Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1902)
- Date
- 1902-01-24
- Page
- Seite 42 (sequence 8)
- Language
- German
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42 Centrumsfraktion, überraschend schnell zur Verhandlung. Schon am 14. November, beim Kapitel „Amtsgerichte", besprach der Finanzausschuß den „Antrag Heim und Genossen betreffend die Zulassung der Israeliten zum Richterstand", und zwar trug dieser Antrag da direkt den Titel: „Antrag auf Beschränkung der Anstellung von Israeliten im Richterdienst auf das Verhältniß ihrer Zahl zur Gesammtbevölkerungszahl." Bezeichnend ist es, daß diese ganz abrupt vom Zaune gebrochene Frage nicht nur eben schon nach zwei Tagen auf die Tagesordnung kam, sondern auch mit an der Spitze des gesammten Berathungsstoffes für den Justizetat 1902 und 1903 figurirte. Diese Berathung redet eine vernehmliche Sprache, noch deutlicher das Abstimmungsresnltat. Zwei ultramontane Stimmen (Daller, Lerno) mußten den liberalen und sozialistischen beispringen. Beweist erstere. wie tief der in Bayern latent gewähnte Antisemitismus norddeutschen Kalibers sich schon in die innere Politik eingefressen hat, so zeigt das Stimmenverhältniß erschreckend, daß es nur von der Gnade oder Laune eines so vom Wirbel bis zur Zehe erzklerikalen Parteifanatikers wie des Centrumschefs Dr. Ritter von Daller, der päpstlicher Hausprälat und Rektor des erzbischöflichen Lyceums zu Freising ist, abhing, ob der ultra reaktionäre Antrag durchginge. Die Ziffer „7 gegen 7" — wobei übrigens noch ein Mitantragsteller fehlte! — eröffnete auch noch weiter fatale Aussichten für einen Anschnitt der Sache im Plenum der Kammer, bei Gelegenheit desselben Kapitels, beziehungsweise der Berichterstattung über die Ausschußthätigkeit. Zumal es dort der Mundfrrtigkeit des Heißsporns Dr. Heim gewiß gelingen konnte, eine große Anzahl der leicht bestimmbaren Centrumsgefolgschaft aus der Klaff« der bäuerlichen Volksvertreter mit fortzureißen. So erschien, wo die bauernbündlerische „Freie Vereinigung" von Anfang au dem Antrag freundlichst Pathe steht, dessen Annahme fast zweifellos, und zwar mit erheblicher Mehrheit. Es ist das jedenfalls das Werk desselben konfessionell verbissenen Dr. Heim, der nur zwei Tage vor der Verhandlung dieses seines Antrags seiner allbekannten Intoleranz das Mäntelchen der Lammsunschuld mit den Worten umhängte: «Die „Augsbg. Abdztg." hat es fertig gebracht, in einem Falle, Ivo ich nur »m des konfessionellen Friedens willen das Wort ergriffen habe, mir konfessionelle Voreingenommenheit in die Schuhe zu schieben, während ich glaube, daß im ganzen Hause kein Kollege da sein wird, der mir nicht der Gerechtigkeit willen zugeben müßte, daß mein Bestreben hier war, aufzuklären und nicht zu verhetzen. (Sehr richtig! rechts.) Sollte ei» Kollege da sei», der das bestreiten wollte, so erhebe er sich. .... Ich bin mir auch bewußt, in meinem ganzen Lebe» nicht mit einem Worte und mit einer Zeile den konfessionellen Frieden gestört oder Jemandes konfessionelles Gefühl verletzt zu haben." Die „Augsburger Postzeitung" war das einzige der leitenden bayerischen Blätter, das die Sache besprach. In der Nr. 262 dieses intransigeanten Centrumsorgans vom 27. November heißt es wörtlich : „Das Judenthum im bayerischen Nichterstande.... Dieses Votum (das oben schon besprochene) ist für die Sache selbst ohne wesentliche Bedeutung, denn der Mehrzahl der Unterzeichner des Antrages war es nur darum zu thun, die Frage der Ueberwucherung jüdischer Elemente, die im Anwaltsstande ohnehin eine so große Rolle spielen, einmal in offizieller Form zur Sprache zu bringen. Daß eine grundsätzliche Ansschließung der Israeliten vom Richterstande gegen Gesetz und Verfassung wäre, darüber sind sich wohl Alle klar. Wie Dr. Pichler, so haben auch Andere den Antrag nur unterschriebe», um der Regierung ein warnendes „cavesnt eousules" zuznrufen. Mit Recht betonte Dr. Schädler, daß das Jndenthnm selbst die