Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-03-14 · Heft 11 (14.3.1902) · p. Seite 129

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 11 (14.3.1902)
Date
1902-03-14
Page
Seite 129 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228473-3228485--58466-3294916
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

129 lid laß :ch der Naschi -ichtig: i. s. w. deren ns inr ' über- > fassen erusch. nlicher Psalm l Sinn )wört" abische I habe hwört, stame" cenden »n von Lesen." n An- >mmen lügend in der II und Verses Lands >e sain bleibt chung, Sinn; binthe hum." Stelle auch ämlich r auch , und ssesaja, r noch Land, n. d die > auch Zestigechet Quelle ntisch. ZBild rnzter intzt. Prediger 7. 29. Hier hat sich Dr. Bernfeld eine Uebersetznng geleistet, für die er eine schwere Verantwortung aus sich geladen hat. Er hat nämlich übersetzt: „Außerdem habe ich das gefunden: Daß Gott die Männer schlicht geschaffen, sie aber sdie Weibers sind ränkevvll."') Somit hat der Uebersetzer trotz des msLeuIiimn» den Nachsatz auf „die Weiber" bezogen, weil im Verse vorher es heißt: „Einen strefflichens Mann habe ich unter tausend gefunden; aber ein stresflichess Weib habe ich unter all diesen nicht gefunden." Dadurch ist ein Zusammenhang hergestellt. Mögen die Leserinnen hieran keinen Anstoß nehmen und keine Feindschaft hegen weder gegen Dr. Bernfeld noch gegen den Prediger, wenn er dies wirklich im Sinne gehabt haben sollte. Die Damen sollten sich hinreichend durch das Lied entschädigt halten, welches der weise König in den Sprüchen 31,10 vom braven Weibe anstimmt. Daher sollten sie trotzdem sich bemühen, diese Uebersetzung „salonfähig" zu machen, d. h. auf ihren schönsten Tisch legen und dort „dem Buche" die erste Stelle einräumen. Aber noch mehr als dies: sie sollten auch darin fleißig lesen und feinen Inhalt sich zum geistigen Eigenthume machen. Und auch alle Diejenigen, ohne Unterschied des Geschlechts und des Standes, welche nicht so glücklich sind, den heiligen Urtext zu verstehen, sollten die Uebersetzung zu ihrem Lehr- und Lernbuch machen — das Buch, das für alle gesitteten Völker der Erde von der größten Bedeutung geworden ist. Eine Fülle des Lehrreichen bietet schließlich die Einleitung in die heilige Schrift und zu den einzelnen Büchern, mit denen Dr. Bernfeld seine Uebersetzung noch ansgestattet hat. lieber den Inhalt und den Geist derselben näheren Bericht zu geben, würde die Grenzen der vorliegenden Besprechung überschreiten; es muß daher für eine andere Gelegenheit übrig bleiben. Zu Hause. Schilderungen von M. I. Berdyczewski. S) l ^h«ch will einmal versuchen zu schildern, wie so ein jüdisches Städtchen in Kleinrußland lebt, und wie cs dort im Ganzen aussieht. Ich will nicht dichten, nichts hinznthun. mr darstellen will ich, wie das Bild bei meiner Rückkehr in meine Heimath, nach zwölfjähriger Abwesenheit, vor mir sich »»trollt hat. Zuerst über die Lage und die Art des Städtchens. Die zuden machen etwa 100 Prozent der Einwohner ans bis auf in paar christliche Seelen, die als Dienstmädchen in den ereinzelten wohlhabenden Häusern die grobe Arbeit verrichten. i)ie ganze christliche Bevölkerung selbst, die viermal so viel ne die Zahl der Juden ansmacht, wohnt sozusagen auf dem )orfe nebenan, d. h gar nicht mehr in der Stadt. Nebenan märe eigentlich nicht das richtige Wort dafür, obwohl es nur > in paar Schritte von einem zum anderen sind; denn wie ß Ein zweites Bonmot des