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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-01-24 · Heft 4 (24.1.1902) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 4 (24.1.1902)
Date
1902-01-24
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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L -Berlin, 20. Januar. Das Kuratorium der Pensions- Witt wenun d Wai senk asse des Verbandes der jüdischen Lehrervereine hielt am 29. v. M. eine Sitzung ab. Anwesend waren außer sämmtlichen Vorstandsmitgliedern die Herren Dr. Barrach- Berlin, Herbst-Lissa, Leszynsky-Berlin und Professor Dr. Philippson- Berlin. Entschuldigt haben sich die Herren Direktor Dr. Adler-Frank» furt a. M., Blumenfeld-Adelebsen und Steinhardt-Magdeburg. Der Vorsitzende Herr Hauff wies darauf hin. daß eines der thätigsten Mitglieder. Herr Direktor Dr. Adler, durch das Hinscheiden seiner Mutter an der Theilnahme verhindert sei und schlägt vor. ihm anläßlich des schweren Verlustes, der ihn betroffen, zu versichern, daß das Kuratorium aus tiefstem Herzen seinen Schmerz theile. Nach Annahme dieses Vorschlages begrüßt der Vorsitzende das neu in das Kuratorium eingetretene Mitglied Herrn Leszynsky von dessen Mitarbeit das Kuratorium sich ein gedeihliches Wirken versprechen dürfe; Herr Leszynsky erklärt, mit ganzer Kraft für die Interessen der Kasse wirken zu wollen. Alsdann theilte der Vorsitzende mit. daß Herr Meyer sein Amt niedergelegt, dem Kuratorium aber seine fortdauernde Sympathie für die Kasse zum Ausdruck gebracht habe. In einem Schreiben an ihn wird mit Bedauern von seinem Entschluß Kenntniß genommen und ihm der Dank des Kuratoriums für seine bisherige Mitarbeit übermittelt werden. Darauf verlas der Schriftführer den Jahresbericht; die Versammlung beschließt, den Bericht dem Druck zu übergeben, sobald der Schatzmeister, Herr Loewenberg, den Kassenbericht geliefert hat. dessen definitive Aufstellung erst erfolgen kann, wenn die Bank für Handel und Industrie das Kontokorrent eingesendet hat. Darauf legt der Vorsitzende folgenden Antrag des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen auf Abänderung des § 14 der Satzungen der Kasse vor: „Alljährlich wird nach Maßgabe der vorhandenen Mittel aus den der Kasse zur Verfügung gestellten Zuwendungen. Geschenken und Zinsen von dem Kuratorium eine Summe bestimmt, aus welcher den Proviuzialkassen Zuschuß geleistet werden soll, wenn diese die Einhaltung einer vom Kuratorium festzusetzenden Minimalquote nachweislich nicht festznhalten in der Lage sind." Nach einigen erläuternden Bemerkungen des Vorsitzenden ging die Versammlung aus sachlichen und geschäftsordnungsmäßigen Gründen sowohl über diesen Antrag als auch über die Anträge des Herrn Nathan-Rakwitz zur Tagesordnung über. Da baldigst die erste Generalversammlung der Mitglieder der Kasse einzuberüfen ist, wird der Beschluß gefaßt, dieselbe für den 5. Februar 1902 festzusetzen. Schließlich wurde die Anregung gegeben, für den größten Theil des Grundfonds behufs besserer Verzinsung eine erste Hypothek zu erwerben und zur Berathung dieser Angelegenheit eine Kommission, bestehend aus den Herren Bamberger, Leszynsky und Loewenberg, eingesetzt, die