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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-02-21 · Heft 8 (21.2.1902) · p. Seite 89

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 8 (21.2.1902)
Date
1902-02-21
Page
Seite 89 (sequence 7)
Language
German
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89 ständ! mil- 018. >erlick enzten h we» m B>- zu»u l inereu ,ewnst innen titweü weiter. i. Ei l ewigle We», Werl idur,, Ru!r gena t r nicht stsalen c echie las i't;n d-c ts. m achteszischrli leite e ie B- Vate - -sischl» n dm lit d>»;r d r t nir>! selbem >ill er in t e Ideen stön'g- : V0-»;it Ul d e Ver-;ewiüt )t ve - er Erlsso!» änd>> im Westen in Israel Jakobsvhn gefunden hatte. Er ging daraus aus, den engeren Anschluß an die deutschen Mitbürger, das tiefere Eingehen in die deutsche Kultur und Sitte zu fördern, des Juden volksthümliche Eigenart und soziale Sonderdellung zu mildern und sich der stoßweisen, doch unaufhaltsam iortschreitenden Emanzipation, wie der Ausdruck lautete, würdig zu machen". So waren denn jene Jahrzehnte Stationen auf dem Wege u 1847 und 1869. Als Gegengewicht gegen die Gefahren der lssimilation wuchs gleichzeitig in aller Stille aus deutschem 'Zoden das Bollwerk der jüdischen Wissenschaft empor. 1832 schrieb Leopold Zunz jene gewaltige Vorrede zu seinen Gottesdienstlichen Vorträgen der Juden, die nicht dem Buche allein, sondern der neuen Epoche das Programm vorschrieb. Und l icht minder aus eigner Kraft heraus entfalteten damals zahlreiche über ganz Deutschland zerstreute Vereine und Stiftungen chre Thätigkeit, um die deutschen Juden zu den bürgerlichen ' lewerben, zu Handwerk und Landwirthschaft, zu freien Künsten nd zum Lehrerberufe hinüberzuleiten. Unter ihnen heben wir -ie 1825 begründete Marks-Haindorfstiftung in Münster; ervor, der unser Blumenfeld seine Ausbildung verdanken sollte. Das kleine Schwerte war nicht der Ort, wo man größeres jüdisches Wissen erwerben konnte, allgemeines «Herings auch nicht. Wohl aber hatte damals ein R. Lob Kohen un benachbarten Hattingen a. d. Ruhr großen Ruf als Talmud- > elehrter, und zu ihm kam unser Moses mit 10 Jahren. Das EinziP des guten Alten hieß lernen und wieder lernen, und war Tag und Nacht. So hatte der lernbegierige, über seine fahre reife und ernste Knabe keine rechte Jugend; dafür ammelte er aber einen ungewöhnlich reichen Fond jüdischen Bissens, der ihm immer das beste Rüstzeug war, und für den r dem treuen Lehrer zeitlebens dankbar blieb. Er war eben zu Hause Barmizwa geworden, da sollte in lebhafter-Wunsch, sich dem Lehrerberuf widmen zu dürfen, n Erfüllung gehen; der Vater erwirkte ihm die Aufnahme in ie oben genannte Münsterer Anstalt. Hierselbst, wo christliche nd jüdische Lehrer friedlich neben einander wirkten, übten rofessor Haindorf in weltlichen, Lehrer Cohn in religiösen Fächern sn größten Einfluß auf ihn aus. Fleiß und Begabung wirkten isammen, um den erst Sechzehnjährigen reif für die Lehrerüfung zu machen. Er bestand sie 1837 vor der kgl. Kommission > Soest mit bestem Erfolge. So kurz seine Lehr-, so kurz aren seine Wanderjahre. Nur vier Jahre war er Lehrer in iersen, 1841 folgte er dem Rufe der damals noch recht un- - deutenden Essener Gemeinde. Mit ihr ist er verknüpft ge- ' ieben, mit ihr ist er emporgewachsen, ihr hat er über 60 Jahre! dient. Es muß etwas Gewinnendes, ja Bezauberndes von dem ' -mals 20jährigen Jüngling ausgegangen sein, der kurz vor > n hohen Festen, wenn ich recht gehört habe, zu Fuß, in das chwarze Kohlennest" einzog! Im Fluge gewann er sich die E rzen von Jung und Alt. Uns sind noch rührende Zeugnisse d r Liebe und Anhänglichkeit bekannt geworden, die aus jener nutzesten Zeit stammten. Und Blumeufeld hat das rasch erworbene Vertrauen nicht enttäuscht, vielfach überboten. Wir haben wohl nur nöthig, das Maß