Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1902)
- Date
- 1902-01-24
- Page
- Seite 48 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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48 Von jüdischem Schwert und von jüdischem Kan,Pf, Von jüdischen Kriegern und Helden: Da waren zu rüstigen Streichen bereit, Die sonst sich den Werken des Friedens geweiht! Denn für das Heiligste stritten sie, Für der Väter erhabenen Glauben! Den sollte keines Feindes List Mit schnöder Gier ihnen rauben: Als Muster jüdischer Treue gilt Für alle Zeiten ihr reines Bild! Und die Noth — sie hörte nimmer auf! Die Jahre des Glanzes schwanden! Der Tempel, Zions heilige Burg — Des Römers Söldnerbauden Verbrannten zu Schutt und Asche ihn Und Juda's Stolz — er war dahin! Und Israel zog in die Welt hinaus Bis an die Grenzen der Erde, Daß weithin die Saat, die weinend es trug. In die Herzen gestreuet werde. An Treue und Gottvertrauen groß, So zog es hinaus zu furchtbaren, Loos! Ein Spielball der Völker, ein Opfer dem Haß. Verfolgt, gestoßen, getreten. Den Menscheujägern willkommenes Wild. Ein Ziel für schmähende Reden Und Beute dem vielgestaltigen Tod — Das war des Mittelalters Noth! Gelobt sei der mächtige Herr der Welt, Der froh verändert die Zeiten: Er wollt' auch dem vielgeschmähten Volk Ein besseres Schicksal bereiten. Die Wolken schwanden, die Kette fiel, Ausstrahlte des Lichtes ersehntes Ziel! Die neue Zeit zog langsam herhei Mit leis-majestätischen Schwingen. Um auch dem kleinsten Volke der Welt, Der Freiheit Segen zu bringen. Ob auch erst im Ringen, schwer und heiß. Sie ward ihm dennoch als Siegespreis! Und wenn auch aufs Neue ein frecher Troß Das herrliche Gut ihm will rauben, Aufs Neue ihm schmähet den alten Gott, Ihm schmähet Lehre und Glauben: Nicht wird es beirrt durch ihr häßliches Schrei'n, Es weiß ja: Gottwird mitihm sein! Litteratur: Und wirklich! Gott war ja seit je mit ihn,! Des bringe ich Euch nun Kunde. Er gab ihm des Geistes unsterblichen Trieb Als Balsam für jegliche Wunde, Als süßen Trost für jegliche Noth. Als Sieger über Vernichtung und Tod! Und niemals war dieses Geistes Trieb Aus Judas Mitte geschwunden. In ihm hat stets gegen jedes Geschick Es Wehr und Waffe gesunden: Ob ringsum tönte Schimpf und Hohn — Das Forschen blieb doch sein bester Lohn! Ob draußen furchtbar und schreckensvoll Auch reifte des Hasses Ernte: Der Jude blieb still und unbeirrt In seiner Klause und — lernte! Ob Alles ihn floh und Alles ihn mied — Still klagt' er sein Leid, still sang er sein Lied. Und stieg in des Wissens Diesen hinab Und förderte Schätze zu Tage Und schrieb und las und schärfte den Geist, Und scheute nicht Mühe und Plage Zu steuern in der Erkenntniß Land. Von Niemand geführt, von Niemand gekannt. Drum giebt es keines Wissens Gebiet, Das Juden nicht hätten bebauet, Wohin den suchenden Blick man kehrt. Ihres Forschens Spuren man schauet: In jeglichem Theil der Wissenschaft Gewahrt mau des Juden fördernde Kraft. Und so ists geblieben bis diesen Tag. Und nimmer kann neidisches Schmähen, Was die Geschichte als Wahrheit lehrt. In teuflische Lüge verdrehen! Drum wiffet's: Nimmer vergeht die Spur Der Herrlichen jüdischen Litteratur! Uns Beiden nun, wie schon gesagt, Hat diesen Verein man geweihet. Zu lehren, zu bereichern den Geist, Sich Vortrag an Vortrag reihet. Zu lernen, zu hören man eifrig sich naht, Und es reifet die schön gestreuete Saat! i Geschichte: Und seht! Da ve,flössen ein Lustrnm nun.! Seit mau dieses Werk begouueu, Drum strömen heute so rein und voll Der Freude sprudelnde Bronnen. Drum kommt man hierher zu fröhlichem Ziel, Zu schönem Gedenken, zu Scherz und zu Spiel! Litteratur: Nun, Schwester, wollen wir nicht auch Dem Verein unsere Wünsche bringe,,? Geschichte: Gewiß! Unser Segen sei ihn, gebracht Zu weiterem schönen Gelingen! Beide: Er blühe, wachse, gedeihe froh! Wir beide aber segnen ihn s o: Beide: Sei weiter dem hohen Ziele geweiht, Zu den, mau dich einst gegründet, Daß. eifrig bestrebt, ein Jeder in dir Des Geistes Erhebung findet. Sei Führer der Freude und Trost dem Leid, Bleib' stark und groß für ewige Zeit! «— Sprerhsaai. Sehr geehrter Herr Redakteur! ^)ie erste und letzte meiner Thesen, die in Nr. 3 der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" Seite 28 veröffentlicht sind, enthalten durch ein Versehen des Einsenders oder Setzers zwei mir peinliche Fehler. Ich hatte in der ersten These nicht „Verrohung", sondern „Verwahrlosung" und in der letzten nicht „der Bodenkultur und dl.:: Ackerbau", sondern „der Bodenkultur und dem Handwerk" geschrieben. Hochachtungsvoll Berlin, 16. Januar. Pros. Dr. Blaschte. Geehrter Herr Redakteur! ^as in Ihrer Nr. 1 der „Allgemeinen Zeitung des Jndenthums" A mitgetheilte Urtheil des Amtsgerichts Darmstadt, betreffend die Zuverlässigkeit der Juden bei Eidesleistungen, erfüllt mich zwar mit einer gewissen Genugthuung, ich möchte mich aber diesem Urtheil gegenüber etwas reservirt verhalten, da von anderer Seite in, entgegengesetzten Sinne etwa ausgesprochene Urtheile ausgebeutet werden könnten. Ich halte eine Aeusteruug des Richters in dem beregten Falle umbau,, für zulässig, wenn von gegnerischer Seite in dem Prozesse die Glaubwürdigkeit des Zeugen „als Jude" angezweifelt worden ist. Es ist aus jener Notiz nicht zu ersehen, ob dieser Zweifel ausgesprochen war, und wäre es daher erwünscht, wenn solches noch nachträglich festgestellt werden könnte. Stralsund, den 4. Januar. Hochachtungsvoll I. B. (^Aer National-jüdische Verein der Hörer an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin sieht sich zu folgender Mittheilung genöthigt: Die in der „Kölnischen Zeitung" vom 13. Dezember 1901 unter der Ueberschrist „Jüdische Streitfragen" gemachten Mitteilungen gehen ans uns, den National-jüdischen Verein der Hörer an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums, zurück. Wir sahen uns verpflichtet, diese zu veröffentlichen, lediglich aus dem Grunde, weil laut nuferer Quelle die geplante Eingabe des Nabbinerverbandes Angriffe auf das Nationaljudenthum enthalten sollte. Allen Erwiederungen gegenüber halten wir darau fest, daß die betreffenden Angaben von unserer Quelle weder als Vermuthung, noch als Erwartung, sondern als Faktum ausgesprochen worden sind. Auch sind diese von uns durchaus nicht entstellt oder mißverstanden worden. Berlin, den 13. Januar 1902. Der National-jüdische Verein der Hörer an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Jndenthnms in Berlin. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.