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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-01-31 · Heft 5 (31.1.1902) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 5 (31.1.1902)
Date
1902-01-31
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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4 und daher von ihren Angehörigen verlassenen Juden beschäftigt werden könnten. Diese Nothwendigkeit lastet schwer aus uns, und das Komitee bittet seine Freunde um Rath und Gebete." Einstweilen und bis die industriellen Etablissements zur Beschäftigung von getauften Juden kommen werden, muß es bei dem Juden ans Aleppo verbleibell, dessen Bekehrung 1233 oder wenigstens 1000 Lstr. gekostet hat. Asten. Jerusalem, im Januar. Der dritte Sohn unseres Kaisers Prinz Adalbert, der in diesem Winter an einer Uebungsfahrt des Kriegsschiffs „Charlotte" im Mittelmeer theilnimmt, weilte vom 5. bis 7. November in Jerusalem. Der Prinz, dessen Wissenseifer, schnelle Auffassung und herzgewinnende Freundlichkeit gleich bewundernswerth sind, benutzte in schier unermüdlicher Allsdauer seinen kurzen Aufenthalt zur Besichtigung nicht nur einer großen Zahl der geschichtlich denkwürdigen Orte, sondern auch eines Theils derjenige Stätten, in denen die edelgesinnten Bewohner unseres Vaterlandes, Bekenner der verschiedenen Konfessionen, durch ihre Beauftragten das Elend der gegenwärtigen Bewohner der heiligen Stadt zu lindern bemüht sind. Jll Begleitung des Kapitänleutnants von Ammon und des Konsuls Dr. Schmidt, der wie seine Amtsvorgänger allen unter deutschem Schlitze stehenden Wohlthätigkeitsanstalten ohne konfessionellen Unterschied Wohlwollen und Förderung zuwendet, beehrte Prinz Adalbert auch das neue, unter Leitung des Frankfurter Spitalkomitees (Vorsitzender Herr Rabbiner Dr. Salomon Breuer, Schriftführer Herr Dr. Israel Ro os) stehende KrankenhausSchaarüZedek am Mittag des 5. November mit seinem Besuche. Das neue Hospital Schaarü Zedek, das bereits gelegentlich der Anwesenheit Sr. Majestät des deutschen Kaisers in Jerusalem im November 1898 dessen Aufmerksamkeit erregte, steht unter dem Schutze der deutschen Negierung. Dasselbe ist be» kanntlich nahezu vollendet und soll in den nächsten Wochen seiner Bestimmung, die Nothlage der armen jüdischen Krallten hier zu lindern, übergeben werden. Mit eingehendstem Interesse besichtigte der hohe Gast die einzelnen Säle und Zimmer des Neubaues, so zunächst den im Erdgeschoß gegenüber der Eingangshalle gelegenen, einfach und würdig dekorirten Betraum, in dem eben der Thoraschrein ausgestellt war, die anstoßenden Einzelzimmer und die große, geräumige Küche, in der die Speisen für die aus Entbehrung lind Elend im Spital hilfesuchenden Kranken bereitet werden sollen. Alsdann ließ sich der Prinz in das obere Stockwerk geleiten, das zum eigentlichen Aufenthalt der bettlägerigen Kranken bestimmt ist, in die Räume der Männer- und Frauenabtheilung, wie in den zwischen beiden gelegenen Kindersaal lind das Operationszimmer. Seinen besonderen Beifall fand es. daß durch Ausstellung einer großen Zahl von Blattpflanzen und Blumen, die in der wasserarmen Stadt zu pflegen besonders schwierig ist die einzelnen Räume traulicher und wohnlicher gemacht sind. In liebenswürdigster Weise erkundigte sich der hohe Gast nach den Einzelheiten des Betriebes, wie Zahl der Kranken. Alter der aufzunehmenden Kinder, Wasserversorgung durch die Chsternen u. s. w.. und scheute auch nicht die Mühe, eine der flachen Dachterrassen zu ersteigen, von der man sowohl über die Gesammtanlage des Spitals, seine Jsolirpavillons, Chsternen und Nebengebäude einen guten Ueberblick hat, wie zugleich bei der hohen, freien Lage des Hauses eine schöne Fernsicht genießt. Am Schlüsse der eingehenden Besichtigung trug Prinz Adalbert — ebenso mehrere Herren seiner Begleitung — seinen Namen in das Gedenkbnch des Spitals ein und sprach über das Gesehene, insbesondere, daß in der ganzen Anlage für Luft und Licht so ausreichend gesorgt sei. volle Anerkennung und Lob aus. Von den Offizieren des Kriegsschiffes „Charlotte" besichtigte am folgenden Tage noch Marinestabsarzt Dr. Nenninger das neue Krankenhaus und gab seiner besonderen Befriedigung über Bau und Einrichtung und dem Wunsche einer segensreichen Wirksamkeit schriftlichen Ausdruck. Die Eröffnung des Spitals soll erfolgen, sobald der Nest der Einrichtung aus Europa eingetroffen sein wird. Wie wir erfahren, haben Bau und Einrichtung solch' große Summen erfordert, daß das bisher vorhandene Kapital und die für drei Jahre gezeichneten Jahresbeiträge nur hinreichen, um die Hälfte des für 60 Betten bestimmten. Krankenhauses dem Betriebe zu übergeben. Möchte