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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-01-17 · Heft 3 (17.1.1902) · p. Seite 36

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 3 (17.1.1902)
Date
1902-01-17
Page
Seite 36 (sequence 14)
Language
German
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L 7MMs,^itMsNLS88 36 Gesicht steht es nicht geschrieben. Es giebt Andere, die haben eine gebogene Nase, tragen Peies, überhaupt haben sie so etwas an sich, daß man sie sofort erkennen kann; aber ich? Dem Aussehen nach bin ich ein Herr wie jeder Andere, braunes Haar, gerade Nase, nicht schlecht gekleidet. Mein Pelz, Krimmer mit Tuch überzogen, ist bei einer Auktion auf dem Leihamt gekauft, ein schöner Pelz. Nicht jeder Herr hat solch einen Pelz. Der Kragen ist aus Polnischem Biber, ganz neu, im vergangenen Jahre erst aufgearbeitet, die Mütze aus Krimmer, gute Galoschen, ganz so, wie es sich gehört. Jeder, der mich sieht, denkt sich -. Da geht ein Herr in diesen: feuchten Wetter spazieren, den ficht das Wetter nicht an, er ist abgehärtet. Es paßt ihm, so geht er spazieren. Weiter von: Eentrum wurde es noch öder, aber er hatte nicht mehr die Furcht, daß ihn Jemand beim Kragen packen könnte, er beruhigte sich mehr und mehr. «Schluß folgt.) z viele neue Freuude gewinnen. Wir wollen daher nicht unterlassen, an dieser Stelle denselben angelegentlichst zu empfehlen. —-r. — In dem vor Kurzem erschienenen Werk von Heinr. Friedjung: Benedeks nachgelassene Papiere finden wir, Seite 338, folgende Bemerkung: „Benedek war ein gerecht denkender und zumal für die gemeinen Soldaten gütiger und denkender Befehlshaber. Als er, im Oktober 1860, als Kommandant des österreichischen Heeres in Italien in dieses Land kam. fand er noch den Brauch vor, daß die jüdischen Soldaten, anders als ihre Kameraden, ohne Sang und Klang bestattet wurden; er verfugte, daß auch sie mit den üblichen militärischen Ehren zu Grabe zu tragen seien." — Henry George, Moses. 1902. Berlin, I. Harrwitz Nach, folger. — Henry George, der Apostel der Bodenreform, gewinnt schnell einen immer größeren Kreis voll Anhängern, auch in Deutschland. Das Hauptwerk der Bodenreform ist bekanntlich Henry George's „Fortschritt und Armuth". Wer aber nicht zu diesen! dicken Buche greifen, sondern zunächst den „neuen Apostel" einmal in seiner Eigenart kennen lernen will, der greife zu dieser kleinen Broschüre. Die glänzende Sprache, die hinreißende Begeisterung, die auch diese Borlesung George's durchweht, lassen erkennen, welche Macht über Verstand und Gemüth dieser Amerikaner auszuüben vermag. Fitterarische Mittheilungen. --^Hebräischer Litteraturverei n „Mekize Nirdamim" '2^2 Berlin X.. im Januar 1902. Die geehrten Mitglieder des Mekize Nirdamim-Vereins erhalten die Schriften des 17. Jahrganges, und zwar: 1. Fortsetzung des? Bogen- 2. Schluß des 22 Bogen. 3. Schluß des ersten Bandes vom Diwan Jehuda Halevis, 8 Bogen. Vorzüglich die letzterwähnte Publikation darf uns mit besonderer Befriedigung erfüllen, da sie im wahren Sinne des Wortes ein Natioualwerk bildet, in der schönsten innern und äußern Ausstattung. Der Kommentator und Herausgeber, Herr Dr. H. Brody, verdient für das, was er von verschiedenen Gelehrten, besonders von den Herren Dr. A. Ehrlich und Professor W. Bacher, unterstützt - hierfür geleistet hat, die allgemeinste Anerkennung. lvie sie ihm bereits von den bedeutendsten Sachkennern der Gegenwart gezollt .worden ist. Es sind auch dafür Vorkehrungen getrosten, daß die Fortsetzung des zweiten Bandes des Diwan im nächsten Jahrgange erscheinen kann. Wir sprechen hierbei die Bitte aus, daß die Mitglieder sich bemühen mögen, die fernere Leistungsfähigkeit des Vereins nicht allein zu erhalten, sondern auch zu erhöhen, indem sie neue Mitglieder dem Vereine Zufuhren, zumal auch für den neuen Jahrgang wichtige Werke vorliegen, über die wir bei dem nächsten Rechenschaftsberichte näheres mittheilen werden. Neu eiutretende Mitglieder erhalten die ersten Lieferungen des Orrhoth Chajim gratis. Dr. A. Berliner. — Rabbiner Dr. Heppner: Jüdisch - litterarischer