Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 11 (14.3.1902)
- Date
- 1902-03-14
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Bestrebungen steht noch ihr Werk „Haus Und Gesellschaft in England" 1878) in Beziehung. Von ihren zum Lheil sehr werthvollen Romanen und Erzählungen seien genannt: „Fürstin, Frau. Mutter", Befreit". „Der Väter Schuld", „Schwere Ketten". „Die Erben". „Geesselt", „Schlangenlist", „Jrrthümer". Jenny Hirsch war in früheren fahren auch eitle treue Mitarbeiterin der „Allgemeinen Zeitung des ftidenthllms". Ihr Andenken wird in Ehren fortleben! Kp Ostrowo, 1. März. Der in weiten Kreisen bekannte und;ngleich hochgeachtete Bewohner unserer Stadt, Herr kgl. Oekouomierath David Goldstein, beging heute unter überaus herzlicher und reger Theilnahme der hiesigen Bevölkerung ohne Unterschied der Konfession seinen 70. Geburtstag. Herr Oekonomierath Holdstem, der als langjähriger Verwalter der Spezialkommission hierclbst nach Aufhebung der letzteren amtlich zwar in den Ruhestand 'erseht ist. zeigt sich nach wie vor in verschiedenen ihm gern anveruanten Aemtern überaus nützlich, ja fast unersetzlich. Goldstein ist eit langen Jahren Mitglied des diesseitigen Kreisausschusses; ferner iihrt er den Vorsitz im Gewerbegericht der Stadt Ostrowo; seit einiger Zeit ist ihm sogar die Amtsanwaltschast am hiesigen Amtsgerichte übertragen worden, wohl der einzige Fall in Preußen. Aber auch nr jüdische Angelegenheiten hat Rath Goldstein Herz und Sinn. Lein Interesse hierfür bekundet er durch die rastlosen Arbeiten, die r namentlich im jüdischen Vereinsleben hierorts erledigt. Er ist Vorühender des Krankenpflege- und Leichenbestattungsvereins, des Mild- Ihätigkeitsvereills und des Litteratur- und Geschichtsvereins, auch den Holzverein leitet er seit vielen Jahren und ist Vorstandsmitglied des israelitischeil Frauenvereins. Sein Amt als Vorsteher der Synagogennerneinde hatte er vor einiger Zeit wegen lleberbürdmig in andere Hände gelegt. Welcher Anerkennung und Beliebtheit Herr Goldstein ich erfreut, kam hellte recht zum Ausdruck. Der Kreisausschuß mit >em Landrath Frhrn. von Scheelo Hierselbst all der Spitze überreichte ihm unter herzlicher Beglückwünschung einen kostbaren Tafelaufsatz, sämmtliche oben erwähnten Vereine fanden sich durch Geschenke, Adressen rc. ab. Viele hochgestellte Persönlichkeiten und Deputationen brachten ihm Gratulationen dar. Möge es dem Geburtstagskinde, dessen Thun und Verhalten wirklich ein „Kiddusch Haschern" ist, vergönnt sein, noch viele Jahre in ungestörter Gesundheit in bisheriger Weise zum Wohle seiner Mitmenschen zu wirken. Bemerkt sei noch, daß Herr Goldstein seit langer Zeit Vorsitzender des hiesigen Vorschußereins ist und bei seiner vor zwei Jahren erfolgten Pensionirung nit dem Rothen Adlerorden IV. Klasse dekorirt worden ist. 1. Aus Overschlesien, 4. März. Angesichts der letzten Verhandungen des Deutsch-Israelitischen Gemeindetags über die materielle ind religiöse Stellung der Rabbiner in den altprenßischen Provinzen dürfte es interessiren, wie die Verhältnisse in den zwölf berschlesischen Nabbinaten liegen. Die Inhaber der größeren tabbinate — also vor allem Kattowitz. Benthen, Gleiwitz. Natibor — naben lebenslängliche Kontrakte, die Pensionsverhältnisse sind unseres Wissens in Kattowitz und Ratibor nach dem Pensionsgesetz für preußische Staatsbeamte geordnet. In religiöser Beziehung hat das Rabbinat lönigshütte absolutes Vetorecht. In den oben genannten vier Gemeinden wird der Rabbiner laut Gemeindestatut oder Kontrakt zu en Verhandlungen über religiöse Dinge hinzugezogen resp. um sein christliches Gutachten ersucht. Aber auch in den mittleren und eineren Gemeinden Oberschlesiens ist die Stellung der Rabbiner eine irchaus geachtete. Im klebrigen hat jeder Rabbiner die Stellung, me er sich durch seine Persönlichkeit und sein Wirken selbst schafft. Hage» i. W., 6. März. Es dürfte für weitere Kreise von soliderem Interesse sein, daß die hiesige jüdische Privatschule, 'folge erneuter Unterhandlungen zwischen der Synagogen- und der tadtgemeinde, ihren Oeffentlichkeitscharakter durch Uebernahme auf en Kommunaletat erhalten hat. — Prediger Salomon ans Jser- 'hn wurde an der Bonner Universität zum Doktor der Philosophie p omovirt. Die Dissertation des Herrn Dr. Salomon stellt eine Ereiternng seiner Preisarbeit dar und ist betitelt: Perzeption und pperzeption von Leibniz bis Kant. --- Oldenburg, 10. März. Nachdem der frühere Lehrer Herzberg > Oldenburg beim Großherzoglichen Staatsministerium durch eine l ngabe vom 20. November 1901 die Amtsentsetzung des Land- -bbiners D r. Mannheimer auf Grund von sieben Anklage- Pakten beantragt hat, ist nach viermonatlicher eingehender Unter-! chung