geeignete Vorschläge machen soll. 8L2 Berlin, 21. Januar. Das Kuratorium für die hebrä' ischen Sprachkurse theilt uns mit. daß der Unterricht, den die Herren Dr. S. Bernfeld, Albert Katz und Dr. Renzer ertheilen, mit Rücksicht darauf, daß er für Erwachsene, und zwar für Damen und Herren, bestimmt ist, auf Grundlage moderner Lehrmethoden sofort in die Sprache selbst einsühren und so vom ersten Tage ab das Interesse der Hörer erwecken wird. Derselbe findet Abends 8V2 Uhr statt, das Lokal wird den Hörern noch mitgetheilt werden. Die Auswahl der Tage bleibt der Verständigung zwischen obengenannten Herren und den Hörern Vorbehalten. Honorar für den Unterricht wirb nicht erhoben, sondern nur eine Einschreibegebühr von 1 Mark pro Semester. Anmeldungeil zur Theilnahme am Unterricht nehmen die Herren Ludwig Behr, Heinersdorferstr. 1, Dr. S. Bernfeld, Linienstr. 110 (3—4 N.), Albert Katz, Rosenstr. 17, Dr. Renzer, Dragonerstr. 46 (3—4 N.). Dr. E. Simonsohn, Schöneberg, Gustav Freytagstr. 2 (4—5 N.). Frl. Lina Tauber, Neue Königstr. 15, I. H. Wagner, Joachimstr. 6 <3—4 N.) entgegen. Berlin, 20. Januar. Die vereinigten CH ö re der Gemeindesynag 0 genzu Berlin veranstalten am Sonntag, den 16. Februar 1902. Abends 7^ Uhr in der Synagoge Lützowstraße No. 16, zum Bestell ihrer Unterstützungskasse ein Konzert, zu dem die königliche Kammersängerin Frau Emilie Herzog, die Konzertsängeriunen Fräulein Vera Goldberg, Betsy Schott, Jenny Alexander, die Herren: Rudolf Berger, königlicher Hofopernsänger, Willy Benda (Violincello), Alfred Holy. königlicher Kammermusiker <Harse), Hugo Posse, königlicher Kammermusiker (Harfe). Professor Dr. Heinrich Reimann (Orgel). Paul Rabe (Orgel) ihre Mitwirkung zugesagt haben. Die Chöre werden von den vereinigten Syuagogenchören unter Leitung deS königl. Konzertmeisters Herrn Fabian Rehfeld. Dirigent des Chores Lützowstraße, ausgeführt — Berlin, 20. Januar. Gegen den Grafen Pückler-Klein- Tschirne ist ein neues Strafverfahren wegen der bekannten Rede eingeleitet worden, die er am 17. November v. I. in den „Konkordiasälen" in Berlin gehalten hat. Graf Pückler sprach damals über seine Vernrtheilungen in Berlin und Dresden und griff dabei neben den Juden, die er wiederum mit Dreschflegeln auszutreiben empfahl, auch die Behörden auf das Heftigste an, da sie nach seiner Meinung „wie toll und verrückt hinter den Juden herliefeu". Wegen letzterer Aeußerullg wurde die Versammlung damals von dem überwachenden Polizeileutuant aufgelöst. Die Anklage gegen Graf Pückler richtet sich daher nicht nur auf ein Vergehen gegen die öffentliche Ordnung, sondern auch auf Beleidigung der Gerichtsbehörden, und zwar speziell auf Beleidigung der Richter der neunten Strafkammer des Landgerichts I in Berlin, die seinerzeit den Grafen zu einer Geldstrafe von 500 Mark wegen Aufreizung zu Gewaltthätigkeiten verurtheilt haben. Xp. Bus der Provinz Posen, im Januar. In der in diesem Monat stattgehabten Generalversammlung der 144 Mitglieder zählenden freiwilligen Feuerwehr in Ostrowo wurde dem Glasermeister Julius Tisch ans Anlaß seiner 25 jährigen Zugehörigkeit als Obersteiger der Wehr ein Ehrendiplom überreicht; außerdem wurde der langjährige Rendant des