Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1902)
- Date
- 1902-02-07
- Page
- Seite 63 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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63 ines Preußischen Junkers gegeben. (Beifall.) Die Zeiten sind vorüber, uw das Jnnkerthum allein ausschlaggeberld war, und weil das nicht mehr der Fall ist, daher der große Aerger bei Herrn v. Massow und seinen Frellndeil. Er hat weiter gesagt, es wäre sehr zu bedauern saß das Nothe Meer nicht bei Zeiten die Klappe zngemacht hätte. Abgesehen voll der Geschmacklosigkeit der Redensart, mache ich ihn ans Folgendes aufmerksam. Herr v. Massow und seine Freunde sind Repräsentanten des Christenthums. Christus war ein Jude, er stammle ans dem Stamme Davids, und die Juden waren das auserwähltc Volk. Wären sie i»n Nöthen Meer ertrunken, dann hätte es keinen Christus und somit auch kein Christenthum gegeben, und da das Christenthum Träger der Kultur sein soll, auch keine Kultur, und Herr v. Massow, würde also, wie seine Vorfahren, als Heide in den ^preußischen Urwäldern Hausen und Auerochsen jagen. (Große Heiterkeit.) Er hat dann weiter gesagt, wir trieben Manlwurfsarbeit, nn den Staat zn unterwühlen. und unsere Arbeiter benähmen sich als Hausknechte. Ihr Auftreten. Herr v. Massow, verdient diese Bezeichnung weit mehr. (Beifall links.)" 4 Ueber die Erhebung von Steuern für Shnagvgenzemeinden hat das Oberverwaltungsgericht eine grundsätzlich wichtige Entscheidung getroffen. Die „Kölnische Zeitung" beichtet darüber: „Der Vorstand der Synagogengcmeindc zu Nuhrort hatte den Prokuristen Ludolf Adler mit 176 Mark für die Jahre 1898/99 und 899/1900 nach der Hälfte seines Einkommens zn den Shnagogeneiträgen herangezogen. Adler selbst ist Dissident, seine Ehesran ge- :/ört der jüdischen Religion an, während seine Kinder in der christlichen Religion erzogen werden. Nach fruchtlosem Einspruch erhob Adler Klage und behauptete, der Vorstand der Synagogengemeind« labe kein Recht, ihn zu den Shnagogenbeiträgen zn veranlagen, da r der jüdischen Religio» nicht angehöre, seine Ehefrau und Kinder beuchten ebenfalls die Einrichtungen der Shnagogengemeinde nicht. Der Zynagogenvorstand erklärte, es habe sich eine Observanz gebildet, wo, mch die nichtjüdischen Ehemänner von Jüdinnen mit dem halben nnkomme» zu den Synagogenbeiträge» herangezogen würde»; in töln, Krefeld, Düsseldorf u. s. w. würde ebenso verfahre». Der Beirksausschnß entschied jedoch ans Freistellung, da die behauptete Observanz sich nicht gebildet habe. Das Oberverwaltnngsgericht entschied ebenfalls zn Gunsten von Adler und bestätigte die Vorcntcheidung. Wir finden dieses Urtheil sehr begreiflich und haben noch ue von einer Observanz gehört, die Dissidenten zn Gemeindeteuern heranzieht, auch wenn deren Ehefrauen noch dein Judenchnme angehören. 4- Trotz der heftigen Agitation der englischen Antisemiten at doch die englische Thronrede die Fremdensrage mit keiner -ilbe erwähnt, ein Beweis dafür, das; die englische Regierung wicht daran denkt, zur Schaffung eines FremdengesetzeS die Initiative zu ergreifen. Der parlamentarischen Kommissivn nr Verhinderung der Fremdeneinwanderuiig blieb daher nichts weiter übrig, als selber den ersten Schritt zn thnn und durch Einbringung eines Amendements zu der Adresse an den König die Fremdensrage in der Adreßdebatte des Unterhauses ins tollen zn bringen. Das von Major Evans Gvrdon ein- ,«brachte Amendement lautet: „Und wir machen Ew. Majestät ehvrsamst auf die dringende Notwendigkeit aufmerksam, ein < esetz zur Regnlirung und Verhinderung der Einwanderung ' emder Paupers irr London und andere Plätze desvereinigten Königreichs zu