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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-02-21 · Heft 8 (21.2.1902) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 8 (21.2.1902)
Date
1902-02-21
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 Gartenbau, der Landwirthschaft und dem Handwerk zuzuführen," so schrieb Herr Simon in einem Aufruf, welcher seine israelitischen Glaubensgenossen aufforderte, ihr Scherflein Heizulragen, „zur Heranbildung einer neuen, gesünderen Generation". In allen größeren Städten haben sich jetzt Komitees gebildet, so auch in Berlin, wo der Schatzmeister I. Freimark Beiträge für die israelitische Erziehungsanstalt in Ahlem bei Hannover entgegennimmt. Unterstützt und gefördert durch die Behörden, ist dies Werk in wenigen Jahren gewaltig gewachsen; gegenwärtig befinden sich ungefähr 100 Knaben, darunter meistens Berliner, irr diesem groß angelegten Musterbetriebe, der vielen elternlosen Kindern Gelegenheit giebt, draußen auf dem Laude in frischer, gesunder Lust unter der Obhut treuer Pfleger sich gedeihlich zu entwickeln. §2 Berlin, im Februar. Es geht uns der folgende Aufruf, unterzeichnet von den hervorragendsten Männern der jüdischen Gemeinde, zu, den wir allgemeiner Beachtung anstandslos empfehlen: Bon bitterster Noth. von unbeschreiblichem Elend wird seit mehreren Monaten ein ansehnlicher Theil unserer Brüder im heiligen Lande heimgesucht. Bon den 1725 Airgehörigen der sogenannten ru m ünischen Gemeinde Palästinas izumeist Nachkommen von in früheren Zeiten ans Rumänien dorthin Eingewandcrten). die einzig und allein ans die ihnen aus ihrem Stanunlande zujlleßenden Geldnnterstütznngen angewiesen sind, führen jetzt ca. 700 Seelen, bestehend aus Greisen. Kranken, erwerbsunfähigen Wittwen und Waisen, ein jammervolles, von Entbehrung. Hunger und Siechthnm ansgesülltes Dasein. — Znm näheren Verständnis; ihrer Nothlage mögen folgende Einzelheiten dienen: Die Gesammtziffer der in Palästina wohnenden Juden deutscher Zunge beträgt 25943. Bon diesen sind nicht weniger als 15575, d.h. 70 Prozent, ans unmittelbare Unterstützungen angewiesen. Die aus sämmtlichen jüdischer! Gemeinden des Abendlandes sür diese einlanfenden Spenden gelangen an 20 Landsmannschaften zur Vertheilnng Die Höhe des ans die einzelne Familie kommenden Antheils ist je nach der Wohlhabenheit und Freigebigkeit der Inden des betreffenden Heirnathlandes sowie je nach der Anzahl der aus demselben stammenden Familien sehr verschieden. So werden die aus Ungarn einlansenden 200000 Frcs. jährlich unter nur 1800 Personen vertheilt. Für die 190 Angehörigen der Landsmannschaft „Hand" (Holland und Deutschland) laufen jährlich über 80000 Frcs. ein. (Dabei erhalten die Mitglieder dieser Landslila,inschasten nur 55 Prozent aller ans Holland- Deutschland eingehenden Beträge, während der Nest gleichmäßig unter alle Juden Palästinas zur Vertheilnng gelangt.) Dagegen stellt sich schon in normalen Zeiten für die 850 Familien der Landsmannschaft „Rumänien" die Iahresguote nur ans 140—170 Frcs. für die Familie. Seitdem aber unsere Glaubensgenossen in Rumänien selbst in die bitterste Nothlage gerathen sind, hat sich auch dieser Antheil bis