Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-03-14 · Heft 11 (14.3.1902) · p. Seite 128

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 11 (14.3.1902)
Date
1902-03-14
Page
Seite 128 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228473-3228485--58465-3294915
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

128 Hoschea 6, 7: '2 NÜ2 OV »gleich wurden sie treulos an mir", nicht 2V dort. — Es wird sich iu der That noch zu verschiedenen Malen iu Hoschea wie in den Psalmen als rrckverbinm temporis erkennen lassen und wird dadurch über manche Schwierigkeiten weghelfen. So auch Hoschea 1», 9, 1NQV VL'- wo das schwierige NVV2N 'v'2 richtig verstanden wird, gemäß der Uebersetzung von Bernseld „sie hätten damals ruhig bleiben sollen". Noch sei auf Psalm 14, 5 hingewiesen „bald werden sie erzittern", wo ebenfalls 2V als Zeitbestimmung aufzufassen ist. Psalm 49, 8: „Ach, der wird keinen lösen." Das N8 ist Interjektion, wie bei Ezechiel. Psalm 129, 8: „Wobei die Vorüberziehenden nicht sprechen: Der Segen des Herrn über euch! sUnd diese nicht erwidern): Wir segnen euch im Namen des Herrn!", mit der Anmerkung: Der gewöhnliche Gruß der Vorübergehenden an die Schnitter nnd deren Antwort. Vgl. Ruth. 2, 4. Prov 20, 14: „Schlecht! Schlecht! spricht der Käufer, aber läßt man es ihm billiger, dann rühmt er es" — l^> ^N81, wie im Neuhebräischen, billig. Hiob 22, 30: „Er rettet alle ohne Ausnahme," mit der Anmerkung: Dieser Vers ist wegen 'dt mißverstanden worden. Vergleiche auch 1. (nicht 2.) Könige 15. 22 s'tt. Hiob 31, 27 „und hat sich meine Hand an meinen Mund zum Kuß gelegt?" mit der Anmerkung: Noch heute im Orient üblich, heiligen Dingen auf diese Weise Verehrung zu erweisen. Hiob wollte sagen, daß er nie Himmelskörper angebetet habe. Koheleth 6, 1: „und es kommt häufig vor," N2"11 nicht groß, sondern häufig. Hosea 11, 4: „Mit menschlichen (freundlichen) Banden." Bei Znnz noch „mit Menschenbanden". Vrgl. Jacobs lehrreiche Bemerkung für dieses 2'MX in Stades Zeitschrift 1902, Seite 91. Diese Lese bildet nur einen Bruchtheil der Uebersetzungen, welche zu einer Vergleichung mit den bisherigen Uebertragungen auffordern. Gern möchte man allerdings die Quellen oder Gewährsmänner erfahren, denen diese oder jene abweichende neue Erklärung entstammt. Znr näheren Belehrung erweist sich die oben bereits gewünschte Schrift immer mehr als ein unabweisliches Bedürfniß. Es soll am Schlüsse nicht verschwiegen werden, daß diese Uebersetzung neben ihren zahlreichen, oft überraschenden Erklärungen auch solche enthält, bei denen man den bisherigen Versionen den Vorzug einräumen möchte. Auch die Wahl des deutschen Ausdrucks wie der sprachlicher« Form läßt nicht selten erkennen, daß an manchen Stellen noch die letzte feilende Hand erwartet werden möchte. Daher sollten Alle, die sich hierzu berufen fühlen, ihre Bemerkungen für eine Berichtigung oder Verbesserung dem Verfasser nicht vorenthalten. Es sollte allgemein daran gearbeitet werden, daß diese Uebersetzung, welche, wie gehofft werden darf, lange sich behaupten wird, in der» ferneren Auflagen zu einer immer größeren Vervollkommnung geführt werde. Einige Beiträge hierzu mögen schon jetzt erfolgen. Jes. 10, 33: „schneidet ab die Laubkrvne mit Gewalt." Nimmt man den Stamm so dürste das Wort die Bedeutung von „Baumbrecher" haben, wozu auch die grammatische Form des Wortes hilft. Klagelieder 