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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-03-14 · Heft 11 (14.3.1902) · p. Seite 131

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 11 (14.3.1902)
Date
1902-03-14
Page
Seite 131 (sequence 13)
Language
German
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131 chtigkeit oll und;r Welt Messias chreiten halten winkeln > Inden ns auf. an sich d dann »nd der er aber >en uns ersburg md als rei und es »licht Kleider- »cht abn Hülle e Wege redung, »lügend mer ein eigenen nie ge klingeln in Bette Da das >endnnc »glichen ieb, ein deinen Ja, mn wiedei n. auch Faden n schon S ist ein be nach t man : seinen komm derben zuhören e Kapp;eckt, d» »tefiore schichten c»ie mal> wn der ten ga > reu die s mutb stellen Thieren wieder geboren werden, ist eine ausgemachte Sache. Und dann giebt es noch ein Wandern nach dem Tode mit eigenem Körper und eigenen Kleidern über dem Todtengewand: da kann man jahrelang herumirren und nicht einmal wissen, daß man gestorben sei, bis ein Wind kommt, der die Rockschöbe wühlt und das Leichentuch sichtbar macht. Sechs Wochen im Jahre, zur Gänsezeit, ist es gang und gäbe, daß der Schächter von allem, was er schlachtet, etwas kosten muß, denn sonst steht er in Gefahr, von der Welt abgerufen zu werden. So wandern alle Gänsefüße in die Schürze der Schächterin, die von allem des Abends eine kräftige Brühe macht und ihrem Manne ein paar Löffel davon giebt. In Ser That aber sind bei ihr je zwei Füßchen für einen Groschen zn haben, und wenn man fünf Paar zusammen kauft, bekommt man noch ein Paar dazu. Mensch, wenn dn ansstehst, hüte dich, den rechten Schuh vor dem linken anzuziehen. Schneidest dn dir die Nägel, dann überspringe immer einen Finger, und dann lege dazu ein paar Brocken Holz, damit sie oben als Zeugen dienen sollen, daß dn sie gehörig verbrannt und nicht, Gott behüte, auf den Boden geschmissen Haft. Denn fürwahr, dieses soll Niemandem erlassen werden, und wenn man sein Leben lang me Böses gethan hat, sich aber so etwas zu Schulden kommen ließ, muß man nach dem Tode die große Wanderung dnrchnachen, um jeden zerstreuten Nagel aufzusnchen. Hast du dir die Hände gehörig gewaschen und dich fertig gemacht, dann sprich den Dreisegen: Gelobt sei der Herr, daß ich nicht zu den Sklaven gehöre, gelobt sei er, daß er mich licht znm Weibe gemacht hat; gelobt sei er, daß ich kein Heide >in. Und dann kommt das tiefsinnige Gebet: „O, Gott meiner, )ie Seele, mit der du mich gesegnet hast, ist für immer rei». Sie ist von dir erschaffen, und durch Deinen Athem kam sie n mich. Du bist ihr Hüter, während sie in mir ist, du wirst ie auch von mir nehmen, nnd sie mir wieder zurückgeben, wenn der Tag der Gerechten kommt. So lange sie noch in nir ist, beeile ich mich, dich zu loben, du Gott meiner und er meiner Väter." Ich übertreibe nicht. Das ist das stärkste religiöse Moment m ganzen Jahrmarkt der vielen Gebete und Gesetzesverrichiingen. das ist der Sabbathtropfen im täglichen Leben. Worte tvie: der Herr alles Geschehens, der Zeitlose und Unsichtbare, der Gott, der kein Körper ist und nie einem Körper ähnlich ist, gehen einem nicht recht zu Gemüthe. Wenn aber ein Jude sagt: der Gott neiner Väter, dann erzittert alles in ihm, dann ist er nicht i rehr er selbst. Seiner ein schlechter Mensch oder unbedeutend- > »er, der gar nicht mitzählt, hier zählt er mit, und mit einem schlage wird er zum Träger aller Jahrhunderte. Man weiß nicht, wo es steckt, alle Thüren werden er- 1 ochen, das Leben des Einzelnen ist keine Pfeffermünze n orth, schlägt aber solche Stunde, da kommt man unter den 2 ann einer Vergangenheit, die rvie eine dämonische Gewalt a issteigt, die alles in sich zwingt. Kein Herz ist davon frei, u id auch die roheste Seele kennt Momente solcher Andacht. Niemand widersteht, wenn er hört „das heilige Land" beim Nunen nennen, und die stille Sehnsucht nach der langen