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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-03-07 · Heft 10 (7.3.1902) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 10 (7.3.1902)
Date
1902-03-07
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 theologische Seminar beging heute in herkömmlicher Form die Feier des Todestages seines ersten Direktors Dr. Zacharias Frankel. Die Gedenkrede hielt Herr Dr. Tiktin über „die Ethik Philos".— Zum Besten des Vereins zur Erziehung hilfsbedürftiger israelitischer Kinder fand am 17. d. M. ein Liederabend statt, in der die großherzog- Liche Kammersängerin Iettka Finkenstein ihre Kunst in den Dienst ei»ler edlen Sache stellte. — Am 24. d. M. starb hier der Rabbiner Dr. Pinkus Neustadt. Der Verstorbene feierte vor einigen Wochen sein 60 jähriges Jubiläum als Dirigent einer hebräischen llnterrichtsanstält, und wurden dem würdigen Jubilar aus diesem Anlasse viele wohlverdiente Ehrungen zu Theil. Vom Kaiser wurde er durch Verleihung des königlichen Kronenordens ausgezeichnet. Wir yaben bei diesem Anlasse die Thätigkeit des frommen nnd wahrhaft edlen Mannes gebührend gewürdigt, dem seine Schüler nnd Freunde sicher stets ein dankbares Andenken bewahren werden. — Im >8. Lebensjahre starb hier nach längerem Leiden Dr. Albert Weigert, eine über die litterarischen und gesellschaftlichen Kreise unserer Stadt hinaus wohlbekannte Persönlichkeit. Der Verstorbene, der seit frühester Jugend durch körperliches Leiden an den Rollstuhl gebunden war, fesselte überall schon durch seinen sympathischen und ausdrucksvollen Kopf die allgemeine Aufmerksamkeit und bildete in gesunderen Tagen stets den Mittelpunkt eines geistig angeregten Freundeskreises. In früheren Jahren war Dr. Weigert vielfach literarisch thätig. 1.. Hannover, 27. Februar. Znm Vorstandsnntgliede wurde Herr Kommerzienrath GottsriedHerzseld, ein Sohn des sel. Landrabbiners Dr. Herzseld in Braunschweig, gewählt. Herr Kommerzienrath Herzfeld ist seit vielen Jahren Vorsitzender des Repräsentantenkollegiums und zeigt für alle Gemeindeangelegenheiten daS regste Interesse. — Dem Rechenschaftsberichte über die Verwaltung des Vereins z ur U nterst ü tz u n g i sr a el i t is ch e r A r m en undBeseitigung der Haust) ettel ei in der Synagogengemeinde Hannover entnehmen wir Folgendes: Der Verein besteht 21 Jahre, dem Vorstande gehören an: Herr S. Neuberg, Herr Kommerzienrath P. Herzfeld nnd Herr A. Neuberg. Die Einnahmen beliefen sich aus 10 118.50 Mark, die Ausgaben auf 10 230.20 Mark. Es ist also eine Mehrausgabe von 211.80 Mark zu verzeichnen. Die Unterstützungen wurden 30, größtenteils alten, schwächlichen nnd erwerbsunfähigen Personen, meistens Frauen. gewährt, außerdem wurden in dem letzten Jahre 2237 durchreisenden Arme unterstützt. Es wäre dringend erforderlich, daß die Zahl der Mitglieder sich vermehre, damit günstigere Resultate erzielt werden können. Die Generalversammlung war auf den 24. Februar anberaumt. 