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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-02-21 · Heft 8 (21.2.1902) · p. Seite 96

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 8 (21.2.1902)
Date
1902-02-21
Page
Seite 96 (sequence 14)
Language
German
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96 kultur unter den Juden eintritt. Die Begründung dieser Forderung ist bereits in der jüdischen Presse mit solcher Ausführlichkeit erfolgt, daß es überflüssig erscheint, hier noch einmal daraus zurückznkommen. Wir schließen dieses kurze Referat mit den Worten des Verfassers: „Diesen Funken der Hoffnung, der Liebe und der Begeisterung in die Herzen unserer Glaubensgenossen zu Wersen, halte auch ich für das wichtigste Ziel aller unserer Bestrebungen in Schule und Gemeinde." I. Fe in stein, Seminarlehrer. — Lina Kahn. Die Frau auf richtiger Fährte. Basel 1901. Das vorliegende Buch einer jüdischen Frau ist nicht nur eine interessante, lehrreiche Lektüre, verbunden mit einem praktischen Kochbuch, sondern auch ein Wegweiser durchs Leben, und daher für jede Familie aufs Wärmste zu empfehlen. Es ist dasselbe vermöge seines billigen Preises für Jedermann erhältlich. Es enthält zunächst mannigfache erzieherische Rathschläge; daran schließen sich Winke zur gemnthlichen. praktischen und billigen Einrichtung der Zimmer, Küche und Wäsche mit Ausstellung der Kostenanschläge. Besonders eingehend wird die Küche behandelt. Trotz der gedrängten Kürze wird hier kein wesentlicher Punkt unberücksichtigt gelassen; alles findet hier die erforderliche Berücksichtigung in schlichter, leicht verständlicher Sprache und Darstellung. Daß die eigentliche Küche in einer Unzahl von Rezepten für Speisen und Gerichte aller Art vertreten ist, von der gewöhnlichen bürgerlichen Kost bis zu den höchsten Ansprüchen der Gourmandie, braucht nicht erst gesagt zu werden. Die Sorge des Küchenzettels, die ans so vielen Hausfrauen lastet, hat mit diesem Buch ihr Ende erreicht. Was dem Buche aber seinen eigenthümlichen Reiz verleiht, ist die Einkleidung und geschickte Gruppirung des Stoffes. Welch großen Einfluß eine richtig geführte Küche, eine gut verwaltete Haushaltung ans das ganze häusliche Leben, auf die Erziehung, kurz auf alles was unser Glück ausmacht, auszuüben vermag, das wird in diesem Buche der aufmerksamen Leserin eindringlich zum Bewußtsein gebracht. Aus jedem Worte spricht die besorgte Mutter, die erfahrene Erzieherin, die weise Rathgeberin. vor allem aber die mitfühlende Menschenfreund«!, der es angelegen ist, die reichen Erfahrungen des eigenen Lebens zum Besten diesen ans Herz zu legen. Die hübsche äußere Ausstattung und der billige Preis des Buches werden gewiß dazu beitragen, ihm die Häuser zu öffnen und es unseren Hausfrauen zum treuen Freund zu machen. In Deutschland ist das Buch durch A. Hummel in Freiburg i. B. zu beziehen. Wir können dasselbe unseren freundlichen Leserinnen mit bestem Gewissen empfehlen. — Hermann Jahn: Im Dienste der Menschlichkeit. Seesen, 1902. Der Verfasser, ehemals Lehrer an der Jacobsonschule, jetzt Leiter einer eigenen höheren Lehranstalt in Braunschweig, hat sich bereits durch frühere poetische und prosaische Werke, meist vaterländischen Inhalts, einen geachteten Namen in der deutschen Schriftstellerwelt erworben; wir erinnern nur an sein weit verbreitetes „Aus Deutschlands großen Tagen. Erlebnisse eines 24ers im deutsch-französischen Kriege, 2 Bände." — Obiges Festspiel zur Hundertjahrfeier der Jacobsonschule in Seesen erhebt sich hoch über das Niveau einer bloßen Gelegenheitsdichtung. Mit wirkungsvoller dramatischer Kraft vergegenwärtigt es uns in seinen zwei ersten Theilen („Israel Jacobson" und „Des Stifters Werk") die durch Jacobson und seine Schule zu Anfang des vorigen Jahrhunderts angebahnte und geförderte innere Entwickelung des deutschen Judeuthums, die Erhebung seiner Bekenner aus den Schranken des Talmudismus, ihre geistige und bürgerliche Emanzipation und ihre Vereinigung mit ihren christlichen Mitbürgern zu gemeinsamem Wirken im Dienste des Vaterlandes und der Menschheit. Der allegorische 3. Theil („Am Jubeltage") ruft zum Kampf gegen den öden und selbstsüchtigen Materialismus