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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-01-17 · Heft 3 (17.1.1902) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 3 (17.1.1902)
Date
1902-01-17
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 zu zwei Monaten Gesanglich verurtheilt, weil er bei einem jüdischen Lsichenbegräbnisse den dortigen Kultusbeamten während der Grabrede fortwährend durch nachahmende Worte und wiederholte Hepp-Hepp- Rnse gestört hatte. — Nachdem die Stadtgemeinde Tnchel nunmehr ill der Berufungsinstanz zur Leistung des Ersatzes des durch den vorjährigen Krawall entstandenen Schadens an der Synagoge verurtheilt worden ist, beschloß die Stadtverordnetenversammlung, den den jüdischen Bewohnern der Stadt bei dieser Gelegenheit zugesügten Gesammtschaden anznerkennen und die angemeldeten Forderungen durch eine Kommission prüfen zu lassen. — Der daselbst sungirende Schlachthausinspektor Thierarzt Moses wurde unter Zubilligung einer Gehaltszulage endgiltig als Gemeindebeamter augestellt. — Herr Kantor Otto Nathan ist von Neuen bürg nach Berlin übergesiedelt und ist die Stelle in N. wieder zu besetzen. Ebenso in der Gemeinde Stuhm, welche wegen zu geringer Dotirnng der Stelle schwerlich einen Beamten bekommen kann. 3. Kolberg, 14. Januar. Der siebenundzwanzigste Jahresbericht über die Verwaltung des „Jüdischen Kurhospitals" im Sool- und Seebade Kolberg ist soeben erschienen. Das ablaufende Berichtsjahr stand während seines ganzen Verlaufes vom Anfänge bis zum Ende dauernd im Zeichen des Niederganges sämmtlicher Erwerbsverhältnisse, und da die Anstalt fast ausschließlich von der freien Wohlthätigkeit lebt und zehrt, so trat der Vorstand am Beginn des Jahres mit recht bangen Sorgen irr die Geschäfte ein. Aber trotz der Ungunst, unter welcher Handel und Gewerbe im verflossenen Jahre schwer litten, darf die Anstalt dasselbe dennoch mit freudiger Genugthuung als ein besonders günstiges für die Entwickelung ihres Hauses bezeichnen. Durch die Zuwendung zahlreicher namhafter Schenkungen. Vermächtnisse und Stiftungen ist das Grundkapital wieder gewachsen, und die laufenden Betriebsmittel wurden von der freien Wohlthätigkeit wieder so reichlich zur Verfügung gestellt, daß die Segnungen des Hauses wieder erweitert und fast bis zur äußersten Grenze der Leistungsfähigkeit ausgedehnt werden konnten. Die Reineinnahmen, mit Ausschluß des vorgetragenen Kassenbestandes, haben 41216.71 Mark und die Reiuausgaben 21464.83 Mark betragen. Ferner sind 11600 Mark als namhafte Zuwendungen, Stiftungen und Vermächtnisse bestimmungs- und statutengemäß dem Grundvermögen zugefallen. Die Liste der Jahresbeiträge ist in diesem Jahre auf 1340 Mitglieder und eitle Beitragshöhe von l7061.50 Mark allgewachsen. Im ablaufenden Berichtsjahre haben 858 Personen Aufnahme in die Anstalt nachgesucht und 416 derselben die Aufnahme zugebiüigt erhalten. Davon sind 365 wirklich in die Allstalt eingetreten und haben in vier Kurperioden vom 28. Mai bis znm 30. September die Segnungen der Anstalt empfangen. Die Zahl der Pfleglinge ist daher gegen das Vorjahr zwar um 32 Personen gewachsen, hat aber nur annähernd die volle Zahl derer erreicht, denen die Wohlthaten des Hauses zugewendet werden können. s. Jrrowrazlaw, 7. Januar. Die Leiche des Kommerzienrats) s Julius Levy langte Freitag früh aus Frankfurt a. M. hieran. Bestimmt war es. die Leiche vom Bahnhof gleich nach der jüdischen Leichenhalle zu überführen, doch auf Wunsch des Magistrats wurde die Leiche mit Zustimmung der Hinterbliebenen in dem Stadtverordnetensitzungssaal aufgebahrt. Die Kosten der Dekoration des Saales hat die Kommunalkasse übernommen. Gestern fand die Beerdigung statt. Die Trauerfeier im Saale wurde durch eine Rede des Stadtraths, Rechtsallwalt Latte im Namen der Loge eröffnet. Dann sprach der erste Bürgermeister im Namen der Stadt. Die halbstündige Rede war inhaltsreich und würdig des großen Todten. Er betonte, daß nicht Jnowrazlaw allein, sondern der ganze Osten um den unersetzlichen Verlust trauert. Das Stadtverordneten- und das Repräsentantenkollegium haben sein Oberhaupt verloren, die Provinz ihren Abgeordneten, die Handelskammer ihr Vorstandsmitglied, der Vaterländische Frauenvereiu seinen Vorstand. Hierauf wurde die Leiche nach dem jüdischen Friedhof geleitet. Der Leichenzug war sehr groß; man sah dort Verwandte und Freunde des Verblichenen ans Warschau, Berlin. Breslau, Posen, Bromberg, die Gutsbesitzer der ganzen Umgegend, den früheren Oberpräsideuten voll Wilamowicz -- den Kommerzienrath Gocke. den Landrath Lucke, die Gerichtsräthe, Offiziere, den Magistrat mit den Stadtverordneten, den Synagogenvorstand mit dem Repräsentantenkollegium, den Landwehrvereitt u. s. w- Alls dem