8tr. Papenburg, 28. Februar. Die von den Lehrern des Regierungsbezirks Osnabrück ins Leben gerufene freie Konsererrz. deren Hauptaufgabe es ist, in allmonatlichen Zusammenkünften durch entsprechende Vorträge sich im jüdischen Wissen gegenseitig zu bereichern,!iielt am 24. d. M. in Papenburg ihre dritte Versammlung ab. Die diesmalige Tagung nahm einen sehr anregender!, alle Theilnehmer zufriedenstellend err Verlauf. Durch Beschaffung von hebräischen Werken rc. soll zunächst der Grund zu einer Lehrerbibliothek gelegt werden, insbesondere aber wird es das Bestreben der Konferenzmitglieder sein, ihren Gemeinden geeignete, den Sinn fürs wahre Judentum fördernde Schriften u. dergl. zugänglich zu machen. Die nächste Versammlung wird am 8. Mai d. I. in Sögel stattfinden. Der Vorsitzende der Bezirkskonferenz wird in derselben ein Vortrag über das Thema: „Der Unterricht in Religionslehre und biblische Geschichte in den Veligionsschulen der Filialgemeinden nach Ziel und Umfang" halten. L. Stadtlengsfeld, 2. März. In der Nacht vom Freitag zürn Labbath verschied plötzlich infolge Herzschlages der grobherzoglich sächsische Landrabbiner Dr. Moses Salzer im begonnenen 61. Lebensjahre, nach fast 19 jähriger Wirksamkeit im Großherzogthum Sachsen- Weimar. Wie hoch angesehen'der Verstorbene bei Hoch und Niedrig. Juden nnd Christen, den ihm unterstellten Vorständen und Lehrern, wwie seiner Vorgesetzten Behörde gewesen, hat die ungemein zahlreiche Beteiligung bei seiner Montag, den 24. Februar d. I., erfolgten Abstattung erwiesen. Außer dem Gemeinderath und Schulvorstande urd sämmtlicheu städtischen Beamten waren von auswärts erschienen der grobherzogliche Geheime Regierungsrath Bezirksdirektor Schmith iorvre Herr Schulrath Kögler. Sämmtliche israelitischen Lehrer und Vorsteher des Landes sowie mancher Bekannte aus der Nachbarschaft war im Leichengefolge zu erblicken. Unsere Stadt hat wohl seit vielen Jahrzehnten ein solch zahlreiches Leichenbegängnitz nicht gesehen. Am Grabe hielt, nach dem Vortrage der Liturgie durch Lehrer Röthler-Gotha der benachbarte herzogliche Laudrabbiner Dr. Fränkel- Meiningen die Gedächtnißrede. In beredten Worten verglich der gewandte Redner den Entschlafenen mit dem Hohenpriester Aaron, insbesondere betonend, daß derselbe es verstanden, während seiner Amtsthätigkeit den Frieden innerhalb der Gemeinde im vollsten Sinne des Wortes zu Pflegen und zu erhalten. Tief ergriffen ries alsdann Lehrer Baumgart-Stadtleugsseld dem ihm so plötzlich entrissenen Lehrer und Freunde herzliche Worte des Abschieds und des Dankes nach namens seiner Gemeinde und der jüdischen Vereine des Ortes. Derselbe verglich den Heimgegangenen mit unserem großen Lehrer Moseh, rühmte seine hohe Bescheidenheit, und daß er stets die Menschen nach ihrer günstigsten Seite zu beurtheilen pflegte. Als dritter Redner schilderte Prediger Meyer-Eisenach den Entschlafenen als einen wahren Lehrerfremid dankte ihm auch namens des Vereins israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands für seine mehrjährige Thätigkeit als Vorsitzender desselben. Mit dem Vortrage der üblichen Gebete endigte der ergreifende Akt. und die Strahlen der Sonne beschienen den frischen Grabeshügel eines treuen Seelsorgers in Israel. u. Düsseldorf, 2. März. Am 22. v. M. beging unsere Gemeinde ein ebenso seltenes wie schönes Fest, das 25 jährige Amtsjubiläum ihres allverehrten und bewährten ersten Vorstehers, des Herrn Joses Levison. Seit seinem Amtsantritte hat sich die Gemeinde außerordentlich vergrößert, und in demselben Maße, wie sie an Kopfzahl gewachsen ist. sind