Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1902)
- Date
- 1902-01-17
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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66. Jahrgang. Ar. 3. Berlin, ^'nar 1902. 'Weikerge zur „Allgemeinen Zeitung öes Iuöenlyums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. Berlin, 12. Januar. Im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur hielt am9. d.M. der bekannte Kunstkritiker Herr Fritz Stahl einen sehr interessanten Vortrag über das Judenthum und seine Beziehungen zur bildenden Kunst. Da die Arbeit nächstens im Druck erscheint, so können wir uns ein näheres Eingehen auf die fesselnde Darstellung des Redners wohl ersparen und bemerken nur noch, daß der Vortrag von dem zahlreich versammelten distinguirten Publikum mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurde. — Zur Ergänzung unseres Berichts über die Generalversammlung des hiesigen Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur bemerken wir noch, das; auch Herr Heinrich Fränkel einstimmig in den Vorstand wiedergewählt wurde. — Aus den auswärtigen Litteratnrvereinen: In Brandenburg a. H. feierte der Verein sein fünfjähriges Stiftungsfest durch eine größere Veranstaltung; inPrenzlau und Schwedt a.O. sprach Herr Rabbiner Dr. Holzer über die Juden in Europa an der Pforte des 19. Jahrhunderts; in Men; el Rabbiner Dr. R o senth al- Stargard über Psalmen und Weltliteratur; in Stolp Redakteur Klausner über einen verkannten Volksdialekt; in Schroda Buchdruckereibesitzer Bernstein über die Geselligkeit im Lichte von Bibel und Talmud, Prediger Heine mann über die Makkabäer aus Anlaß des Chanukafestes; in Nawitsch Rechtsanwalt Dr. Blau-Frank- > furt a. M. über eine Frankfurter Judenordnung aus dem Jahre 1616;! in Ro gasen Dr. N o se n t h a l-Stargard über das Buch Sirach, in! Krotos ch i n Dr. Chodowski -Oels über den Talmild; inPleschen und Grätz Dr.H ol zer-Schwedt über das häusliche Leben der deutschell Juden im Mittelalter; in Ostrowo Dr. Münz-Gleiwitz über Kants Philosophie im Lichte der Weltanschauung; in Breslau Rechtsanwalt Joel über soziale Gesetzgebung und Altes Testament, Redakteur > Dr. I. Käst all über die Frauen im Judenthnm; in Ratibor! Landrabbiner Dr. Feilch enfel d-Schwerin über die jüdische Volks-! seele; in Leipzig Dr. E. Mittwoch über die Lage der Juden in den! mohamedanischen Ländern. Frau Regina N e i s s er-Breslau über die! Familie Humboldt in ihren Beziehungen zum Judenthnm; in Annaberg Dr. med. Joses Rufs über Freud und Leid im jüdischen - Hause; in Essen a. Ruhr Dr. Rosen thal-Köln über biblische z Stoffe im deutschen Drama des 19. Jahrhunderts; Landrabbiner Dr. Ma n h e i m e r - Oldenburg über den Talmud; in Gelsenkirchen Rabbiner Dr. Samuel-Essen über den jüdischen Geschichtsschreiber Flavius Josephus; in Elberfeld Dr. Auerbach über die Sitten - lehre im Talmud; in Frankfurt a. M. Dr. L o ew e n stei n-Mos-! bach über jüdisch-deutsche Volkslieder; in Wesel Lehrer Goldschmidt- Dortmund über das Chazarenreich; inAache n Direktor Dr. Loewen - berg-Hamburg über Ahasver in Sage und Dichtung; in München Oberkautor Kirsch n er über mittelalterliche hebräische Melodien und ihre Sangesweise, Siegmund Fränkel über die Zerstörung Jerusalems in der Poesie des Minrasch; in Nürnberg Dr. Ernst Tuch-Berlin über die Landwirthschast bei den Juden. — Neue Vereine wurden begründet: in Nenwied. wo Dr. Klee-Bonn über Jehuda Halevi sprach; in Vallendar und in Hoppstädten. wo Herr Bankier Kroneberger-Mainz einen Vortrag über die Frau im Judenthum gehalten hat. 82 Berlin, 14. Januar. Am 12. d. M. fand auf Einladung der Bne-Briß-Großloge Hierselbst in deren Räumeil, Wilhelmstr. 