liclösnng ist dort noch nicht eine Weile stnmm geworden. lSchluh folgt.) Sprechsaat. Geehrter Herr Redakteur! inner 4 Ihres geschätzten Journals enthält eine Kritik des Herrn Dr. M. Nahmer über Ronans „Hi8toi'ro äu ponplo <I'l8ra6l", Band IV. Dr. Rahnier sagt: Nonan hätte den Spruch des Weisen Antigouos deshalb mit „es walte der Thau des Himmels über euch," übersetzt, weil er, Ronan, das Wort mit dem Worte verwechselt habe; während nach Ansicht des Herrn Dr. Nahmer Gottesfürchtige»', gleich Z" bezeichnen ist und uach Joel, Kapitel 2, Frühregen bedeutet. Hierauf habe ich zu erwiedern, das; mit einem sowie nnt einem ,-s einen und denselben Stamm haben und richtig, nach klassischem Begriff der hebräischen Sprache, als Herrschaft —Macht verstanden werden müssen, auch demnach in der Bibel, je nach dem Begriff, das Wort mit der Endung oder angewandt wird.*) Wenn wir der Erläuterung des Herrn Dr. Nahmer beitreten würden, das; durch die differirenden Endungen verschiedene Worte und Begriffe entstehen, wie sollen wir sodann den biblischen Satz Richter, Kapitel 13, 5, verstehen, also dasselbe Wort ""t einem Ts — leider von allen kanonischen und von der Znnz'schen Uebersetzung unrichtig als Scheermesser wiedergegeben, nämlich: „Es soll kein Scheermesser über das Haupt Simsons kommen." Es wäre doch undenkbar, daß nach Joel 2. als Frühregen nnd in Richter 13 als Scheermesser angewandt wird. Fassen wir aber die biblische Sprache in ihrer Reinheit, so finden wir durchgehend. daß der poetische Begriff wie ein Faden eint, und daß das Wort oder als Herrschaft oder Macht zu bezeichnen ist. wie in Genesis 9, 2 die Vorsicht überträgt dem Menschen die Herrschaft über alle Thiere und Wesen. In Richter 13 bedeutet nicht „Scheermesser", sondern: „Es soll keine „Herrschaft" über das Haupt Simsons walten." In Jesaia 8. 13 heißt es 81N1 „Gott der Allmächtige ist euer Herrscher." In Joel 2 und im Deuteronomium ist deshalb snr Frührege»» oder angewandt worden, weil der Frühregen ^die Herrschaft über alles Vegetabilische ansübt. In gleicher Weise ist in der Bibel und im Talmud oder -sH') als „Herrscher, Besitzer, hoher Herr" angewandt worden, „leuchten" (in; selben Begriff wie Durchlaucht), ebenso auch in der aramäischen und in allen semitischen Sprachen. Demnach hat Ronan, den wir aus seiner Geschichte Israels rc. rc. als eitlen der größten Philologen und Historiker der klassisch-biblischen Sprache kennen, der mit der tiefsten Seelenreinheit die poetischen Begriffe der viele»» Psalmen erläutert, auch richtig den Spruch Antigouos »viedergegeben, also wie folgt: i'osoe; äu oiol sei a snr vo»»8." St. Petersburg, 19. Januar. Mit vorzüglicher Hochachtung Isidor Goldberg. Den Ausdrucku»it Gottessürchtiger wiederzugeben, ist überhaupt ein Jrrthum, welcher in der letzten Periode des Talmuds, unter der sassanidjschen Herrschaft sowie im Mittelalter in Gebrauch kam, und dadurch ist in der kanonischen sowie in der Znnz'schen Uebersetzung das Wort oder als Furcht erklärt worden, während nach biblischem Begriff solches als „ehren" zu verstehen ist. Deuteronomium 10, 12 kam» nur laute»»: „Dn sollst Gott ehren und lieben", und nicht „fürchten und lieben", denn Liebe hatte nie etwas mit Furcht gemein. I»» gleicher Weise lautet der Spruch Proverbia 14. 16: „Der Weise wird geehrt" und nicht „gefürchtet" In Esther 1, 14 ist als die „Mächtigen" des Staates oder „Majestät" zu verstehe»», »veil Macht auch Ehrung mit sich führt. Demnach können »vir eher als „Gottbegnadeter" bezeichne»». Ob die Frömmlnige, die in Polen nnd Galizien „Gottbegnadete" genanilt werden, als solche bezeichnet werden können, dieses zn entscheiden muß ich den geehrten Lesern überlassen. 2) In Prediger 7, 26 ist "icht als „bitter" zn verstehe»» sondern wie folgt: Da der Tod als Herrscher galt, so ist die schlechte Frau »»och als etwas Mächtigeres bezeichnet. r-

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