seligen S. Pleßner lasse ich ein »dermal folgen. zwei ganz getrennte Welteri liegen sie nebeneinander völlig unberührt, und nicht ein Schimmer von einem geht in das andere über. Es giebt Leute, die Jahrzehnte im Städtchen wohnen, ohne ein einziges Mal in die Versuchung zu kommen, in die goische Gasse sich verirren zu wollen, und muß Jemand einmal dorthin, hat er beim Betreten derselben das Gefühl des Fremdartigen, wie wenn Jemand in einer Hellen Nacht erwacht. Ebenso haben die Bauern, wenn sie in die Stadt kommen, das Gefühl, daß sie einen fremden, ihnen nicht gehörenden Boden betreten, und thun durchaus nicht, wie wenn sie zu Hause wären. Schon der Lage nach sind Dorf und Städtchen von Grund aus verschieden. Während das Dors seine natürlichen Grenzen hat am breiten, klaren Fluß, jenseits sich Hügel ans Hügel erheben, während dort jedes Häuschen mit seinem Zubehör sich weit und breit ausdehnt, ist das Städtchen mehr zusammeugedrängt; die meisten Häuser wirken so, als ob ihnen die letzten Kräfte ausgehen, und außer den paar Pfeilern am verschütteten Stadtgraben ist dem Ganzen Thür und Thoroffen. Der Marktplatz, die vielen Läden, die dort kümmerlich ihr Dasein fristen, bergen schon fast ein anderes Zeitalter in sich, denn hier werden eigentlich die Geschäfte geinacht, d. h. man stellt sich so lange hin und Plagt sich, bis man sich einredet, ein paar Groschen verdient zu haben. Daß man dabei manchmal stockheiser wird und sich ein bischen die Lunge verdirbt, ivas liegt daran, Juden müssen Brod haben für Weib und Kind. Ich habe oben die vereinzelten wohlhabenden Häuser erwähnt, die durch ihre mit Kalk getünchten Wände und grün gefärbten Dächer von den übrigen aus Lehm und Stroh bestehenden, sich merkwürdig abheben. Es ist gar nicht zn beschreibe»!, welchen Respekt, ja Ehrfurcht sie so einem Judenjungen einflvßen, wenn sein Auge sie streift, »venu seine erste Sehnsucht nach einer besseren Welt sich dort regt. - In der That, so ein bischen Reichthnm ist eine Gnade, die nur den Reichen gegeben ist, alles andere muß sein Lebenlang darben, sich durch tausend Wunder durchhelfen und schließlich froh sein, daß es der liebe Gott nicht verhungern läßt. Man frage einen Einwohner, wovon er lebe, er wird es kaum sagen können. Er würde alles thun, Holz spalten, die schwerste Arbeit verrichten — Faulheit solchen Leuten vorzuwerfen, wäre das größte Unrecht, das man ihnen anthnn kann - aber was soll man machen, wenn man kein Schuster und Schneider ist und nicht zn jenen Reichen gehört, die über ganze hundert Rubel verfügen. Der Mensch ist heutzutage zn arm, die paar Münzen werden nie recht warm, nnd wenn du dich mit leeren Händen auf den Markt stellst, kannst dn kein Kind verheirathen, nicht einmal einen Sack Mehl für den Winter bereiten. Vor Zeiten war es ganz anders; die Leute waren gar nicht so klug wie heute und konnten ihre Kinder nnd Kindeskinder versorgen, heute ist man im eigenen Hause ein Lemech. nnd willst du die Mäuler deiner Kinder mit Kartoffeln verstopfen, »vollen sie auch Schmalz haben. . . Die Frauen sind auch nicht besser: Geh, reiße die Gräber ans, murre» sie immerzu, schaffe Geld aus der Erde! Ja. das thäten »vir schon gerne, »venu nur kein Loch in der Tasche wäre. Die Taschen werden nie zngestopft, man kommt eigentlich nie dazu, sie in Anspruch zu nehmen — und doch läßt es sich leben. Am Anfang des Jahres weiß inan nicht recht, woher

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.