Vereins, Rentier Isidor Gold mann, Schwiegervater des Rabbiners Dr. Hepuer in Koschmin, zum Ehrenmitglieds ernannt. Ein schöner Beweis von Harmonie unter hiesigen Bürgern verschiedener Konfession, wozu allerdings die rege Wirksamkeit derJudeu an gemeinnützigen Bestrebungen erheblich beiträgt. — Zum Vorsteher der Synagogengemeiude inWr eschen ist Kaufmann Hugo Ehren fried wiedergewählt worden. — Der israelitische Frauenverein in Ostrowo begeht im Februar das Jubiläum seines 60 jährigen Bestehens. — Rechtsanwalt Kantor owicz in Koschmin ist zum Stadtverordnetenvorsteher daselbst gewählt worden. — Die Repräsentanten der Synagogengemeinde in Schildberg haben den Rabbinatskandidaten Dr. Krauß aus Schönlanke zu ihrem Rabbiner gewählt. — Der etwa 40 Mitglieder zählende israelitische Bürgerverein in Ostrowo hat in seiner letzten Generalversammlung den bisherigen Vorstand wiedergewählt und beschlossen, die Vereinsthätigkeit auch auf Krankenbesuche unter den Mitgliedern auszudehnen und den Monatsbeitrag der Mitglieder von 50 Pf. auf 25 Pf. herabzusetzen. — Die Repräsentanten in Jnowrazlaw wählten neulich den Rechtsanwalt Latte daselbst zu ihrem Vorsitzenden und den Rentier M. Hendelsohn zu dessen Stellvertreter. Zum Gemeindevorsteher wurde Stadtrath und Bankier Salomonsohn, zu seinem Vertreter Rentier L. Sandler und als weitere Vorstandsmitglieder die Herren Assessor Dr. L. Levy, Kaufmann Julius Peyser und Kaufmann N. Kaufmann gewählt. — In der letzten Stadtverordnetensihnng zu Gollub wurde dem Beigeordneten nnd Kaufmann Arousohn, welcher nunmehr ununterbrochen 25 Jahre hindurch dem Magistrat angehört, der Titel „Stadlältester" verliehen. — Der israelitische Kränkenderem in Wr eschen hatte im abgelaufenett Jahre eine Einnahme von 228.25 Mk. und eine Ausgabe von 248.70 Mk. Das Vereinsvermögen beläuft sich auf 693.19 Mk. In den Vorstand wurden die Kattfleute Hermann Ziegel, Simon Grunwaldt, Sigismund Pollak, Louis Zlotnicki und Bernhard Engelmann gewählt. — Gegen die im März v. I. in Ostrowo stattgehabte Repräsentantenwahl wurde ans verschiedenen Gründen Protest eingelegt und auf den ablehnenden Bescheid des Regierungspräsidenten Einspruch beim Oberpräsidenten in Posen erhoben. Jetzt, nach fast 10 Monaten, ist die Wahl für giltig erklärt und die Einführung der neugewählten Vertreter angeordnet worden. — Der israelitische Leichenbestattungsverein in Jnowrazlaw hat die Bildung einer Frauenabtheilung für weibliche Leichen beschlossen. In den Vorstand wurden die Damen Frau Fanny Löwisohu, Frau Latte und Frau Sandler gewählt. — Die Vorsteherin des israelitischen Frauen-Krankenpflegevereins, Frau Bertha Kallom on in Ostrowo. beging kürzlich ihren 80. Geburtstag. Aus diesem Anlasse wurden ihr zahlreiche Ehrungen zu Theil. Rawitsch, 18. Januar. Der vor einigen Jahren hier verstorbene Bankier Wolf Asch, der viele Jahre dem Synagogenvorstande angehörte, hatte der Synagogengemeinde ein Legat von 15 000 Mark hinterlassen zum Zwecke der Begründung eines jüdischen Hospitals. Da das Bedttrfniß für ein solches als ein dringendes nicht anerkannt werde»» konnte, auch die hinterlasseue Summe für den gedachten Zweck

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