Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-02-21 · Heft 8 (21.2.1902) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 8 (21.2.1902)
Date
1902-02-21
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3228473-3228482--58410-3294851
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

4 hatten kürzlich Gelegenheit, die neu erbauten schönen Räume des Pensionats in Augenschein zu nehmen, die vor allem jedweden hygienischen Ansprüchen entsprechen, sowohl was Wohn- und Schlaf» räume wie auch Speise- und Schulzimmer anlangt. Das Haus ist in einem neuen komfortabelen Stadtviertel gelegen, von allen Seiten frei, mit großen Gärten, Veranda und Lauben, die auch den Aufenthalt in freier Luft bei schlechtem Wetter ermöglichen. Erziehung und Unterricht sollen nach den alten Prinzipien, die das Pensionat auch früher weithin bekannt machten, weiter geführt werden. Die Leitung ist eine streng rituelle. Wir glauben, daß das Pensionat eine große Zukunft hat. 8L München, 17. Februar. Die Abgeordnetenkammer hat in fortgesetzter Berathnng des Etats des Ministeriums des Innern die allgemeinen Erörterungen über die Bezirksämter zu Ende geführt. Aus der Erörterung erwähnen wir nur, daß die gestrigen Bemerkungen des Abgeordneten Göller und die heute von dem Abgeordneten Harder wiederholten, vorerst noch etwas schüchternen Anregungen des Centrums, daß bei der Versetzung von Bezirksamtmännern auf die Konfession Rücksicht genommen werde, sowohl voni Abgeordneten Stöcker als vom Referenten Dr. Casselmann zurückgewiesen wurden, aus grundsätzlichen Erwägungen, und weil sich daraus jedenfalls auch praktisch große Schwierigkeiten ergeben würden. Hier kommt dasselbe Prinzip zur Geltung, wie es im Antrag Heim vom Landtage gegen die Inden beschlossen wurde. Damals wurde verneint, daß dies Prinzip gefährlich sei. Hier haben wir bereits das „Heimchen" am protestantischen Herd. „Der Appetit wächst beim Essen." Nürnberg, 16. Februar. Von hier wird der „Allgemeinen Zeitung" voll ihrem Korrespondenten geschrieben: „Nach den vorliegenden Kammerberichten hat der Abgeordnete Beckh bei der Berathung des Dr. Heimscheu Antrages geäußert, in Nürnberg habe einmal eine Gerichtsverhandlung stattgesunden, in der die Richter, Sekretär und Vertheidiger Juden gewesen seien. Diese Behauptung ist vollständig aus der Lust gegriffen. Ein Münchener Blatt hat das Gleiche vor einigen Tagen behauptet, und dabei die Namen der betr. jüdischen Richter, des Staatsanwalts und Sekretärs genannt; dabei hat das betreffende Blatt einfach die bezüglichen Beamten, die im Laufe verschiedener Jahre einmal im Schwurgerichtssaal thätig waren, derart zusammengestellt, als ob sie zusammen in einer Sitzung thätig gewesen wären." Oesterreich - Ungar«. LI Wien, 17. Februar. Als Ergänzung zu Ihrem Leitartikel in Nr^7 checke ich Ihnen mit. daß das Komitee der Dr. Moriz Rappap o rtstift u n g hier, nachdem die im Jahre 1898 ausgeschriebene Preisfrage „Geschichte der jüdischen Apologetik" keine Lösung gefunden hat, unter Erhöhung der Preissunnne zum zweiten Male dieses Thema veröffentlicht. Als Preissumme für die beste Schrift werden nunmehr viertausend Kronen bestimmt. Diejenigen, welche um diesen Preis zu konknrriren beabsichtigen, haben ihre Preisschrist bis längstens 31. Dezember 1903 Mittags 12 Uhr, an das Sekretariat der israelitischen Kultusgemeinde Wien (1., Seitenstettengasse 4) ohne Namensfertigung, mit einem Motto versehen, einzusenden und in einem versiegeltem Couvert, welches dasselbe Motto trägt. Name und Adresse anzugeben. Bemerkt wird, daß stistbriefgemäß dem Autor das Recht des Eigeuthnms bleibt, und daß. falls der Autor die Publizirung der Preisschrist nicht selbst vornimmt, dem Vorstände der israelitischen Kultnsgemeinde in Wien das Recht zusteht, ans Vorschlag des Stistuugskomitees diese Publizirnng zu veranlassen. Das Komitee der Dr. Moriz Nappaport- Gtistnng veröffentlicht ferner die Ausschreibung folgender Preisfrage: „Geschichte des jüdischen Volksschulwesens in Oesterreich". Als Preissumme sür die beste Schrift werden eintauseudzweihundert Kronen bestimmt. Als Termin der Einliefernng. die an das Sekretariat der israelitischen Kultnsgemeinde Wien zu richten ist, wird der 31. Dezember 1903, Mittags 12 Uhr, angegeben. Die Preisschrist ist ohne Namensnennung. mit einem Motto versehen, und in einem Couvert, welches dasselbe Motto trägt, versiegelt seinzusenden. — Im Budgetausschusse des Reichsrathes bemerkte heute der Unterrichtsminister von Härtel: Was den Unterricht in der israelitischen Religionslehre in Galizien anlange, so sei dem Minister bekannt, daß der Laudesschulrath für Galizien die Initiative bezüglich einer Vereinheitlichung dieses Lehrplanes ergriffen habe. Die