Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1902)
- Date
- 1902-01-24
- Page
- Seite 38 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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38 wünschen das Verschwinden der Juden, aber Andere blos das '! Verschwinden des Judenthums; Alle sind aber darin einig, den >! Gedanken jüdischer Sammlung und Zusammenfassung zu i? hassen." Und dann weiter: „Baron Hirsch war nicht ein verlorener Jude, aber ich fürchte, daß seine Millionen werden! verloren sein." Und endlich: „Der Zionismus hat ein klares Ziel, die Hirschffchen Millionen haben keins. Wie ich von / Palästina gesagt habe: Gebt uns das Land ohne Volk, dem! Volke ohne Land, so sage ich vom Baron Hirsch'schen Ver-! mächtniß: Gebt die Millionen ohne Zweck dem Zweck! ohne Millionen." Da Herr Zangwill seine Rede mit einigen guten jüdischen Witzen spickte, so fanden seine Paradoxe und Antithesen natürlich lebhaften Beifall, aber sie waren doch selbst dem Vorsitzenden zu stark, so daß er den Antrag Zangwills nicht einmal zur Abstimmung brachte. Es ist von! Interesse zu erfahren, daß in der letzten Monatssitzung der! .^nKlo .bnvisb ^ssoeiatio» der Chacham Dr. Gaster, einer der l Führer des Zionismus, die Gelegenheit ergriff, um gegen die i von seinem zionistischen Gesinnungsgenossen Mr. Zangwill erhobenen Beschuldigungen in scharfen Worten zu protestiren. Dr. Gaster warf Mr. Zangwill Unwissenheit und Ungenauigkeit vor. Die Angelegenheit der palästinensischen Kolonien werden nicht von der C. ^., sondern! von einem unter dem überwiegenden Einflüsse des Baron j Edmond Rothschild stehenden speziellen Komitee geleitet, und Herr Zangwill hat daher seine Vorwürfe an eine falsche Adresse s gerichtet. „Die .1. L. sagte Dr. Gaster, will ebenso wie der Zionismus nur das Beste für das Judenthum und ich wünsche ausdrücklich, mich von der durch Unwissenheit hervorgerufenen Anklage des Mr. Zangwill loszusagen". Der Vorsitzende, Mr. Claude Montefiore, schloß sich seinerseits dem Proteste gegen Mr. Zangwills Anklage, die er als „wild und ungenau" bezeichnet?, an. Wie weit aber der theoretische Zionismus in der Umwerthung aller Werthe bereits gegangen ist, mag nur der eine Satz aus der Rede des Herrn Zangwill erhärten: „Im Jahre 68, als Titns um Jerusalem schlich, da entwischte der Vater des Antizionismus, Jochanan ben Sakkai, aus der heiligen Stadt in einem Sarge und floh in das römische Lager. Er war überzeugt, daß die Inden ohne Land leben können, blos von ihrer Thora." Solche kecke Aeußernngen stimmen genau zu der Mißachtung, die man der Thora und ihren Größen in jenem Lager entgegenbringt: sie stimmen genau zu der Scheu vor dem Worte „Kultnr", die bisher auf allen Kongressen einen recht traurigen Eindruck gemacht und diesmal sogar zu einem heftigen Zusammenstoß geführt zwischen den jungen Zionisten, die für die Kultnr sind, und den Führern, die ans Gefälligkeit gegen die russischen orthodoxen Rabbiner die Berathung der Kultursrage stets zu Hintertreiben versucht haben. In der zionistischen Jugend gährt es überhaupt sehr stark, und einer ihrer Führer hat das treffende Wort gesagt: „Wir müssen uns auf das Volk stütze«, nicht auf die Gefälligkeit des Sultans." Daß diese Bemerkung mit großem Beifall ausgenommen wnrde, zeigt immerhin auf eine Aendernng der Stimmung in diesem Kreise. Noch entschiedener hat einer der begabtesten unter den jungen Zionisten, Herr Martin Buber. auf dem Kongresse selbst dieser Mißstimmung in folgenden Worten deutlichen Ausdruck gegeben: „Herr Dr. Mar Nordau hat heute über die Fragen der geistigen Hebung des jüdischen Volkes in einer Weise zu Ihnen gesprochen, die auf meine Freunde und