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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-02-07 · Heft 6 (7.2.1902) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 6 (7.2.1902)
Date
1902-02-07
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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mb, hegt die Hoffnung, daß er mit der „^Ilwneo Isi-avlito Universelle" im Verein.mit der „^u^lo .la^visli ^.ssoeiation" und der „Israelitischen Allianz" in Wien in engster Fühlung und Synlpathie zusammellarbeiten wird zum Segen unserer Glaubensgenossen. Die Versammlung spricht den Wunsch aus, das; die Thätigkeit des Hilssvereins sich auch insbesondere auf Galizien und Rumänien erstrecke." 8t. BreSlau, 27. Januar. Das jüdisch-theologische Seminar beging heute die Geburtstagsfeier des Kaisers in Verbindung mit der Gedächtnißfeier für seinen Stifter Jonas Fränkel. Um 11 Uhr fanden sich zu diesem Zwecke Dozentenkollegium, Kuratorium, Hörerschaft, das Rabbinat und Vertreter des Vorstandes der Shnagogengemeinde, sowie eine grobe Zahl von Freunden der Anstalt in der Aula des Seminars ein. Nach einleitendem Chorgesang hielt Herr Seminarrabbiner Dr. I. Lewy die Festrede über die historische Entwickelung des „Achtzehngebets". Daran schlob sich die feierliche Entlassung der Nabbinatskandidaten Herren Dr. I. Grünthal, jetzt Nabbinatsverweser in Che in n i tz und Dr. S. Grz h misch, jetzt Neligionslehrer in Schneidemühl, denen Herr Dr. I. Lewy mit herzlichen Abschiedsworten die Nabbinatsdiplome überreichte. Sodann richtete Herr Dr. Grzhmisch an Lehrer, Freunde und Kommilitonen Worte des Dankes. Erneuter Chorgesang schlob die erhebende Feier. Dem Jahresbericht geht als wissenschaftliche Beilage voran: Interpretation des III. Abschnittes des Palästinensischen Talmudtraktats Nesikin, Heft III von Dr. I. Lewy. Die Preisanfgabe sür den Joseph Lehmann'schen Preis „Historische Topographie der Judengasse zu Köln a. Nh." wird vorn Lehrerkollegium zum zweiten Male gestellt. Für den David Nosin'schen Preis ist das Thema ausgeschrieben: „Rekonstruktion des Kommentars Jbn Esras zu den ersten Propheten." Wie ans dem Jahresbericht zu entnehmen ist, ist die Frequenz des Seminars in den letzten Jahren erheblich gestiegen, so dab die Präsenzziffer jetzt 33 Hörer aufweist. Der Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger Seminaristen Livjath-Chen labt darum von neuem an alle Freunde und Gönner jüdischer Wissenschaft den Mahnruf ergehen, ihn in seinen edlen Bestrebungen nach Kräften zu unterstützen, da er nicht mehr in der Lage ist, den erhöhten Anforderungen zu genügen. — Breslau, 31. Januar. Am 26. d. M. starb der L a nd g e richt srath Julius Triest hierselbst, der wegen seiner auhergewöhnlicheu Tüchtigkeit besonderes Allsehen bei den Kollegen und beim rechtsuchenden Publikum geuotz. Triest, der 1874 sein Assessorexamen gemacht hatte, war zuerst kurze Zeit außerhalb Breslaus und dann als Hilfsrichter beim hiesigen Stadtgericht beschäftigt; bei Einführung der Justizorganisatiou am 1. Oktober 1879 blieb er Hilfsrichter beim Amtsgericht und wurde 1882 zum Amtsrichter ernannt. Als solcher war er lange Zeit Dezernent für das Handelsregister sowie Konkurs- und Subhastationsrichter. In den achtziger Jahren wurde er au das Landgericht versetzt, wo er — abgesehen von einer vorübergehenden Beschäftigung als Hilssrichter beim Oberlandesgericht — die ganze Zeit hindurch Mitglied der ehemaligen fünften, jetzigen ersten Zivilkammer war. Seine Ernennung zum Landgerichtsrath erfolgte 1889. Als vor einigen Jahren von der Justizverwaltung bei den größeren Landgerichten praktische Nebungskurse sür die Reserendarien eingerichtet wurden, übernahm auch Triest die Leitung eines solches Kursus und führte ihn mit besten: Erfolge durch. Der Verblichene hat ein Alter .wn kaum 54 Jahren erreicht. Seine Kollegen rühmen ihn: nach: „Seine hohe Begabung, sein umfassendes Wissen, seine unermüdliche Pflichttreue und die liebenswürdigste Kollegialität lassen uns seinen Verlust üef schmerzlich empfinden. Ein dauerndes ehrenvolles Andenken wird hm bei uns gewahrt blerben." A. Nicolai, 2. Februar. Am vorletzen Sonntag feierte in unserm Städtchen ein jüdischer Handwerksmeister in nngemiuderter Arbeitsreudigkeit sein 70 jähriges Meisterjnbiläum als Kunstdrechsler, Herr- Abraham Opfer, der nicht nur in der Heimathstadt und-Provinz, ondern in ganz Deutschland bekannte Knnstdrechsler. Auch er ist, me so viele andere jüdische Handwerker, ein lebendiger Zeuge gegen ne thörichten Faseleien von der „Abneigung der Juden gegen körperliche Arbeit". Ihm war es vergönnt, den Segelt des goldenen Bodens, den das Handwerk auch in unseren Tagen noch hat, zu erfahren. Durch Talent, Energie und Fleiß hat sich Meister Opfer einen großen angesehenen Kundenkreis erworben, selbst