Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1902)
- Date
- 1902-02-21
- Page
- Seite 91 (sequence 9)
- Language
- German
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entferntesten etwas mit Weltherrschaft zn thun habe.) Und Leite 240: „Und nun gar die galiläische Irrlehre: auf der rltgeweihten Stätte des hartnäckigsten Materialismus (!) die Hahne des Idealismus aufzupflanzen, de» Gott der Rache, >es Krieges, in einen Gott der Liebe umziizaubern. Der Jude »rußte mit Recht rasend werden, wenn das ihm verheißene jkönigthum — wo er alle Nationen in Kelten und alle Fürsten auf den Knien staubleckend vor sich zu erblicken hoffte (!), —nun auf einmal ans einem irdischen umgewandelt werden sollte in ein Reich „nicht von dieser Welt". — Kann »an solchen Schriftsteller ernst nehmen? Nach ihm kannten die Juden nur einen Gott der Furcht, des Zornes"; Gott zu ieben, das kannte ihre Religion nicht, das sei ihnen immer remd geblieben. Sollte der so viel belesene indogermanische Engländer nicht das von Moses bereits au die Thürpsosten zu testende, an die Kleider zu befestigende, täglich zu verrichtende Lebet: „Du sollst lieben deinen Gott von ganzem Herzen und nit ganzer Seele" gekannt haben? Seine vielfachen unverrvrenen Behauptungen sprechen dagegen. Der Künstler Chamberlaiu beweist auch aus dem inneren Hefühl, S. 218, daß Christus kein Jude gewesen sei und macht mbei wenig ritterliche Bemerkungen über Renan. „Wer die gehauptung anfstellt, Christus sei eil» Jude gewesen, sagt entweder eine Dummheit oder eine Lüge; eine Dummheit, oenn er Religion und Rasse durcheinanderwirft; eine Lüge, venu er die Geschichte Galiläas kennt und einen höchst verwickelten Thatbestand halb verschweigt, halb entstellt, um sich >em mächtigen Judenthnm gefällig zu zeigen. Was soll nan z. B. zu Renan sagen, der die kategorische Behauptung msstellt ,,^«8us ölait un Ruit". Sollte nicht die Htliaiice sirreiite universelle, mit der Renan in so eisrigem Verkehr tand, hier ein Wort mitgeredet haben?" O du Ritter Cham- 'erlain! Er fügt hinzu: „Der Zwang der nur von Geld ausgeht ind nur ans Geldzielt, entwürdigt zu niederer Sklaverei." Mit derselben Sicherheit der Beweisführung war nach »hamberlain König David kein Jude; er war ja blond, war in Ammoniter und demnach ein Jndogermane; mit derselben tnverfrorenheit beweist er, daß der italienische Dichter Dante lligheri ein „Gote" war, demnach ein echter Germane; das eweist die Silbe „ger" in Aligheri, wie in Gertrud, Ger-mane; er bedeute Speer, also war Dante Germane. Wir müssen noch einen Blick auf Chamberlains thörichte bhandlung über die Rassen werfen, um seine Beweischrungen richtig zu würdigen und den Werth seines oft mehr erächtlichen als wie ritterlichen Gebahrens zu beurtheile»; ir erhalten dann auch eine Idee über die wahre Absicht seines uches. Betreffs des von Kritikern so hochgestellten Raffenapitels sagt er S. 274 in seiner charakteristischen Weise: „Was >llen uns die weitläufigen wissenschaftlichen Untersuchungen, b es unterschiedliche Rossen gebe? Wir kehren den Spieß uni md sagen, daß es welche giebt, ist evident. Bei hochgebileten, gelehrten Männern (S. 264) herrscht eine mitternächtche Unwissenheit über das Wesen und die Bedeutung des Begriffes „Raffe" . . . Professor Virchow zum Beispiel sagt Rektoratsrede 1893) von den Regungen des Stammesbewußtins unter uns, sie seien nur „durch den Verlust des gesunden Reilschenverstandes" zu erklären. Ais ob die Geschichte nicht a wäre, um zu zeigen, wie Persönlichkeit