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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-03-14 · Heft 11 (14.3.1902) · p. Seite 125

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 11 (14.3.1902)
Date
1902-03-14
Page
Seite 125 (sequence 7)
Language
German
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185 »enden „Zeitz nur sweise rsorge ch den n und wenn rielle» finden!N Geönigshnung damit Uebel- . V. Zereins Berlin l, daß Ihne» -gs in nd Ge- »pheten :t noch »züchte iken z» n Sie, Denn Sphäre duloh" durch ch bin un men mdheit Preisen ertreten führen llbaren ist gut Sache n über indetei >en ihn» licheu unter it dem die Be ithum ch ein ftigmi! der Juden mit ihrer Religion und ihrer Geschichte nur geringe Fortschritte gemacht hat, Sv aber, wenn vielleicht nach einem Jahre ein ruhig und sachlich geschriebenes Buch über das Wesen des Judenthums erscheint, ist wenigstens zu hoffen, daß es von Feind und Freund mit Ruhe und Objektivität gelesen wird und Segen stiftet. .. . Wünschen wir nur, daß der rechte Mann sich finde und dein großen Werke die entsprechende Bearbeitung zu Theil werde! Im Allgemeinen lassen sich ja die althergebrachten Vorwürfe gegen das Judenthum leicht widerlegen. Man muß sich nur wnndern, daß so viel Mühe darauf verwendet wird. Branchen wir dicke Bücher und weitläufige Abhandlungen, um nachzuweisen, daß das Gebot: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" im Judenthum von jeher auf den Nichtglanbensgeuossen in gleicher Weise bezogen worden ist? Dasselbe Kapitel der Thora (3. B. M. 19) befiehlt im Vers 18: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" und im Vers 34: „Wie der Eingeborene unter euch sei auch der Fremdling der bei euch weilet, und du sollst ihn lieben wie dich selbst, denn Fremdlinge wäret ihr im Lande Aegypten." Und hat nicht Harnack selbst (S. 30) gesagt: „Kann der kraftvolle und tiefe religiöse Individualismus eines Psalmisten noch überboten werden, der da bekannt hat: „Herr, wenn ich nur dich habe, frage ich nicht nach Himmel und Erde?" Kann das Wort Michas überboten werden: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demüthig sein vor deinem Gott?" Selbst die Pharisäer hatten diese Lehren — sagt Harnack weiter (Seite 31) — „aber sie hatten leider noch sehr viel anderes daneben." Aber sie hatten es doch. Was bei ihnen noch dazukai», das in seinem Wort und in seiner Entstehung zu begreifen und zu würdigen, das eben ist die Aufgabe liebevollen, vorurtheilsfreieu Eingehens auf das Judenthum und seine Geschichte. Es wäre von außerordentlicher Bedeutung festzustellen, ob nicht auch andere Religionen, welche alles Gewicht auf die Gottes- und Nächstenliebe legen, „leider noch sehr viel anderes daneben haben". Harnack rühmt weiter (Seite 31): „Pharisäische Lehrer hatten verkündigt, im Gebot der Gottes- und Nächstenliebe sei alles befaßt; herrliche Worte hatten sie gesprochen, sie könnten aus dem Munde Jesu stammen! Aber was hatten sie damit ausgerichtet? Daß das Volk, daß vor allem ihre eigenen Schüler Den verwarfen, der mit seinen Worten Ernst machte!" Anders Jesus. „Seine Worte wurden ihnen (seinen Jüngern) zu „Worten des Lebens", zu Samenkörnern, die anfgingen und Frucht trugen — das war das Nene." Das Neue also war offenbar, daß Jesus Gehör fand. Das mag zu seiner Zeit der Fall gewesen sein; uns heutzutage im Jahre des Herrn 1902 ist vielleicht nach unseren Erfahrungen ein kleiner Zweifel daran erlaubt, ob Alle, die Jesu Wort im Munde führen, anch nach seinen Worten thun. Eine solch reine Lehre, wie Jesus sie gepredigt hat, läßt