und nach Vernehmung von ca. vierzig Zeugen folgende Antwort heute eingetroffen. „Das Staatsministerinm theilt Ihnen hierdurch mit, daß nach den angestettten Ermittelungen keinerlei Anlaß vorliegt, gegen den Landrabbiner Dr. Mannheimer disziplinarisch vorzugehen." Oldenburg, 9. März 1902. Staatsministerinm. Departement der Kirchen und Schulen. Nuhstrat. Köln, 7. März. Der Provinzialverband rheinischer S yn a g o g en g em ei n den hielt am 2. d. M. hier seinen diesjährigen Gemeindetag ab. Anwesend waren die Delegirten voll 23 Gemeinden. Vom rheinischen Rabbinerverband waren zugegen die Herren: Rabbiner Dr. Frank-Köln, Dr Nosenthal-Köln, Dr. Baßsreund-Trier und Dr. Jaulus-Aachen. — Zunächst begrüßte der Vorsitzende die anwesenden Herren Rabbiner und die Vertreter der Gemeinden. Sodann berichtete Herr Feilchenfeld über die zwei ersten Punkte der Tagesordnung: 1. Geschäftliches und 2. Bericht über den Gemeindetag des D.-J. G.-B. ik ausführlicher Weise. Der erstattete Bericht wurde gemeinschaftlich mit Punkt 3 — Beitritt zur Gesammtorganisation der deutschen Juden — zur Debatte gestellt. Ein All trag auf Einrichtung von gemeinschaftlichen Centralstellen für Armennnterstützung wurde dem Ausschüsse zur Berathung überwiesen mit der Maßgabe, dem nächsten Gemeindetag bestimmte Vorschläge zu unterbreiten. Alle Redner waren von Sympathie erfüllt für die Errichtung von Arbeits stätten nach dem Muster der Kölner, und wird der Ausschuß nicht verfehlen, diese günstige Stimmung für die Errichtung mehrerer rheinischen Arbeitsstätten auszuuutzen. Zum Punkt 4 der Tagesordnung; Errichtung des Religionsunterrichts und der Inspektion waren zwei Anträge eingelaufen. 1. Antrag des Herrn Kaufmann-Andernach : Der Ausschuß möge sämmtlichen Gemeinden, die dem Provinzialverbande angehören, geeignete Personeil iu Vorschlag bringen, welche ihre Religionsschule inspiziren sollen. 2. Alltrag des Herrn Rabbiner Dr. Jaulus-Aachen: 1. Enquete über fehlenden Religionsunterricht beim Landrath und Bürgermeister einhölen. — 2. Den Schulinspektoren staatliche Autorität zu verschaffen. Die Anträge wurden dem Ausschuß zur Erledigung überwiesen. Herr Bielefeld-Köln erstattete den Kassenbericht. Herr B. Heidenheim-Köln erstattete den Revisionsbericht. Die Versammlung ertheilte Entlastung. Die Herren B. Heidenheim und Siegsr. Simon-Köln werden als Revisoren wiedergewählt. Die bisherigen Mitglieder des Ausschusses wurden wiedergewählt, und die Herren Moritz David-Bonn. Scheuer-St. Johann, Max Nachmann- Dnisbnrg und Wallach-Euskirchen nengewählt. Herr Feilchenseld-Köln wurde als Vorsitzender wiedergewählt. — Betreffs Organisation der deutschen Juden wurde der Antrag Feilchenseld-Köln: „Der Provinzialverband rheinischer Synagogengemeinden erklärt seine Sympathie für den Gedanken einer Gesammtorganisation der deutschen Juden; die Möglichkeit eines Beitritts der einzelnen Gemeinden bleibt jedoch von der endgiltigen Form abhängig, die diese Gesammtorganisation am nehmen wird," angenommen. l. Wiesbaden, 6. März. Am 15. d. M. ist unser verehrter Ober kantor und Lehrer E. Tranb gestorben. Mitten in seiner Thätigkeit — der Verstorbene hatte noch am Tage vor dem Tode seinen amtlichen Funktionen obgelegen — ereilte ihn sein Geschick. Ein Herzschlag, der ihn während des Schlummers traf, machte seinem Leben ein so rasches Ende. Mit Tranb ist wieder einer der besten aus den Reihen der Lehrer geschwunden. Sein Name aber wird unvergessen bleiben. Nicht nur durch eine 32jährige segensreiche Wirksamkeit in hiesiger Kultusgemeinde hat sich der Dahingeschiedene verewigt, sondern auch durch eine aufopfernde Thätigkeit im Dienste seiner Kollegen. 25 Jahre lang war er alleiniger Lehrer und Kantor in der hiesigen Hauptgemeinde und hat seine Funktionell zu aller Zufriedenheit versehen. Am Tage seines Jubiläums legten dann auch die mannigfachsten Auszeichnungell und Ehrungen Zeugniß ab von der allgemeinen Wertschätzung, welche man ihm zollte. Als Sohn eines Lehrers in Gröbziegeu in Baden im März des Jahres 1837 geboren, wiesen ihn Begabullg und Neigung bald aus seinen späteren Berus hin. In Karlsruhe besuchte Tranb das großherzogliche Seminar und wirkte nach seinem Abgänge zwei Jahre lang in dieser Stadt als Unterlehrer Nachdem er darauf anderthalb Jahre in Neuwied thätig war, nahm er die Lehrer- und Kautorstelle in Bühl (Baden) an. Hier verheirathete er sich mit einer Tochter des seligen Rabbiners Millstätter in Gailingell. Nach zehnjähriger Wirksailikeit an genanntem Orte kam Tranb hierher. An der Bahre stand trauernd die ganze Gemeinde. Viele Kollegen waren herbeigeeilt, um dem Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. Bezirksrabbiner Dr. Silberstein, selbst sichtlich tief bewegt.