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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-03-21 · Heft 12 (21.3.1902) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 12 (21.3.1902)
Date
1902-03-21
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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66. Jahrgang. Ur. 12. Lerlin. 21. Mars 1902 Der Gemeindebote. Vertage zur „Allgemeinen Zeitung -es IuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. — Berlin, 15. März. Die „Vossische Zeitung" schreibt: „Universitätsprofessor (Titularprofessor) Dr. Hermann Oppenheim, Privatdozent für Nervenheilkunde an der hiesigen Universität, hat seine Dozentur niedergelegt. Von allgemeinerem Interesse sind die Umstände, unter denen Dr. Oppenheims Rücktritt voll der Lehrthätigkeit erfolgt ist. Dr. Oppenheim, der seit 1886 Privatdozent ist. wurde (zweimal) einstimmig von der medizinischen Fakultät dem Kultusministerium zur Beförderung zum außerordentlichen Professor vorgeschlagen. Der Kultusminister hat sich aber nicht veranlaßt gesehen, ans diesen Vorschlag der medizinischen Fakultät einzugehen. Darin sieht Dr. Oppenheim eine Beeinträchtigung, und zwar besonders deswegen, weil eben dieselbe Universitätsverwaltung, die ihm jetzt die von der medizinischen Fakultät befürwortete Ernennung zum außerordentlichen Professor verweigert, ihn vor zwölf bis vierzehn Jahren, als der damalige Leiter der Irren- und Nervenklinik der Charitee Karl Westphal durch Krankheit an der Allsübung der Lehrthätigkeit verhindert war, mit der Ertheilung des klinischen Unterrichts in der Nervenheilkunde betraute. So weit die „Vossische Zeitung". Wir haben nichts hinzuzufngen. 1?. Berlin, 13. März. Die „W issens ch a ft l iche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" hielt am 15. v. M. eine außerordentliche Generalversammlung ab. Nachdem das Protokoll der vorigen Sitzung verlesen und genehmigt ist. legt der Vorsitzende ein Schreiben des Vorstandes des Verbandes der jüdischen Lehrervereine vor, durch welches das Thema „die Psalmen im Religionsunterricht" als Verbandsthema für 1902 vorgeschlagen wird, und in dem ersucht wird, das etwaige Referat dem Verbandsvorstande zur Verfügung zu stellen. Darauf macht der Vorsitzende der Versammlung Mittheilungen über seine Theilnahme an einer Sitzung, in der die Einrichtung einer Berliner Toynbee-Halle zur Verhandlung stand, und zu der er in der Eigenschaft als Vorsitzender der „Wissenschaftlichen Vereinigung" eine Einladung erhalten hatte. Er giebt über Wesen und Bedeutung solcher Einrichtungen einige Ausschlüsse und hebt hervor, daß er in der Versammlung dem Gedanken Ausdruck gegeben habe, daß die Lehrer der Sache nicht fern bleiben würden. In der voll dem Vorsitzenden gewünschten, sich daran anschließenden Debatte wird von mehreren Seiten daraus hingewiesen, daß die Theilnahme der „Wissenschaftlichen Vereinigung" all den genannten Bestrebungen von dem Ausschluß der Zionismus abhängig zu machen sei. Ein Beschluß wird nicht gefaßt, mall ist allgemein der Ansicht, daß die Vereinigung zunächst eine abwartende Stellung einzunehmen habe. Nun erhält Kollege Flantes das Wort zu einem Referat über die „Kinderpredigten" von Rabbiner Dr. Hochfeld. Referent hält die Kinderpredigteu von Dr. Hochfeld für eine bedeutsame Erscheinung der jüdischen Litteratur. Vom pädagogischen und literarischen Gesichtspunkt kennt Referent kein ähnliches literarisches Erzeugniß, das religiöse Wahrheiten und sittliche Ideen in so anschaulicher, packender und überzeugender Weise den Kindern zum Bewußtsein zu bringen verstände wie die Kinderpredigten von Hochseld. Jede Predigt geht von einer bekannten biblischen Person, einem wichtigen Ereigniß oder einem Bibelwort aus, woran sich in durchaus verständlicher Weise die Belehrung knüpt. Immer werden Verhältnisse in Betracht gezogen, die dem Anschauungs- und Lebenskreise des Kindes nahe liegen. Die Sprache, in der der Prediger sich an die Kinder wendet, ist stets einfach, verständlich und anschaulich; der Toll ist kindlich, ohne im Mindesten trivial zu sein. Von theoretischen Erwägungen hat sich der Verfasser fern gehalten. Referent ist überzeugt, daß die Kinderpredigten sowohl in ihrer eigentlichen Bestimmung wie auch als Mittel zur Belebung des Religionsunterrichts und als Privatlektüre mit