Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1902)
- Date
- 1902-02-21
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Dr. Arthur Salvmonsohn daselbst und dem Rechtsanwalt Adols Salomonsohn ans Berlin; ferner 300 Mark von dem Gerichtsassessor Dr. Levy. einem Sohne des jüngst verstorbenen Kommerzienraths I. Levy in Jnowrazlaw. — Kürzlich beging das älteste Mitglied der Shnagogengemeinde in Koschmin. Rentier Schoeps, den 90. Geburtstag. — Zum Vorsteher der Synagogengemeinde in Pleschen ist Bankier Louis Oppler daselbst gewählt worden. — Der israelitische Frauenverein in Ostrowo feierte in diesem Monat das Jubiläum seines 60 jährigen Bestehens. — Der israelitische Frauenverein in Buk hatte nach einem Bericht in der letzten Generalversammlung im letzten Jahre eine Einnahme von 158 Mark, der Armenfonds weist eine Einnahme von 66.78 Mark und eine Ausgabe von 36,40 Mark auf. Der bisherige Vorstand, bestehend aus den Herren Lehrer Spieldoch, Kaufmann R. Guttmann sowie den Damen Zöllner. Herzfeld und Lippmann, wurde wiedergewählt. — Der seit 19 Jahren in Ostrowo bestehende jüdische Mildthätigkeitsverein. der kleinen Gewerbetreibenden zinslose Darlehne aus ratenweise Rückzahlung gewährt, hat in seiner jüngsten Generalversammlung seine bisherigen Vorstandsmitglieder wiedergewählt. Der Verein zählt jetzt 91 Mitglieder und verfügt bereits über ein Vermögen von 7000 Mark, das sich durch Mitgliederbeiträge und freiwillige Synagogenspenden erhöht. — Kaufmann Salomon Unger in Ostrowo kann in diesem Monat auf eine 25 jährige Thätigkeit als Repräsentant in der dortigen Synagogengemeinde zurückblicken. — Der Verein Ansche Chessed in Posen hielt neulich seine Generalversammlung ab, zu der 62 Mitglieder erschienen waren. Das Vereinsvermöge», beläuft sich auf 13 051,76 Mark. Die Versammlung beschloß, für die vom Verein zu veranstaltenden literarischen Vorträge einen Fonds von 150 Mark jährlich ausznsetzen. Znrn Vorsitzenden wurde Herr Max Ehrenwerth und zum Kassier Herr I. L. Jacobsohn wiedergewählt. Rabbiner Dr. Bloch hielt im Verein einen Vortrag über den literarischen Werth der Psalmen. — Eine als Rittergutsbesitzern: in Westdeutschland lebende Schwester des jüngst in Jnowrazlaw verstorbenen Kommerzienrathes Julius Levy hat dem Armensonds der Stadt Jnowrazlaw 100lfMark überwiesen. Von der Ruhr, 11. Februar. Am 2. d. M. beging die Chebra „Gemilus chassodim" in Mülheim a. d. Ruhr das Fest ihres 100 jährigen Bestehens. Eingeleitet wurde die seltene Feier durch einen Morgengottesdienst, wobei unter Leitung des Kantors. Herrn Plachschinski, ein Männerquartett „Ma tanwn" recht wirkungsvoll vortrug. Nach Reziirnng der Psalmen 95 bis 98 und 29 hielt Herr Lehrer Oppenheimer eine vorzügliche Festpredigt. Die erhebende Feier, die ans Alle einen tiefen Eindruck machte, endete mit Gesang. Nachmittags begann das Festmahl, woran fast die ganze Gemeinde und viele Gäste von nah und fern sich betheiligten. Aus der Fülle der Toaste seien nur einige ererwähnt. Herr Isidor Levy als Chebrapräses begrüßte die Festtheilnehmer mit schwungvollen Worten, die er in ein kräftiges Hoch ans den Landesherrn ausklingen ließ. Die Brudervereine Bochum, Duisburg und Essen waren durch Delegirte vertreten. Herr Lehrer Nußbanm aus Duisburg überreichte in trefflicher und sehr beifällig aufgenommener Rede ein ebenso schönes wie sinnig ausgeführtes Gedenkblatt der dortigen Chebra. In längerer Ausführung toastete Herr Rabbiner Dr. Samuel-Essen auf den Jubelverein. Herr Gustav Kaufmann überbrachte namens des Vorstandes und der Repräsentanten oeren Glückwünsche zu diesem Tage. Eine besondere Ehrung wurde em ältesten Mitgliede, Herrn Michael Hirsch (97 Jahre), der der Chebra 66 Jahre angehört, durch Ernennung zum Ehrenmitglied rwiesen. Liedervorträge würzten das Mahl. Nach Vortrag des Tischgebetes durch Herrn Dr. Samuel nahm das Vergnügen seinen Anfang. Frl. Henriette Levy trug in klangvoller Sprache den Festurolog vor. Hierauf folgte die flotte Aufführung des Schwankes Lord Naumann in Behandlung" sowie die gelungene Darstellung lebender Bilder aus dem jüdischen Familienleben (nach Oppenheimj. Den Abschluß bildete ein solenner Ball. Das Fest, welches in eder Hinsicht den schönsten Verlauf nahm, wird sicherlich bei allen Theilnehrnern in angenehmster Erinnerung bleiben. Köln, 7. Februar. Wie wir schon gemeldet, hat sich am vergangenen Sonntag nunmehr auch hier ein Lokalkomi tee des „Hilfs- Vereins der deutschen Juden" konstituirt. und ist die Gründung ines Provinzialkomitees für Rheinland und Westfalen in die Wege gleitet worden. Unsere Gemeinde hat wiederum gezeigt, daß sie den -roßen Fragen, welche das deutsche Jndenthiini bewegen, verständnißvoll gegenübersteht und