5.18: „Schakale ergehen sich auf ihm." 12*?N, nicht 12^71. soll vielleicht die trippelnde Gangart andeuten. Numeri 26, 4: „Nimm alle Häupter des Volkes und laß sie hängen vor dem Herr» vor der Sonne." Hier hat sich der Uebersetzer den richtigen Sinn gemäß Targum und Nascht entgehen lassen. Bei Wohlgemuth und Bleichrode richtig: „und hänge die Schuldigen angesichts der Sonne" u. s. w. Psalm 144, 8 „Deren Mund Falschheit redet, und deren Rechte die Lüge ist." Saadia hat den Parallelismus im Satze richtiger gewürdigt, indem er 21'Q'I „deren Schwur" übersetzt. Daß s'2' an einigen Stellen als „Schwur" aufznfassen isi, braucht nicht näher erwiesen zu werden. Vgl. noch Jerusch. Nedarim I gegen Ende: NP12W NI'IN In ähnlicher Weise ist Saadia auch anderswo zu beachten, nämlich Psalm 24, 4, wo Bernseld bei der bisherigen Uebersetzung „dessen Sinn nicht nach Eitlem verlangt, und der nicht falsch schwört" bleibt. Saadia (s. Lehmann. Lrwckia 4l1-laj,jumi8 arabische Psalmenübersetzung, S. 23) bemerkt zu dieser Stelle: „Ich habe 121 8V2 übersetzt: wer nicht falsch beim Namen schwört, da ich fand, daß „das Schwören" auf „Seele" wie auf „Name" anwendbar ist nach Jerem. 51, 14 1VS!2 71182L'N V2V^ dh. 1VV2. Die Lauterkeit (des göttlichen Namens) hält den Schwörenden zurück, indem sie ihm sagt: „Du schwörst nicht bei einem von dir hingesprochenen Wort, sondern bei dem ewigen Wesen." Folgt man dieser Erklärung Saadias, bei welcher 8V2 irr Anlehnung an 2. Buch Mos. 20, 7 gleich „schwören" genommen ist. so hat man auch dem Parallelismus im Satze genügend Rechnung getragen, besonders ivenn man, wie Onkelos in der pentateuchischen Stelle, auch hier einen vergeblichen und einen falschen Schwur unterscheidet. Eine Ergänzung verdient die Uebersetzung des 13. Verses im 6. Kapitel des Buches Jesaja. „Wenn ein Zehntel noch da bleibt — wenn (das Land) der Vernichtung nahe ist wie jene Terebinthe und Esche sam Thore) Salechet, an welcher der Stamm geblieben, so bleibt ein Stamm der heilige Samen." Hierzu folgt die Bemerkung: „Die gewöhnliche Uebersetzung, „wie die Terebinthe, die ihr Laub abwirft," giebt gar keinen Sinn; vielmehr hat der Prophet hingewiesen auf eine alte Terebinthe am Thore Salechet (vgl. 1. Chronik 26,16) vor dem Heiligthum." Der Verfasser hat Saadias Uebersetzung dieser Stelle (eck. Derenbourg 1896) nicht gekannt. Sonst würde er auch ->P2^ NN'NI N21!N anders übersetzt haben. Saadia faßt nämlich 1V2^> wie NV21 Ex. 22, 4 auf, um zu übersetzen: Wenn auch nur ein Zehntel (von Frommen) im Lande übrig bleibt, und es wieder zum Weideplatz wird. Ebenso I. Barth: Beiträge zur Erklärung des Jesaja. S. 10, der ähnlich erklärt nnd übersetzt: Dann, wenn nur noch ein Zehntel in ihm (dem Lande) ist, dann wird es (das Land, nach der Verheerung der Feinde) wieder beweibet werden. Dann übersetzt Saadia weiter: „wie die Eiche und die Terebinthe am Thore Salechet erhalten bleiben, so wird auch der heilige Samen ein Stamm bleiben, seine dauernde Festigkeit bewahren." Somit hat bereits Saadia das Thor Salechet im Sinne'). Wahrscheinlich ist dies mit dem Thor der Quelle in Nechemja 2, 14 und dem Wasserthor ebenda 3, 26 identisch. Dann dürfte einen Wasserfall bezeichnen, und das Bild an die Psalmstelle 1, 3 „wie ein an Wasserbächen gepflanzter Baum" erinnern. h Und Kimchi z. St. Hot Saadia, ohne ihn zu nennen, benutzt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.