Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1902)
- Date
- 1902-02-28
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
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Jalsrgmig. Nr. Gemerndebote. Äerlm, FNnnar 1U0^. Werkclge zur „Mtgerneinen Zeitung des IuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. N-K v Berlin, 21. Februar. Fm Verein f ii r j ü dische Er-! schichte ilnd Lilteratnr sprach a»,l 18. d. Ät. der Nektar der jüdischen Mädchenschule, HerrDr. G u L man n über jüdische Hallslektüre. Der Redner unternahm eitlen Gang durch die jüdische schöngeistige Litteratur und bezeichnetein interessanter Ansführlmg diejenigen Bischer! lind Werke, die sich als Hauslektüre besonders eignen. — Das Buch ^er Bücher, die Bibel, insbesondere in der Uebersetznng voll Kautzsch sollte in keinem jüdischen Hanse feblen. Ans der mittelalterlichen Litteratur enthielten lesenswerthe Ileberfetznugen die „Stimmen vom Jordan und Euphrat" von Sachs und die „Zionsharfe". Die Werke non Kompert und Franzos seien nicht hoch genug anzuschlagen, während Aron Bernstein, der, obwohl oder vielleicht weil er kein! Dichter war, das Leben der Inden im Osten Deutschlands um so! wahrheitsgetreuer schilderte. Nicht minder ernpfehlenswerth seien! auch die Werke von Zangwill, „Andere Zeiten" voll Gotthard Deutsch,! die Erzählungen von Phöbns und Ludwig Phitippson und einige ge-! -llngene Ghetto-Bilder von S. Kohn. Als interessant bezeichnet zu! werden verdienen ferner die Familien-Papiere von Herzberg und die „Polnische Juden" von Hcrzberg-Fräntel. Bon nichtjüdischeu Autoren! Gien besonders rühmlich helvorzuhebcn die Schriften von Sacher - Masoch ulld Elise Orszeezko. Der interessante Vortrag lvar von reichem Beifall begleitet. — Alls den auswärtigen Litteratnrvereinen. In Lissa! prach Dr. Adolf K o h n t über „jüdische Humoristen der Gegenwart";! Dr.F re n n d-O st r o w o über „den ewigen Juden in Sage und Dichtung"! il S ch r i ln m Dr. Banrberger - Karlsruhe. „Lichtstrahlen im , Deutschen Ghetto": in L a b i s ch i n Dr. W a t t er- Bromberg über! „Moses Mendelssohn und seine Bedeutung für das Judenthum"; in! dreschen Lehrer Cohn über „die Zeit vom babhlonischen Exil bis zu Alexander dem Großell"; in Breslau Dr. med. M ii nzer über „die Medizin in der Bibel"; inHildesheim Dr. N o senthal - Stargard iber den „dichtenden VoLksgeist in Esther-Targlllll". Dr. Mannheimer-Oldenburg „Im Gartell der Kultur"; in Hamburg Dr. C. Pinn über „den Inden als Nomanfignr"; in Ko bürg Dr. Goit e iu-Burgkunstadt über „Humanität im jüdischen Strafrecht": n Gelsenkircheil Lehrer Kaufmann über „die Ethik des Jnden- -hlnns" von Prof. M. Lazarus, Nabb. Dr. G rü n feld -Bingell über Zwei jüdische Gegner des Judenthnms im 17. Jahrhundert", Lehrer > 2 a h über „Moses Mon tefiore"; in Aachen Dr. L o e lv e n b e rg -!?anlbllrg über Ahasver in Sage und Dichtung. - In dem vorigen z Bericht haben sich zu unserem Bedauern einige Jrrthümer einge-! chlichen, die wir hiermit berichtigen: Das Thema des Vortrages des j?errn Landrabb. Dr. Lewit in Hoppstädten a. N. lautete: „Der i rziehliche Einfluß im Jndellthuni", das Thema des Herrn Lehrer! pp stein daselbst lautete: „Ans der Oldenbnrgischen Geschichte zlim! ebnrtstag des Großherzogs", außerdem hielt der Herr Lehrer E p pst ein I inen Vortrag: „Zrikunstsbilder" zur Chanukahseier, ferner sprach Herr Bankier Lazarus Kr o n enberg er-Mainz über „die jüdische Frau" nd Nabb. Dr. T a w r og i-Kreuznach über „Goethe und die Juden". 8 as Thema des Herrn Lehrer Baum-Soetern lautete richtig: „Ein Gang durch die jüdische Geschichte". L2 Berlin, 21. Februar. Unerwartet kommt die Nachricht von h m Tode des G e h. M e d i z i n a lr at h s P r o f. D r. Jll liusWolff, er unter dem Namen „Knochen-Wolfs" weit über die Grenzen Deutsehülds und die ärztlichen Kreise Hillalls bekannt war. Seinen ehrenden cinainen haben ihn: wissenschaftliche Forschungen eingetragen, die er ' nige Jahrzehllte hilldllrch mit seltener Zähigkeit fortgesetzt hat. znm j großen Nutzen der Chirurgie, deren eifrigstell Jünger er einer lvar.! Ge „innere Architektur der Knochen", das war das wissenschaftliche! Bd seiner Arbeiten. Er hat dieses Gebiet der Forschung begründet! - G war der anerkannt erste Meister darill. Eine