachtung, mit der Professor Oppenheim, die Sachlage aller Welt klargestellt hat, nur Befriedigung erwecken. Wenn die Uuiversitätsverwaltung zum Fall Oppenheim nach den Tagesblättern geäußert hat, es seien eben keine etatsmäßigen Stellen frei, so ist demgegenüber zu betonen daß Professor Oppenheim längere Zeit den früheren Ordinarius der Psychiatrie Westphal bereits vertreten hat, und daß ihn die Fakultät ferner schon einmal für einen Lehrauftrag vorgeschlagen hatte. Warum ist denn Herr Professor Eulenbnrg, der mit Professor Mendel früher die Klinik für Nervenkrankheiten an der Universität leitete, längst Geheimer Medizinalrath, während ein Gelehrter von wissenschaftlichem Weltruf, wie Professor Mendel, der geradezu Grundlegendes für die Psychiatrie geschaffen hat, noch heute außerordentlicher Professor ist? Dabei bildet Mendel ohne ein Aegnivalent durch den Staat zu erhalten, seit langen Jahren Hunderte und aberhnnderte junger Doktoren in der Nervenheilkunde aus. Die in seiner Klinik — übrigens vielfach von Glaubensgenossen, namentlich auch von der: mitunter an der Universität halb geächteten jüdischen Ausländern, die in dem heutigen Rußland ihre Studien nicht beendigen konnten — geleisteten wissenschaftlichen Arbeiten bringen dem deutscher: Namen und der: deutschen Universitäten Ehre selbst jenseits des Ozeans, wohin sich diese Ausländer meist begeben, da sie in Europa nicht Praktiziren dürfen. Charakteristisch für die ganze Frage ist übrigens noch, daß sowohl Professor Mendel wie Professor Oppenheim ständig vor: den Staatsbehörden um ihre Gutachten bei der Gesetzgebung, sowohl wie bei der Zumessurrg der Jnvaliditätsreute als hervorragende Fachmänner angegangen werden. Es erschien uns nothwendig, in diesem kurzen Rückblick einmal die ganze Frage zu beleuchtet:, denn es ist charakteristisch, daß wir, während Andere den „Fall Spahn" vorführen, unseren Fall „Oppenheim" haben, ihn aber in den Schatten stellen. Der Fall Oppenheim wurde gerade während der Berathung des Kultusetats im Abgeordnetenhause publik. Parallel mit demselben geht noch ein anderer Fall eines hiesigen jüdischen Universitätsdozenten. der für eine ordentliche Professur in Greifswald ausersehen gewesen sein soll. Es ist aber Niemanden:, auch keinem fortschrittlichen Abgeordneten, eingefallen, diese eklatanten Fälle in: Abgeordnetenhaus zur Sprache zu bringen. Are Woche. Berlin, 26. März. ^Vp^rofessor Wahrmund, Kirchenrechtslehrer an der Universität Innsbruck, hat in seiner in der Tagespresse i bereits eingehend gewürdigten Rede über die konser-! vative und liberale Bewegung im Katholizismus u.a. ausgeführt:! „Es handelt sich um die klarste Bethätigung jenes reli- - giosen Fanatismus, jener furchtbaren Intoleranz, welche die katholische Kirche als unseliges Erbstück des mütterlichen Jndenthnms den arischen Völkern des Abendlandes überliefert hat." Inden: nur eine eingehende Widerlegung dieser Behauptung, soweit Redner auf das Judenthum zurückgeht, unseren Theologen und Gelehrten überlasse:: müssen, halten wir es bei dem berechtigter: Aufsehen, das diese Rede in der ganzen gebildeten Welt erregt hat, sowie in: Interesse unseres Glaubens für unsere publizistische Pflicht, bereits heute zur Abwehr des gegen das Judenthun: geschleuderten Angriffs Folgendes zu erwiedern: 1. Den: Judenthmn ist der Begriff des starren, festen Dogmas fremd. Es hat daher zu keinen Zeiten darauf An-! jpruch erhoben, daß es im Besitz der alleinseligmachenden Heilswahrheiten ist. Im Gegensatz zu der Lehre von Hölle und Fegefeuer können nach jüdischer Anschauung die Gerechte:: aller Völker — einschließlich der Heiden — Theil haben an der künftigen Seligkeit. 2. Das Jndenthnm ist daher auch in der Zeit seiner nationalen Blüthe und Selbständigkeit jeder Proselytenmacherei! und Zwangsbekehrung abhold gewesen. Seine Kämpfe gegen die benachbarten Völker und später gegen die Syrer waren niemals aggressiv, sondern stets defensiv. Das biblische Judenthun: hat in seiner Mitte ähnliche Einrichtungen wie Inquisition Zwangstaufen, den jede freie Forschung ausschließenden Inder und Aehnliches nicht gehabt. 6. Das Jndenthrun kennt keinen Priester- und Laienstand, keine Askese und kein Cölibat; der Begriff der „eeelesül imlitrm.«^' mit ihren Hilfstruppen von Orden und Klöstern ist ihm fremd geblieben. 4. Die Fundamentalsätze im dritten Buch Mose 19 und 84: „Di: sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." „Wie der Eingeborene unter euch sei auch der Fremdling, der bei euch weilet, und du sollst ihn lieben wie dich selbst, denn Fremd linge wäret ihr in: Lande Aegypten." führen schließlich eine beredtere und eindringlichere Sprach' als lange Beweisführungen über angebliche Intoleranz des Judenthums. Die Intoleranz des Katholizismus wäre also nicht auf dm mütterliche Judenthnm, sondern unseres Erachtens auf dihistorische Entwickelung der Kirche, auf ihre 1500jährig absolute Alleinherrschaft, auf ihre gewaltige Machtstellung ohm Gleichen, der Kaiser und Könige ihren ehrfürchtigen Tribw zollen mußten, zurückzufähren. In: Besitze des alleinselig machenden Glaubens duldete sie keine andere Lehre neben sich, bis die Reformation die erste, tiefe Bresche in d:e bisher uneinnehmbare Veste schlug. 4 Ueber die Debatte der hessischen Kammer, die Würdigung des Judeneides durch einen Darmstädter Richter betreffend I.al Nil nü ^l. w l'g ^'fl > h, Nh!N lf :r iq ch ie § er! ie ukr l W ,-rl? n wd lg ulc l fs dhl! ri c. ee I : U j! N l! s li il >i,N n. öl lun 4! iu ' cw) M W; n ed.l oir m s l vi! illii c. ' W: Ws