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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-02-21 · Heft 8 (21.2.1902) · p. Seite 88

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 8 (21.2.1902)
Date
1902-02-21
Page
Seite 88 (sequence 6)
Language
German
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88 gelber erhalten sollen. — Was sagt wohl der Herr dazu, der es vor Kurzem nicht begreifen konnte, weshalb die Rabbiner mit ihrem Anfangsgehalt von 1600 Mark, zu dem sie seit dem 1. April v. I. erhöht worden find, nnd das sie bis zu ihrem 40. Lebensjahre beziehen, um dann alle zehn Jahre um 100 Mark zu steigen, eigentlich nicht zufrieden sind, da doch die Briefträger (sie!) nur mit 800 Mark anfingen? Der Kampf im Sprechsaal dauert also fort, allerdings nur einseitig von Seiten der Wähler geführt. Aus irgend einem Grunde haben nämlich drei Mitglieder des Straßburger Konsistoriums ihre Demission eingereicht, jo daß zur Zeit diese Behörde besteht aus 1. dem Präsidenten, 2. dem Oberrabbiner, der als solcher eo ipso dieser Korporation angehört, und 0. einem Mitglied, das die Opposition genannt wird. Im „frommen" Elsaß bilden nämlich die Konservativen die Oppositionspartei in den Konsistorien, wobei aber zu bemerken ist, daß meines Wissens diese Partei in den Konsistorien von Metz und Kolmar garnicht vertreten ist. Sechs Wochen sind seit dieser kollektiven Demission ins Land gegangen, ohne daß allen Aufforderungen zum Trotz von irgend einer Seite eine Erklärung gegeben worden wäre. Ein eigenthüniliches Licht auf diese Angelegenheit wirft nun ein gestern erschienener Sprechsaalartikel der „Straßburger Post", der nicht nur nicht anonym gehalten ist. sondern dessen Verantwortung eine ganze Firma auf sich nimmt. Der dnrchgefallene Kandidat der Opposition bei den letzten Konsistoratswahlen, Aron Durlach „ck Co.", der bereits vorigen Sommer eine in der Straßburger Synagogengemeinde vorgekvmmene Unterschlagung, nachdem sie bereits gedeckt war, durch die Tagespresse an die Oeffentlichkeit und damit vor Gericht gebracht hat, wobei der Angeklagte allerdings freigesprochen wurde, Herr Durlach also, der, wie wiederum manche böse Zungen behaupteil. die indirekte Veranlassung zu dieserDemission sein soll, fühlt sich beunruhigt durch eine Aeußerung, nach der die ausgetretenen Mitglieder mit großer Majorität wieder gewählt werden könnten, und verräth nunmehr neben anderen unangenehmen Dingen und Andeutungen, daß die Herren ihre Demission wieder rückgängig zu machen versucht hätten, und daß im Laufe dieser Woche eine Besprechung bei dem Bezirkspräsidenten stattsinden soll, die den Frieden wiederherstellen dürfte. Herr Durlach meint, „die ausrichtigen Freunde des Friedens und der Eintracht würden eine solche Lösung der Angelegenheit — falls dieselbe noch zulässig ist, — auss Wärmste begrüßen!" — Das würden sie in der That, sie hoffen sogar ernstlich, daß sie noch „zulässig" ist, sie haben aber bei einer eventuellen Neuwahl nicht den geringsten Grund, den Frieden von Herrn Durlach zu erwarten. Im Interesse des Friedens wünschen sie auch, nicht so geheimnitzvoll regiert zu werden. Wenn die Israeliten der Reichslande alles, was sie von den Verhandlungen der Konsistorien interessiren kann, und nicht nur die den Gegnern willkommenen Fehler und Streitigkeiten erfahren, dann wird sicherlich die Achtung vor dieser Behörde auch wieder zunehmen, und auch der Segen wird gewürdigt werden, der in der Thätigkeit der Konsistorien ruht