Friedhof hielt Rabbiner Dr. Kohn eine ergreifende Trauerrede. i. BreSlan, 10. Januar. Das 60 jährige Lehrerjubiläum des Dirigenten der Hebräischen Unterrichtsanstalt Rabbiner Dr. P. Neustadt bot seinen zahlreichen Schülern und Freunden willkommene Gelegenheit, ihm Zeichen ihrer Verehrung zu spenden. Aber auch die Behörden, Korporationen und Verbände wetteiferten mit ihren Glückwünschen. so der Deutsch-Israelitische Gemeindebund, Bund zu Berlin, die „Freie Vereinigung" für die Interessen des Judenthnms zu Frankfurt a. Main, der Verband der jüdisch?» Lehrervereine im Deutschell Reich, der schlesisch-posensche Lehrerverein, der Großherzoglich-Mecklenburgische Oberrath u. s. w. Im Aufträge der Stadtschuldeputatiou überbrachte Herr Rektor Speck in längerer Rede die Glück- und Segenswünsche der Schulbehörden, während die Herren Stadtschulrath Dr. Pfundtner und Stadtschnlinspektor Dr. Händler noch besonders schriftlich beziehungsweise telegraphisch gratnlirten. Der Vorstand und die Repräsentanten der Synagogeugemeinde ließen durch den Gemeinde- Repräsentanten Th. Oschinsky eine Jubiläumsgabe von 1000 Mark überreichen. Im Anschluß hieran richtete Herr Rabbiner Dr. Rosenthal namens eines Komitees all den Jubilar eine herzliche Ansprache, in der er dessen Verdienste um die Jugenderziehung würdigte und anerkannte. Der Jnbelfonds, dessen Sammlung noch nicht abgeschlossen ist, soll später überreicht werden. Zahllose Glückwünsche. Depeschen, Blumenspenden, Geschenke, auch poetische Widmungen liefen ein, n. a. von dem Vorsitzenden der Breslauer Dichterschule Herrn Karl Biberfeld, einem ehemaligen Schüler des Jubelgreises. Ratibor, 1. Januar. Herr Dr. med Arnstein überwies namens seiner Schwiegermutter, Frau Sanitätsrath Dr. Rosenthal, dem Vorstande der hiesigen Synagogeugemeinde die Summe von 1200 Mark zur Begründung einer „Sanitätsrath Dr. Simon Nosenthal-Stiftung" mit der Bestimmung, daß die Zinsen des Betrages alljährlich am Jahrgedächtnißtage des Verstorbenen zu Prämien all je einen jüdischen Schüler und eine jüdische Schülerin der beiden ersten Klassen der hiesigen höheren Lehranstalten ohne Rücksicht auf Bdurfti gkeit für beste Leistungen in der jüdischen Religion und Geschichte vertheilt werden. Diese Prämie soll in einem belehrenden, populär gehaltenen Werke aus dem Gebiete der jüdischen Religion, Geschichte oder Litteratur bestehen. „Ich glaube" — so heißt es in der Stiftuugsnrkunde — „im Sinne meines in Gott ruhenden, für das Judenthum stets begeistert gewesenen Gatten zu handeln, wenn ich mich in einer Zeit, in der der Jndifferentismus gegen die jüdische Religion unter deren Bekenuern unerwünschte Dimensionen anzunehmen droht, mit meinen bescheidenen Kräften bestrebe, in unserer Gemeinde jener unerfreulichen Erscheinung auch meinerseits durch Anseuernng der Heranwachsenden Jugend Halt zu gebieten." Diese Stiftung wird sicher auch in weiteren Kreiselt freudige Anerkennung finden und vielleicht auch in anderen Gemeinden zu ähnlichen Bestimmungen Anlaß geben. — Hamburg, 12. Januar. Der Pfarrer Krösell-Kloxin hat auch hier einen Pyrrhus-Sieg erfochten, indem er gegen den freisinnigen Versicherungsiuspektor Christian Timme eine Privatklage wegen Beleidigung erhoben hatte. Timme schrieb, nachdem er die berüchtigten Thesen des pommerschen Pfarrers in Sachen der Blutlüge gelesen hatte, au Pfarrer Krösell eine offene^Postkarte folgenden Inhalts: „Ich halte Sie für den größten Schuft und nicht würdig, die Kanzel einer Christengemeinde zu betreten, so lange Sie nicht den Beweis der Wahrheit antreteu über das, was Sie gegen die Juden geschrieben haben." Die Karte unterschrieb Timme mit seiner vollen Adresse. Pfarrer Krösell machte der Staatsanwaltschaft Anzeige, aber diese lehnte den Antrag auf Erhebung einer Allklage gegen Timme ab. Nun erhob Krösell Privatklage. Der Vertreter des Klägers. Rechtsanwalt Dr. Schwartze, beantragte eine erhebliche Gefängnißstrafe, während der Vertheidiger für Zuerkennung einer geringen Geldstrafe eintrat. Das Gericht verurtheilte den Beklagten zu 30 Mark Geldstrafe oder drei Tagen Gefängniß. In den Entscheidungsgründeu erklärte der Gerichtshof: Die Beleidigung sei zwar eine sehr schwere, aber in subjektiver Beziehung stehe dem Angeklagten, der offensichtlich von sehr impulsiver Natur sei, viel Milderndes zur Seite. Er habe sich zweifellos durch die Thesen des Pfarrers schwer gereizt gefühlt. Und dabei ist der Beklagte selbstverständlich kein Jude! (D Münster, 10. Januar. Der vierzigste Bericht über die Marks-Haind or fsche Stiftung zur Bildung voll Elementarlehrern und Beförderung von Handwerken und Künsten unter den Juden ljüdisches Lehrerseminar) für die Zeit vom 1. April 1899 bis

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