Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1902)
- Date
- 1902-02-28
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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s Berlin ebenso Herr Siegfried Brunn vom Vorstände traten mit großer Wärme für den Zusatz des H2 „die StaudeSinteressen zu fördern", ein. Die Herren Kalltoren wiesen auf die Anregung, die von Wien auf dem allgellleinen Kantorentag ausgegaugen ist. hin lind appellirten an die Ehre der deutschen Kantoren für die Annahme deS erwähnten Zusatzes. Derselbe wurde von der Versammlung einstimmig angenommen. Der Name des Vereins bleibt jedoch derselbe. Mit der Annahme dieses Zusatzes beginnt für die Kantoren Deutschlands eine neue Aera. Es wird nun an den Kantoren liegen, sich der Hilfskasse anznschlieszen, um nicht allein die materiellen, sondern auch die Standesinteressen zu fördern. Bei der nun vorgenommenen Vorstandswahl gingen als gewählt hervor die Herren Kantoren^ Friedmann, Rosenthal. Epstein. Dubowskh. Lewit-Berlin. Schönberger-Potsdam. Sarasohu-Stettin. Als Rendant und Schriftführer wurden die Herren Emil Benjamin, Lehrer Flanier und als Revisoren die Herren Göttinger und Braun gewählt. Nach der Wahl richtete Herr Dr. Stern einige beherzigenswerthe Worte an den neuen Vorstand und wünschte der Hilsskasse unter der neuen Leitung ein gutes Gedeihen. Alsdann wurde auf Antrag des Herrn Brünn eine Kommission, bestehend aus den Herren Instizrath Stern, S. Brünn, Julius Cohn,^ Friedmann. Schönberger, gewählt, welche die allgebahnten Verhandlungen mit dem Gemeindebnnd an dem Gemeindetag fortsetzen sollen. Alsdann dankte Herr Oberkantor Sarasohn in schwungvollen Worten dem alten Vorstand für sein überaus warmes Interesse, welches er viele Jahre dem Verein entgegengebracht hat und schloß mit einem kräftigen Hoch auf den Vorstand, in das die Versammlung einstimmte. Nachher fand ein gemüthliches Beisammensein statt. Bei der Konstituirnng des Vorstandes wurden Friedmann als erster Vorsitzender. Schönberger als zweiter Vorsitzender, Benjamin als Rendant, Flanter als erster. Dubowskh als zweiter Schriftführer gewählt. Zum Ehrenpräsidenten wurde in Anbetracht seiner großen Verdienste um die Hilfskasse Herr Instizrath Dr. Feodor Stern gewählt. — Berlin, 22. Februar. Das Komitee für Chanukah- Bescheerung versendet folgenden Bericht über seine erfolgreiche Thätigkeit. Den gütigen Spendern, welche uns wiederum die Mittel gewährten, zu Chanukah armen Kommunalschüleru die nothwendigsten Kleidungsstücke und Lehrmittel zu bescheeren. statten wir hiermit innigen Dank für das uns bewiesene Vertrauen und zugleich Bericht über unsere Thätigkeit ab. Wir empfingen baar Mk. 16998, außerdem werthvolle Textilftoffe. Kleidungsstücke, Spielzeug und andere Gegenstände. Wir verausgabten Mk. 17 805.77 und es ergab sich demnach ein Minus von Mk. 807 77, den wir unserem Reservefonds entnehmen mußten. 615 Familien mit 1217 Kindern erbaten die Unterstützung; davon durften wir trotz strengster Nachforschung nur zwanzig Kinder abweisen. Für die übrigen 1197 Kinder wurden durchschnittlich je Mk. 14.80 verwendet. — Für diesen Betrag erhielt fast jedes Kind Kleidung. Stiefel und Wäsche nach Maß gefertigt. Herr Arnold Weiß spendete einem letztwilligen Wunsche seiner verstorbenen Frau zufolge Mk. 1000 mit der Bestimmung, daß dafür im Laufe dieses Jahres besonders fleißige und bedürftige Kinder nochmals bekleidet werden. Herr und Frau Leopold Friedmann schenkten anläßlich ihrer Silberhochzeit Mk. 500, die wir dem Reservefonds überwiesen. Für diese Gaben danken wir den hochherzigen Spendern ganz besonders. Die Herren Moritz Manheimer und Dr. Otto Wiesenthal unterzogen sich sreundlichst der Mühe, obige Rechnung an der Hand der Beläge zu prüfen, dieselbe wurde richtig befunden.'* Wir hoffen demnach. Ihre gütige Spende sür die armen Kinder sorgsam verwaltet zn haben und wagen daher die Bitte, unserem Verein auch ferner Ihr Wohlwollen zu bewahren. 8. Berlin, 22. Februar. Die von der Wohlthätigkeitsvereinigung jüdischer Frauen und Mädchen „Judas Töchter" veranstaltete musikalisch-deklamatorische Soir^ zum Besten ihrer Urrterstützungskasse fand heute in den Räumen der „Gesellschaft der Freunde ' statt und nahm einen glänzenden Verlauf. Dem rührigen Vorstand des Vereins war es gelungen, die gütige Mitwirkung hervorragender Künstler für dieses Liebeswerk zu gewinnen. Den musikalischen Theil hatten die Konzertsängerinnen FrauJsabella Berger. Frau Dr. Stern, die Herren Wilhelm Berger, Anton Hekking, königlicher Hofopernsänger Paul Knüpfer, den deklamatorischen Fran Hedwig Niernann-Raabe, Herr königlicher Hosschauspieler Rudolf Christians, Herr Ernst Wehl an vorn Schiller-Theater und Otto Fritschc vom Bunten Theater übernommen. Das Fest war außerordentlich gut besucht. Möge der Ueberschuß im Interesse der guten Sache ein recht reichlicher sein! o. Berlin. 