bestem Nutzen für das religiöse Denken und Empfinden wie auch für das sittliche Wollen und Handeln der Kinder zu verwenden sind. An den Vortrag schloß sich eine Debatte, in der auf die Vorzüge des Buches, voll einzelnen Rednern auch auf Mängel hingewiesen wurde. Zum Schluß findet eine vom Kollegen Falkenberg vorgeschlagene Resolution folgenden Inhalts Annahme: Die Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin sieht in den Kinderpredigten Dr. Hochfelds eine werthvolle Bereicherung der religiösen Litteratnr und empfiehlt die Anschaffung des Buches für Schul- und Hallsbibliothekeil." Darauf theilt Herr Hauff mit, daß sich die Bearbeitung der biblischen Erzählungen von Auerbach im Druck befindet, und daß Hoffnung vorhanden sei, das neue Buch scholl zum Sommerhalbjahr zil? Einführung zu bringen. Der Antrag des Vorstandes betreffend die Aufnahme von Lehrerinnen wird von der Tagesordnung abgesetzt, da die zur Aendernng der Statuten nothwendige Beschlußfähigkeit nicht vorhanden ist. 8. Berlin, 15. März. Das „Israelitische Lehrerinnenheim" hat nunmehr, »vie der Vorsitzende Herr Sanitätsrath Dr. Wiesen t hat der heutigen ordentlichen Mitgliederversammlung berichtete, sein drittes Lebensjahr vollendet, auf dessen glücklichen Verlauf der Verein mit berechtigtem Stolz und mit Freude zurnckblickeu darf. Durch eine Spende seitens des Herrn Louis Li epmann in Höhe von 15000 Mark wurde es dem Verein möglich, das Erholungsheim in Steglitz zunächst in Miethsräumen ins Leben zu rufen. Eine weitere Spende in Höhe von 10000 Mark stellten die Erben des verstorbenen Herrn Jacob Plauth zur Verfügung. Die größte Freude ward jedoch dein Verein durch Herrn Wygodzinski und dessen Frau bereitet, die, wie wir bereits früher mittheilen konnten, 100000 Mark stifteten für ein eigelles Heim des Vereins. Die Konkurrenz zum Bau desselben in Groß-Lichterfelde bei Berlin ist bereits ausgeschrieben. Es werden etwa 78 000 Mark dazu verwendet werden müssen, während die Summe für das Grundstück 20 500 Mark beträgt. Im März 1903, zur Feier des 70. Geburtstages des hochherzigen Spenders, soll das Heim seiner^Bestimmung übergeben werden, in dem alsdann den erwerbsunfähigen Lehrerinnen ein behaglicher Zufluchtsort nach treuem, verantwortungsvollem Wirken geboten werden wird Besonderen Dank und herzliche Worte ehrenden Gedenkens rief der Vorsitzende dem leider vor wenigen Tagen verstorbenen Herrn Rosen stiel nach, auf dessen Anregung die"eben erwähnte Spende dem von ihm mitbegründeten Verein zugeflossen ist. Die finanzielle Lage des Vereins, über welche Herr Netter Bericht erstattete, hat sich gegen das Vorjahr wesentlich gebessert; das Vereinsvermögen beträgt 118 628.57 Mark und ist gegen das Vorjahr um 37 000 Mark gestiegen. Der Mitgliederbestand hat sich unbedeutend verändert. Der Verein zählt jetzt vier Stifter, 94 immerwährende, 545 ordentliche und 122 außerordentliche Mitglieder. Die Zahl der in diesem Jahre verpflegten Insassinnen des Erholungsheims betrug 11, von denen nur zwei ans Berlin gebürtig sind. Der Verbrauch an Nahrungsmitteln stellte sich pro Kopf und Tag auf etwa 88 Pfennige. Klagen über Quantität und Qualität der Verpflegung sind der Wirtschaftskommission, in deren Namen Frau Rechtsanwalt Me her referirte, nicht mitgetheill worden. Die Vereinsleitung hat den Wunsch, daß keinen Monat das Erholungsheim unbesetzt bleibell soll. Das Propagandakomitee mit seiner rührigen Vorsitzenden Frl. Münchhausen hat an verschiedenen Orten die Frauenvereine zur Förderung des Vereins angeregt und auch auswärtige Kuratoriumsmitglieder zur Bildung von Ortskomitees, wie sie bereits in Hannover, Königsberg, Stargard und Stettin bestehen, aufgefordert. Nach Wiederwahl der statutarisch ansscheidenden Mitglieder des Kuratoriums und der bisherigen Revisoren und Superrevisoren der Kasse wurde debattelos eine Aenderung der Satzungen beschlossen, welche infolge der Eintragung des Vereins ins Register nothwendig geworden ist. Der Zweigverein Hannover, dessen schriftlicher Bericht vorlag, konnte ebenfalls recht günstige Ergebnisse seiner Thätigkeit melden. Berlin, 14. März. Die „Amicitia", die jetzt in das 32. Jahr ihres Bestehens getreten ist. hielt am 13. d. M. die Gedenkfeier für ihre Heimgegangenen Gönner und Wohlthäter ab. Zu der-

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