Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1902)
- Date
- 1902-01-31
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Miscettrn. — Ein Volksvertreter von drei Konfessiorlen. Aus Pest schreibt man: Herr Dr. P. war hier früher Advokat, dann versuchte ec es mit der Schriftstellerei, und als eres auch bei dieser Thätigkeit auf keinen grünen Zweig zu bringen vermochte, kam ihm vor einigen Tagen plötzlich der „rettende Gedanke", sich einmal als Volksvertreter zu versuchen. Gedacht, gethan. Er ließ sich also von den Anhängern der Kossnthpartei in der weit drallsten in der Pustta gelegenen Ortschaft Tisza-Lök, von deren Vorhandensein bisher der Herr Doktor selbst kaum etwas geahnt hatte, zum Reichstagskandidaten ausftellen und begab sich bald darauf selbst dorthin, um sich seinen Wählern vorzustellen. Am nächsten Tage hielt der Herr Doktor seine Programmrede, welche die Tisza-Löker begeistert anhörten. Mitten in seiner Rede, als. die Thurmuhr gerade 12 Uhr Mittags schlug, unterbrach sich der Redner plötzlich und machte andächtig dreimal das Zeichen des Kreuzes. Zu seinen über diesen religiösen Geiühlsausbruch des Herrn Doktors etwas verwunderten Zuhörern sprach sodann der Redner: „Verübeln Sie es mir nicht, geehrte Wähler, daß ich Mich unterbrach, aber ich bin ein strenggläubiger Katholik, und das Erste nach dem Vaterlande ist mir Gott. Dann kommen Kossuth und die heilige Jungfrau." Nach diesen Worten durchbrausten stürmische Hochrufe die Lüfte, und das fromme Landvolk hatte große Freude an seinem so frommen Kandidaten. Am Nachmittag desselben Tages hielt, der Herr Doktor in einer anderen Ortschaft seines Wahlbezirkes noch eine Prograulmrede. Dieselbe begann er mit den Worten: „Auf meine Ehre als guter Protestant, auf mein protestantisches Gewissen versichere ich Sie. daß ich ein unerschütterlicher Anhänger derKossuthpartei bin, dieser Partei, welche unter ihren Mitgliedern solche hervorragende Protestanten zählt, wie Ludwig Kussuth, Franz Rakoczh.! Gabriel Bethlen, Kalvin und meine Wenigkeit!" Auch hier unter-! brachen stürmische Beifallsbezeugungen der Menge den Redner, der am Ende seiner Programmrede von den Zuhörern auf die Schultern gehoben wurde. Am nächsten Tage mußte der Herr Reichstagskattdidät noch in einer drittelt Ortschaft, wo es besonders viele Juden gab, eine Rede halten. Dabei bemerkte der praktische Herr Doktor unter anderem: „Geehrte Wähler! Ich stehe ganz zerknirscht vor Euch. Ich ' will ein schweres Verbrechen bekennen, welches ich begangen habe. Ich war auch ein armer „Bocher". Ich sah aber, daß ich als Jude kein Fortkommen finden werde, und da liest ich mich, vom Ehrgeiz ver- > blendet, dazu verleiten, mich taufen zu lassen. Ich verrieth den! Glauben meiner Väter; doch glaubet mir, nur äußerlich. In meinem! Herzen bin ich auch heute noch ein aufrichtiger Jude, wie es mein Bruder, der Rabbiner, und wie es meine ganze Familie ist. Verzeihet, meine Brüder, meinen Fehltritt und stoßt mich nicht von: Euch!" Helle Thränen stiegen dem Zerknirschten in die Augen, aber auch alle Anwesenden wurden von Rührung übermannt. Jeder trachtete^Dem „reuigeu Juden" die Hand zu drücken, und Alle versprachen, einzig und allein ihn zu wählen. — Katholik, Protestant und Jude in einer Person und zu gleicher Zeit, das ist zwar ein bischen viel, aber was thut man nicht, um Volksvertreter zu werden.; Dey Versandt der beliebten Packung in Pergamenttafeln hat wieder begonnen und mache ich auf meine Verkaufsstellen an allen größeren Plätzen Deutschlands aufmerksam. HT wird unter Aufsicht deS H. Rabbiner Brrtteuwiefer MNHTT kVS von Straßburg i.E. hergesleM. ist anerkannt dabeste und billigste Pflanzenfett, «sBTsTkVtz das im Handel ist. IV!. IVl. klapp, knanlckuri a.IVIain. VS" ^ci. Oolcksadmiclt ' Ssi-lin O., Reue Pri6dri6li8tra8S6 45. Kostenfrei 11 U^S11tg>g. . . wissenschaftlichen,,-feuilleronistische Zeitschrift n Mittwoch. 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