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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-02-07 · Heft 6 (7.2.1902) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 6 (7.2.1902)
Date
1902-02-07
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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. 4 getheilt, und die Organisation ist nnn so getröstet,, daß diejenigen Schwestern, die in Anstalten eine leitende Stellung als Oberin einnehmen, dieselbe dauernd behalten, bis eilte Aenderung aus besonderen Gründen nothwendig würde. Die in Hamburg beschäftigten Schwestern verbleibell dort regelmäßig ein Jahr und werden dann durch andere abgelöst. Ebenso ist die Armenschwester jedesmal nur auf ein Jahr erwählt; hingegen verbleibet! die in das Israelitische Gemeindehospital zur Pflege berufenen Schwestern in der Regel nur ein halbes Jahr und kehren dann wieder in die Privatpstege zurück. Durch diesen steten Wechsel zwischen Hospital- und Privatpflege werden die Schwestern vor Einseitigkeit bewahrt und erhalten durch den Hospitaldienst Gelegenheit zu weiterer Ausbildung. Im Ganzen wurden von 16 Schwestern, von denen jedoch ein Theil nur kürzere Zeit in Privatpflege thatig war, 124 Pflegen ohne Unterschied der Konfession, gegen 111 Pflegen des vergangenen Jahres, geleistet. 17 Pflegen — im Vorjahre 13 - waren außerhalb Frankfurts. 109 Pflegen geschahen gegen Bezahlung in verschiedenen Abstufungen, während 15 Pflegen mit 263 Pflegetagen ganz unentgeltlich geleistet wurden. Die Pflegen wurden ausgenbt unter der Leitung von 52 verschiedenen Aerzteu; sie erforderten 2864 Pflegetage — im Vorjahre 2857 — und 283 vollständige Nachtwachen — im Vorjahre 268. Die Einnahmen des Vereins betrugen Mark 24110.16, die Ausgaben Mark 17 595.33. Der Vorstand besteht aus folgenden Herren: Dr. med. S. Kirchheim. Vorsitzender; Emil Stiebet, stellvertretender Vorsitzender; Philipp Schiff, Schriftführer; Eduard Cohen. Kassirer; Julius Goldschmidt, Dr. med. A. Günzburg, Dr. med. W. Hirsch. Sallh Löweuick. Dr. med. H. Schlesinger. Oesterreich-Ungarn. LI Wien, 3. Februar. Im Laufe dieser Woche begab sich der Kaiser öfters in das Atelier des Malers Leopold Horowitz in der Magdaleneustraße, um zu dem bestellten Portrait zu sitzen, und stets hatte der Monarch für den von ihm hochgeschätzten Künstler huldvolle Worte. Die Franzensbader planen dem Begründer ihres Kurorts, dem Arzte Dr. Bernhard Adler, ein Denkmal zu errichten, das bereits im Sommer dieses Jahres zur Aufstellung gelangen soll. -- Zti Karlsbad ist am 30. v. M. der Brunnenarzt Dr. Tugendhat im 69. Lebensjahre verschieden. — Das Leichenbegängniß des im ^.Lebensjahre verstorbenen Großindustriellen Eislerv. Terramare gestaltete sich zu einer imposanten Trauerknndgebnng für den Verstorbenen. dessen Verdienste bei Lebzeiten durch die Verleihung des Franz-Josefsordens und des Adels belohnt wurden. — In Budapest dauert die ultramontan-autisemitische Hetze, der sich ein Theil der Universität angeschlossen, gegen den Abgeordneten Dr. W. Vaszony noch immer fort. Sie wagte ihn sogar des „Vaterlandsverraths" zu beschuldigen. Die Interpellation Gorowe im ungarischen Reichstag war eine glänzende Ehrenrettung für den in so schmählicher Weise angegriffenen Abgeordneten. Der Kultusminister schloß seine Antwort auf die Interpellation mit folgenden Worten: „In meinem Wirkungskreise bitte ich die Jugend immer, so oft ich mit ihr in Berührung komme (Hört! hört!), zu arbeitet! und zu lernen, denn in diesem wirklich getheilten und aus zentrifugalen Kräften bestehenden Lande müssen die Kräfte vereinigt werden (Lebhafte Zustimmung), muß Alles auf die Schaffung der gesellschaftlichen Einheit hinwirken. (Lebhafte Zustimmung.) Das ist meine Aufgabe, das ist mein Ideal, und die Jugendvereine, die in solcher Richtung thätig sind, besitzen ineine Sympathie (Zustimmung), diejenigen aber, die aus eine Spaltung nach Konfessionen, Nationalitäten oder Klassen hinarbeiten, sind mir antipathisch. (Lebhafte Zustimmung.)" Don Nah und Fern. — Geheimrath Prof. Senator hat den Rothen Adlerorden dritter Klasse mit der Schleife bekommen. — Der Konsul der Republik Kolumbien Siegfried Sachs, ist am 3t. v. M. gestorben. —Sein fünsundzwanzigjähriges Jubiläum als Dozent au der Universität Berlin feierte am 31. v. M. Professor Albert Fraenkel. der Direktor der inneren Abtheilnng des städtischen Krankenhauses am Urban. - Der Redakteur der „Staatsbürgerztg.", Dr. B ö ckler, welcher vor einiger Zeit wegen Beleidigung des Justizraths Cassel zu einer längeren Gefängnißstrase verurtheilt wurde, hatte in Moabit zwei Termine wahrzunehmen. Er war jedoch nicht