ihre Aufgaben größere und schwerere geworden - und nicht zuletzt ist es der rastlosen und unermüdlichen Thätigkeit des Jubilars zu danken, wenn die Gemeinde ihre Aufgaben in vollstem Maße erfüllt hat. Unter seiner Aegide ist Manches ins Leben gerufen worden, das der hiesigen Gemeinde stets zur Zierde gereichen wird, und es fehlt wohl keine Schöpfung auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit, bei welcher er nicht mitbetheiligt ist. — Das Fest selbst wurde eingeleitet durch einen Festgottesdienst in der Synagoge, in welcher der Platz des Gefeierten in würdiger und schöner Weise mit lebenden Blumen geschmückt war. In formvollendeter und zu Herzen gehender Predigt, die über die Aufgaben der Gemeinde, in Anlehnung an den Satz von Rabbi Simon hazadik: Sprüche der Väter 1. 2, handelte, wies Herr Rabbiner Dr. David aus die Bedeutung des Tages hin und bewies, wie sehr die Gemeinde ihrem ersten Vorsteher zum Dank für seine Thätigkeit verpflichtet sei. Nach dem Festgottesdienst empfing der Jubilar, umgeben von seinen Angehörigen, zunächst eine Deputation des Vorstandes und der Herren Repräsentanten. Namens des Vorstandes sprach Dr. med. S. Mayer. Irr längerer, warmer Ansprache dankte er dem Gefeierten für die treuen Dienste und die unermüdliche Thätigkeit. die ihn allen seinen Kollegen vorbildlich mache. Zur Erinnerung an den heutigen Tag überreichte Dr. Mayer einen kostbaren Tafelaufsatz seitens der Gemeinde. Nach ihm sprach Stadtrath Herzfeld für die Repräsentanz. Darauf nahm der Jubilar selbst das Wort: tiefbewegt und sichtlich gerührt dankte er für die ihm zu Theil gewordenen Ehrungen, wies das ihm gespendete Lob bescheiden zurück und versprach, wenn die Gemeinde ihm weiter ihr Vertrauen schenken sollte, stets in althergebrachter Weise im Verein mit den übrigen Vorstehern und Repräsentanten einmüthig und rastlos für das Wohl der Gemeinde thätig zu sein. Der Vorstand des Frauenvereins brachte alsdann seine Glückwünsche dar. Die Ueberreichurrg eines von dem Maler Max Stern künstlerisch ansgeführten Diploms, das die Wohlthätigkeit symbolisirte, schloß sich an. Die Lehrlinge des Handwerkervereins übersandten ebenfalls eine prachtvoll ausgeführte Adresse; desgleichen war seitens (UwvvL'ali ObMilkrtlr Oliesseil ein vom ganzen Vorstand Unterzeichneter herzlicher Brief eingelaufen. Unter Führung des Rabbiners brachten die Beamten gemeinschaftlich ihre Glückwünsche dar. Auf die Ansprache des Dr. David antwortete der Jubilar, wie es ihm stets eine Freude gewesen, seinen Beamten näher zu treten und ihnen eine angemessene soziale Stellung zu schaffen, und das bleibe auch sein Bestreben, denn er habe es im Laufe seiner Thätigkeit erst schätzen gelernt, wie viel leichter das schwere Amt des Vorstehers sei, wenn er von seiner! Beamten unterstützt würde. Zahlreiche Gerneindenritglreder suchten den Jubilar auf, und die Räume waren beinahe zu klein, die gesandten Blumenspenden zu fassen. Am Abend fand in dem Kolonnaderrsaal der städtischen Tonhalle ein Festbankett statt, an welchem viele Gemeindemitglieder und Freunde des Jubilars theitnahmerr. Möge es dem vortrefflichen Manne noch lange beschieden spur, seines Amtes mit gleicher Krast nnd Liebe zu walten wie bisher.

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