ihre materielle und ideelle Kraft in den Dienst solch bedeutsamer Zwecke, wie sie der „H. d. d. I." anstrebt, zu stellen gewillt ist. Zu der voll den hiesigen Mitgliedern des Centralkomitees einbernsenen Versammlung hatten sich gegen 30 hiesige Herren sowie die Vertreter von ungefähr zehn auswärtigen Gemeinden eingefunden; eine ganze Reihe der letzteren halte ihr Einverständnis; mit den Zielen des Vereins und ihre Bereitschaft zur Mitarbeit schriftlich kundgegeben. Im Mittelpunkt der Verhandlungen standen die Ausführungen der Herren Dr. P. Nathan und Sigmund Vergeh die beide ans Berlin herbeigeeilt waren, um Tendenz und Zweck des Vereins darznlegen. Ihren Allsführungen ist es gelungell, die von manchen Seiten geltend gemachten Bedenken zu zerstreuen und das erfreuliche und befriedigende Ergebniß herbeizuführen, daß sich sämmtliche Anwesende mit der Konstituirung des Lokalkomitees einverstanden und zum Beitritt zu demselben bereit erklärten. Nachdem Herr Albert Simon, der Leiter der Versammlung, dieselbe eröffnet und die Anwesenden, besonders die fremden Gäste, begrüßt und ihnen für das Interesse gedankt hatte, das sie durch ihr Erscheinen für den Hilfsverein an den Tag gelegt, nachdem ferner verschiedene Herren ihren Bedenken Ausdruck gegeben hatten, ergriff Herr Dr. P. Nathan das Wort. Ueberzeugend und mit glänzender Beredsamkeit wies er nach, um welche großen Angelegenheiten ini Dienste.des Gesarnultjudenthnms und um welche Kulturleistnng es sich bei dem Werke handele, zu dem der Hilssverein Deutschlands Judenheit ansrufe. Wie wenig dabei die Absicht einer Konkurrenz mit der Alliance Lsruclile universelle besteht, erkennen nunmehr auch die leitenden Persönlichkeiten der /Vllmilee, an ihrer Spitze Oi'Lluä-rakbm Zadoc Cahn. an. und haben es dem Redner bei seiner Anwesenheit in Paris knndgegeben, — befinden sich ja auch eine Reihe von führenden Männern der „Alliance isrnvlito universelle" im Centralkomitee des Hilssvereins — so daß geradezu eine Personalunion herrscht. Dort, wo deutscher Einfluß der stärkere ist, wo deutscheKultur unseren Glaubensgenossen ersprießlich ist und von ihnen verlangt wird, wollen wir sie ihnen bringen und im klebrigen Hand in Hand mit der „^.Iliunee isruelile nnivorssllu" und den übrigen Organisationen das Unserige an dem großen Hilsswerk sür unsere armen Glaubensbrüder im Osten zu leisten suchen. Ein guter Anfang ist bereits gemacht; 90 000 Mark sind in Berlin mit Unterstützung der Bne-Buth-Logen aufgebracht und davon 10000 Mark der „^stimme israelita universeller" auf ihr Ansuchen für die rumänische Hilsskasse überwiesen worden. In Ost- und Westprenßen haben sich Provinzialkomitees, an zahlreichen Orten Lokalkomitees gebildet; der Redner hofft zuversichtlich, das; mit dem heutige;; Tage auch Köln und die Nheinprovinz dem großen Werke sich anschließen werden. — Herr Sigmund Bergel verbreitete sich dann eingehend über die Thätigkeit des Hilfsvereins in Galizien, wo er das in den deutscher; Logen Begonnene fortsetzen und vollenden werde. Darauf entspann sich eine lebhafte und anregende Debatte, an welcher sich die Herren Rechtsanwalt Dr. Mannheim, B. Feilchenfeld, Dr. med. Allerbach. Rabbiner Dr. Rosenthal, D. Wolffsohn, Louis Eliel, Rabbiner Dr. David-Düsseldors und Amtsgerichtsrath Löwenherz betheiligten. Ohne Einspruch gelangte folgende Resolution zur Annahme: „Die heute zur Gründung eines Provinzialkomitees des „Hilfsvereins der deutschen Inden" zusammengetretenen Herren erklären ihren Beitritt zu dem Verein und erwarten, daß der Verein stets in; Einklang mit den ähnlichen Associationen in Paris, London und Wien an der moralischen und sozialer; Hebung der armen ausländischen Glaubensgenossen arbeitet, insbesondere aber sich dem Hilsswerk sür die osteuropäischen Juden widmet. Sie erwarten zugleich, daß durch den Beitritt zu diesen; Verein die materiellen Mittel der Alliance aus Deutschland nicht gemindert werden." — Kassel, 16. Februar. In dem Tre b erpr o z eß, der in der vorigen Woche hier verhandelt wurde, kam u. a. ein interessanter Brief des Mitangeklagten Otto zur Verlesung, der am 16. Februar 1899 an den bekannten Direktor Schmidt Folgendes schrieb: „Hoffentlich machen wir mit Dr. Krambuhler in Wien keine schlechten Erfahrungen! Ich fürchte, znm Schluß kommt der Jude zun; Vorschein. Mein seliger Vater pflegte zu sagen: Wenn ein Jude blos über die Schwelle kommt, dann verliert man jedesmal ein Karotin!" (Große allgemeine Heiterkeit verzeichnet der Bericht über die Gerichtsverhandlung in den hiesigen Blättern.) — Wiesbaden, im Februar. Das seit fast 30 Jahren in Bingen am Rhein bestehende Töchterpe nsionat der Geschwister S ober;; heim ist vor einigen Monaten hierher verlegt worden. Wir