und Rasse aufs iigste Zusammenhängen, wie die Macht der Persönlichkeit an gewisse Bedingungen ihres Blutes geknüpft sei. . . . Die Wissen» schaft ist eine zwar herrliche, doch nicht ungefährliche Freundin. Wissenschaft und Kunst sind wie die Rosse an Platos Seelenwagen; der „gesundeMenschenverstand", um dessen Verlust Professor Virchow klagt (S. 275) bewährt sich nicht zum wenigsten darin, daß er den edlen Thieren »licht gestattet, mit seinem gesnndeu Urtheil durchzugehen. So auch in der Frage der Rasse. Unmittelbar überzeugend wie nichts anderes ist der Besitz von Rasse im eigenen Bewußtsein.")!) Da muß natürlich die Wissenschaft schweigen. Chamberlain betont, daß das durch seine Jnsellage fast abgeschnitteue England die augenblicklich unzweifelhaft stärkste Raffe Europas gezüchtet habe. „Wäre von allen Semiten ein einziges, winziges Völkchen zu einer die Welt (!) umspannenden Macht (!) geworden, wenn nicht die Reinheit der Rasse sein unerschütterliches Grundgesetz gebildet hätte? Die einzigen echten Inden (S. 276) wurden von den Römern fast alle nach Spanien überführt. Non allen den Menschen, die wir gewohnt sind, als Juden zu bezeichnen, stammen wenige von jenen echten, großen Hebräern, vielmehr sind es die Nachkomme» der Juden aus der Diaspora (der freiwilligen Zerstreuung) Diese und dann das arme in Palästina zurückgebliebene Landvolk, das sind die Leute, von denen „unsere Juden" abstammen. In den unverfälschten Sephardim aber (den Nachkommen der spanischen Juden» ist Adel, wahrer Rassenadel! Schöne Gestalten, edle Köpfe. (Seite 275) Daß aus solcher Leute Mitte Propheten und Psalmisten hervorgehen konnten, das verstand ich auf den ersten Blick, was mir, aufrichtig gestanden, selbst bei der genauesten Betrachtung der vielen hundert Bochers in der Friedrichstraße zu Berlin nie gelingen wollte . . . Wer durch den Augenschein kennen lernen will, was Rasse ist, was nicht, der lasse sich aus Salonichi oder Serajewo den ärmsten der Sephardim holen (große Reichthümer sind unter diesen Leuten sehr selten, denn sie sind makellos ehrenhaft) — ritterlicher Jndogermane! — und stelle ihn neben einen beliebigen Baron Rothschild oder Hirsch hin: dann wird er den Unterschied gewahr zwischen einem vom Monarchen octroyirten Adel und dem durch Rasse verliehenen." Auch die Montefivres haben durch Vermischung mit deutschen Juden nach Chamberlain ihren Adel eingebüßt, ihr Blut entwerthet. Wer noch weitere Blüthen von seinem lauteren Sinn für Wahrheit und seinem geläuterten Judenhaß haben will, der lese sein Kapitel „Der Eintritt der Juden in die abendländische Geschichte". Die Juden sind überall Sklavenhändler oder Geldverleiher. (Seite 333). Den jüdischen Einfluß auf die Geschichte, wo sie in der Mehrzahl sind, beweist ihm Folgendes: „Im 2. Jahrhundert z. B. sind die Juden auf der Insel Cyperu in der Mehrzahl; sie beschließen, einen Nationalstaat zu gründen und befolgen zu diesem Zweck das aus dem Alten Testament bekannte Verfahren: sie erschlagen an einem Tage sämmtliche übrigen Bewohner, 240 000 (!!) an der Zahl, und noch 220 000 nichtjüdische Bewohner der Stadt Cyrene! (mehr nicht!). In Spanien derselbe Zweck: nm zu profitiren, rufen sie die stammverwandten Araber zu Hilfe, verrathen ihren Beschützer (u. s. w.), die ihnen gegen Christen eiugeräumten Privilegien mißbrauchen sie in so maßloser Weise, daß endlich das Volk sich gegen sie empörte." — Wahrlich! man muß sich fragen, ist Chamberlain vom Orden der Dominikaner? Er gäbe einen zweiten Tvrguemado ab.