Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 11 (14.3.1902)
- Date
- 1902-03-14
- Page
- Seite 124 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Mohel 1× ep/1006163
- Tunis 1× ep/1048155
- Wrocław 1× ep/1002369
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124 Oasen El Oued, Goniar, Tarzout und Touggourl. Mit den Arabern, die in denselben Plätzen wohnen, befinden sie sich in den besten Beziehungerl. haben übrigens ganz und gar deren Angewohnheiten angenommen und leben wie diese ausschließlich von dem Anbau von Körnerfrüchten undDatteln. MitDatteln wird in dieser Gegend ein ziemlich einträglicher Handel getrieben, und unsere Glaubensgenossen können umso leichterzumWohlstand kommen, als sie überaus bescheiden in ihren Ansprüchen sind und geistige Getränke verschmähen. Mais ist ihre wenn nicht einzige, aber hauptsächliche Nahrung. Ihre Gemeinden sind sehr gilt eingerichtet, sie haben Rabbiner, Mohelim und Schochtim, denn die Soufi sind fromme Leute und zum Theil sogar in Talmud und Thora gut bewandert. Ihre Rabbiner machen ihre Studien in Tunis und sollen dos Examen dort mit sehr gutem Erfolge bestehen. Die Soufi bewohneil die Oasen seit zwei Jahrhunderten. Sie kommen aus Tonat aus Maroceo, und daher findet man sehr häufig den Namen bei ihnen, der an ihre Herkunft erinnert, Touiton, während die sonst üblichen Namen Attiasch, Bithan und Kalfar sind. Die Soufi sind französische Bürger und hängen sehr an Frankreich. Sie nomadischen nicht mehr wie früher, sondern reisen nur bis Biskra, wo Einige von ihnen sich während des Winters allshalten und einen kleinen Handel treiben. Diejenigen Gemeinden, welche in der Nähe voll Biskra liegen, bringen ihre Tobten dorthin zur Beerdigung. Dabei müssen dre Leichen auf Mauleseln oder Kamelen oft auf recht schwierigen Wegen transportirt werden. Diese Soufi sind die wahren Israeliten in der Wüste, von denen man so oft geschrieben hat. Der israelitische Mädchenschuhverein. Anregung des Herrn Dr. Lewy in Nummer 7 der „Zeitung des Judenthums", betreffend die Fürsorge für die erwerbsuchenden Mädchen, ist dankenswerth und sollte zur Organisirung einer Hilfsthätigkeit führen, welche dem dringenden Nothstand steuert. — Wenngleich der streng konfessionelle evangelische „Verein der Freundinnen", der allster den Heimstätten und Stellenvermittelungsbüreans auch eine eifrige Bahnhofsmission, und diese mit besonderer Gewissenhaftigkeit unterhält, auch den jüdischen Mädchen seinen Schutz angedeihen läßt, so wäre es doch wohl richtiger und wünschenswerth, daß wir uns unserer Glanbeusgellossinneu selbst allllehmeil. Hierzu bedarf es keines besonderen Apparates, sondern nur des Zusammenwirkens sämmtlicher israelitischer Frauenvereine. Diese mußten untereinander in engen und regen Verkehr treten und ihre Erfahrungen gegenseitig austauschen. Das gilt besonders voll den Vereinen in den großen Städten, in denen naturgemäß der Zufluß erwerbsuchender Mädchen größer ist. Allerorten müßten Familien allsfindig gemacht werden, in denen diese jungen Mädchen gegen geringes Entgelt Aufnahme, Anschluß. Schutz und moralische Stütze finden. Hierbei könnte sich die wahre Menschenliebe bethätigen, die nicht in Geldnnterstützttng besteht, sondern in liebevoller, treuer Fürsorge für Diejenigen, welche gezwungen sind, in der Fremde ein Arbeitsfeld zu suchen. Durch Plakate in den Eisenbahnwagen und in den Bahnhofshallen müssen die Mädchen erfahren, wohin sie sich gleich nach ihrer Ankunft in dieser oder jener Stadt zu wenden haben. Die Thätigkeit der Logen, deren in Nummer 7 der „Zeitung des Judenthums" Erwähnung geschieht, erstreckt sich nur auf Maßnahmen gegen den Mädchenhandel, der vorzugsweise in Galizien. Rumänien, Ungarn rc. betrieben wird. Den jüdischen Frauenvereinen liegt es ob, ihre Fürsorge über den Kreis ihrer bisherigen Thätigkeit hinaus auch den Glaubensgenossinnen zuzuwenden, die fern von Eltern und Angehörigen auf sich allein angewiesen sind, und die, wenn Ulan ihnen nicht die hilfreiche Hand bietet, leicht dem materiellen und sittlichen Elend anheimfallen können. Vielleicht finden sich die jüdischen Frauenvereine in den großen jüdischen Gemeinden von Berlin, Breslau, Frankfurt, Hamburg, Königsberg re. bereit, baldigst die ersten Schritte zur Anbahnung eines Zusammenschlusses der Schwestervereine zu thun, damit die praktische Durchführung eines nicht zu leugnenden Uebelstandes in die Wege geleitet wird. bl. V. - Das Wesen des Judenthums. Sehr geehrter Herr Redakteur! icht, nachdem das Preisausschreiben des liberalen Nereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin veröffentlicht ist, darf ich Ihnen ja wohl gestehen, daß mich eine Zeit lang mit dein Gedanken trug, die von Ihnen sehnlichst gewünschte Schrift zu schreiben. Allerdings in meiner Weise. Ich gehöre ja nicht zu den Großen und Gelehrten in Israel. Fast möchte ich die Worte des Propheten Amos auf mich anwenden: „Ich bin weder ein Prophet noch ein Prophetenschüler, sondern ein Rinderhirt bin ich und züchte Maulbeerfeigen." Wenn ich trotzdem den kühnen Gedanken zu haben wagte, an das große Werk zu gehen, so tragen Sie, verehrter Herr Redakteur, die Schuld daran. Jawohl! Denn Sie haben mich aus dem „Feuilleton" in die höhere Sphäre der „Leitartikel" aufrücken lassen und mir damit eine „Geduloh" zuerkaunt, deren ich selbst mich niemals in meines Nichts durch bohrendem Gefühle für würdig erachtet hätte. Aber ich bin doch froh, daß die Sache nunmehr diese Wendung genommen hat, und daß ich mich nunmehr wieder auf meine Unbedeutendheit zurückziehen kann: In ma^nis voluisse snt. Durch das Preisausschreiben ist es den Berufensten unter den Berufenen ermöglicht, in aller Ruhe dem großen Werke näher zu treten und in aller Ruhe es zu einem gedeihlichen Ziele zu führen Damit ist dem Ganzen auch der Charakter einer unmittelbaren Polemik gegen Harnacks Buch genommen. Und das ist gut sehr gut. Mit solch einer Polemik ist es immer eine eigene Sache Denjenigen, gegen den sie gerichtet ist, wird sie nur selten über zeugen und von seiner fest gefaßten und wohl begründeten Ansicht abbringen. Auch seine Gesinnungsgenossen bleiben ihm treu. Sie sehen in der Widerlegung nur den natürlichen Widerschein der Behauptung, der ohne die Behauptung unter blieben wäre. Und hätten die Juden die Widerlegung mildem selben Eifer lind derselben Gläubigkeit gelesen wie die Be Häuptling, nm sich über das wahre Wesen des Jndenthum zu belehren? Trotz aller Litteraturvereine ist es ja doch ein ausgemachte Thatsache, daß die selbstständige Beschäftigung