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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-02-28 · Heft 9 (28.2.1902) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 9 (28.2.1902)
Date
1902-02-28
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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Miscellen. Die Verdienste der Juden um Handel und Industrie und das Kunsthand werk im Abendlande besprach kürzlich Dr. M. Grunwald in einem Vorträge. Es ist bisher unbekannt und dennoch wohl erweislich: die Juden sind die Begründer der venetianischeu Glasindustrie. Sie waren in Tyrns darin fast allein Meister, und genau mit der Eroberung von Tyrus durch die stolze Dogeustadt in den Kreuzzügen beginnt der Aufschwung jener Industrie irr Venedig. Auch als Rheder und Seefahrer sind die Inden bisher noch lauge nicht genug gewürdigt; sie waren es nicht nur in Egypten, in der Levante, in Südfrankreich, und ich brauche nicht zu wiederholen, welche Dienste sie als Lootsen und Matrosen den Portugiesen, Holländern und Engländern auf ihren Entdeckungs- und Eroberungszügen geleistet haben. Nein, auch im Norden finden wir sie in früher Zeit. Karl der Große streift einmal mit feinem Gefolge die normannische Küste, und als hier Schiffe in Sicht kommen, da vermuthen seine Leute sogleich, das seien jüdische Seefahrer. Und im siebzehnten Jahrhundert betreiben die Juden in Altona eine so schwunghafte Schifffahrt nach Grönland, daß anerkannter' maßen erst diese jüdische Konkurrenz den Eifer des benachbarten Hamburg gestachelt und so die Blüthe des größten festländischen Emporiums wesentlich gefördert hat. Juden haben den Tabaksbau in vielen Ländern eiugeführt, so in Oesterreich Jsak Edler von Hönigsberg, in Brandenburg geschah es etwa gleichzeitig mit der Aufnahme der jüdischen Exulanten aus Wien durch den großen Kurfürsten. Das! königlich preußische Staatsarchiv enthält das den Juden David Nathan und Hartwig Daniel ertheilte Privilegium, den Tabaksbatt in den brandenburgischen Landen einzusühren. Aehnliches gilt von Württemberg und Mecklenburg. Ja. der portugiesische Jude Luis de Torres. ein Gefährte des Christoph Columbus, hat überhaupt die moderne Tabaksindustrie erfunden. Juden haben den Kaffee in England eiugeführt, er war im 18. Jahr-! hundert in Egypten unter dem Namen „Judentrank" bekannt. Portugiesische Juden pflanzten 1548 zuerst das Zuckerrohr in Brasilien, und j Wiener Juden haben den Candiazucker nach dem Westen gebracht.! Tuchfabrikanten waren die Juden in Spanien. England und bis 1316, wo auf Andrängen der Zünfte diese Industrie ihnen verboten wurde,; in Oesterreich. Ein Prager Jude, Joachim Gans, macht die Engländer unter Elisabeth mit der Knpferindustrie bekannt. Wiener Juden haben in Ungarn und an der Militärgrenze mit glänzendem Erfolge mit > der Seidenkultur begonnen. Ein Leipziger Meßbericht von 1841 rühmt die österreichischen Lieferanten, daß sie „mehr als unsere Banqniers augenscheinlich eine wahre Stütze der sächsischen Tuch-- und! Wollzeugfabrikanten sind". Das war im Jahre 1841! Juden haben gewisse Zweige des Kunsthandwerks geradezu moiiopolisirt. Sie waren die geschicktesten Silberarbeiter in Lncca und anderen Städten Italiens, in Amsterdam die gesuchtesten Optiker und Diamantschleifer. Holland verdankte ihnen Jahrhunderte lang in ganz Europa das Monopol! für die besten optischen Instrumente, ein Gewerbe, welches die vertriebenen Juden aus Spanien und Portugal in ihre neue Heimath mitgebracht hatten. MLM LMM! Aarnung M Ligarettenraucker! Es existiren vollständig werthlose Nachahmungen unserer „Hslem ^leikum"- Cigaretten. Tie ordinäre Qualität dieser Falsifikate ist geeignet, unsere Erzeugnisse zu diskreditiren. Wir bitten daher dringend, beim Einkauf darauf zu achten, daß auf jeder Cigarette der Name „Salem Aleikurn" und die volle Firma steht: Ortenlattsche Tabak- und Ctgarrttenfabrik ..Uenidze", Dresden. Ernstgemeinte Heirath! Bin nicht groß, 27 Jahre alt, von ungewöhnlich jugendl. Aussehen. Stamme aus hies. hochgeachteter Familie, tadell. Nufes.Vermögen besitze nicht, daher große Furcht vor einsam. Zukunft. Bin weder oberflächl. noch putzsüchiig veranl., sond. Häusl, erzog., habe bisher der Frauenbewegung nicht fern gestanden, möchte mich jetzt sehr gerne verheirathen, um mit Herrn in gesichert. Lebensstellg., von angenehm. Aeutzern vereint, freudig den Kampf umS Dasein wieder anfzunehrnen. Würde evt. Wittwer m. 1—2 klein. Kind, heirath, deren Erzieh, m. gerne widmen würde; bin auch kaufmänn. gebild., da m. Komptoirarbeit. vertraut. Jnteressire m. ebhast f. d. Aerztestand, würde ein. Arzt n seinem schönen aber schweren Beruf!reueSttttze sein.Welch. Glaubensgenosse ist so edel peranlagt, daß er die idealen Güter d.Lebens, wie Bildung, Erziehung, ulte Familie u. andere Jrauentugenden böher schätzt als das Geld? Da keine Gelegenheit, Herrenbekanntschaften anuknüpfen, hoffe sicher a. liebenswürdige Herm ittlung aus hoch geschätzt. Leserkreis l. wäre unendlich dankbar. Großstadt evorzugt. Gute Ausstattung vorhanden. 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