ans ein Drittel seiner bisherigen Höhe reduzirt. Während früher 50000 bis 60 000 Frcs. ans Rumänien jährlich einzulanfen pflegten, gehen jetzt nur ea. 17000 Frcs. ein, d. h. pro Kopf und Jahr ca. 10 Frcs.' Der schwere Druck, der auf unseren Brüdern in diesem Laude lastet, beraubt sie der Möglichkeit, ihrer Schutzbefohlenen im heiligen Lande in gewohnter Weise zu gedenken. Diese Unglücklichen sind um so bedauernswerther. als sie den Angen Derer weit entrückt sind, die ihnen Hilfe zu bringen in der Lage wären. Keiner sieht, Keiner vernimmt hier, wie schwer dort die Armen mit der Noth ringen. Ihre Sprache ist den Meisten hier fremd, darum verhallt ihr Jammerruf. und ihr Flehen bleibt uugehört und unberücksichtigt. Wer aber einmal all Ort llild Stelle war und die wahrhafte Frömmigkeit, Gottergebenheit und beispiellose Genügsamkeit der dortigen Armen zu bewundern Gelegenheit hatte, wer es mit angesehen, in welch' trostloser Weise sie ihr Leben fristen, oder wer sich nur einmal in den Seelenznstand solcher Nothl eidenden zu versetzen versucht hat, die ans die Hilfe, die nur ans weiter, nulter Ferne kommen könnte, ihre Angen richten, da ihnen in dcr Nähe Niemand beiznstehen vermag, der wird sich einem .Hilfswerke für die Greise. Krankerl, erwerbsunfähigen Witt wen und Waisen der rumänischen Gemeinden in Palästina nicht entziehen! Eill Komitee hat cs ans sich genommen. Fürsprecher dieser Dürftigen zu sein: es möchte ihnen eine dauernde Unterstützung sichern und bittet Sie. sehr geehrter Herr, sich au der edlen Sache betheiligen und Ihr Interesse sür die bezeichneteu Armen durch einen jährlichen Beitrag bekunden zu wollen, den entgegenzunehmen unser Schatzmeister Herr Siegbert Seckelsohn, Berlin >>V., Kronprinzennfer 7. mit Freuden bereit ist. Die ein! au senden Beträge sollen zur Gründung von Volksküchen, zur Vertheilnng von Kleidungsstücken und. in nöthigeu Fällen, zur Gewährung von baaren Geldunterstütznugen verwendet werden. ---Königsberg i. Pr., 14. Februar. Das israelitische Waisenhaus sür Stadt und Provinz zu Königsberg i. Pr. versendet soeben seinen 41. Jahresbericht. Derselbe giebt ein wohlthuendes Bild voll dem Leben und Wirken dieser Anstalt. Das Waisenhaus unterhält z. Z. 88 Zöglinge, und zwar 29 schulpflichtige Knaben und Mädchen und 4 Handwerkslehrlinge <1 Uhrmacher. 1 Schneider. 1 Klempner und 1 Stubenmaler). Die Kinder besuchen je nach ihrer Befähigung höhere und niedere Schulen und wählen später nach eigener Neigung ihren Berns. - Eine lange Reihe von Wohlthätigkeitsspenden zeugt von der großen Beliebtheit der Anstalt. Der Bericht verzeichnet auch aus dem letzten Jahre zwei größere Schenkungen von Andersgläubigen im Gesammtbetrage von 16600Mark. Außer diesen vereinnahmte das Waisenhalls noch rund 24 000 Mark. Die Ausgaben betrugen ca. 28 200 Mark, wobei sich die Unterhaltung eines Kindes durchschnittlich sür das Jahr ans 685 Mark, die Be» köstigung pro Kops und Tag aus 47^. Pfennig stellt. — Der Vorstand des Waisenhauses besteht aus den Herren Professor Dr. Saalschütz. Besitzender; Professor Dr. Lassar-Cvhn. stellvertretender Vorsitzender; A. Magnus. Kassirer; Dr. A. Friedtändel'. Julius Lazar, Max Minkowski. Stadtrath Jsaac