auf und zeigt, daß auch das Heil der Zukunft nur im Festhalten an den von der Vergangenheit überlieferten Idealen der Humanität und allgemeinen Nächstenliebe zu suchen ist. Er steigert sich zu einem wohl- Lhueuden und flammenden Protest gegen mancherlei widerwärtige Strömungen der Gegenwart. Die edle Sprache, die vollendete dichterische Form des Ganzen, die es durchdringende zündende Begeisterung für die höchsten ethischen Ideale machen die Dichtung einer weiteren Verbreitung würdig und sichern ihr dauernden Werth. — Besonders anzuerkennen ist, wie der Verfasser an der Hand eingehender geschichtlicher Studien sich verständnißvoll in jüdisches Leben und jüdische Eigenart früherer Zeiten versetzt hat und sie vor unseren Augen dramatisch lebendig erstehen läßt. So verdient das Werkchen in jeder Hinsicht, allen Freunden echter Poesie und sittlicher Entwickelung der Menschheit aufs Wärmste empfohlen zu werden. Auch zur Aufführung in jüdischen Vereinen sind die beiden ersten Theile der Dichtung wohl geeignet. x. I>. — Alexander Simon: Der Weg der Treue. Ein Festspiel für die jüdische Jugend. Berlin 1901, M. Poppelauer. Au passenden Festspielen, welche sich für Aufführungen von Kindern und vor Kindern eignen, ist unsere Litteratur gar arm. In den meisten ist entweder der Stoff dem Kiudesgemüth wenig entsprechend- oder die Ausdrncksweise und Sprache sind bald zu hoch geschraubt, bald ans ein zu niedriges Niveau herabgedrückt. Das vorliegende Festspiel vermeidet diese Fehler in trefflicher Weise. Im Mittelpunkt der Handlung steht ein Kind, das sich im Walde verirrt, und dem Gestalten begegnen, die auch dem Kleinsten der Kleinen leicht verständlich sind, der Leichtsinn und die Treue. Der Seelenkampf des Kindes und der schließliche Sieg des Guten sind in lebendiger Handlung anschaulich dargestellt. Die Verse sind flüssig und einschmeichelnd, die Tendenz sinnfällig und doch nicht zu plump hervorgehoben; im Ganzen eine dankenswerthe und willkommene Gabe für Schulleiter und Veranstalter von Kinderaufführungeu. — Wie mau uns mittheilt, wird demnächst eine korrekte Ausgabe des Mikrokosmus von Josef Ibn Zadik von Dr. S. Horovitz, Dozent an, Breslauer Rabbinerseminar, erscheinen. Eine solche Ausgabe. die bisher absolut fehlt, entspricht einem tiefgefühlten wissenschaftlichen Bedürfnis. Spvechsaat. Geehrter Herr Redakteur! (^D^aß Johann Bnxtorf, der Verfasser des I^exieou ebalämeum, lalmuäieum et rabbüneum, den Ausdruck nicht verstanden und mit ^anetissünus äiseipulmum übersetzt habe — wie Herr Dr. H. Tietz nach einer Mittheilung des sel. Dr. F. Lebrecht berichtet —. ist sehr auffallend, da er jedenfalls genau wußte, was das bedeutet. In den, gedachten Lexikon erklärt er mit den Worten apuä rablünos est uomen preeatioms eujusäam, gnae mehül mü mriAinim Knuelitstem et esüeaemm tribuunt. Ein anderes merkwürdiges Versehen findet sich aber in Buxtorfs Lexikon bei dem Worte 2^2 Nikolausdattel (eine Dattelart, die mehrmals erwähnt wird). Bnxtorf führt hier die Stelle ^VkiMrn i-nlik» sei;, . 3» an: 2^21 nv und übersetzt: L! gniä nobis est ineisnäuin? clebemus rmnnm palmae et eitruin et nievlanm. (Wir müssen Lnlab, Esrog und Nikolausdattel nehmen). In der Midraschstelle ist aber selbstverständlich von einer neuen Frucht sür den Feststrauß nicht die Rede; die Stelle heißt vielmehr „Wir sollen Lulab und Esrog nehmen und lobpreisen den Heiligen, gelobt sei er." Bemerkenswerth ist noch, daß Buxtors bei dem Worte Herodes einem anderen großen Gelehrten des 16. Jahrhunderts. Johann Drusius, den Vorwurf macht, daß er nur den Aruch und nicht den Talmud selber gelesen, sonst würde er 2^1^ „Tauben" nicht für 2^^ „Griechen" gehalten haben. Drusius meint nämlich, daß die in Matth. 22. 16 erwähnten Herodianer Griechen seien, die Herodes aus der Wüste kommen ließ, indem er sich auf eine Stelle im Aruch bezieht, in der erwähnt wird, daß „Herodes 2^1' aus der Wüste kommen ließ, die nach seinem Namen genannt wurden." -NI'VNIIN DL' ^2 1X1P21 Elberfeld. 14. Februar. Ergebenst Dr. Z. Auerbach. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich sür die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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