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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-03-14 · Heft 11 (14.3.1902) · p. Seite 132

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 11 (14.3.1902)
Date
1902-03-14
Page
Seite 132 (sequence 14)
Language
German
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132 Hochgeehrter Herr Redakteur! d?^em steht das Recht der Priorität zu? Diese Frage möchte ich Sie bitten, heute zur allgemeinen Kenutniß der Fachgeuossen zu stellen. Zn seiner Morgenausgabe vom 11. Februar cr. bringt das „Berliner Tageblatt" unter der Spitzmarke: „Wie der heilige Dionysius die Weinrebe fand", im Namen des Herrn v. Stavenhagen, daß er „in einer ziemlich vergessenen ausgezeichneten Sammlung griechischer und albanesischer Märchen des.früheren österreichischen Generalkonsuls für Griechenland I. G. v. Hahn das folgende, jeden Weinliebhaber besonders ansprechende Märchen entdeckt habe": „Als der heilige Dionysios »loch klein war, machte er einst eitle Reise durch Hellas, um nach Naxos zu gehet,. Da aber der Weg sehr lang war. ermüdete er und setzte sich auf einen Stein, um auszuruhen. Als er nult so dasaß und vor sich niederschaute, sah er zu seinen Füßen ein Pflänzchen aus dem Boden sprießen, welches er so schön fand, daß er sogleich den Entschluß faßte, es mitzunehmen und zu pflanzen. Erhob es aus und trug es mit sich fort. Da aber die Sonne eben sehrheiß schien, fürchtete er, daß es verdorren werde, bevor er nach Naxos komme. Da fand er ein Vogelbein, steckte das Pflänzchen in dasselbe und ging weiter. Allein bei seiner gesegneten Hand wuchs das Pflänzchen so rasch, daß es nach unten und oben aus den, Knochen herausragte. Da fürchtete er wieder, daß es verdorren werde und dachte auf Abhilfe. Da fand er ein Löwenbein, das war dicker als das Vogelbein, und er steckte das Vogelbein mit dem Pflänzchen in das Löwenbein. Aber bald wuchs das Pflänzchen auch aus dem Löwenlein. Da fand er ein Eselsbein, das war noch dicker als das Löwenbein, und er steckte das Pflänzchen mit dem Vogel- und Löwenbein in das Eselsbein, und so kam cr auf Naxos au. Als er nun das Pflänzchen einsetzeit wollte, fand er, daß sich die Wurzeln um das Vogelbein, um das Löweubeiu und um das Eselsbein fest geschlungen hatten. Da er es also nicht herausuehmen konnte, ohne die Wurzeln zu beschädigen, pflanzte er es eilt, wie es eben war und schnell wuchs die Pflanze empor und trug zu seiner Freude die schönsten Trauben, aus welchen er sogleich den erstell Wein bereitete und den Menschen zu trinken gab. Aber welch Wunder sah er nun! Als die Menschen davon tranken, saugen sie anfangs wie die Vögelchen, tranken sie mehr, so wurden sie stark wie die Löwen, und wenn sie noch mehr tranken wurden sie wie die — Esel!" Nun lesen wir aber in dem Midrasch Tanchuma zu Genesis säet. Xli: „Als Noah die Absicht hatte, eiltet! Weinberg zu pflanzen, kam der Satan und gesellte sich zu ihm mit folgenden Worten: Was willst du pflanzen? Daraus entgegnete Noah, einen Weinberg! Nun sagte der Satan: Kennst du denu sein Wesen? Seine Früchte sind süß, sprach Noah, sowohl in rohem wie auch in getrocknetem Zustand, und man bereitet Wein daraus, der das Herz erfreuet (Ps. 104). So lass' uns, sprach der Satan, gemeinschaftlich den Weinberg pflanzen. Als nun Noah eingewilligt hatte, da nahm der Satan ein Schaf, sodann einen Löwen, ein Schwein und endlich einen Affen, schlachtete diese Thiere und sprengte das Blut aus die Fläche, die Noa zum Weinberg in Aussicht genommen. Er wollte damit dem Noah audeuten: So lange der Mensch noch keinen Wein getrunken hat. ist er ruhig wie das Schaf; hat er aber mäßig getrunken, so fühlt er sich stark gleich einem Löwen und glaubt au Stärke Jeden zu übertreffen; hat er aber zu viel getrunken, so gleicht der Mensch dem Schweine, das sich in seinem eigellen Unflath wälzt; hat ihn endlich der Rausch ganz bethört, so gleicht er einem Affen, der da springt und Zoten redet, weil er ganz unzurechnungsfähig ist. Mit dem Ausdruck ergebener Hochachtung Halle. LI. Februar. Dr. Siegmund Feßler. * Geehrter Herr Redakteur! (^^r. Chotzner fühlt sich in seinen! letzten