Erzbischöfe und Pfarrer gehören zu seinen Kunden. Der Jubilar, der am 19. Januar 1814 geboren ist, jetzt also ins 89. Lebensjahr eingetreten ist, ging 1827, also zu einer Zeit, da selbst der Zutritt zum Handwerk noch sehrschwer zu erlangen war, nach Pleß in Oberschlesien in die Lehre., dort lernte er wacker und ging dann als Meister nach Loslan, woselbst er bis 1889 ansässig war. Seitdem übte er bis znm heutigen Tage noch in seltener körperlicher Frische sein Handwerk ans. Gediente 1836 und 1837 bei der Infanterie in Neuß. Abraham Opfer ist noch heute, wie schon bemerkt, rüstig und gesund und arbeitet auch täglich noch in seiner Werkstatt, nicht weit ihn seine pekuniären Verhältnisse dazu zwingen, sondern weil ihm die Arbeit zur zweiten Natur geworden ist. Es mag nicht unerwähnt bleiben, daß der Meister auch für den Herzog von Natibor eine Jagdpfeife geliefert hat, die dieser dem hochseligen Kaiser Friedrich schenkte, und erst kürzlich der Generalintendant der königlichen Schauspiele Herr Graf Höchberg bei Opfer eilte Bestellung gemacht hat. Dabei ist dieser Handwerksmeisterein srommer Jude; täglich zwischen vier und fünf Uhr steht er auf und sein erster Ansgang gilt dem GotteZhause. Abraham Opfer, dem auch wir zu seinem Ehrentage nachträglich unsere bestell Wünsche anssprechen, dürfte zweifellos Deutschlands ältester jüdischer Handwerksmeister seilt. Möge ihm noch ein langer, ungetrübter Lebensabend beschieden sein. Leipzig, 2. Februar. Professor Dr. Salomon Jadassohn, der bekannte Komponist und Musiktheoretiker, langjähriger Lehrer am Leipziger Konservatorium, ist am 1. Februar im Alter von 70 Jahren gestorben. Jadassohn war Schüler von Liszt und Hauptmann. Letzterem hat er, namentlich als Theoretiker, das Meiste zu danken. Seine theoretischen Werke („Harmonielehre", „Kontrapunkt", „Kanon und Fuge", „Die Formell in den Werken der Tonkunst" nnd andere) werden ihre Bedeutung auch über seinen Tod hinaus behalten, vielleicht auch die eine oder die andere seiner Kompositionen. Ein Neuerer ist Jadassohu als Tonschöpfer oder als Musikpädagoge nicht gewesen. Seine Kompositionen sind durchweg sehr sormgerecht, oft auch recht gefällig. Wir habet: erst vor kurzem, anläßlich seines 70. Geburtstages über den gefeierten Komponisten ausführlich berichtet, der sich in weiten Kreisen hohen Ansehens zu erfreuen hatte. So wird es au Leidtragenden in der Musikwelt nicht fehlen; all die vielen Schüler und Schülerinnen werden den Tod ihres greisen Meisters aufrichtig beklagen. Ehre seinem Andenken. I.. Hannover, 29. Januar. Am 22. d. Mts. wurde mit großer Stinlmenmehrheit Herr Senator Fischer, bisher Vorstandsmitglied, zum II. Vorsteher gewählt. Herr Senator Fischer nimmt eine Reihe, vor: Ehrenämtern sowohl in der Gemeinde, wie auch in der Bürgerschaft ein. Die Wahl sür der: nun frei gewordenen Posten eines Vorstandsmitgliedes findet Mitte Februar statt. — Der Verein „Gesellschaft zur Ausstattung von Israelitischen Bräuten" in Hannover, dessen I. Vorsteherin Frau Dr. Ella Bergmann ist. versandte im Januar seinen Bericht. Ausführliche Nechnnngsablagen und genalle Mittheilungen über die Thätigkeit des Vereins werden alljährlich in der Generalversammlung den anwesenden Mitgliedern vorgelegt. Nach Paragraph 1 der Statuten bezweckt die Gesellschaft, unbemittelten Töchtern geachteter, hier angesessener jüdischer Familien bei ihrer Verheirathuug eine Ausstattung zu verschaffen. Diesen Zweck haben wir bis jetzt voll und ganz erfüllt, beispielsweise haben wir in den letzten beiden Jahren 0 Bräuten Beihilfe im Gesammtbetrage voll 3800 Mark bewilligen können. Diese Bewilligungen werden nach sorgsamer Prüfung der Verhältnisse in zartester und diskretester Weise gewährt. — Frankfurt a. M., 2. Februar. Der achte Jahresbericht des hiesigen Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen beschäftigt sich in erster Reihe mit dem stattlichen Neubau des Schwesternhauses neben den: Gemeiudehospital. Im Uebrigen wurde im abgelauseneu Berichtsjahre die Thätigkeit des Vereins in der bisherigen Weise fortgesetzt. Auch im abgelauseneu Jahre hat es keineswegs au Schülerinueuanmeldnugen gefehlt; bei den strengen Anforderungen jedoch, die an die Aufzuuehmendeu gestellt werden, mußten nicht weniger als 21 als nicht tauglich abgewiesen werden. Zwei Schülerinnen, denen infolge ihrer Tüchtigkeit sogar ein Theil des Lehrjahres erlassen werden konnte, wurden Ln die Zahl der Schwestern ausgenommen. Rahel Spiro aus Prostken nnd Julie Glaser ans Würzburg. In: Laufe des Jahres schied eine der Schwestern wegen Verheirathnng aus dem Verbände aus, so daß die Zahl der Schwestern nunmehr 23 beträgt. Wie im vergangenen Jahre hat sich die Thätigkeit der Schwestern in die Hospitalpflege hier nnd in Hamburg und in die Privatpflege

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