doch bei einem solch' großen Liebeswerke sich die allgemeine Betheiligung recht schnell und in dem Grade steigern, daß es sehr bald möglich sein wird, das Krankenhaus in seinen! ganzen Umfange in Betrieb zu setzen. Von Nah und Fern. Aus Anlaß des kaiserlichen Geburtstages haben erhalten: James Simon den Rothen Adlerorden IV. Klasse, die Rothe Kreuzmedaille II. Klasse Kommerzienrath Emil Jacob, die Rothe Kreuzmedaille III. Klasse Kommerzienrath Ferd. Man heim er, Geh. Kommerzienrat!) L. M. Goldberger. — Der Maler und Nadirer Hermann Struck ist zum Mitglied der klo^al 8oiüvt^ ot' kanitei-Lebers null Ln§rrnv6t s in London gewählt, der holländische Maler JosefJsraels zum Ehrenmitglied der Berliner Sezession ernannt worden. — Das Fest der Silberhochzeit feierten am 23. d. M. der durch seinen Wohlthätigkeitssinn allgemein bekannte Kaufmann Moritz Kristeller, Mitinhaber der Engrosfirma Gebrüder Kristeller, und dessen Ehefrau Anna geb. Nosenbaum. — Der am 20. d. M. verstorbene Dichter Ernst Wiehert war ein warmer Freund der Juden und ein entschiedener Gegner des Antisemitismus. Er hat dem in verschiedenen Erzählungen und in seinen Lebenserinuerungen kräftigen Ausdruck gegeben. Ehre seinem Andenken. — In Spremberg ist am 34. d. M. der Kreis- Physikus Sanitätsrath Dr. I. Davidsohn im 68. Lebensjahre gestorben. — Zum Religionslehrer an den beiden königlichen Gymnasien in Posen ist Rabbiner Dr. Josephsohn aus Lauenburg in Pommern gewählt und vom Provinzialschulkollegium bestätigt worden. — Am 9. d. M. hielt Dr. Moses Marx, der neue Rabbiner des Vereins zur Wahrung der religiösen Interessen des Judenthums in der Provinz Westfalen, seinem Einzug in dem nunmehrigen Rabbinatssitz Recklinghausen. — Der König hat, wie im Amtsblatt bekanntgegeben wird, durch Erlaß vom 2. Dezember 1901 der von dem verstorbenen Privatmann Sußmann-Una nach dem Inhalt des Testaments vom 18. Juni 1893 zur Unterstützung alter bedürftiger jüdischer Männer mit 150,000 Mk. unter dem Namen „Snßmann-Una'sches Vermächtniß" zu Frankfurt a. M. begründeten Stiftung auf Grund der Statuten vom 18. Oktober 1901 die Genehmigung ertheilt. — Zu Landgerichtsräthen am Landgericht München I wurden ernannt: der II. Staatsanwalt Dr. Alfred Neumeyer und der Amtsrichter Alexander Ansbacher. — Nicht in Pforzheim, sondern in Forchheim in Bayern ist der Lehrer Kleemann, welcher jüngst ausgezeichnet wurde. — Der Staatsrath Camille Lyon in Paris ist an Stelle des verstorbenen Dichters Eugone Manuel zum Mitglied des israelitischen Centralkonststoriums von Frankreich gewählt worden. — Auch der Erziehungsrath, die höchste kantonale Instanz in Zürich, hat jetzt über die Schreibfrage am Sabbath gesprochen. Es heißt in dem Bericht über die letzte Sitzung desselben kurz und bündig: Einem Rekurs gegen den Beschluß einer Bezirksschulpflege, wonach Kinder israelitischer Konfession Samstags vorn Schreiben und anderen manuellen Fertigkeiten nicht zu dispensiren seien, kann aus rechtlichen Gründen keine Folge gegeben werden. — Am 30. Dezember hat in Genf eine Versammlung von Studenten und Studentinnen, darunter Bulgarier Georgier, Juden, Mazedonier. Polen und Russen, stattgefunden, welche beschlossen hat. dem Zionistenkongreß ihre tiefe Empörung und Verachtung auszu drücken wegen des Huldiguugstelegrammes, das der Kongreß an den Sultan Abdul Hamid gesandt hat. — In Jassy hat am 11. d. M. der Kongreß der israelitischen Kultusgemeinden Rumäniens stattgefunden. 45 Delegirte aus allen Theiler. des Landes wohnten dem Kongresse bei, zu dessen Präsidenten Herl Brociner-Bukarest gewählt wurde, während ihm die Herren A. S Goldenthal-Jassy und Juster als Vizepräsidenten zur Seite standen. — Vor dem Kreisgerichte Küstendil fand dieser Tage die Verhandlung gegen 23 Personen statt, welche angeklagt waren, an den im vergangenen Sommer Hierselbst stattgefnndenen Judenkrawallen Thei: genommen zu haben. Von den Angeklagten wurden Chr. Tonischow und Chr. A. Leschtnika zu je drei Jahren und vier Monaten Kerke und St. Z. Peschew zu sieben Tagen Gefängniß verurtheilt während die übrigen 20 Angeklagten freigesprochen wurden. - Nach einem heftigen Wahlkampfe wurde Lewis Cohen zum Bürger Meister voll Adelaide gewählt. 1879 wurde er zum Vorsteher der jüdischen Gemeinde und 1890 zum Bürgermeister gewählt- E mußte jedoch nach Ablauf von zwei Jahren das Amt nieder legen, da sein umfangreiches Geschäft seine ganze Zeit absorbirte Aus demselben Grunde mußte er, der seit 1887 in dem Parlamente North Adelaide vertritt, ein ihm angebotenes Ministerportefeuille zurückweisen. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauchwitz in Berlin.

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