mich, — und ich darf wohl sagen, daß meine Freunde und ich hier einen guten Theil de jungen zionistischen Generation vertreteil — einen überall? schmerzhaften Eindruck gemacht hat. Wir haben, seit wi Zionisten sind, Max Nordan Liebe und Verehrung entgegen gebracht. Gerade deshalb aber muß ich hier Zeugniß ablegen daß wir durch die Art, wie Nordau diese unsere Sache behandelt hat, in unserem tiefsten Empfinden, im Kerne unseres seelische» Zusammenhanges mit dem Zionismus verletzt wurden." Ueber die Verhandlungen des Kongresses selbst haben wir bereits berichtet, sowohl über den Nationalfonds wie über di Organisation und über die Bank. Für uns ist die Hauptsache der Gesammteindruck, nnd da können wir nur dabei bleiben daß wir in der ganzen Entwickelung des Zionismus eine stet Wandlung zu praktischen Zielen erblicken, die vielleicht einmal auch zu greifbaren Resultaten führen könnte. Freilich wird bis dahin noch viel Zeit vergehen, viele Utopien, die di Zionisten hegen, werden verschwinden müssen, ehe die praktisch Kolonisations- und Kulturarbeit, der jeder Wohlmeinende im Interesse unserer unglücklichen Glanbensbrüder im Osten nur den besten Erfolg wünschen kann, in ihre vollen Rechte ein treten kann. So lange aber die Zionisten ihren unfruchtbarei Volkstranm fortspinnen und große Nationalitäts- und Nassem sragen in eine Gemeinschaft hineintragen, die ausschließlich durch das religiöse Element znsammengehalten wird, so lang? werden sie zu keinen» Praktischen Resultat kommen. Gerade die Behandlung der Kulturfrage sollte doch jene Männer da rüber ausklären, daß es absolut kein nationales Bindeglied zwischen den Juden der verschiedenen Länder giebt. Wir sind nun einmal keine Nation inehr, und wer die Rassenfrag? in unser Kulturleben hineinträgt, der zeigt dadurch, daß er für die geschichtliche Entwickelung des Jndenthums nicht da: geringste Verständniß besitzt, abgesehen davon, daß derartig Anschauungen über das Rassenproblem gar nicht mit den Ergeb nissen der modernen Wissenschaft übereiiistimmen, von der ja jene Herren, wenigstens nach ihrer Behauptung, sich so gern leiten lassen. Die Umwerthnng aller Werthe wird aber den Zionisten aus dem Gebiete des Judenthums ebenso wenig gelingen, wie es Friedrich Nietzsche auf dem Gebiete des europäischen Kulturlebens gelungen ist. Solange Juden leben, die Sinn und Herz haben für ihre Geschichte und ihr Bekenntniß, für die Vergangenheit und die Zukunft ihrer Gemeinschaft, so lange wirihnen auch Rabbi Jochanan ben Sakkai höher stehen als alle Zangwills und Nordaus der Welt. Denn dieser Jochanan be i Sakkai, der sich von seinen Schülern lebendig-todt aus der Stadt der rasenden Zeloten und der verzagenden Friedensfreunde hinaustragen ließ, um von dem römischen Imperator nichts als die Gunst zu erbitten, in Jabneh eine Schule gründen zu dürfe»», dieser Mann ist der edelste Typus der Verklärung des idealen Judenthums für alle Zeit. Denn er sah in den Flammen des Tempels und auf den Ruinen der Zionsstadt die Mission des Judenthums der Zuknnft im hellsten Licht? Das eherne Rom mußte untergehen, der Völker find viele von» Sturm der Weltgeschichte verweht worden, Israel aber mußte und wird fortbestehen durch den Geist, der aus der Misfions- »dee Jochanan ben Sakkais hervorgegangen: durch den Geist der Kultnr, der Aufklärurig, der Entwickelung zu den höchsten Zielen einer Weltreligion, wie sie nnsere Propheten und Psalmisten geweissagt haben. Aater Parte »ende k'nse» Hause! Leben aufge!>ird! einer iiit? hochz, Z?equ> eden zrüni L eute chlaf eld, viede Koni e rd er ie T cr rahrs l'dtu täru '-an; v ssen elion tbitr eiben a; v t nzi d P»t a >,ßi d i lrihei l'ruch as; n> -arm ließ! iahrz