Eichelbanm-Jnsterburg und Marcus Wasbutzki-Titsit, Beisitzer. — Die Leitung der Allstalt führt Herr Waisenhausinspektor Adolf Peritz. — Die Anstalt beabsichtigt in nächster Zeit eitlen Neubau in vergrößertem Umfange auszuführen. X. Aus Westpreußen, im Februar. Rentier Moritz Goldstern in Dauzig, der vor zwei Jahren die goldene Hochzeit gefeiert und die Ehejnbiläuinsmedaille erhalten hatte, sowie vom Vorstände der Synagogengemeinde durch eine Deputation und Blumenspende beehrt wurde, feierte am 22. d. M. seinen 80. Geburtstag. Goldstein ist bis jetzt noch Vorsteher der Mattenbuder Synagoge und gehörte längere Zeit der Repräseutantenversammlung der Synogengemeinde an. — Dem Kaufmann Aronsohn in Gollnb. welcher dem dortigen Magistrat als Beigeordneter 25 Jahre ununterbrochen allgehört, haben die Stadtverordneten den Titel „Stadtältester" verliehen. — Am 16. Januar feierte der Küster der Synagogengemeinde D i rsch a u. G. E i sen st ä d t, das Fest des 25 jährigen Anltsjnbilänms, und wurde der Jubilar durch eine Deputation und eine Ehrengabe seitens der Gemeinde geehrt und erfreut. — Die Repräsentanten der Synagogengemeinde Könitz wählten Herrn I. Fleischer zu ihrem Vorsitzenden. — Die wackere, muthige Thal eitler jungen Glanbensgenösfin. des Fräuleins Gertrud Arns ill Pr. Stargard, hat jüngst ihre verdiente öffentliche Anerkennung gefunden, durch Ueberreichung der ihr verliehenen Rettungsmedaille am Bande. Im Sommer vorigen Jahres hatte das erst 16 Jahre alte Fräulein, Tochter des Vorstehers Herrn Arns in Pr. Stargard, unter eigener Lebensgefahr beim Baden in der Ferse die Tochter des Herrn Rittergutsbesitzers Krüger in Kollanz vom Tode des Ertrinkens gerettet. Am Donnerstag, den 2. Januar ist der tapferen Retterin nunmehr vom Herrn Landrath das erwähnte Ehrenzeichen überreicht worden. — Eill verhängnißvolles Geschick ereilte eitle jüdische Iran Namens Siesfe Feinschnüdt aus Tschatscharsk in Rußland. Frau Feiuschmidt war aus einer Klinik in Königsberg, von wo sie wegen Uilheilbarkeit ihres Leidens zurückgeschickt wurde, in Eydtkuhnen angekommen und nach Wirballen gefahren. Da sie aber keinen Gouvernementspas; besaß, wurde sie nach Eydtkuhnen zurückbesördert und starb im Wartesaat 8. Klasse; die durch den Tod von ihren Qualeil erlöste Frau war erst 31 Jahre alt. — Der im 80. Lebensjahre stehende Kaufmann Herr PautSalinger, der älteste jüdische Bürger in Deutsch-Krone, welcher 35 Jahre ununterbrochen als Stadtverordneter thätig ist, und welchem zn seinem 80 jährigen Amlsjnbilänm von der Stadtgemeiude in Anerkennung seiner Verdienste um das Wohl der Stadt eine werthvolle silberne Gabe als Alldenken überreicht wurde, hat bei der diesjährigen Stadtverordnetenwahl wegen seines vorgerückten Alters auf eine Wiederwahl verzichtet. Herr Salinger genießt daselbst allgemeines Vertrauen lind ist auch Mitglied der städtischen Schutdepntatioi', Bezirksvorsteher, Repräsentant und Kassenrendant der Synagogengemeinde. Xp. Alts der Provinz Posen, im Februar. Auch ill diesem Winter sind den Armen der Stadt Jnowrazlaiv voll jüdischen Mohlthätern 1800 Mark geschenkt worden, und zwar je 500 Mark voll

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