erschienen, sondern hatte sich schriftlich damit entschuldigt. daß er verreist sei. Wie es heißt, soll Böckler sich in der Schweiz befinden. - Der Chemiker und Civilingenieur Dr. Adolph Frank zu Charlottenburg Hai den Rothen Adlerorden vierter Klasse erhalten. — In Flatow ist Herr Lehrer Lachmann vom dortigen Lehrerverein znm zweiten Male zum Vorsitzenden gewählt worden. Herr Lachmann ist das einzige jüdische Mitglied unter 20 Kollegen. Die dortselbst kürzlich erfolgte Wahl der Repräsentanten wurde infolge Protestes vom Regierungspräsidenten für ungiltig erklärt, auch ist gegen die Wahl des Synagogenvorstandes Protest erhoben worden. — Der evangelische Oberkirchenrath veröffentlicht soeben die im Jahre 1890 in den älteren Provinzen erfolgten Uebertritte zur protestantischen Landeskirche (Hannover, Schleswig-Holstein und Hessen- Nassau sind dabei als neuere Provinzen ungerechnet.) Danach traten im Jahre 1900 346 Juden zur Landeskirche über, wogegen 24 Christen die jüdische Religion aunahmen. — Dr. med. E. C oh nstä dt-Erfurt und Frau Franziska S p e y er - Frankfurt a. M. haben die Rothe Kreuzmedaille dritter Klasse erhalten. — In seiner jüngsten Etatsrede im Reichstage hat der Abgeordnete Liebermann von Sonnenberg auch das bekannte Urtheil des Darmstädter Gerichts abfällig kritisirt, welches die Auffassung vertritt, daß die Angehörigen der jüdischen Religion nach den Erfahrungen des Gerichts es mit dem Eide durchgängig sehr genau nehmen. Rabbiner Dr. Wilhelm Münz in G lei Witz veröffentlicht nun im „Oberschlesischen Wanderer" ein offenes Schreiben an Liebermann von Sonnenberg, in dem er einen feierlichen Schwur gegen die Existenz eines jüdischen Nitualmords ablegt und vorher die besondere Heilighaltuug des Eides bei den Juden mit Excerpten aus den jüdischen Religionsvorschriften begründet. — Znm Dekan der juristischen Fakultät Jena au der Universität ist Prof. Dr. E. Roseuthal gewählt worden. — In die am 23. d. M. stattgesundene Gemeindeversammlung zu Pirmasens wurde der seit langen Jahren in dieser Gemeinde als erster Kantor und staatlich angestellter Lehrer thätige A. Michel einstimmig auf zehn Jahre fest engagirt. — Wie aus Straßburg berichtet wird, ist der dortige Privatdozeut Dr. Paul Ma nasse zum außerordentlichen Professor und znm Direktor der Universitäts-Ohrenklinik. die er schon seit geraumer Zeit, seit dem Tode seines Vorgängers Professor Kuhn, als vertretender Direktor geleitet hat, ernannt worden. — In Okriftel ist am 16. v. M. der langjährige Neligionslehrer Emannel Man heim er gestorben, der über 51 Jahre als Lehrer wirkte und aus Anlaß seines 50 jährigen Amtsjubiläums den Kronen orden mit der Zahl 50 erhielt. — Daß es dem kürzlich in München verstorbenen Dr. Sigl mit seinem Antisemitismus nicht ernst war. geht daraus hervor, daß er einen jüdischen Rechtsanwalt zum Testamentsvollstrecker bestimmte. — Obergerichtsauwalt Ludwig Simonsou in Kopenhagen ist zum Wirklichen Etatsrath ernannt worden. — In Edinburgh starb am 26. Januar plötzlich der bekannte Professor des Hebräischen und der orientalischen Sprachen Dr. Davidson, kein Jude. Er galt als eine Autorität in Bezug auf die Schriften des alten Testaments und war Ehrendoktor der Universitäten Cambridge und Oxford. — Das jüdische Hospital „Schaare Zodek" in Jerusalem wurde in Gegenwart des Gouverneurs, der Konsuln, der Obevrabbiner und der Behörden eröffnet. Die Leitung des Hospitals untersteht dem Centralkomitee, das seinen Sitz in Frankfurt hat. — In Lonisville ist am 7. v. M. der Rev. Adolph Moses, einer der bekanntesten amerikanischen Rabbiner im 62. Lebensjahre gestorben. M.. der aus Santonnschel in der Provinz Posen stammte und in Breslau am Seminar llndirt hat. huldigte der entschiedensten Reform. 1860 machte er unter Garibaldi den Zug nach Neapel mit. Dann ging er nach Amerika, wo er sehr segensreich gewirkt hat. Ehre seinem Andenken! — Der in Moskau tagende Vlll. russische Chirnrgenkongreß hat nach einem Referat des Dr. Shubankow über den ärztlichen Berns der Frau beschlossen, bei der Regierung dahin vorstellig zu werden, daß jüdische Mädchen und Frauen in unbeschränkter Zahl zum medizinischen Studium zngelassen werden. Fernee hat der Kongreß nach einem Vortrage des Dr. Saihelv beschlossen, in einer Eingabe die Regierung um die Aufhebung der die Zulassung der Juden zu den mittleren und höheren Schulen beschränkenden prozentualen Norm zu ersuchen. Die beiden Beschlüsse der in Moskau versammelten Vertreter der russischen Wissenschaft werden jedenfalls großes Aussehen erregen! Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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