unübersehbare > rdizinische Litteratllr in allell Knltnrlälidern Europas hat sich an die grundlegenden Veröffentlichungen Wotfss angeschlossen lind seine Ideen weiter ansgeballt. Nicht nur für den normalen, gesunden Knochen, sondern auch für den krankhaft veränderten oder unter abnormen Drnckverhaltnifsen stehenden Knochen hat Wolfs die Gesetze des inneren Ausbaues nach streng mathematischen Regeln sestgestellt. Eine Autorität lvar er n. a. auch ans dem Gebiete der Hasenfchartenoperationen, Verschließungen von Gaumenspalten, ferner für Operationen am hängenden Kops lbei Kehlkopsoperationen und dergleichen nothweiidig'. für deren Ausführung er eine werthvolle tech-' irische Verbesserung angegeben hat. Als Meister ans dem Spezialgebiete der orthopädischen Chirurgie wurde er auf Vorschlag des Geh. Rath v. Bergmann, der seine Verdienste zu schätzen wußte, zmn Leiter der selbstständigen vrthopädisch-chirllrgischen Poliklinik ernannt, welche 189." air der Berliner Universität — der ersten in Deutschland - errichtet worden ist. Als Knochenanatom wie als Orthopäde hat Wolfs Schule gemacht; unter den Orthopäden Europas stand er in erster Reihe, von seinen Fachgenossen ohne Neid anerkannt. Wolfs lvar auch ein treuer Jude. Dem liberalen und dem Centralverein gehörte er als eill eifriges Mitglied an. Am 21. März 1886 zu Märkisch-Friedland in Westprenßen geboren, hat er in Berlin stndirt und 1860 promovirt. 186habititirte er sich auch hier als Privatdozent für Chirurgie und wurde 1884 außerordentlicher Professor. Leine litterarische Thätigkeit lvar sehr umfangreich, seine Thäligkeit als Lehrer nndArzl in gleichem Maße erfolgreich. Wolfs lvar mit einer Schwester des Stadtraths Weigert verheirathet, sein Sohn ist Assistent des Prof. Gusserow an der Frauenklinik der Charit«'-, seine Tochter ist an den Chemiker Dr. Spiegel. Assistent am Pharmakologischen Institut der Universität, verheirathet. .Sein Tod trat infolge eines Schlagansalls eill, den er am vergangenen Freitag erlitten hatte. Die Beerdigung fand am Freitag in Weißensee unter außerordentlicher Theilnahme statt. In Vertretung des Kultusministers erschien Geh. Oberregiernngsrath Elster, die Universität vertrat der Rektor Geh. Rath Keknlo von Stradonitz. Die Studentenschaft hatte sich mit drei Fahnen eingefnnden. Unter den zahlreich erschienenen Professoren sahen wir Exzellenz v. Bergmann. Beruh. Fränkel und Lafsar. Der Kriegerverein „Eisernes Kreuz" entsandte eine Abordnung mit einem Kranze. Nach der Rede des Predigers Dr. Lenin sprachen Namens der Freunde die Professoren Mendel und Hirschberg. Das Anden teil Wolfs s wird unvergessen sortleben! II. Berlin, 20. Februar. Am Ii. d. M. fand im Gemeindehaus, Oranieubnrgerstraße 2n. die Generalversammlung der Hilfskasse f ü r israelitische Kantore n u ll d K ultnsbea m t e statt. Der Vorsitzende Herr Jnstizrath Dr. Stern eröffnete die Versammlung lind begrüßte die erschienenen Gäste. In feiner Ansprache bedauerte er den Rückgang der Mitglieder. Dieselbell sind aus nur 76 znsammengeschmolzen. Viele sind infolge der rückständigen Beiträge ausgestoßen worden. Dies mußte im Interesse der Kasse und der zahlenden Mitglieder geschehen. Es bleibt dennoch dem neuen Vorstand überlassen, die gestrichenen Mitglieder, sobald sie ihren Verpflichtungen Nachkommen, wieder in den Verein aufzunehmen. Die Hilsskasje verfügt über eill Vermögen voll säst 10 000 Mark. Durch die Beiträge der außerordentlichen Mitglieder und durch mehrere Schenkungen ist die Hilsskasse zu diesem beträchtlichen Kapital gelangt. Nach diesen Auseinandersetzungen des Herrn Vorsitzenden wurde alsdann den Revisoren einstimmig Dccharge ertheilt. Den 4. Punkt der Tagesordnung bildeten die Angegangenen Anträge aus Statutenänderung. Eine besonders erregte Debatte rief H 2 hervor, dein die Worte hinzngesügt werden sollen: Der Verein solle auch die Standesinteressen der Mitglieder fördern. Mit Recht wurde vom Herrn Vorsitzenden bemerkt, daß die Hilsskasse als solche keine Aufgabe habe, die Standesinteressen der Mitglieder zu fördern. Dieses kann nur von Standesgenossen selber geschehen. Demnach müßte die Hilsskasse in einen Kantoreuverein »ungestaltet werden. Mehrere Herren Kantoren, wie Schönberger-Potsdam. DnbowsklpBerlin, Fried,nann-Verlin, Lewit-