erlassen." Staatssekretär Balfour erklärte in der Sitzung vom 29. v. M., o e Regierung sei zwar der Meinung, das; die schrankenlose weemdeneinwanderung schlimme Dinge im Gefolge habe, und l as; diese unter gewissen Umständen Gefahren mit sich bringe, aber die Regierung müsse auch ans die Schwierigkeiten achten, die mit dieser Frage verbunden seien, jedenfalls aber können vhne Untersuchung keine gesetzgeberische Maßnahmen getroffen werden. Die Regierung sei bereit, eine solche Untersuchung zn veranstalten. Hierauf wurde der Antrag zurückgezogen und die Adresse angenommen. Die Inden Englands sehen den Resultaten einer solchen parlamentarischen Untcrjnchnngskomnnssivn mit großer Zuversicht entgegen. Man ist überzeugt, daß diese Kvmmission die Untersuchung mit einer ernsten Männern gebührenden Sachlichkeit führen und, im Gegensatz zn de» wilden Agitatoren aus der Straße, auch den Gegner zum Wort kommen lassen werde. Dann wird es sich heranSsteaen, daß selbst die Angaben des „Board of Trade", welche die Antialienisten als „lachhaft" hinstellen, noch ganz enorm übertrieben sind. 4 Gegen die „Weltjuden", die den südafrikanischen Krieg zum Zwecke von Börsenspekulationen nngczettelt haben sollten, veröffentlichte die „Kreuzztg." einen giftgeschwollenen Artikel mit der Ueberschrift „Zur Juden mache", der nicht nur die „jüdischen Millionäre" Beit, Eckstein L Ev., sondern alle Juden für das Elend in Südafrika verantwortlich machte, das durch die verbrecherischen Umtriebe der „Weltjnden" hervorgerufen worden sei. Zahlreiche antisemitische Blätter haben diesen Angriff gegen die „jüdische" Firma weiter verbreitet. Ein württembergischer Gutsbesitzer schreibt nun der Zeitschrift „Im deutschen Reich" ans Grund genauer Persvnenkenntniß Folgendes: „Eckstein ist der Sohn des verstorbenen Pfarrers Eckstein in Birkach, Oberamt Stuttgart. Seine Mutter wohnt »och hier Silberbnrgstraße 175, sein Bruder, Wilhelm Eckstein, wohnt Christophstraße T hier. Daß man in Birkach jemals einen jüdischen Pfarrer gehabt hat, ist mir neu: Ecksteins Wittwe und Bruder und seine zahlreichen hiesigen Verwandten sind lauter gute, evangelische Christen, die wohl noch Niemand außer der „Kreuzztg." für Juden oder für Nachkommen von Juden gehalten hat. Die Firma, von der das „fromme Blatt" fabelt, heißt: Wcrnher Beit L Eckstein in Johannesburg, und mir wird versichert, daß auch diese nicht mit Inden verwandt sind, doch fehlt mir jede Veranlassung, deren Taufscheine einznfordem. Das überlasse ich der „Kreuzztg.", sie kann hierüber zuverlässigen Bescheid darüber erlangen, die Familie Eckstein hier ist zur Auskunft erbötig und wird sich gerade sv wie ich darüber amttsire», daß ihr Verwandter als guter Jude den Bnrenkrieg mit herbeigefnhrt hat." Die Beweise, welche die Antisemitcnpresse für ihre jndenfeindlichen Anschuldigungen bezüglich des Burenkrieges ins Feld geführt hat, beschränken sich ja auch nur darauf, daß die Londoner Börse, an der bekanntlich die Inden einen geringen Einfluß besitzen, für den Burenkrieg wiederholt Kundgebungen veranstaltet, Ceeil Rhodes von seinen Millionen einmal ganze 500 Pfund Sterling für die Erbauung einer Synagoge gespendet und der Präsident Krüger vor längerer Zeit die Ausweisung eines Rabbiners verfügt hat. Seiner Zeit hat zwar Ohm Krüger über die Frage der Anstellung von Juden sich durchaus duldsam geäußert, mit frommen Segenssprttchen auch selbst die Synagoge in Johannesburg eingeweiht, überdies« Thatsachen gelten den Antisemiten weit weniger als das vollgiltige Zeugniß des in der Dresdener Fabrik von Glöß hergestellten Bilderbogens „Der Burenkrieg", zu dem der erfindungsreiche Max Bewer den Text geliefert hat, in welchem