Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 12 (21.3.1902)
- Date
- 1902-03-21
- Page
- Seite 141 (sequence 11)
- Language
- German
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141 geräth, dann kann man aus der Küche schleunigst ein paar Eimer Wasser herbeiholen und das Feuer löschen. Die hierbei vorausgesetzte Nachbarschaft einer Küche ist indeß bei unseren Synagogen nicht vorhanden, und darum ist es — wie gesagt — erforderlich, daß wir uns auf andere Weise mit Löschmitteln vorsehen. Denn mit den Löscharbeiten bis Eintreffen der Feuerwehr zu warten, wäre natürlich vollständig verfehlt. Als bequemes und leicht anwendbares Löschmittel sind die mit chemischer Löschmasse gefüllten Eimer zu empfehlen. An Orten mit Druckwasserleitung sollte die Synagoge mit Hydranten und die letzteren mit stets angeschraubten, mindestens 10 Meter langen Schläuchen versehen fein. Jedes Löschrequisit muß an leicht zugänglicher Stelle angebracht werden und sowohl in der Männerwie Frauensynagoge vorhanden sein. Als unbedingt erforderlich erscheint es mir, daß während jeden Gottesdienstes, unter allen Umständen aber an Rosch ha- Schanah und Jom Kipur mindestens ein kaltblütiger, energischer und entschlossener Mann sich auf der Frauengallerie befindet, um bei Katastrophen irgend welcher Art die nöthigen und geeigneten Maßregeln zu ergreifen, denn sichere und ruhige Anordnungen wirken auf das weibliche Gemüth ungemein beruhigend. Ich habe im Vorstehenden nur das geschildert, was seitens der Gemeinden zur Erhöhung der Feuersicherheit in den Synagogen geschehen kann, unterlasse es aber geflissentlich, mich über das Verhalten des Publikums bei Feuersbrünsten zu ergehen. Darüber ist von berufener Seite schon hinlänglich genug geschrieben und empfohlen worden, und es ist überdies nicht fruchtbar, allgemeine Vorschriften zn geben. Bei jeder Katastrophe liegen die Verhältnisse anders, und nur eines ist es, was für alle Fälle nicht warm genug empfohlen werden kann: Ruhe bewahren. Und so schließe ich diesen Artikel mit dem Rathe, den mein heimathlicher Nachtwächter allnächtlich ausruft, und der da lautet: Bewahrt das Feuer und auch das Licht, Daß unsereu Orten kein Schaden geschieht. Lobet Gott den Herrn. Gin neues Schulbuch. Von Rabbiner Dr. David in Bochnm. ei meiner unterrichtlichen Thätigkeit habe ich das Bedürfniß nach einem Lehrbuch empfunden, das meines Wissens bis jetzt noch nicht geschrieben ist, und das ch darum in absehbarer Zeit herauszugeben gedenke. In der Voraussetzung, daß mancher Lehrer den gleichen Mangel inpfunden hat, erlaube ich mir, vorher an die Herren Jachzenossen einige Worte über Aufgabe und Plan desselben zu achten in der Hoffnung, dadurch noch manche iverthvolle Anlegung zu bekommen. Man macht häufig die Wahrnehmung, daß in Oberklassen der der Religionsschulen höherer Lehranstalten(vorausgesetzt, daß «selbst Hebräisch gelehrt wird) das Interesse für den hebräischen Unterricht abnimmt. Ich glaube nun, daß ein wesentlicher Schund hierfür darin zu finden ist, daß die gebotene Lektüre inhaltlich nicht mehr fesselt. Nachdem bereits die wichtigsten! Theile des Gebetbuchs übersetzt, ja vielleicht schon zu wiederholten Malen übersetzt sind, will sich der Schüler