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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-03-21 · Heft 12 (21.3.1902) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 12 (21.3.1902)
Date
1902-03-21
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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s selben waren nutzer dem Vorstand auch eine Anzahl von Ehrengästen erschienen. In einer all den Wochenabschnitt anknüpfenden Rede wies Herr Dr. Eschelbacher ans die edle Gesinnung, das gute Herz, den Drang zu Helsen, als die Kraftquelle aller guten Stiftungen und gemeinnützigen Anstalten Hill. Wie bei der Ausstattung des Stiftszelts nur freiwillige Gaben zugelassen, wie dieselben aus Liebe, reiner Begeisterung tlnd herzlicher Theilnahme hervorgingen, so sind heute noch dieselben Gesinnungen und Empfindungen die Triebfeder, welche Institutionell und Veranstaltungen wie die „Amicitia" entstehen ließen. Diese uralte schöpferische Kraft der Bruderliebe bleibt in Israel ewig jung und setzt sich in Werken der Barmherzigkeit in die äußere Erscheinung. Die Gründer und Wohlthäter der Anstalt hätten sich mit tapferer und fleißiger Hand erst selbst ihr Lebensglück gezimmert, seien aber nicht in den Zerstreuungen und Behaglichkeiten des Daseins und im Genießen irdischer Güter anfgegaugen, sondern bewahrten sich auch auf der Höhe ein Herz für fremdes Weh und fremdes Leid. Besonders habe sich ihr fürsorgliches Herz der „Amicitia" zugewendet, die mit Recht den Namen „Freundschaft" führt. Denn die Urheber wollten in ihren Schützlingen nicht Fremde, Arme, Erniedrigte sehen, sondern ihnen in Achtung und Freundschaft, in brüderlicher Zuneigung die helfende Hand reichen. Dazu besaßen sie neben dem guten Herzeil auch den festen Geist, den freien Blick und die gereiste Erfahrung des Lebens. Mit der Aufforderung an die Schüler, beim Erwerben voll Kenntnissen ihren vollen Eifer einzusetzen, schloß der Redner seine schölle Ansprache. Der Verein, dessen Vorsitzender der Landschaftsmaler I. Bodeustein ist, bezweckt bekanntlich die geistige und materielle Förderung von Handwerkslehrlingen, besonders solcher, deren Schulbildung eine mangelhafte geblieben ist. Zöglingen der Anstalt werden auch Beihilfen zu technischer Vervollkommnung in ihrem Handwerk gewährt. Berlin, 21. März. Am 11. d. M. entschlief nach langem schweren Leiden im 61. Lebensjahre Herr Rabbiner Dr. B. Friedmailll, hier. Geboren zu Csaba in Ungarn am 7. September 1842, wurde er voll seinen frommen Eltern schon im zartesten Kindesalter für das rabbillische Studium bestimmt, lernte er unter den härtestell Entbehrungen mit angestrengtem Fleiß und großem Eifer Bibel und Talmud zunächst bei dem Rabbiner seiner Vaterstadt, später bei anderen hervorragenden Autoritäten Ungarns. 1863 kam er nach Berlin, wo er besonders im Hause des seligen Dr. Sachs verkehrte, dessen Söhnen er hebräischen Unterricht ertheilte. Nach vollendetem Universitätsstudinm wurde er auf Grund einer scharfsinnigen Dissertation „Do negni noliono seeunämu 1865 in Rostock zum Doktor promovirt. Im Frühjahr 1866 wurde er iu Beuthen und ill Szentes zum Rabbiner gewählt. Er entschied sich sür Szentes, wo er etwa zehn Jahre segensreich wirkte. Später folgte er dem ehrenvollen Ruse der Gemeinde Triesch iu Mähren, wo ihm von allen Mitgliedern eine innige Verehrung entgegengebracht wurde. Im Jahre 1884 verließ er diese Gemeinde, um das Nabbiueramt iu Grätz (Posen) anzutreten, wo er sich ebenfalls iu kurzer Zeit durch seine Gewissenhaftigkeit, seinen Seelenadel und die Lauterkeit seines Lebenswandels auch iu außerjüdischen Kreisen die allgemeine Hochachtung erwarb. Im Jahre 1897 überfiedelte er nach Berlin, wo er von der vereinigten Schochare Hattob und Bue Brithgemeinde zum Prediger und Schulleiter gewählt wurde. Am 14. d. M. wurde der Verblichene zur ewigen Ruhe bestattet. In ihm ist uns ein tüchtiger Talmudkenner entrissen worden und ein bedeutender Kauzelredner, dessen Predigten tiefen Gedankeninhalt mit dichterischem Schwung vereinigteil. Er war ein edler Mensch, ein Gerechter, dessen Andenken znlll Segen sein wird. 8. Berlin, 16. März. Am 9. d. M. ist Herr Eugen Rosenstiel in Meran, wo er Erholung von langjährigen Leiden suchen und frische Kräfte zu sammeln gedachte, verstorben. Mit ihm ist ein edler Wohlthäter und ein Menschenfreund dahingegangen, dessen Herz warm für die Armen und Bedrückten schlug, und dessen Hand sich niemals der thatkräftigen Förderung zahlreicher humanitärer Institutionen entzog. Von ihm ist das Gut Ebnen eingerichtet worden zur Ausnahme einer Berliner Ferienkolonie sür jüdische Kinder; er war es, der das Gut Nepzin in Pommern dem deutsch-isrculitischen Gemeindebuude zur Errichtung einer israelitischen Fürsorgeerziehlmgsanstalt für verwahrloste Knaben überwies. Ausschließlich seiner Anregung ist es zu