Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-03-07 · Heft 10 (7.3.1902) · p. Seite 117

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 10 (7.3.1902)
Date
1902-03-07
Page
Seite 117 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228473-3228484--58445-3294888
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

einem Dr. Grothwohl berichtet, welcher ein sehr großes Ansehen genoß, ans Frankfurt a. M. bon einem Dr. Wallich. Wenn ich hieran noch einige Bemerkungen über Berlin selbst knüpfen soll, so wissen wir, daß hier gegen die Mitte des 18. Jahrhunderts ein hervorragend geachteter Arzt thätig war, Dr. Gumpertz. Von ihm spricht auch Mendelssohn in einem Briese an Lessing im Jahre 1754. Ein Verwandter von diesem Dr. Gumpertz, gleichzeitig ein Frennd desselben war ein Dr. Emmerich, welcher ebenfalls zu jener Zeit in Berlin praktizirte. Es war im Jahre 1750, als die jüdische Gemeinde zu Berlin das Recht erhielt, einen besonderen Arzt sich zu halten und Dr. Emmerich wurde als dieser Arzt gewählt und bestätigt. Ans jener Zeit sind noch zu erwähnen Dr. Hirschel und Dr. Levisohn, welch Letzterer von Berlin aus als Professor nach Upsala berufen wurde, und der bekannte Dr. Marcus Herz. Es sind dies alles Männer, welche nicht blos als Aerzte, sondern auch als Bürger der Stadt einen hervorragen Namen hatten. Ich würde nun überzugehen haben auf das 19. Jahrhundert und auf die Gegenwart. Ich glaube aber, daß es nicht zweckmäßig ist, hier die Betheilignng der Juden an der Medizin ausführlich zu erörtern. Einmal sehen wir ja selbst die Lebenden sich lebhast betheiligen an dem Kampfe und den Fortschritten in der Wissenschaft, und andererseits ist auch ein Theil der Tvdten, wenigstens einem Theil von Ihnen, in genügendem anerkennenden Gedächtnis;. Ich möchte nur zwei Männer aus der letzteren Zahl hervorheben, welche ich selbst persönlich gekannt und verehrt habe. Das ist der alte Steinthal, der mit seinem Geburtsjahr noch in das 18. Jahrhundert hinüberreicht, ein Mann, der in hervorragender Weise nicht blos die Achtung seiner Kollegen und die Verehrung seiner Mitbürger genoß, sondern der auch in hervorragender Weise als Arzt in der Stadt thätig war, der im Uebrigen sich auch » der Wissenschaft bethütigte. Er ist beiläufig der erste Arzt in Deutschland gewesen, welcher 1844 einen Kranken mit Nnckenmarksdarre obduzirte und den Befund feststellte. Neben hm möchte ich dann noch hervorheben den Ihnen allen, veiiigstens dem Namen nach, bekannten Traube, welcher im Fahre 1818 geboren und 1876 gestorben ist, und welcher als akademischer Lehrer und als einer der hervorragendsten Nänner der Wissenschaft ein dauerndes Andenken nicht nur inter den Inden, sondern auch in der Geschichte der Medizin überhaupt hinterlassen hat. Ich hätte aber wohl mit das wichtigste außer Acht gelassen, wenn ich mit diesen Ansührungen die Betheilignng des Jndenthums an der Medizin abschließen wollte. Wahrlich, es sind nicht blos jene Männer, > ie ich erwähnt habe, welche durch ihre Werke, durch ihre -tellung in der Gesellschaft sich ein dauerndes Andenken gechert haben, es sind nicht minder jene Männer zu nennen, oelche in täglicher mühseliger Arbeit und Ausübung ihres Benfs nicht die Zeit finden konnten, Bücher zu schreiben und ie großen Erfahrungen, die sie gesammelt, der Nachwelt zu interlassen. Es sind die Männer, welche von Krankenbett zu Krankenbett -len, die