nicht immer! wieder in demselben Gedankenkreise bewegen und verlangt nach > etwas Neuem. Während für Knaben noch einige Abwechselung geboten wird durch die Lektüre wichtiger Kapitel des Pentateuch, wird den Mädchen infolge alten Herkommens in den meisten Fällen auch dieses vorenthalten. So kommt es, daß Schülerinnen oft schon acht Jahre lang Hebräisch lernen, ohne auch nur die zehn Gebote einmal im Urtext gelesen zu haben. Ich halte es aber für ersprießlich, wenn auch so manches andere Stück der Bibel, das sich weder im Gebetbuch noch im Pentateuch findet, im Urtext gelesen wird. Die Lektüre des Originals ist nun einmal werthvoller und hastet tiefer als die der Uebersetzung; warum sollen wir da beispielsweise, wenn wir Hebräisch treiben, nicht den 15. Psalm mit unseren Schülern im Original lesen? Daß Schüler und Schülerinnen die ganze hebräische Bibel in Händen haben, geht nun schon aus äußeren Gründen nicht gut. Darum dürfte sich die Herausgabe einer kleinen biblischen Chrestomathie sehr empfehlen. Ich dachte mir das Büchlein als eine kleine Auswahl der wichtigsten Stücke der Bibel unter besonderer Berücksichtigung unserer religiösen Praxis, sowie des geschichtlichen und systematischen Religionsunterrichts. Jeden Abschnitt versehe ich mit deutscher Ueberschrist, welche den Inhalt desselben kurz angiebt. Jeder Abschnitt bildet für sich ein Ganzes, so daß sich der Lehrer aus meiner Zusammenstellung herausnimmt, was für seine Zwecke am geeignetsten ist. Den Psalmen habe ich am meisten Platz eingeräumt, was schon dadurch gerechtfertigt sein dürfte, daß die meisten derselben bereits im Gebetbuchc Vorkommen und nun hier nochmals unter einem anderen Gesichtspunkte, nämlich als zur heiligeil Schrift gehörig, vorgesührt werden. Außerdem eignen sich die Psalmen weniger zur Lektüre in der Uebersetzung, während dieselbe für die Propheten durch meine Zusammenstellung nicht erübrigt wird. Dem Ganzen würde sich ein Vokularium (nicht alphabetisch) und das Allerwichtigste^aus der Grammatik (Nomen und regelmäßiges Zeitwort) anschließen. Ich bringe nun meine Zusammenstellung und bitte die Herren Kollegen, sich dazu zu äußern. Für jede Anregung werde ich dankbar sein. I. Ans den fünf Büchern Moses. (NNild) 1. Das Lied am Schilsmeer. (Hi^ <2. Mos. 15, 1—18.) 2. Die zehn Gebote. (ps'NI^N *?»71 Vp) Mos. 20, 1-14.) 3. Sittengesetze. (3. Mos. 19. 1—4^ 9-18; 32-37.» 4. Das Sabbathjahr nnd Jubeljahr. (7iZ)'2V >»'d ) (3. Mos. 25. 1-18.) ' ' '' 5. Das Erlabjahr. (NlöHZTl) t-5- Mos. 15, I—II.» 6. Thierschntz. (5. Mos. 22. 1-7 ) 7. Armenrecht. (5. Mos. 24, 10—23.» II. Ans den Propheten. 1. Hannas Gebet. (1. Sam. 2, 1—10.» 2. Eine Strasrede des Propheteil Jesaias. (Jes. 1, 1-20.) 3. Ein messianisches Zukunftsbild des Propheten Jesaias. (Jes. 11.» 4. Die Berufung des Propheten Jeremias. IJer. 1.» 5. Jeremias Klage über Mißhandlung. (Jer. 20, 7—13.) 6. Eine Strafrede des Propheten Amos. (Ainos 5.» 7. Das messianische Zukunftsbild des Propheten Micha. (Micha 4. 1-4.» III. Aus den Hagi ographen. (2'2K12) Psalmen. Psalm 1. Der Gerechte und der Gottlose. „ 8. Der Mensch — d.r Erde Herr. „ 15. Wer ist der wahrhaft Fromme? „ 19. Gottes Schöpfung nnd Gottes Lehre — zwei Zeugen seiner Erhabenheit.