zu kennzeichnen, u > welches er über seinesgleichen hervorragte. Da war sein Ehramt. Wenn man in rheinisch-westfälischen Lehrerkreisen d il Namen Moses Blumenfeld nannte, so ging ein Leuchten d-7 Stolzes über die Züge des Angeredeten. Blumenfeld war kein gewöhnlicher Lehrer; er wußte ganze Menschen herauszubilden, die Seelenkräfte nach vielen Seiten hin zu entwickeln und dabei die so nothwendige Charaktereinhelt herzustellen. Er unterrichtete sozusagen wie aus einer inneren Nothwendigkeit heraus und geizte nicht mit Zeit und Mühe. Er gab vielen Hunderten ihre gesammte Schulbildung, bereitete Andere für höhere Schulen vor, selbst junge Seminaristen für die Lehrerprüfung, hielt Kurse für fremde Sprachen und religiöse Fortbildung ab, oft nach dem Grundsatz der Alten L1N2 nrirr L1N2 '28 nv> zu deutsch: um Gotteslohn. Sein Lehramt füllte ihn so aus, daß ihm die heute so häufige Unzufriedenheit des Lehrers mit seinem Stande fremd blieb. Er blieb natürlich immer ein Lernender, aber gerade weil er sein Wissen immer vervollständigte, mit den Errungenschaften der Zeit Schritt hielt, und vor allem eine tiefwurzelnde Ehrfurcht vor der hohen, strengen Wissenschaft sein eigen nannte (bekanntlich der beste Schutz vor Ueberhebung). so blieb er auch davor bewahrt, ein lästiger Besserwisser oder Pedantischer Schulmeister zu werden. Von seiner Pädagogik redete er desto weniger, je mehr er davor, besaß. Zeugniß dafür, daß er diese Kunst meisterhaft handhabte, war die dauernde Hochachtung, und was mehr sagen will, die uneingeschränkte Liebe seiner Schüler für ihn. Aber auch litterarisch hat er es bewiesen. Seine Bearbeitung der Hecht'schen hebräischen Lesefibel ist weit verbreitet und z. B. auch im Oberelsaß eingeführt, seine Ausgaben der Haesterschen Rechen- und Lesebücher sehr geschätzt und für die Oberstufe israelitischer Volksschulen mit einem geschichtlich-litterarischem Anhang versehen, der seine Vertrautheit mit diesem Stoffe glänzend bekundet. Als auf sein Betreiben auf sämmtlichen höheren Lehranstalten jüdischer Religionsunterricht eingeführt wurde, wußte er diesem bald durch seine persönliche Autorität die gebührende Stellung zu gebe». Blumenfeld stieg auch zum Lehrer der Erwachsenen auf. Zum Kultnsdieust der Gemeinde initberufen, leitete er zunächst den liturgischen Theil mit ernster Würde und Andacht, alsdann bethätigte er sich bald auch als Prediger. Als die deutsche Predigt als integrirender Bestandtheil unseres Gottesdienstes wiederentdeckt und immer allgemeiner eiugesührt ward, stellte sich zumal in westdeutschen Klein- und Mittelgemeinden der jüdische Lehrer in dankenswerther und erfolgreicher Weise in ihren Dienst. Auch religiöse Beredtsamkeit ist eine Kunst; darum rede, wem das Wort gegeben! Daß freilich das Wort auch Gotteswort sei, dazu würden von der einen Seite tiefe Kenntnisse, von der anderen religiöse Begeisterung herbeiströmen müssen; beide standen Blumeufeld zu Gebote. Er war als Prediger Autodidakt, bildete sich aber an den Predigten erster Meister, wie Salomon, Kley, Stein, später Jeüinek, Joöl und Schwarz, vorzüglich au Salomon. Seine Kunst bestand in schlichter Sprache und im Erfassen aus dem vollen Leben gegriffener Themata, welche sofort das Interesse gefangen nahmen; sein Einfluß beruhte darauf, daß er der Gemeinde vorlebte, was er von ihr forderte. Eben diesen immer wachsenden Einfluß aber benutzte er dazu, der Gemeinde auch wirklich ein Führer in ihrer religiösen Hebung und Entwickelung zu werden, und zwar, wie nicht anders zu erwarten, in liberalen, Sinne. Er war den Verhandlungen der Rabbiuerversammlungen mit hohem Verständniß gefolgt, hatte selbst an der wichtigen Leipziger Synode von 1869 theilgenommen und unterhielt wissenschaftlichen wie freundschaftliche» Verkehr mit

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