Briefe in Nr. 7 veranlaßt. höhere Kritik au einer prächtigen Novelle (nicht Artikel, wie CH. sie uennt)^vvu I. Zangwill auszuüben, die nach meiner Meinung unrichtig ist. Die Novelle, originell und humoristisch, wie sie nur ein Zangwill zu schreiben im Stande ist, ist keine Karikatur (wie CH. meint), sondern eine ans dem wirklichen Leben gegriffene Geschichte. Sie schildert einen jener Charaktere, oder besser gesagt, einen jener charakterlosen Menschen, wie sie leider das moderne Leben nur zu oft bietet. Cohen ist der allmächtige Parnes einer jüdischen Provinzial gemeinde, dem, nachdem er sich in London angesiedelt, der Nam Cohen zu jüdisch ist, und der ihn deshalb in den mehr englisch klin genden Cou (nicht Cowen, wie Chotzner meint) ändert. Durch sein despotisches Benehmen treibt er seinen Sohn Simon aus dem väterlicher Hause, und Dieser läßt sich gegen den Witten des Vaters (nicht wi Chotzner meint auf dessen Veranlassung) als Freiwilliger unter di nach Südafrika gehenden Soldaten einreihen. Dort wird er mi einem englischen Kameraden eng befreundet, und als dieser auf den Schlachtfelde bleibt, bringt er. beurlaubt, die Nachricht von dessen Too seiner Familie in England. Er verliebt sich in die Schwester seine gefallenen Kriegskameraden und wünscht sie zu seiner Gattin zu machen. Aber Diese, die Tochter eines die Ausländer hassenden Stock eugländers, verweigert ihm ihre Hand. Die Novelle, eine wahr Perle eines poetischen Genius, ist so wenig antisemitisch, daß ich si geradezu eine Kiddusch Haschern veranlassende That nennen möchte Der Dichter liebt sein Volk und will, die Heuchelei mit satirischen Waffe! geißelnd, daß Israel weder durch Kriecherei noch Ostentation ncw außen sich hervorthue, sondern charaktervoll seiner väterlichen Religioi nach innen und außen treu bleibe. Bradford, 16. Februar. Ihr ergebener Dr. Strauß. * Hochgeehrter Herr Redakteur! .leich nach Erscheinen des ersten Artikels über Moses Blumenfel machte mich Herr Hauptlehrer Graf, Hierselbst, in dankenswerthe Weise darauf aufmerksam, daß die von mir erwähnten Haesterschen Rechenbücher nicht vom Blumenfeld, sondern von ihm (Herrn Grasi bearbeitet seien; ebenso war er auch an der Bearbeitung des Lesebuch für die Mittelstufe hervorragend betheiligt. Ich beeile mich, dies hier mit richtig zu stellen. Essen, 24. Februar. Hochachtungsvoll Dr. Samuel. * Sehr geehrter Herr Redakteur! dem Bericht über den zweiten Verbandstag in der letzte Nummer Ihrer geschätzten Zeitung erlaube ich mir ergänzend zu bemerken, daß ich nicht nur die pädagogische, sondern auch d > allgemeine Bildung, welche der Lehrplan des Posener Instituts si r die in letzteren! ausgebildeten Religionslehrer vorsieht, als ein durchaus ungenügende bezeichnet habe. Bielefeld, 9. März. Mit vorzüglicher Hochachtung Rabbiner Dr. Cobleuz. 4 Verehrliche Redaktion! (^^ie Notiz aus Schildberg in Nr. 10 veranlaßt mich, Sie um ge i Aufnahme folgender Zeilen zu bitten: Ich habe am 1. August meine Stelle in Schildberg niedergele; t weil ich nicht länger amtiren wollte mit einen! Beamten, gegen dess u Anstellung ich mich von vornherein verwahrt hatte, nachdem der L treffende mir nicht genügend qualifizirt erschien. Was die Beleidigung des betreffenden „achtbaren Gemeinden! glieds" aulangt, bemerke, daß ich einen Mißstand gerügt habe, dess u Bestehen das gerichtliche Erkenntnis; als „erwiesen erachtet". M» würde von Anstrengung einer Klage gegen mich abstrahirt halnn wenn man nicht gefürchtet hätte, daß der eigentliche Angeklagte, d m gegenüber ich mich über diesen Mißstand geäußert hatte, mich a s Zeuge vorladeu wird. Um nicht noch weiteren Cüilue lmseüem herbeizusühreu, wollte cl von der Berusungsklage absehen, der Hauptangeklagte hat diese trc!> dem eingelegt, und ist wohl das letzte Wort in der Angelegenheit w ch nicht gesprochen. Auf eine weitere Zeitungspolemik lasse ich mich nicht mehr ein Asch a ffenbu rg, 9. März. Hochachtungsvollst Rabbiner Dr. M. L. Bamberg er. Druck und Vertag von Ruvotf Mosse in Berlin. VerantwortNcb für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin.

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