Hauptschuld am zunehmenden Antisemitismus trage, und zwar vor allen» dir jüdische Presse, welche fort und fort die heiligsten Gefühle der christlichen Konfessionen verletze. Der Justizminister war durch de» formellen Antrag genöthigt, eine genaue Statistik über die Ber tretung des israelitischen Elements im bayerische»» Richterstande bekannt zu sgeben. Nach der Berechnung des Ministers stellen die Juden 2,08 Prozent zu den Justizbeamten, während sie 0,9 Prozent der Bevölkerung ausniache». In Wirklichkeit sind sie aber mit 6 Prozent (nach Dr. Heim) in» Richterstande vertreten. Der Minister gab das prozentuale Mißverhältniß offen zu. Warum Hai er es trotzdem soweit kommen lassen? Warum bevorzugt er dazu noch die Jude» durch Stelle» in größeren Städten? In Preuße., weiß »nai» sich gegen diese Ueberwucherung besser zu helfen. Es giebi auch unter den Juden im Nichterstande hochachtbare Leute, aber ein Theil vermag sich von de» Traditionen seines „Milieus" niemals ganz zu trennen." Auf den Vergleich mit de,» preußischen, beziehentlich norddeutschen Verhältnissen einzugehen, den der vorletzte Satz der eben zitirten, wohl parteioffiziösen ultramontanen Kritik nahelegt, verzichten wir lieber. Allerdings könnte sich ein solcher Vergleich, namentlich mit der vorjährigen, durch den Abgeordneten Landgerichtsrath Peltasohn angeregten Interpellation im preußischen Landtage — wo die Verhältnisse theilweise ja umgekehrt lagen — sehr lehrreich gestalten. Es bleibe aber nicht unerwähnt, daß die drei große» „liberalen" Blätter, die links - nationalliberalen „Münchner Neuesten Nachrichten", das bei weitem verbreitetste Tageblatt Bayerns und Süddeutschlands, die rechts - nationalliberale, öfters freilich vom Berliner Preßbureau benutzte (Münchner! „Allgemeine Zeitung" und die „Augsburger Abendzeitung" dasOrgan des Beamteuthums und Sprachrohr des Ministeriums, keine Silbe der Beurtheilnng oder gar der Mißbilligung riskirt haben, aus den oder jenen Gründen. In der seit zwei Jahren stark dezimirten „liberalen" Partei, die sich bei alle» Wahlen in den Großstädten München und Nürnberg der erfolgreichen Unterstützung der daselbst zahlreiche» israelitischen Bewohnerschaft erfreute, ist das „freisinnige" Element, früher das maßgebende, arg in den Hintergrund gedrängt worden, so daß unter den 44 „Liberalen" der 159 Mann starken Abgeordnetenkammer höchstens ein vierte: Dutzend wirkliche Freisinnige sitzen , die sich solchen frivol unmotivirten Anstürmen gegen die israelitischen Mitbürger entgegenstemmen würden. Der einzige (süddeutsche) Volksparteiler Köhl (Würzburg), Besitzer des wackeren „Würzburger Journals", kann natürlich nichts ausrichten, und die elf Sozialdemokraten sind größtentheils durch ein unnatürliches antiliberales Wahlbündniß »nit dem Centrum in das Münchner Parlament eingezogen. So fällt es nicht schwer, zu erwägen wo die arg bedrohten staatsrechtlichen Interessen des loyale» Judenthums noch am besten geschützt werden. Diese Erkenntnis; und ihre nachdrückliche Beachtung wären keine zu theuer erkaufte Frucht aus dem jüngsten Vorstoße des bayerischen Centrums. Denn die Befürchtungen, die nicht nur die direkt interessirte» Israeliten des Königreichs Bayern — soweit sie, was längst nicht Alle thun, die öffentlichen Vorgänge offenen Blicks und Gewehr bei Fuß verfolgen — sondern alle einsichtigen und wirklich liberal denkenden Männer an den weiteren Verlauf der „November-Judendebatte" in der Münchener Abgeordnetenkammer geknüpft hatten, sind ja durch den Gang der Verhandlungen bei weitem übertroffen worden. Nur die strenge Sachlichkeit der wenigen nichtantisemitischen Redner nnd die Mäßil insult dernol die bl Die durch mache etwas brenn anges Aufm Nordt einer Hader gewüi wählt bring! Masse Jnvel reakti »im si minist derN zieinli offizie oder i ableh, stimm Erwin Bayer gegen. var Z Wort» n der >852 , >erbrc besuch Gesun sieh vi Ms i wurd« von i »ufrnk Ztud» Nit l »'enig träge der Hi spur vder hatte