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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-02-07 · Heft 6 (7.2.1902) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 6 (7.2.1902)
Date
1902-02-07
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 .Ml. die Vertheilnng der Stunden unter die Lehrer, den genauen Lehrplan sämmtlicher Fächer, das Verzeichnis; der Angeführten Bücher, ferner unter statistischen Mittheilungen die Freguenztabelle für das Winterhalbjahr 1899/1900 und die Heimathsverhältnisfe der Schüler. Die Zusammenstellung ist bereits Ostern 1900 abgeschlossen worden; da sie jedoch erst jetzt in Druck gehen konnte, haben die Anstaltsleiter unter Jnnehaltnng der oben gegebenen Einteilung ihre Allgaben durch einen Nachtrag sür das Winterhalbjahr 1900/1901 ergänzt, wobei gleichzeitig die gegenüber dem früheren Status eingetretenen Aenderungen im Lehrerkollegium Berücksichtigung gefunden haben. Infolge des frühzeitigen Abschlusses des Berichts konnten auch nur die Angaben über fünf Neligionsschnlen veröffentlicht werden. Inzwischen ist ja, wie unseren Lesern bekannt ist, bereits die sechste Neligionsschule unter Leitung des Herrn A. Allerbach eröffnet und als siebente die ehemalige Schule des Lonisenstädtischen Brüdervereins übernommen und Herrn Nabbiller Dr. Eschelbach er unterstellt worden. Der der Mädchenschule angeschlosseue wahlfreie Fortbildungskursns, zu welchem nur diejenigen Schülerinnen zngelassen werden, welche mit Erfolg mindestens '/, Jahre die erste Klasse besucht habeil, zeigt uns ebenfalls das Bestreben der Gemeindebehörden, die Anstalten den Anforderungen der heutigen Zeit entsprechend auszngestalten. Der Kursus ist in einen Vorkursus und einen Hanptkursus gegliedert; in ihm wird Stenogravhie nach dem Einigungssystem Stolze-Schreh, Buchführung und Maschinenschreiben (System Nemington) von Fachkräften gelehrt. Endlich ist noch in den Bericht das Programm der Lehrerbildungsanstalt des Talmnd-Thora-Jnstitutes eingefügt, dessen Zöglinge zu Volksschnllehrern. Neligionslehrern und Vorbetern ausgebildet werden, und das nunmehr aus eine zweiundvierzigiährige gedeihliche Wirksamkeit znrückblicken kann. In diesem Institut werden die an die preußischen Schnllehrerseminare gestellten Anforderungen erfüllt, die Zöglinge werden in den Geist und die Schöpfungen des Judenthums Angeführt, zu deren Fortpflanzung angeleitet sowie die stimmbegabten sür eine würdige und verständnißvolle Leitung des Gottesdienstes vorbereitet. Außer der allgemeinen Bildung wird hier besonders auf straffe Selbstzucht, treue Hingebung und ernstes Pflichtgefühl hingewirkt, jene Grundbedingungen, welche zur Ausübung der drei genannten Bernssthätigkeiten durchaus erforderlich sind, um einen auf den Intellekt und das Gemüth der Kinder wirkenden Unterricht zu gewährleisten. Die Angaben des Schulberichts werden in ihrer dankenswerthen Genauigkeit und Uebersichtlichkeit zweifellos allen Gemeindemitgliedern die Ueberzeugung der Nothwendigkeit des Fortbestehells der Anstalten erbringen und den Wunsch rege werden lassen, daß die Gemeindebehörden, wie bisher, so auch in Zukunft eifrigst bestrebt sein mögen, die Anstalteil auf dieser Höhe zu erhalten und dem Wachsthum der Gemeinde entsprechend zu vermehren. 8. Berlin, 29. Januar. In der heutigen außerordentlichen Generalversammlung der Gesellschaft z n r V er br e i t u n g der Handwerke uilddes A ckerbaues nnterde n I nden im p renßis ch e n Staate kam es bei der Fortsetzung der Statntenberathung zu sehr stürmischen Debatten. Die Mehrzahl der Paragraphen wurde in der Fassung, wie sie die Statutenkommission vorgeschlagen hatte, angenommen. Gestrichen wird im K 22 der Absatz, daß kein Inspektor über mehr als 12 Lehrlinge gleichzeitig die Aufsicht übernehmen soll. In 8 26 wurde die Einfügung gemacht, daß die besonderen Benachrichtigungsschreiben all die Mitglieder betreffs der Mitgliederversammlungen mindestens acht Tage vor dem Termin derselben abgesandt werden sollen. Die Beschlüsse des Vorstandes (8 27> sollen nur nach Stimmenmehrheit gefaßt werden. Die Bestimmung, daß bei Stimmengleichheit die Stimme des Vorsitzenden entscheidet, wurde gestrichen. Sehrerregt wurde die Diskussion bei den Paragraphell, welche die Vorbereitung der Vorstandswahl betreffen. Die hier einsetzende Opposition verlangte die Streichung des Passus, daß die voll Mitgliedern ausgehenden Vorschläge anderer Kandidaten als der vom Vorstand bezeichneten spätestens am dritten Tage vor der Mitgliederversammlung bei dem Vorsitzenden schriftlich eingereicht werden und von zehn Mitgliedern unterzeichnet sein müssen. Die Gegner dieser Bestimmung wiesen daraus Hill, daß in keinem einzigen Statut eine derartige mittelalterliche Bevormundung der Vereinsmitglieder und Beschränkung ill der Wahlfreiheit festgesetzt sei. während der Vorstand in seiner Mehrheit auf diese Bestimmung nicht verzichten zu können behauptete, um nicht — lnn'i'üüle clwtn! — „durch hinterlistige Kvnvenlikel überrumpelt zu werden" und ill der Lage zu sein, das Vereinsvermögen schützen zu können, das bei einer durch das Statut sanktionirten zufälligen Wahl des Vorstandes gefährdet sei. Die tapfer geführte Opposition unterlag mit vier Stimmen den mit dem Vorstand sür Aufrechterhaltuug der Bestimmung eintretenden 14 Stimmen. Die en bloe Annahme des ganzen Statuts wurde darauf genehmigt. Damit war die Tagesordnung der Sitzung, welche nur sünf Stunden ill Anspruch genommen hatte, erschöpft. 