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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-02-21 · Heft 8 (21.2.1902) · p. Seite 90

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 8 (21.2.1902)
Date
1902-02-21
Page
Seite 90 (sequence 8)
Language
German
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90 rabbiuischen Autoritäten. Ihm verdankte die Gemeinde die Einführung der Orgel, des Chorgesangs, der Konfirmation von Knaben und Mädchen, abgekürzte Liturgie und deutsche Gebete; durch ihn blieb sie aber auch vor religiösen Takt- und Maßlosigkeiten bewahrt. Sein religiöses Gewissen bedeutete ihm jedesmal, was der Gesanuntheit heilsam war und was ihm persönlich zustand. Angelegenheiten rein rabbinischer Kompetenz unterbreitete er den Rabbinern der benachbarten Städte, einein Bodenheimer in Krefeld (wie auch seinem würdigen Nachfolger, unserm Dr. Horowitz), Wedelt in Düsseldorf, Ludwig PHilippson in Bonn. Und wenn er mit all dem doch kein Lehrer nach dem Herzen unserer Orthodoxen gewesen, so hat er doch manches erreicht, was auch bei größerem Talmudwissen und tadelloser Strenggläubigkeit nicht Jedem gelingt: Er gewöhnte die Gemeinde an das Gotteshaus, und zwar weite Kreise derselben; er wußte ihr im Innern den Frieden zu erhalten und sie für den Zusammenhang mit dein großen Judenthinn und dessen gemeinsamen, besonders gemeinnützigen Aufgaben zu begeistern, und - er verschaffte ihr bei der nichtjüdischen Bevölkerung einen vorzüglichen Rnf. (Ein Schlnhurtikel focht.) Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts, von Houston Stewart Chamberlain, beleuchtet von Dr. Schuster in Aachen. ((ÄZ^ieses soeben in 2. Auflage erschienene Buch, das von einem Breslauer inedizinischenReferenten als größte litterarische i Erscheinung des Jahrhunderts hervorgehoben wird, und das auch in den letzten Tagen als national-erzieherisches Werk besprochen wurde, ist in diesem Blatte schon lehr oft erwähnt worden, weil es bei seiner bewußt gehässigen antisemitischen Tendenz, durch den glänzenden Stil seiner überreichlichen Trugargnmeute und die eitatenreiche, blendende Vielwisserei den gebildeten Leser gar zu leicht gefangen nimmt. Dieser Deutsch-Engländer, oder wie er sich auch benennt, dieser Jndogermane, der von Wissenschaft nichts wissen will, denn „sie trennt, während die Kunst vereint", der „als Künstler" schreibt, denn nur der Künstler stehe im Mittelpunkt der Welt (d. h. seiner subjektiven Welt), dieser indogermanische Dilettant verlangt, daß man in seiner indoeuropäischen Auffassung der Religion der semitischen gegenüber sowie in seinen verschiedenen Betrachtungen keine akademische Abhandlung erblicke. Als ein Kind der Gegenwart sei er vom Standpunkt des Germanen und nicht als Gelehrter an die Gegenstände von Knust und Philosophie. Germanen und Inden, die Rassen u. s. w. herangetreten. „Die Germanen habe ich so weit und weitherzig als möglich aufgefaßt" - er rechnet die Slaven, Kelten, Spanier, Italiener zu den Germanen - „dagegen bin ich überall dem Ungermanischen scharf zu Leibe gerückt, doch, wie ich hoffe, nirgends in unritterlicher Weise." Wie wenig letzteres zntrifft, soll durch einige der vielen judengehässigen Aussprüche sogleich dargethan werden. Er kommt in seinen Ausführungen nie mit Beweisen; „es ist offenbar", „selbstverständlich", „wer erkennt das nicht auf den ersten Blick", „es ist eine Lüge", „das blödeste Auge erkennt dies sofort", „das muß man in seinem Inneren fühlen", so sind seine Beweisführungen. Und so sagt er sofort Seite 4 von sich selbst: „Unwahrheit wäre lächerlich, Willkür unerträglich." Wie er als eifriger Forscher der jüdischen Geschichte sich bewährt, zeigt der englische Jndogermane Seite 47: „Die äußere Geschichte Israels bietet uns beim ersten Blick wenig Anziehendes; außer einigen sympathischen Zügen scheint all, Niederträchtigkeit, deren Menschen fähig sind, in diesem Völkchei verdichtet; die Fratze des Lasters glotzt einen aus ihrer Ge schichte mit unverhüllter Nacktheit au." An einer anderen Stelle heißt es: „Keine Menschen der Welt sind so bettelarm an echter Religion wie die Semiten und speziell ihre Halb brüder, die Juden." Seite 138: „Die semitischen Völker im Gegensatz zu den Römern organisiren nirgends etwas, außer Steuern und Knechtschaft. Von solchen echten Räubern wird man die Rönnen zu unterscheiden wissen, zu denen die Völker mit der Bitte kommen, an ihrer Ordnung theilzunehmen; ein solches Beispie sind die Juden, welche um das Jahr 1 (das Jahr 1 ist füi den Verfasser der Beginn der indogermanischen Geschichte nach Nom kamen, sie von ihrem semitischen Königthnm z> erlösen und als römische Provinz aufzunehmen. Welche Dank barkeit sie dem mild (!) und nachsichtig (!) regierenden Rom später bewiesen, ist bekannt." Unter den „neuen Kräften", welche dem 19. Jahrhunder seine charakteristische Physiognomie verliehen haben, rechne: sein neuer Erzieher Chamberlain neben der Presse, der Eisen bahn, Dampfschiffen und Telegraphen „die Emanzipatioi der Juden". „Diese „neue entfesselte Krast" nimmt einer ähnlichen Aufschwung wie die unscheinbare, von Amerika herübergekommene Reblans. Wir dürfen glauben, daß di« Juden uns nicht blos eine neue Laus, sondern auch eine neu, Rebe gebracht haben. Gewiß ist, daß die i»i Entstehen be griffen? ,,"eue Welt" für die Assimilation dieses Stückes „alte: Welt", dieses tvdtgeglaubten Lazarus, einen bedeutenden Kraft aufwand nöthig hat. Seite l41: „Das Problem des Juden thums in unserer Mitte gehört zu den schwierigsten und ge fährlichsten der Gegenwart. Wäre Karthago (das Judenthum ohne Propheten siegreich gewesen — das heutige Europa hätte nie entstehen können. Wo der Phönizier sich uiederläßt. entsteht Kapitalistenregiment. Der Großhändler, Plantagen bescher — das sind die Menschen, das ist der verhängnißvolll Zweig aus der semitischen Verwandtschaft, vor dem wir durä das LrrrtlwKO äelenclir osl bewahrt wurden; ein zweites, das «lslenclrr vst llimosochma (Jerusalem muß zerstört werden) is ebenfalls von weltgeschichtlicher Bedeutung; diese That Habei wir allerdings den ewig gegen jede Staatsform sich ans lehnenden Juden mehr, als den langmüthigen Römern zi verdanken; wir hätten sonst ein durch christliche Anregung reformirtes, weltbeherrscheudes Judenthum erhalten." Seite 238. „Die idealste Religion besäße nicht dieselb Lebenskraft, hätte sie nicht an die realste, materiellste, ja, wi dürfen sagen, am meisten materialistische der Welt angeknüpß Hierdurch, und nicht infolge seiner angeblich höheren Religiositü: ist das Judenthum eine Weltmacht geworden." O! Du großer Chamberlain! — „Je nach den Einflüssen der Umgebun i verlieh das phantasiearme Volk der Juden seinen E> Wartungen verschiedene Formen; wesentlich ist einzig di felsenfeste Ueberzenguug, die sie niemals verließ, die Jude: würden einmal die Welt beherrschen. Das ist eben ein Bestand theil ihres Charakters, ihres innersten Wesens." (Als ob da Gebet der Juden, „es möge der Tag komme», wo der Nanu eines Gottes von allen Menschen anerkannt sei", auch nur im

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