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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-02-28 · Heft 9 (28.2.1902) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 9 (28.2.1902)
Date
1902-02-28
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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4 und das> die andere Hälfte, in Beträgen van mindestens IW Mark, z,»v Gewährung van Stipendien an durstige und würdige israelitische Schiller bayerischer Staatsangehörigkeit verwendet werde, welche an bayerischen Mittel- oder Iudilstricschuleli, deutschen technischen und andere»! deutschen Hochschulen oder an-l!abbiuersenli»»arien in Delltschland ihrer Ausbitdnug obliegen, doch sind Studireude der Theologie vom Stipendien geunsi dann ausgeschlossen, wenn sie nicht im Besitze des Absolutvrimns eines deutschen Gymnasiums sind. Wie nur Horen, ist dieser Stiftung bereits die laudesherrliehe Genehmigung ertheilt worden. n. 9lrrs dem Glsasi, 20. Februar. Tie bereits berichtete Dein iss io il der drei Mitglieder des K oiisistvriulns des Uuterelsas; ist nunmehr vom Bezirkspräsidentei» a»»gel»ouuueu »vordeu. und sind die BerwalLnngskoillliiissionen der KnUllsgemeindeil bereits beaustragt, die Wählerlisten bis zun» 0. März fertigzustellen und demKonsistorjiim einzuschicken. Temissionirt haben die Herren Arthrrr Mocli, Kaufmann in Hagenau, Ferdinand Oppenheimer, Lederfabrikaut. und Leo Schwartz, Bankier, die beiden Letzteren ans Strasibnrg. Es sind dies gerade die Mitglieder, die bei den letzten Ergäuznnaswahleri im Jahre 1899 als Sieger hervorgingeu. nnd zwar warn» die Herren Moch und Schwa» tz »vieder-, Herr Oppenheimer nengewähtt »vorder». Ueber die Gründe der Demission scheint erst die Wahlagitation Ausschlus; bringen zu sollen. - Durch die bevorstehende Wahl wird auch die durch den Tod des Gerichtsvollziehers B a n e r- Strasibnrg erledigte Stelle eines sechste»» weltlichen Mitgliedes »nieder besetzt werden. — Die älteste Frau von Strasibnrg, Fra»» Wittwe Larrzeuberg von Schlettstadt. welche seit zehn Jahre»» in» hiesigen israelitischen Krankenhaus als Pensionärin »nit liebevoller Hingabe seitens der Direktion und des Personals gepflegt wurde, ist. wie die „Bürgerzeitung" meldet, au» 12. d. M. gestorben. Frau Lanzenberg erreichte ei»» Alter von beinahe 97 Jahren. Oesterreich - Ungarn. LI Wien, 24. Februar. Kaum ist das Abgeordnetenhaus »nieder beisammen, so giebt es auch sehen» wüstes Geschimpfe, nnd erbitterte Schm äh red er, durchschwirren de»» Raum. die diesmal hanptsächlich zwischen Christlichsozialen nnd der» Sozialisten gewechselt werden; die Antisemiten »vollen es eben nicht ruhig hiunehmku, »venu ihr Führer Lueger charakterloser Handlnngei» bezichtigt nnd demgemäsi mit scharfen Worte»» überschüttet wird, die mit der Würde eines Bürgermeisters der ersten Stadt des Reiches so gar nicht »»» Einklang z»» bringe»» sind. — Bei der Bemthung des I! n t e rr i eh tse ta L s im Bndgetansschnsse wurde von» Abgeordneten Dr. Bhk hervorgehoben. das» seit den» Bestände des galizischen Landesschnlrathes kein Vertreter der israelitische»» Neligiousgenossenschasl in demselben Sitz und Stimme habe, trotzdem die Anzahl der Schüler dieses Glaubens i»l den Volksnnd Mittelschulen eine sehr beträchtliche »st. Darauf erhielt der genannte Abgeordnete von Seite des Unterrichtsministers nachstehende Mittheilnng: „Ein Vertreter der israelitischen Religio»,sgesellschast findet sich dermalen thatsächlich nicht im galizischen Landesschnlrathe. »veil das a. h. genehmigte Orgauisatiousregnlativ über die Zusammensetzung dieses Landesschnlrathes. welches sitzt nahezu 25 Jahre in Geltung steht, eine solche Vertretung nicht vorgesehen hat." Ter Statthalter in Galizier» wird über die gegebene Anregung um scin Gutachtcn angcgangen werden. — M ar i e H i l s n e r, die Mutter des zu lebenslänglichem Kerker vernrthcilten Leopold Hilsner, hat vor Kurzem bei der mährischen Statthalterei das Ansuchen gestellt, ihren Famjliemralnen ändern zu dürfe»». Diese Bitte wnrde ihr auch gewährt. Leopold Hilsner. der bekanntlich n» der Strafanstalt Pankratz bei Prag seine Strafe verbüsit, bethenert in seinen Briese»» an seine Mutter stets seine Unschuld. So schreibt er i»» seinem letzten Briese — als Sträfling erster Klasse darf er alle zwei Monate eine»» Brief nnbedenktichcn Inhalts ai» seine Verwandten oder Freunde absenden oder eine»» solche»» erhalten — an seine Mutter, das; er „bei allen seinen Leiden nnd seinem Kummer gesund sei; cr hoffe jeden Tag. das; seine Unschuld an das Lichl kommen werde. Er erwarte es von Gottes Atlmacht, das; der Tag nicht ferne sei." Schliesilich spricht cr die Bitte aus, seine Mutter oder seine Brüder mögen ihn besuchen. — In der abgelansencn Woche wurden abermals mehrere streng christlich-antisemitische