Männer, welche ihren Beruf als den höchsten achten, er ihnen nicht nur sagt: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst '»dern sie verpflichtet: Liebe deinen Nächsten mehr wie dich ' lbst. Es sind jene Männer, welche, unerschrocken und nichts i »rchtend, zu dem Kranken eilen, selbst ans die Gefahr hin die Krankheit, die sie bekämpfe» wollen, selbst zu bekommen und ihr zn erliegen. Auf diese Tausende und Abertausende von jüdische»; Aerzten, welche in selbstloser Hingebung ihrem Berufe dienen, kann und soll der Jude stolz sein! Me neueste Bibelübersetzung? Besprochen von Dr. A. Berliner. I. Frage, »oelche Allsprüche an eine Uebersetzung der heiligen Schrift zu stellen seien, ist so alt »vie die Ueberjetznngen selbst. Schon mit de» ältesten Uebersetzungen, den griechischen und aramäischen, beginnen die Differenzen hierüber, wie sie in der Septuaginta und in den griechischen Versionen außerhalb derselben, »vie sie auch in den palästinensischen und babylonischen Targnnien sich kuiidgebeu. Ob die wörtliche Treue bis zur sklavische» Abhängigkeit vom Urtexte festzuhalten sei, oder ob die Uinschreibuug und Paraphrase einzutreten haben, hierüber bildeten sich schon in ganz alter Zeit abweichende Meinungen. Es ist ei» höchst lehrreiches Kapitel, die Geschichte der ältesten Bibelübersetzung und Auslegung, dem Viele ihre Forschungen gewidmet haben. Es sei mir gestattet, hierbei auch auf die Untersuchungen in meinem Targum-Werke,-) vorzüglich aus Seite 84 bis 88 «Kapitel 2 des zweiten Theiles) hiuznweisen. Der erste Bibelübersetzer im Mittelälter, Saadia Gav», suchte der Schwierigkeit in der Uebersetzungsinethode dadurch aus dem Wege zu gehen, daß er »eben der meistens wörtlich gehaltenen Uebersetzung noch einen fortlaufenden kurze» Kvmmentar hergeheu ließ. Zwei unserer jüngsten Pentateuch- Übersetzer suchten im Gegensatz zu dein Verfahren Saadias schon in der Uebersetzung selbst, de» exegetischen Erklärungen, die sie im Kominentar auseinandergesetzt, einen adäquaten Ausdruck zn verschaffen, was oft nur mißlingen konnte. Kosmannfl übernahm es, die oft klassischen Erläuterungen Jakob Zebi Mecklenburgs in dessen >" die Uebersetzung hineinzuzwängen, was aber zu Ungeheuerlichkeiten führte. Auch Samson Raphael Hirsch mit seinen sehr oft geistreichen Erklärungen war selten glücklich in dein Versuche, seine Auslegung auch in der Uebersetzung mit auszuprägen. Der Kampf des einfachen, natürlichen Wortsinnes (Pschat) mit der haggadisch-halachischen Auslegung (Drasch) hat in den verschiedensten Zeiten geherrscht und die edelsten Geister beschäftigt. Es wird Aufgabe einer noch zu schreibenden Geschichte der biblischen Exegese sein, die zerstreut liegenden Baumaterialien zn sammeln und für dieses Gebäude zn verwerthen. Ich muß der Versuchung widerstehen, hier auf Einzelnes auch nur andeutungsweise hinznweisen. Nur ein einziges Beispiel sei gegeben. Raschi hatte bereits Vorgänger, die ihn auf die Wege einer schlichten Hermeneutik »niesen, denen er öfterer fl Die Heilige Schrift. Nach dein masoretischeii Text neu übersetzt und erklärt, nebst einer Einleitung von Dr. S. Bernfeld. Berlin, S. Calvarh Co. 1902. fl '1'aiKum Onlivlos, 2 Theile (1884); mit Unterstützung der königlichen Akademie der Wissenschaften in Berlin. fl Nur Leviticus ist erschienen, ohne besonderes Titelblatt, in Königsberg, wahrscheinlich 1847.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.