20. Februar. Der Verein „Hachnasath Orchim", der sich zur Ausgabe gestellt hat, armen Durchreisenden wenigstem am Sabbath eine streng rituelle Verpflegung zu gewähren, Versender seinen Jahresbericht für das Jahr 1901. Es wurden in dem Berichts jahre circa 1500 Mahlzeiten vertheilt, das sind pro Woche circa 30. Die höchsten Besuchsziffern zeigten die Monate Mai und September die niedrigsten Januar und Oktober, was interessante Rückschlüsse an die „Reiselust" unserer Glaubensbrüder, die zum Verlassen der Heilnath gezwungen sind, zuläßt. Der Verein, welcher im Jahre 1898 begründe! wurde, bewegt sich in aussteigender Linie. Während im ersten Jahr wöchentlich nur 16 Mahlzeiteil vertheilt wurden, stieg die Zahl, wi. bemerkt auf 28 im vergangenen. Die Anforderungen an ihn werden von Jahr zn Jahr größer, die Beschaffung der hierzu erforderlichen Mittel immer schwieriger, und darum ergeht an alle unsere Glaubens genossen die dringende Bitte, sich dem Verein als Mitglied anzu schließen. Giebt es doch kaum eine bessere Gelegenheit sür du armen Unglücklichen, die sich während der ganzen Woche als aus. gestoßen aus der Menschheit fühlen, den Sabbath festlich begehen zu können, als die Gewährung einer warmen Mahlzeit in einem gemüth liehen Heim. — Berlin, 24. Februar. Die Jacob Israel-Stiftung, Pensionskasse sür die Angestellten der Firma N. Israel zu Berlin sowie für deren Wittwen und Waisen, hielt am Donnerstag, 13. d. M ihre diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Aus dem Berichte des Vorsitzenden ging hervor, daß das Vermögen der Kasse Mark 554 680.31 beträgt lind sich somit um Mark 65 954.77 gegen 1900 vermehrt hat. An Pensionäre wurde gezahlt Mark 5784. Der Mitgliederbestand erfuhr eine Vermehrung um 31 Personen und beträgt jetzt 454, darunter 131 Verheirathete. Die Chefs der Firma zahlten Mark 17 000 als Zuschuß pro 1901. — Königsberg, 26. Februar. Der Verein jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Königsberg i. Pr. hielt am 10. d. M seine erste ordentliche Versammlung unter Betheiligung aller Mitglieder ab. Der Vorsitzende, Herr Rabbiner Dr. Vogelstein, eröffnete dir Sitzung mit einer ausführlichen Besprechung der Ziele und Zwecke des neuen Vereins, der bestimmt ist. sowohl den praktischen Aufgaben der jüdischen Schule wie der wissenschaftlichen Fortbildung seiner Mit glieder zu dienen. Die Versammlung vereinbart die Arbeitsthätig keit des Vereins und erledigt einige sonstige geschäftliche Angelegen Heiken. Es wird die Einrichtung einer Journalmappe mit päda gogischeu und jüdischen wissenschaftlichen Zeitschriften beschlossen Nach Erledigung des geschäftlichen Theils referirt Herr Peritz über den Hamburger Lehrerverbandstag. Redner rühmt den im Ganzen harmonischen Verlauf der Tagung und die liebenswürdige Gastfreund schaft der Hamburger Kollegen, bedauert aber, daß die Verhandlungen selbst nur einen so geringeil Positiven Ertrag geliefert haben. Viele der zur Entscheidung gestellten Aufgaben waren weder durch Behänd lnng in den Vereinsversanunlungen noch durch Besprechung in der jüdischen Blättern genügend vorbereitet gewesen. Die Delegirtenver sammlung griff deshalb öfter als sonst nothwendig gewesen wäre, zn den in solchen Fällen bequemen, aber praktisch wenig bedeutsamen Anskunfts mittel: der Kommissionsverweisung. Der Verband müßte nothwendtz danach streben, praktisch leistungsfähiger zu werden. In bei folgenden Debatte wurde besonders das Rechtsverhältniß des Ver bandes zur Vereinigung preußischer Kantoren und die beabsichtigt. Einrichtnug einer Kantorensektion innerhalb des Verbandes ans sührlich besprochen. Das Kuratorium wurde als reine Verwaltungs behörde des Verbandes bezeichnet, die der Kompetenz der Delegirten Versammlung und des Verbandsvorstandes untersteht. In Sachen der Kantorensektion wurde bedauert, daß die bezüglichen Vorkehrungen nicht lebhafter betrieben würden, da von andere Seite im entgegengesetzten Sinne gearbeitet werde. Für die nächste Vereinssitzung am 27. Februar wurde folgende Tagesordnung festgesetzt: 1. Herr Rabbiner Dr. Perles „Harnacks Auffassung vom Judenthum". 2. Herr Samuel „Zur Methodik des biblischer- Geschichtsunterrichts". Kp. Bus der Provinz Posen, im Februar. Kaufmann B a er wald in Nakel und Kaufmann Li pp manu in Wronke find zu Stadtverordnetenvorstehern gewählt worden. — Die vakante Lehrer'