für die jüdisch» Bevölkerung unseres Landes, deren Zustände zur Zeit nichts weniger als erfreulich sind. So sehen Sie, daß es bei uns keineswegs so still zugeht, wie man aus dem Schweigen der jüdischen Blätter schließen könnte, und wenn auch diese Mittheilungen etwas positiver sein dürften, so sind gerade die Gründe, weshalb sie es nicht sind und nicht sein können, charakteristisch für unsere Zuständ- und dürften darum die Gesammtheit interessiren. In der Hoffnung, Ihnen bald den Friedensschluß mittheilen zu können, zeichnet mit aller Hochachtung ^lsuiiens. Moses Blumenfeld. Ei» Gedenkblatt. Von Rabbiner Dr. Sa »inel-Essen. I. ur wahren Größe eines Mannes ist es nicht erforderlich daß er durch überwältigende Thaten der unbegrenzten Allgemeinheit seinen Genius fühlbar mache. Auch wer in engerem Kreise Ausgezeichnetes leistet, in einem edlen Berufe. wo nicht bahnbrechend, so doch vorbildlich wirkt, zunu l aber, wer sejnen Namen unlösbar mit irgend einer jener kleineren oder größeren ethischen Gemeinschaften zu verknüpfen gewus t hat, aus denen sich die arbeitende Kulturmenschheit zusammen setzt, hat Anspruch auf höchste Anerkennung. Hat die Mitwelt sie ihm gezollt, so giebt sie an die Nachwelt die Aufgabe weiter, das Andenken des Wackeren hochzuhalten und zu Pflegen. Ein solcher Mann war Moses Blumenfeld, der jüngst verewigte Lehrer und Prediger der hiesigen jüdischen Gemeinde. Wem, wir vorausschicken, daß letztere in gewissem Sinne sein Wern seine geistige Schöpfung ist, so rechtfertigt sich schon dadnrü, allein die Ehrung des Mannes in diesen Blättern. Er war am 21. Dezember 1821 zu Schwerte a. d. Rulr geboren, ein Sohn der rothen Erde. Man ist der Eigena t der deutschen Juden nach Gauen und Landschaften bisher nickt nachgegangen; sie besteht jedoch zweifellos. Dem Westfalen sagt man eine gewisse Schwerblütigkeit, rühmt ihm aber echle Kernhaftigkeit und Treue in Wort und Thaten nach. Das nt auch das Angebinde, das den besten westfälischen Juden d e engere Heimath in die Wiege legt. Die 20 er unck Mer Jahre des vorigen Jahrhunderts, in die die Jugend Blumenselds fiel, waren, im Großen betrachte! ereignißarm. Dagegen lag eine für Preußen und die preußischen Juden gleich wichtige Epoche kurz hinter ihnen, und leiten sie wiederum zu einer noch wichtigeren hinüber. Die B-- sreiungskriege hatten auch den Juden den Begriff des Vate - landes aufgehen lassen; auch sie redeten von der französisch'» „Fremdherrschaft", hatten sie abschütteln helfen und in dm großen Jahren 1813 und 1815 Schulter an Schulter mit dm übrigen Söhnen des Vaterlands gegen die Unterdrücker d r deutschen Freiheit gekämpft. Ob sie zur gleichen Zeit nü» die Wiederkehr der jüdischen Knechtschaft befürchteten, derselbe > die der große Korse hatte zertrümmern helfen, wer will > sagen! Vermuthlich bewahrte sie davor ihr Vertrauen in d e siegreiche Macht geschichtlich nothwendig gewordener Idee > Auch das besondere Geschenk Jerümes an die Juden des Köni greichs Westfalen, Artikel 10 und 15 der Konstitution vo» 15. November 1807, konnte unter preußischer Engherzigkeit u. d Mißachtung verkümmern; aber es hatte mächtig auf die Behältnisse der Juden in den benachbarten Staaten eingewiül und war auch daheim als entschwundene Herrlichkeit nicht v> - gessen worden. Vornehmlich aber waltete im Innern der E - meinden in ungeminderter Stärke der Geist eines Mendelsso!" fort, der seinen Wortführer im Osten in David Friedländ"

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