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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-01-17 · Heft 3 (17.1.1902) · p. Seite 34

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 3 (17.1.1902)
Date
1902-01-17
Page
Seite 34 (sequence 12)
Language
German
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3t Badehause hat? Man löste das schwierige Problem, indem man die Bretter auf der abgekehrten Seite hobeln ließ. Hier begegnen wir auch der sonstwo verbreiteten Geschichte vom Abderiten, der nach einer Stadt (hier nach Lublin) geht, sich nnterwegs schlafen legt und seine Füße in der Richtung seines Reisezieles ansstreckt. Jemand, der gerade vvrübergeht, dreht den Schlafenden nach der entgegengesetzten Seite um, und wie Dieser hierauf seinen Weg in der Richtung seines imprvvisirten Wegweisers fortsetzt, kan» er seine Verwunderung nicht mäßigen, als er Lublin seinem geliebten heimischen Chelm ganz ähnlich findet und unterwegs sogar einem ebenso wie seine Ehehälfte triefäugigen und ihn mit Scheltworten überhäufenden Weibe begegnet. „Nun, nun, welches Wunder! Die ist doch ganz ähnlich meinem Frauchen." So ziehen in bunter Reihe witzige Geschichtchen 'an uns vorüber, die Lew kurz und bündig wiedererzählt. Ohne Mohnrecht. Aon V. H. Oljnei». Aus dem Nnssischen übersetzt von Dr. Amalie Klonower. III. in Umstand nur beunruhigte Jankel, daß Abramczyk eine gute Frau bekäme. Ja. wenn es eine zweite Sara Markowna gäbe und noch dazu gebildet. Heute aber ist eine andere Mode als früher; man heirathet nicht durch den Schadchen, sondern aus Liebe. Wenn sogar ein Schadchen die Partie vermittelt, macht man auch früher die Bekanntschaft unterhält sich »nt einander. Einer sieht den Anderen an. Früher war das anders. Jankel und Sara Markowna haben geheirathet und sich vor der Hochzeit überhaupt nicht gesehen- Der Schadchen hatte gesagt: „500 Rubel Mitgift und jung," lveiter wußte er von der Braut nichts. Er kam zur Trauung, das Gesicht der Braut war mit einen: Tuch bedeckt. Zn der Zeit wurde das Gesetz noch beobachtet. Jankel sieht hin, das darf er, aber er unterscheidet nichts. Hundert Rubel, denkt er, hätte er darum gegeben, um schueller das Gesicht seiuer Braut zu sehen. Auf dem Hofe wird die Chuppe aufgestellt, Musikanten sind da, ein schönes Orchester. Juden nnd Christen stehen gemeinschaftlich bei der Musik. — Endlich sah Jankel Sara Markowna und freute sich. Es schien ihm. Jemand hätte noch 500 Rubel zugelegt. Eine Schönheit! Die Augen schwarz, sanft. Nichts ungewöhnliches in ihrer Schönheit. Das ist alles Dummheit. Unsinn. Und was für eine Frau wurde Sara Markowna, eine ergebene, eine tüchtige, eine ordentliche Frau. Von dem letzteren hatte sich Jankel nicht nur durch Worte, nein, durch die That selbst überzeugt. Das war lange her, Abramezyk war erst drei Monate alt, an Cecilia noch nicht zu denken. Jankel beschäftigte sich schon damals mit Kommissionen, aber nicht selbstständig; er war Faktor bei Nuchim Turowski, ein ausgezeichneter Faktor; das ganze Gouvernement war seines Lobes voll. Da Nuchim alt war, trat er ihm Verschiedenes ab und rekommandirte ihn an den Fürsten Postroniu. Der war bekannt als der launenhafteste Mensch unter der Sonne, aber mit Jankel war er zufrieden; der verstand es, mit dem Alten umzn gehen. Dieser Fürst hatte vier Söhne; der älteste, Wassili, stand nicht weit von N. im Dienst und kam häufig zum Vater auf Urlaub. Er war ein schöner, stattlicher Mann. — Nun, einmal kommt Jankel nach Hanse und sieht vor seiner Thür eine Troika. Ah, denkt er, es ist Jemand von den Postronins hier. Er kommt an die Thür und hört, »sie Fürst Wassili mit Sara Markowna spricht und scherzt. „Warum sind Sie böse," sagt er. „Nicht mal scherzen darf man mit Ihnen? Und dabei sind Sie so schön! Wenn Sie nur wollten! Entfliehen Sie mit mir, ich mache eine Dame aus Ihnen, eine feine Warschauerin." Jankel lief es kalt über den Rücken; aber er hört weiter. Sara ärgert sich: „Hören Sie jetzt bald auf mit ihren Dummheiten?" „Warum Dummheiten, warum aushören?" fährt er fort. „Sehen Sie, bei meinem Vater auf dem Gute ist ein Beamter, der hat eine Tochter Rosa, ein reizendes Mädchen, aber nicht so spröde wie Sie. ein lustiges Mädchen, bei meiner Ehre." „Mag sein, aber das ist kein Modell für mich. Ein Mädchen kann sich bei uns noch etwas erlauben, aber wenn man verheirathet ist, hört alles auf. Das ist unmoralisch." Der Fürst beginnt zu lachen. „Unmoralisch? Man heirathet, und plötzlich ist es unmoralisch. Bei uns ist gerade das Gegentheil. Frauen ist alles erlaubt, Mädchen nichts." „Jeder hält an seinen Sitten," erwiedert Sara Markowna ernst nnd geht ins Zimmer. Jetzt öffnet Jankel die Thür und zeigt sich. Er thut, als ob er nichts voll dem Gespräch gehört habe. Nun beginnt der Fürst auch mit ihm zu scherzen. „Weißt Du, Jankel," sagt er, „du hast die entzückendste Frau, die ich kenne; aus Ehrenwort, man kann sich an ihr nicht sattsehen. Tritt sie mir ab, ich bringe sie nach Warschau. Willst Du eine Abfindungssumme? Fordere, so viel wie Du willst, ich gebe es gern." Jankel antwortete ruhig und ernst: „Ew. Hoheit irren, wir handeln mit dieser Art Waare ,licht; bei uns ist die Frau fürs Haus und nicht zum Verkauf." So fuhr der Fürst mit langer Nase ab. Aber Sara Markowna sagte Jankel nicht ein Wort davon; nur drei Tage später brachte er ihr einen Sammetpaletot mit Pelzbesatz zum Geschenk. Solch eine Frau wollte er auch für Abramczyk finden; nach seiner Meinung gab es keine bessere. Bisher hatte er immer auf Sara Markownas Rathschläge gehört, aber als es sich um seine Reise nach Petersburg im Aufträge Zotows handelte, bestand er hartnäckig auf seinem Willen, den Ermahnungen seiner Frau entgegen. „Alles Reden umsonst," sagte er, „ich fahre." Und er reiste ab. Unterwegs beruhigte sich Jankel mit der Hoffnung auf die Hilfe des Neffen. Er hatte ja dem Neffen geholfen, als der auf der Universität studirte, später hatte er für den jungen Advokaten eine reiche Braut gesucht und gefunden. Jankel hatte für den Neffen gethan, was in seiner Macht stand, jetzt sollte der Neffe für den Onkel dasselbe thun. War es denn so schwer, einen einzigen Menschen unterzubringen, und wenn Derselbe auch kein Wohnrecht hatte? Er war doch kein Dieb oder Schwindler.

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