sich sicherlich auch aus den Lehren der Rabbinen herausschälen. Es sind ihrer so viele, die genannt werden. Das Lehrgebäude eines Einzelnen steht nicht klar und übersichtlich herausgearbeitet vor uns. Das ist eben die Eigenart des Talmud. Aber wer die Eigenart des Talmud kennt, der weiß anch, was er von dem „Beiwerk" zu halten hat. Die Thora, die Propheten, zahlreiche Psalmstellen zeichnen schon das Bild des wahren Frommen i» einer so erhabenen Weise, daß wir nur wünschen können, es möchte nicht blos Bild, es möchte Wirklichkeit sein ... bei den Juden, bei allen Menschen. Und wenn der Talmud selbst unter den Pharisäern eine „Säuberung" vornimmt und so viele unter ihnen, die sich einbilden, fromm zu sein, zu den Scheinheiligen wirft, dann hat man doch wohl ein Recht, auch von der Sittenlehre des Talmud nicht gering, nicht geringer zu denken. Freilich — inan muß die Sittenlehre des Judenthums kennen. Und dafür, daß man sie kennt, wird hoffentlich das zu erwartende Buch über das „Wesen des Jndenthums" in ausgiebigster Seife sorgen. . . . Harnack hat aus der Predigt Jesu drei Kreise gestaltet. (Seite 33.) Wer Harnacks Ausführungen über diese drei Kreise liest, der wird mit Leichtigkeit zu jedem einzelnen Punkte eine Belegstelle aus . .. dem alten Testament anführen können. Damit wäre dann (in derselben Weise wie bei der Nächstenliebe) der Vorwurf gegen das Judenthum durch die Lehre des Judenthums selbst widerlegt. Ob es aber etwas helfen, ob es etwas bessern würde? Ich will mit Ihnen, sehr geehrter Herr Redakteur, alle Hoffnung auf die Zuknnst und die „befreiende That" setzen, die wir in dem Buche über „das Wesen des Judenthums" erwarten. Wie immer Ihr Lob Ko rach. Brief aus Oesterreich. Ende Februar. hat wieder einen großen Skandal gegeben. Wo? Welche Frage; Im hohen Hause - natürlich, kann man sagen. Es ist weit gekommen mit unserem Parlamentarismus. Was inan darunter bei nns versteht? Gemeine Denunziationen, hinterlistige, unter dem Schutze der Immunität ausgeführte Ueberfalle auf die Ehre des Mitbürgers, rohe Beschimpfungen, hinter dem Walle der alleinseligmachenden Partei ausgeübte Niederträchtigkeiten. „Das ist deine Welt," könnte inail mit dem ewig-jungen, alteil Goethe ausrufen. Ob dies die beste der Welten sei, in welcher wir leben? Wir meinen, selbst der eingefleischteste Optimist würde bei dieser Frage zweifelnd das sorgenschwere Haupt schütteln, wenn er einmal einer unserer Parlamentsschlächtereieil anwohnte, in denen die Zapworkas und Fresl, die Steiner und Lueger, die Jro und Wolf das große Wort führeil. Wenn wir nicht irreil, schmückt unser Pürlameiitsgebäude auch eine Statue des Thukydides. Großer Geschichtsschreiber, Verherrliche des Perikles, wie hättest du darüber gedacht, wenn man dir vor Jahrtausenden zugemnthet hätte, du werdest dereinst gleichsam ein Symbol abgeben müssen für eine derartige revolutionäre Ochlokratie, wie wir sie bei uns ihr Unwesen reiben sehen! Du würdest, wenn dir die Götter die Macht gäben, dein Urtheil zu fällen über die Vorkommnisse in unserem öffentlichen Leben, ausrufen: „Seht, ihr Kinder des 20. Jahrhunderts, die ihr Telephone anstaunt und Streiks und Eisenbahnunfälle erlebet, ihr Bewunderer der lenkbaren Luftschiffe und Sklaven der unlenkbaren Volksmassen, ihr Knechte des Antisemitismus und eifrigeil Leser skandinavischer Romane, ihr Helden des Schwindels und eifrigen Beifallsspender französischer Ehebruchsdramen, seht ihr, unsere Kleone waren doch bessere Leute als ihr mit eurer übertünchten modernen Civilisation."

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