Systematisirnng von Lehrstellen für israelitische Religionslehre sei in Aussicht genommen, wenn entsprechend sachlich und wissenschaftlich gebildete Kandidaten vorhanden seien. — Am 30. v. M. fand die konstituirende Generalversammlung eines „Vereins sür jüdische Geschichte und Litteratur" hier statt. Zweck des Vereins ist die Verbreitung der Kenntnib der jüdischen Geschichte und Litteratur vom Standpunkte des „traditionellen Jndenthums." — In Szegedin haben die „Richterkandidaten" einen Ball veranstaltet.zu welchemJuden oderJüdinnen nicht geladen werden durften. In Budapest wird demnächst der „Juristeuball" stattfinden, der von einem „Zwölfhunderterkomitee" arrangirt wird, und dessen Reinerträgniß dem Desider Szilagyi-Denkmalfonds zu Gute kommen soll. Szilaghi war der ruhmvolle Schöpfer der Religionsfreiheit. Und o welche Ironie! Unter den zwölshundert Arrangeuren, unter denen die namhaftesten Juristen des Landes fignriren. befindet sich kein Jude. Don Nah und Fern. --- Der Syndikus des städtischen Pfandbriefamtes Dr. Georg Minden, dessen Periode am 1. April abläuft, ist vom Magistrat aus weitere zwölf Jahre unter Erhöhung seines Gehaltes wiedevgewählt worden. — Als Nachfolger des im September v. I. verstorbenen Rabbiners Dr. S. Auerbach in H a lb e r sta d t ist dessen Sohn, Rabbiner Dr. Jsaac Auerbach aus Leipzig, früher in Rogasen. erwählt worden. — Im Alter von 65 Jahren starb nach mehrwöchiger Krankheit in Frankfurt a. M. Herr Leopold Hamburger. Mitinhaber und Gründer der ältesten dort bestehenden Münzhandlung L. und L. Hamburger. Er galt in Fachkreisen als ein ausgezeichneter Münzkenner. Im Stillen hat sein Wohlthätigkeitssinn sich oft und ergiebig bewährt. Ehre seinem Andenken! — In Lehden feierte am 20. d. M. Professor Dr. S. R o sen sre i n, der Sohn des sel. Rabbiners E. Noseustein in Berlin, den 70. Geburtstag. — Die genauen Ergebnisse der Volkszählung in London pro 1901 liegen nunmehr vollständig vor. Es wohnen jetzt daselbst 154 535 Fremde gegen 61460 im Jahre 1801. Davon waren Russen 72 070. Polen aus Rußland 28 855 (14 147). Holländer 6363 (2074), Oesterreicher 9804 (6763), Rumänen, Serben, Bulgaren 3928 (3630), Deutsche 33 515 <6595). Die deutschen Emigranten sind größtentheils Nichtjuden. dagegen müssen von den übrigen 121 000 Fremden, ihrer Beschäftigung nach zu urtheileu, mindestens 80 000 als Inden angesprochen werden. Die Gesammtzunahme der fremden Bevölkerung der Sechsnnllionenstadt belief sich in 10 Jahren auf 61460resp. auf 6146 jährlich, was um so weniger alarmirend ist, als die eingeborene Bevölkerung Londons inzwischen um nicht weniger als 308 000 zugenommeu hat. Von den übrigen englischen Städten weisen nur noch Manchester, Leeds und Glasgow eine irgendwie nennenswerthe Vermehrung ihrer fremden Bevölkerung auf. Die Fremdenfrage in England ist demnach nur eine auf London beschränkte lokale Frage, und selbst da beschränkt sie sich aus den Bezirk von Stepney, wo 34 Prozent aller Fremden Londons sich zusammengedrängt haben.—Zum italienischen Generalkonsul in London ist an Stelle des zurückgetretenen Sir Sebag Montefiore der aus Smyrna stammende Mr. Allatini, Chef des Londoner Hauses Allatini Brothers, ernannt worden. Mr. Allatini ist Aeltester der portugisischen Synagogengemeinde und war längere Zeit Mitglied des Rathes der ^n^lo Servis!» Association. Wegen seiner Verdienste um die italienische Kolonie in London hat ihn König Viktor Emannel zum Ritter des italienischen Kronenordens ernannt.— Der frühere Antisemitenhäuptling Max Rogis hat in einem Briefe dem Präsekten mitgetheilt, daß er seine Demission als Generalrath gebe. Rogis dürstte jetzt politisch in Algier ganz abgewirthschaftet haben. — Wie der „Hazefirah" ans Hongkong geschrieben wird, existirt in dieser Hasenstadt eine zahlreiche Sekte, deren Angehörige vom arabisches Typus sind und von den Chinesen „Wi-du" genannt werden. Ihre Frauen zeichnen sich durch Sauberkeit, Fleiß und sittlichen Betragen ans. Die Männer sprechen untereinander spanisch, jedoch werden die Kinder auch im Chinesischen und Persischen unterrichtet, der Unterricht erfolgt aber nicht in Schulen, sonder»; jeder Familienvater unterrichtet seine Kinder selber. Sonst unterscheiden sie sich in Kleidung, Sitten und Gewohnheiten nicht von der umgebenden chinesischen Bevölkerung, und das einzige Jüdische au. ihnen ist, daß sie am Sabbath, an dem sie wie an jedem anderen Tage arbeiten, ein Festgewand anlegen, und am Rosch haschanah und Sukkoth Schofar blasen. Im Gegensatz zu den Chinesen kennen sie keine Polygamie, ebenso wenig ist ihnen die Scheidung bekannt, da bei ihren» musterhaften Familienleben die Nothwendigkeit derselben niemals vorliegt. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.