118, eine Versammlung statt, in welcher die Frage, ob auch in Berlin eine jüdische Tohnbee-Halle errichtet werden soll, erörtert wurde. Dem erstatteten Referat lagen die Ausführungen zu Grunde, die Herr Rechtsanwalt Placzek in Posen kürzlich bei Berathung desselben Gegenstandes in der Grotzloge gemacht hat über die Entstehung und den Zweck der Toynbee-Hallen. Wir werden dieselben nächste Woche ln ext6N8o bringen. Unter dem Vorsitz des Großpräsidenten Herrn Rechtsanwalt Timendorfer waren die anwesenden Herren der übereinstimmenden Ansicht, daß sich die Errichtung einer jüdischen Tohnbee- Halle auch für Berlin sehr empfehle, nur solle in Anbetracht der gegenwärtigen Zeitverhältnisse davon abgesehen werden, für diese Aufgabe einen besonderen Verein zu bilden. Der Zweck der Fortbildung werde von einer großen Anzahl jüdischer Vereine verfolgt, wenn alle diese angegangen würden, an der Errichtung und Erhaltung einer Toynbee-Halle mitzuwirken, dann wäre dieses Ziel ohne wesentliche Kosten zu erreichen. Diese Anregung wurde znm Beschluß erhoben und ein Aktionskomitee von acht Herren mit dem Recht der Cooptation gewählt, das schon binnen Kurzen; in einer größeren Versammlung über seine Thätigkeit, entsprechend den Absichten, die in der Debatte am 12. cr. geäußert worden, berichten dürfte. Ls. Berlin, 9. Jannar. Einerder ältesten der hiesigen Unterstützungs- und Wohlthätigkeitsvereine. der Verein „Schon; er laboker Nmischan Awelim", zur Unterstützung armer Leidtragender, feierte gestern Nachmittag 3'/2 Uhr in der dichtgefüllten alten Synagoge sein Stiftungsfest. Nach dem Minchagebet und Vorlesung ans der Thorarolle bestieg Herr Rabbiner Dr. Blumenthal die Kanzel zur Festrede, zu deren Text er Psalm 41, 1: „Heil Dem der sich der Armen annimmt, am Tage des Unglücks rettet ihn der Ewige" genommen hatte. In schwunghafter, Zn Herzen gehender Rede schilderte derselbe die idealen Tendenzen dieses Noth, Kummer und Elend nur in; Geheimen stillenden Vereins von seiner Gründung bis zum heutigen Tage. Gerade diese Art des Wohlthuns sei eine gottgefällige und nicht hoch genug zu schätzende. Er gedachte in wehmüthigen Worten der edlen Männer, die sich vor mehr als 200 Jahren bereits zur Gründung eines solchen Vereins zusammengeschaart, schloß mit dem priesterlichen Segen für Vorstand und Mitglieder des Vereins. Die Festgesänge wurden' in bekannter Weise von Herrn Oberkantor Epstein dirigirt. Mit dem Mariw (Abendgebet) schloß die erhebende Feier. Als Vorsitzender in; Vorstand des Vereins fungirt Herr Handelsrichter und Fabrikbesitzer I. Weinberg. Bus Westpreußeu. im Januar. In der kürzlich stattgehabteu Generalversammlung des israelitischen F r a ue n v e r e i n s Dirschan wurde beschlossen, der Gemeinde eine neue Chuppe (Trauhimmel) zu spenden. Gleich in der Sitzung wurde eine Kurrende behufs Zeichnung von Beiträgen für diesen Zweck aufgelegt und hinterher in der Gemeinde eirkulirt. Auch aus der Kasse des Vereins bewilligten die bewährten Vorstandsdamen, Frau LiPPseld und Frau Jakobh, eine namhafte Summe und nun ist die in der Kunststickereianstalt der Geschwister Bleichrode-Berlin gefertigte prachtvolle Chuppe, welche allgemeinen Beifall hat. zu einer jüngst gefeierten Hochzeit bereits für ihren Zweck geweiht bezw. in Benutzung genommen worden. — In Pr.-Stargard sind die Herren Fabrikbesitzer Goldfarb, Kaufmann Ar ns und Kaufmann Abraham Meher zu Vorstehern der Gemeinde gewählt worden. Der Vorsitzende. Herr Goldfarb, beabsichtigt in der dortigen Synagoge Orgel und Chorgesang einzusühren, welches Bestreben jedoch momentan auf Widerstand stoßen dürfte, da die dortige Gemeinde in ihrer überwiegenden Mehrzahl orthodox gesonnen ist. — Die Herren Fabrikbesitzer Gebrüder Fabian in Tuchel haben zum Andenken an ihre verstorbenen Eltern der dortigen Synagogengemeinde zur Begründung einer Familienstiftung einen Bauplatz und ein Kapital in; Betrage von 5000 Mark mit der Bestimmung überwiesen, ein Altenheim zn errichten, welches verschämten jüdischen Armen Aufnahme gewähren und den Namen „Elias Fabian'sche Familienstistnng" führen soll. — Bei der im Nathhanse zu Könitz unter Leitung des von der königlichen Negierung ernannten Wahlkommissars Herrn Bürgermeister G. Detitius vorgenommenen Wahl des V o rst a nd es d er S y u ag o g e nge m ei nde daselbst wurde der langjährige Vorsitzende der Repräsentantenversammlnng, Herr Kaufmann und Stadtverordneter Theodor Flater wiedergewählt. Zu stellvertretenden Vorstehern wurden die Herren Simon Altmann, Gustav Cohn und Max Cohn wiedergewählt. — In Pr.-Fri ed l an d wurde ein Arbeiter Namens Jguer