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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-02-14 · Heft 7 (14.2.1902) · p. Seite 80

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 7 (14.2.1902)
Date
1902-02-14
Page
Seite 80 (sequence 10)
Language
German
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80 zwar ans dem Grunde, weil sie starke Konkurrenz von Seiten der Neuen jüdischen Ansiedler befürchteten. Der zweite Punkt ist folgender: Die Thatsache, daß die fragliche Wiedereinlassung der Juden nicht gesetzlich und offen, sondern vielmehr nur stillschweigend von der damaligen englischen Regierung gestattet wurde, war für die erstere von großem und bleibendem Vortheil. Denn wäre die Wiedereinlassung der Juden gesetzlich sestgestellt und öffentlich verkündet worden, so wären sicherlich von allen Seiten allerhand Inden nach England gekommen, die daselbst auch Wuchergeschäfte betrieben hätten. Dieser Umstand ivürde nun die in neuerer Zeit erfolgte und gesetzlich festgestellte Emanzipation der Inden in England entweder ganz unmöglich gemacht oder wenigstens auf eine viel spätere Zeit verschoben haben. Fachmänner werden in dem fraglichen Werke recht viel interessantes historisches Material finden, welches der Verfasser mit großer Mühe und großem Fleiße seit einer Reihe von Jahren gesammelt und jetzt auf Kosten des Londoner jüdisch-historischen Vereins drucken ließ und somit der Oeffentlichkeit zugänglich machte. - Ein moderner englischer Schriftsteller, Namens Francis Galton, macht in einem seiner Werke folgende interessante Bemerkung über die angeblich in großem Maße existirende Intelligenz unter den Juden. Den Grund dafür findet er in dem Umstand, daß nämlich bei den Juden die Heirath von jeher nicht allein nicht verboten, sondern vielmehr von ihnen immer als streng religiöser Akt angesehen wurde. Daher kam es auch, daß jedes einst vorhanden gewesene jüdische Talent Durch die Heirath sich forterbte und so zu sagen unsterblich wurde. Bei manchen anderen Völkern aber wurde und wird auch jetzt die Heirath verpönt, und die Folge davon ist, daß gar manches Talent vollständig zu existiren aufhört, sobald der Besitzer oder die Besitzerin desselben sich vom gesellschaftlichen Leben ganz zurückgezogen hat. Moral: Studire die Bibel nnd befolge getreu ihre ethischen und praktischen Lehren. Girre Erinnerung an Ludwig August Frankl. Von Dr. M. Kayserling. Dichter Ludwig August Frankl, der zu den frühesten Mitarbeitern der „Zeitung des Judenthums" gehörte, stand mit dem verewigten Begründer und Redakteur derselben nahezu ein halbes Jahrhundert in lebhaftem Briefwechsel. Durch Zufall fiel mir jüngst ein Brief Frankls an den beinahe zwei Jahre jüngeren Philippson in die Hand, der von allgemeinem Interesse ist, und den ich hier folgen lasse. Er ist ohne Datum, dasselbe ist jedoch aus dem Inhalt leicht zu bestimmen. Hochverehrter Freund! Für Ihre so überaus freundliche Besprechung, anläßlich der Enthüllung des Schillerdenkmals sage ich Ihnen meinen wärmsten Dank. Nicht von Büchern allein gilt das „dlonum prsmatur" — auch von Monumenten; ich arbeitete volle nenn Jahre unablässig. bis ich 120 00b Silbergulden zusammen „schnorrte" und wörtlich zu nehmen tausende von Hindernissen überwand. Und mitten inüe liegt meine Schöpfung des Blindeniustitutes: Idee, Anregung. Geldsammlung — an 400 000 Silbergulden — Bausorgen, materielle und geistige Einrichtung. Jnslebenrufen des ersten europäischen Blindenlehrerkvngresies. Aber ich bin auch müde! Dabei meine Amtsgeschäfte und die mir ehrenvoll anvertraute Herausgabe der Werke des Grafen v. Auersperg (Anastasius Grün) durch seine Wittwe, Arbeiten als Schulrath der Stadt Wien u. s. w. Sie fühlen selbst wie man gemttthet ist, wenn man sich den 70 Jahren langsam nähert. Unlängst iuteressirte mich der Titel eines 300 Seiten starken im vorigen Jahrhundert gedruckten Buches „Ueber das Glück des Alters". Ich wollte mir Trost schöpfen. Der Autor holt aus allen Ecken und Enden die Beweise für seine Behauptung. Als ich mit dem Buche fertig war, schlug ich's zu und rief: „O du alter Erzesel!" Ich gäbe mit Wonne allerlei Weisheit für die von Heine her bekannte „Jugendeselei". Weil aber das Leben so verflucht kurz ist, will ich das meine wenigstens noch einmal leben. Ich habe begönne» meine Memoiren zu schreiben. Ich selbst habe keine einflußreiche Rolle gespielt und werde von mir nur das zur Klarlegung Nöthigste sagen; aber ich lebte mit vielen bedeutenden Größen, litterarischen, politischen, künstlerischen, unserer Zeit ich lernte das Kultur- und soziale Leben Oesterreichs in mannigfachen Richtungen kennen, und so dürften die Menschenwürmer nach meinem Tode manches Pikante und Schmackhafte zu fressen bekommen. Auch habe ich manchen unverdient Vergessenen oder gar nicht Beachteten kleine Mausoleen zu errichten, wohl auch große Galgen für Manche zu schreiben, die im Leben viel ge flunkert haben, und vor denen die Welt „kaurim, mischtachawim umodim" gewesen ist. Verzeihen Sie die gewiß unrichtige Schreibart, aber sie giebt Ihnen, dem Vielkundigen, doch den Sinn. Wie gern hätte ich von Ihnen vernommen, wie es Ihnen geistig, eigentlich körperlich geht? Diktiren Sie doch einmal an einem langen Winterabend, wo Sie zu sonst Anderem nicht Lust haben, einen Brief an mich, und schreiben Sie mir, wie es Ihnen, wie all den Ihren zu Muthe ist, und ob Sie nich einmal Lust haben nach dem schönen Oesterreich wieder zu kommen, wo Sie so viele Freunde und Verehrer haben. Kommen Sie, recht bald! In alter treuer Gesinnung Frankl. Drei wissenschaftliche Kleinigkeiten aus der Gegenwart. Nach eigener Kenntnitz mitgetheilt. I. o hat sich in deutschen Landen eine Privatperson g> funden, die de» breitesten Schichten des Publikums eine überreich ausgestattete und aufs bequemste eii - gerichtete Büchersammlung — wohlgemerkt wissenschaftlicher und populär-wissenschaftlicher Art — zur Verfügung gestebt hätte, wie die großartige „Freiherrlich Carl v. Rothschild schc Bibliothek" zu Frankfurt am Main? Die antisemitischen unö gesinnungsverwandten Publizisten und Journalisten, die so glattweg über den Rothschildschen Familieureichthum schimpfe»

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