8. Berlin, 4. Februar. Ill dem heutigen Termin, der gegen den Redakteur Böckler wegen Beleidigung des Professors Dr. Hermann Strack vor der II. Strafkammer des Landgerichts I anstand. war der Allgeklagte wiederum nicht erschienen. Auch heute war wie vor 14 Tagen in dem Nitualmordprozeß ein aus Berlin datirtes Schreiben des Angeklagten eingegangen, daß er sich zu seiner Genesung ans längere Zeit im Auslände befinde. Der Staatsanwalt theilte mit, daß nach Auskunft des Polizeipräsidiums der Angeklagte vermnthlich sich in Meseritz aushalte; er ist der Ansicht, daß der Angeklagte nur die Sache verschleppen wolle, und beantragte deshalb nicht nur die gerichtliche Vorführung, sondern auch die Verhaftung desselben. Nach längerer Berathung erkannte der Gerichtshof nur auf die Vorführung, da es nicht notorisch sei, daß sich der Angeklagte wirklich im Auslande befinde. Friedrichsberg bei Berlin, 2. Februar. Die am 28. Januar 1902 abgehaltene Versammlung der israelitischen Vereinigung Friedrichsberg lind Umgegend warsehr zahlreich besucht. Herr- Lehrer Hirschfeld hielt einen sehr interessanten und belehrenden Vortrag über „Bibel und Babel." Er besprach die babylonische Urgeschichte im Verhältnis; zur biblischen Urgeschichte und setzte auseinander. daß die Bibel nicht das Werk eines Einzelnen, sondern Mehrerer sei. Durch diese Erkenntnis; werde der Werth der Bibel nicht geschmälert. Der erste Theil der Bibel sei ans babylonischen Mythen ansgebant, aber er stelle den Menschen als nach sittlicher Vervollkommnung strebend hin. Der Vortragende setzt dann an der Hand einiger Beispiele (Sintftnthj auseinander, worin sich die Bibel von den babylonischen Sagen unterscheidet. — Darauf machte der Vorsitzende. Herr Eugen Lewald, Mittheilung von einem von der Vereinigung am 18. Februar 1902 in Dräsel's Festsälen, Neue Friedrichstraße 85. zu veranstaltenden Wohlthätigkeitsfest. — Königsberg, 2. Februar. Behufs Gründung einer Organisation des „Hilfsvereins der deutscheil Juden" sür die Provinz Ostpreußen fand unter den; Vorsitz des Stadtrath Magnus eine von ihm, dem Konsul Lötten und Bankdirektor George Marx einberufene Versammlung statt. Der Vorsitzende gab zunächst einen kurzen Ueberblick über die Geschichte der Gründung der Organisation und ertheilte darauf dem Referenten, Dr. Paul Nathan-Berlin, das Wort. Dieser führte in seinem mit großem Beifall anfgenommenen Vortrag ans. daß die Schaffung einer Organisation der deutschen Juden eine unumgängliche Nothwendigkeit sei, um den bedrängten Glaubensgenossen jenseits der Grenzeil in rationeller Weise helfen zu können, hier durch die Eröffnung von Arbeitsmöglichkeiten, und dort, wo es zweckmäßig erscheine, durch Gründling deutscher Schulen die Geistesbildung derselben zu heben. Während der wenigen Monate des Bestehens des Vereins wurden bereits 10 000 Mark der Isi-aolilo nnivt i-sello als Beihilfe sür die Errichtung von Vorschußkassen in Rumänien zur Verfügung gestellt und weitere 10000 Mark zur Entwickelnng von Hausindustrie in Galizien bewilligt. Der Vortrag endete mit dem Wunsche, daß auch in Ostpreußen und insbesondere in Königsberg, wo sich der Sinn für humanitäre Bestrebungen stets bethätigt habe, die Organisation Boden gewinnen möge. Nach einerkurzen Diskussion schloß der Vorsitzende die glänzend verlaufene Versammlung. In die ausgelegten Listen zeichnete sich sogleich eine große Anzahl der Anwesenden mit namhaften Beiträgen ein. — Am 29. v. M. fand in Danzig eine Versammlung statt, zu welcher die Herren Sinison und Davidsohn die Einladung hatten ergehen lassen, und zu der ans der Stadt Danzig und der Provinz zahlreiche Teilnehmer erschienen waren. Herr Simson eröfsnete die Versammlung und ertheilte Dr. P. Nathan-Berlin das Wort zu einem Referat über die Ziele des „Hilfsvereins der deutschen Juden." An dieses ausführliche Referat schloß sich eine lebhafte Diskussion an, in welcher die verschiedenen Zweige der Thätigkeit des Hilfsvereins unter allen Gesichtspunkten kritisch beleuchtet wurden. Das Resultat derselben war die Annahme folgender Resolution: „Die Versammlung nimmt von der Gründung des Hilfsvereins deutscher Inden zustimmend Kennt-

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