Abreißkalender pro 1902 (5662 <;3>. Koschmin, Israel Tuch. Es scheint, daß allgemach die bisher üblichen Kalenderausgaben in Buchform durch die Abreißkalender, die wohl in keinem Hause mehr fehlen, verdrängt werden sollen. Auch der bisher gebräuchliche „Luach" scheint nach und nach von^ der Bildfläche verschwinden zn sollen, um einem seinen wesentlichen Inhalt darbieteuden Abreißkalender Platz zu machen. Man legt eben heutzutage bei dem so überaus regen Verkehrsleben auf eine praktische und handliche Ausgestaltung eines täglichen Gebrauchsgegenstandes gar hohen Werth, eine Thatsache. die dem Abreißkalender eine so schnelle und umfangreiche Verbreitung verschafft hat. Und diese Thatsache ist wohl auch der Grund, weshalb der Rabbiner Dr. Heppnersche „Jüdisch-litterarische Abreißkalender", der jetzt zum dritten Male erscheint, eine so große Zahl treuer Freunde gefunden hat. denen er vermöge seiner besonderen Vorzüge ganz unentbehrlich geworden ist, und die ihn in diesen! Jahre mit um so größerer Freude begrüßen werden, als er diesmal wesentliche Verbesserungen und Erweiterungen erfahren hat, wodurch er derart vervollkommnet worden ist, daß er allen Anforderungen, die man billigerweise an einen Abreißkalender stellen kann, Genüge leistet. Zudem bietet er eine überraschende Fülle hochinteressanter Notizen aus der jüdischen Geschichte und Litteratnr nebst sinnreichen Sprüchen aus vortrefflichen Gedichten hervorragender Verfasser. Alle diese Vorzüge werden dem Heppnerscheu „Jüdisch-litterarischen Abreißkalender" noch Sprechfaat. Geehrter Herr Redakteur! (^^as „Korrespondeuzblatt sür den akademisch gebildeten Lehrerstand" schreibt: „In der „Frankfurter Zeitung" vom 20. Dezember findet sich folgende Annonce: Für nieinen Sohn, Oberlehrer am königlichen Gymnasium kleiner Stadt der Mark, 42 Jahre, jüdisch, suche passende Heirath. Offerten unter ll. 0. 9365 au die Expedition des „Berliner Tageblatt". Berlin Bei diesen bestimmten Angaben wird sich leicht feststellen lassen, ob hier ein akademisch gebildeter Oberlehrer gemeint ist. oder ob es sich um einen Elemeutarlehrer handelt. Nach dem neuesten „Kunze- Kalender" giebt es in einer kleinen Stadt der Mark keinen jüdischen Oberlehrer von 42 Jahren. Es kann sich demnach nur um einen kürzlich an ein Gymnasium der Mark berufenen Oberlehrer handeln. Wir empfehlen den Brandenburger Kollegen, nachzuforschen und gegebenenfalls öffentlich festzustellen, daß ein Oberlehrer nicht in Frage kommt, daß es sich vielmehr wahrscheinlich nm eine falsche Verwendung des Oberlehrertitels handelt." Es handelt sich hier offenbar um einen Herrn, der vor einigen Monaten zum Oberlehrer au dem Gymnasium ernannt worden ist. an dem er schon seit Jahren als Hilfslehrer verwendet wurde. Derselbe ist freilich bereits am 13. Oktober 1858 geboren, also ein Jahr älter, als in jener Annonce angegeben ist. Zn seiner Ehre wollen wir annehmen, daß er dieser Annonce sicher völlig sernsteht, die antisemitischen Kreisen ebenso willkommenen Anlaß zu Angriffen giebt. wie sie in jüdischen unliebsames Aufsehen erregt hat. X. Geehrte Redaktion! ^^ie brachten eine Warnung vor einem Studiosus Hopenfeld. Wahrscheinlich ist derselbe identisch mit einem Manne gleichen Namens, der im Oktober 1899 in Berlin war und sich als stud. med- Hoppenfeld vorstellte, damals allerdings als seine Heimath Bialystock angab. Ich habe den Betreffenden seinerzeit zur Rückreise nach Rußland verholsen und ihm Rubel 50.— nach dort geschickt. Hopenfeld schrieb mir darauf, der Brief fei ohne das Geld bei ihm angelangt. was mir absolut ausgeschlossen scheint. Vor einigen Monaten war H. wieder hier, woraus ich entnehme, daß es sich um dieselbe Persönlichkeit handelt. Ich möchte bei dieser Gelegenheit darauf aufmerksam machen, daß gerade von Studirendeu, wirklichen oder angeblichen, leider ein unverhältnißmäßig großer Prozentsatz zu den Schnorrern und Schwindlern gestellt wird. Berlin, den 10. Januar. Hochachtungsvoll C. Druck und Verlag von Rudolf Mosfe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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