Betrüger abgenrtheilt: so die beiden Postbeamte»» Schräder und Vüchler. die grösiere Summen unterschlagen Druck nnd Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. haben und dafür mit je achtzehn Monaten schweren Kerkers bestraft wurden, und die beide»» Notare in Steiermark, von denen der eim wegen Ungehörigkeiten vom Amte suspeudirt. und der Andere wegen selbstverschuldeter brida zu»»» Adelsverlust vernrthcilt wurde. — Hie, ist an» 2!. d. M. der bekannte Historiker Professor Max Büdinger: gestorben. Als Jude kau» er in der schlimmsten Reaktionszeit hierher, der Sohr» des bekannten Kasseler Schulmanns Mordechai Büdinger - nnd hier wurde er. der selbst noch eine Renarrslage des Religionsbuches seines Vaters besorgt hatte, sein Indeilthun» los. Und was hat er dadurch erreicht? Den Hofrathstitel! Schade! Schade! — Von Nah und Fern. In der MagislraLssitznng vom 14. d. M. sind gewählt wordcn Dr. Hermann Sachs zum Oberlehrer an der Oster»» 1902 zu ervssi »»enden 12. Realschule, Herr Mark ns Nosenthal zum Oberlehre der ersten Realschule. Dr. Siegbert Schayer zum Oberlehrer an einer Realschule. — Die Neoision des Grafe»» Pü ekler mC K l e i n-'T s ch i r n e ist vom Reichsgericht verworfen worden. Es handelte sich um die Vernrtheillrng. die an» U. November 1901 das Landgericht l zu Berlin ansgesprvchen hatte. Gras Pückler war wegen Aufreizung zu Geivaltthäligkeite»», bega»»gen durch eine am 14. Dezember 1900 in den Cvncordiasälen gehaltene Rede zu 200 Mark Geldstrafe vernrtheilt worden. In Friedeberg 9t.-M. hatte»» sich mehrere junge Burschen wegen Beleidigung des KuUnsbeamten L. zu verant Worten. Sie solle»» schensiliche antisemitische Schimpslvorte gegen den jüdischen Lehrer gebraucht haben. Durch die Beweisansnahme ward nur die Schuld des M. erwiesen. Der Angeklagte T. wnrde freige sprochen. den Angeklagten M. traf eine Geldstrafe von zwölf Mark, im Unvermögensfalle vier Tage Gesängniß. - Dr. M. Joseph ist ein stimmig als Rabbiner in Stolp i. P. gewählt worden. — Am 10.d M.ver schied in Lobsens im Alter von 90 Jahren der Rentier Louis H i r s ch der g. Derselbe bekleidete durch mehr als 22 Jahre das Ehrenamt des Vorsitzende»» der Beerdiguugsgksellschast Ehewra Kadischa. - Der Bibliothekar Prof. Dr. Leopold Cohn in Breslau ist an der kgl. nnd Universitätsbibliothek zun» Oberbibliothekar ernannt worden. - In Gr.-G log an ist am 12. d. M. im 84. Lebensjahre die veno. Fra»» Geh. Kommerzienrath Sera pH ine Lehfeld geb. Munt gestorben; dieselbe erfreute sich durch ihren Wohlthätigkeits sinn großer Beliebtheit. — Leopold Hilsner, der wegen der Polnaer Mädchenmorde zum Tode vernrtheilt und dann zu lebens länglichem Kerker begnadigt wurde, hat in der Strafanstalt Pankraz um die Wiederaufnahme des Verfahrens angesucht mit der Begründung dasi er seine Mitschuldigen nenncn »volle. Die Sache ist der Ober staatsanwaltschast übergebe»» »vorder». — Das Budget des jrailzö' si scheu Jndeuthnms ist in der Kammer nur gegen eine sozialistische Stimme in der bisherige»» Höhe angenommen worden: 133500 Frcs speziell für den jüdischen Kultus, 22000 F»cs. für das israelitische Seminar, 21 OOO Frcs. znrUnterstützrmg von jüdischen und protestantischen Gotteshäusern in Frank,eich. - Der Provinzial-Schuljnspektor des Gonvernements Loniza. der vor» der Regierung »nit der Ausarbeitung eines Nesorinplanes sür das altjüdische Cheder beauftragt worden war, hat seine Arbeit beendet und seinen Plan der Negierung übe»' reicht. Derselbe ist nur sür die zeh»» Gouvernements des Königreichs Pole»» bestimmt und läuft in» Wesentlichen darauf hinaus, dn russische Sprache in, Cheder obligatorisch zu mache»». — Neue Inden- Hetzen werden von de»» »mermüdlichen Kiew er Behörden für die nächste Feit geplant. Diefesmal hat es die vorn Antiseii»itenhä»iptling General Dragomirow sortwährend ansgestachelle Polizei auf die Kauf leute erster Gilde, derer» Zahl in Kiew sehr groß ist. abgesehen. Es sollen Untersuchnngen angestellt werden, ob diese Kanftente. welche die theuere Gilde bezahlt habe»», sich auch wirklich mit Handel beschäftige»», und ob sie nicht Vertreter unterhalten, wahrend sie selbst sich vom Geschäft bereits zurückgezogen haben. Alle diese Scheerereieu haben nur den Zweck, die Jude»» zu chikanirei» nnd sie zu beunruhige»». - Wie die „Welt" berichtet, reiste, eine» Einladung folgend. Dr. Herzl zu Ende der vorige»» Woche nach Kvnsta n ti n apel. Ans dieser Reise begleitete ihn Joseph Co »ven , einer der Oaverncu-s des .lovisli l'oüinml B» N5l i»» London. Während der Dauer seines Ansenthalkes in Konstantinopel war Dr. Herzl der Gast des Sultans. — Dr. I. Lev») in Tunis ist zun» Leibarzt des Be») von Tunis er »rannt »vorder». Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin.

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