danken, daß dem Gerneindebund das Terrain in Weißensee zur Errichtung einer jüdischen Arbeiterkolonie, welche bereits mit elf Arbeitern im Betrieb ist, zur Verfügung gestellt wurde; ihm Hai es das „Israelitische Lehrerinnenheim" zu danken, daß er hilfreich Herz und Hand eines Wohlthäters leitete und dem Verein, an dessen Mitbegründung er lebhaften Antheil genommen hatte, die Möglichkeit der Erbauung eines -sig-euen-Hrrms verschaffte. Dem Hmnanitätsverein Gewul Tauw war er ein treuer Freund, der in jeder Weise die Bestrebungen des Vereins förderte und unterstützte; dem Verein für Arbeitsnachweis, dessen Mitbegründer er war, war er ein bewährter Nathgeber, und seiner früheren Leitung des Vereins ist die günstige Entwickelung desselben in hervorragendem Maße zu dankeil. Innerhalb der U. O. B. B.-Logen entfaltete er als Repräsentant eine wirksame Thätigkeit, dem Ausschuß des Gemeindebnndes stellte er ebenfalls seine reiche Arbeitskraft zur Versügung, und so widmete sich der Verstorbene trotz schweren körperlichen Leidens noch vielen anderen Humanitären Institutionen in rühriger nnd unermüdlicher Thätigkeit. Das außerordentlich zahlreiche Trauergefolge legte beredtes Zengniß ab für die große Verehrung, deren sich der Verblichene in weiten Kreiselt erfreute; die Vereine, denen er angehörte, waren fast sämmtlich durch Deputationen vertreten, einige unter ihnen erschienen mit umflortem Banner. Die Rabbiner Dr. Rosen zweig nnd Dr. Stier gaben das Lebensbild des Entschlafenen und gedachten in warmen Worten der Anerkennung seilles segensreichen Wirkens. Namens des Deutsch-israelitischen Gemeindebnndes rief Herr Professor Dr. Philippson dem Todten herzliche Worte ehrenden Gedenkens nach, der in der kurzen Zeit, in der er dem Gerneindebund angehörte, Großes und Bleibendes geschaffen hätte, der nicht nur wie viele Andere Mildthätigkeit übte, sondern in wirksamer sozialer Hilfsarbeit an seinen unglücklichen Glaubensgenossen das Uebel an der Wurzel anzugreifen bestrebt gewesen sei. Für die Großlogen sprach Rechtsallwalt Timend orser und für die Montefioreloge ein Vertreter derselben. Nach einem wirkungsvollen Schlußlied des Shnagogenchores wurde alsdann die Hütte des Verstorbenen zur letzten Ruhe bestattet. — Nach Beendigung der Trauerfeierlichkeit begab sich ein großer Theil des Gefolges nach der nahe gelegenen jüdischen Arbeiterkolonie Weißensee, und es konnte wahrlich nicht in Pietätvollerer Weise das Andenken des Verblichenen gefeiert werden. Friede seiner Asche! Die von dem Entschlafenen geschaffenen Institutionen werden den Namen des edlen Wohlthäters lebendig erhalten. j. Gttttstadt, 16. März. Der Verband der Syuagogeuge mein den Ost-Preußens hielt am 12. v. M. hier seine ordentliche Generalversammlung ab. Nach vorangegangenem Referat über den Stand der Verbandskasse und stattgefnndener Revision derselben eröffnete Stadlrath Eichelbaum-Insterburg die Verhandlungen mit einer tiefempfundenen Rede, in der er darauf hinwies.7 daß das Interesse der Inden für ihre Glallbensangelegenheiten im erfreulichen Wachsen begriffen sei, wie schon die große Theilnahme der Mitglieder der Berliner Gemeinde all den Nepräsentantenwahlen beweise. Daß dieses möglich sei, daß trotz alles Druckes die Religion, die Erinnerung an unsere Vergangenheit nicht erlösche, liege daran, daß zwischen Vergangenheit lind Gegenwart unserer Stammesgenossen kein so himmelweiter Unterschied bestehe, wie er sich bemerkbar macht zwischen den Idealen der Vergangenheit gegenüber dem Knltnrstande der Gegenwart ill dem Leben anderer Völker. Den größten Theil der Arbeit bildeten dann die Verhandlungen über Fragen des Religionsunterrichts, über die genaueren Einblick das recht bald im Drucke erscheinende Protokoll bieten wird, das Herr Gymnasialoberlehrer Levy- Allenstein fertig zu stellen übernahm. Rechtsanwalt Schey- Allenstein berichtete über den Stand der Pensionskasse, für die er als verdienstvoller Begründer neben Waisenhausinspektor Peritz-Königsberg das regste Interesse nach wie vor zeigt. Darauf wurden die verschiedensten Gemeindeangelegenheiten in Fragen, Allregungen u. s. w. berührt, und ließen eine freudige Thatenlust auf dem Gebiete des jüdischen Gemeindelebens nicht verkennen. Es sei nur der Gedanke hervorgehoben, mehrere kleinere Gemeinden behufs Erhöhung ihrer Leistungsfähigkeit zusammenzulegen. Mehrere Gemeindevertreter zeigten sich gern bereit, für die Verwirklichung dieses Gedankens zu wirken, auch wurde eine diesbezügliche Kommission gewählt. Nachdem die übrigen Wahlen vollzogen waren, schloß die Versammlung, an welche sich ein solennes Mahl anreihte. o. Kosten, 14. März. Am 1. d M. feierte der Sanitätsrath Dr. M. Lande hier im Hause seines Schwiegersohns, umgeben von seiner Familie, seinen 70. Geburtstag. Aus Nakel, wo der Jubilar

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